Deutschland - Enricos Reisenotizen

Enricos Reisenotizen

Reisen, Reisen, Reisen, andere Länder und Menschen kennen lernen. Wir berichten über unsere ganz persönlichen Reiseerlebnisse und laden Sie ein mit uns neue Destinationen zu entdecken

Die Bahn, die Bahn, was die nicht alles kann

Wie ich zu einer begeisterten Bahnfahrerin werden könnte ….

Ich gebe es ja zu: meine erste Begegnung mit der Bahn war winterlich unterkühlt und das blieb daher für lange Jahre die einzige Erfahrung. Ich hatte genug davon. In jungen Jahren war ich mit der Bahn zu einem vorweihnachtlichen Skiurlaub unterwegs und ich schwor mir: Nie wieder! Zu viel Gepäck, Skischuhe, Ski und was man sonst noch alles braucht, am Bahnhof lange Gehwege und weit und breit kein Gepäckwagen – weder in Wien noch in St. Anton.

Kein Auto am Urlaubsort, festgenagelt im Winterörtchen mit teuren Hotels und noch vielen geschlossenen Lokalen in der Vorsaison (wofür die Bahn nichts konnte), das waren nicht meine Vorstellungen von Urlaub. Lange Jahre war daher das Auto oder das Flugzeug für weitere Strecken meine erste Wahl.

Los geht´s vom Wiener Hauptbahnhof - den ich übrigens - im Gegensatz zu anderen für sehr gelungen halte
Los geht´s vom Wiener Hauptbahnhof - den ich übrigens - im Gegensatz zu anderen für sehr gelungen halte.

Doch man wird älter und fauler und die Flugpreise immer teurer. So freute ich mich – besonders auf meiner Lieblingsstrecke Wien – Bochum über die Neuerung Fernbus. Die einfache Strecke um 39 Euro war eine Mezzie, an Bord gab es Stecker (=Strom) und meistens WLan, man wurde zwar langsam, aber doch durch die Gegend geschaukelt, konnte lesen oder am Computer arbeiten, eigentlich alles bestens. Ok, die Ankunftszeit um 1 Uhr in der Nacht (meistens zumindest etwas später) in Bochum war nicht optimal, aber erträglich.

Sieht doch gar nicht schlecht aus - in der Bahn ist mehr Platz als im Bus
Sieht doch gar nicht schlecht aus - in der Bahn ist mehr Platz als im Bus

Die Bahn kam eigentlich in meinen Überlegungen nicht mehr vor. Seltene Besuche der Buchungsseiten, die ich immer wieder unternahm, wenn ich Angebote wie „Um 19 Euro bis nach Berlin" sah, zeigten mir keine Sparschiene, sondern Preise zum Teil von über 200 Euro für die einfache Fahrt an – das war einfach nicht akzeptabel.

Ein erstes Umdenken setzte bei meiner Reise nach Budapest ein: bequem, pünktlich, WLan, Stecker und richtig schön gemütlich und leistbar!!

Los geht´s ...
Los geht´s ...

Doch nach Bochum hielt ich immer noch meinem Bus die Treue – doch bei der letzten Buchung der Schock: nicht nur, dass die Preise in die Höhe gehen, auch die Direktfahrt nach Essen gibt es einfach nicht mehr. Umsteigen in Prag? Berlin? Frankfurt? Mitten in der Nacht? - "Du hast eineinhalb Stunden Zeit für Deinen Umstieg…" Nee danke. Das ist uninteressant.

Also mal wieder die Suchmaschine – alle Verkehrsmittel bitte – angeschmissen und da tauchte sie plötzlich wieder auf: die Verschmähte. Direkt – für 69 Euro (mit Sitzplatzreservierung +3 Euro) und schon gebucht. Zwar nicht so billig wie der Bus, aber direkt.

Ausblick auf das beste Bier im Ruhrgebiet - die Fiege Brauerei
Ausblick auf das beste Bier im Ruhrgebiet - die Fiege Brauerei

Was soll ich sagen? Jetzt sitz ich hier bequem und fahre wieder nach Wien (ebenfalls direkt, ebenfalls für 69 + 3 Euro) genieße die Bahn und die Aussicht und bin bequem um 19:08 am Wiener Hauptbahnhof. Jaaa! Das ist es! Die Bahn ist wieder in!

Jetzt habe ich nur noch 2 Fragen:

Kann mir jemand erklären, wie ich am besten meinen (leider immer schweren) Koffer mit meinen 1.61 (vielleicht auch nur mehr 1.60) Metern ins Gepäckfach stemmen kann und wieder runter bekomme ohne Mitreisende, das Inventar oder mich zu beschädigen?

Und das ist mein kleiner Koffer....
Und das ist mein kleiner Koffer ...

Wie kann ich meinen Sitzplatz bei der Buchung auswählen? (Wäre doch schön – so einen Wagon-Übersichtsplan zu haben wie bei den Fliegern..) Geht das auch noch, liebe Bahn??

wieder daheim ...
wieder daheim ...

Und wenn ich schon beim Wunschkonzert gelandet bin: Könnte man das WLan in Österreich so verlässlich machen wie in Deutschland? Dort klappt es schon super…

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Ein Abend im Anneliese Brost Musikforum Ruhr

Lange Zeit hatten die Bochumer Symphoniker keine eigene Heimstätte. Doch jetzt ist im Ruhrpott wieder einmal eine einzigartige Symbiose aus alt und neu gelungen….

Das Haus nützt die ehemalige St. Marien-Kirche als Foyer für einen Konzertsaal und für einen Saal der städtischen Musikschule. Damit ist ein beeindruckendes Konzerthaus als Stammhaus der Bochumer Symphoniker entstanden.

Der Eingang zum neuen Konzertsaal der Bochumer Symphoniker
Der Eingang zum neuen Konzertsaal der Bochumer Symphoniker

Namensgeberin Anneliese Brost unterstützte durch ihre Stiftung maßgeblich die Errichtung des Baus. Zum Gebäude und zu den Bochumer Symphonikern an anderer Stelle mehr.

Das Foyer im Anneliese Brost Musikforum Ruhr
Das Foyer im Anneliese Brost Musikforum Ruhr

Wir waren bei einer Veranstaltung mit dem Titel: Finnischer Meister und ein „Ballett der Straße".

Der große Saal im Anneliese Brost Musikforum Ruhr
Der große Saal im Anneliese Brost Musikforum Ruhr

Sowohl von außen wie auch von innen erfolgte einmal ein würdigendes Staunen, nicht nur das Foyer ist durch die Einbeziehung der hohen Mauern der Kirche beeindruckend, auch der neu gestaltete Saal zeugt von Geschmack und – für einen Konzertsaal am wichtigsten – ausgezeichneter Akustik.

Die Kirchenfenster beeindrucken

Wie bei den meisten Musikveranstaltungen üblich, gab es vor Beginn des Konzertes noch ein sogenanntes Tischgespräch: diesmal mit dem Dirigenten und Komponisten Michel Tabachnik. Ich liebe diese Kurzeinführungen, die hier im Ruhrgebiet gang und gebe sind, da sie es musikalischen Laien wie mir es einfach leichter machen, Komponist und Interpretation zu verstehen und außerdem die Möglichkeit bieten, die Größen der Musikszene hautnah zu erleben. So auch diesmal.

Immer wieder beeindruckend: die Künstlergespräche ...
Immer wieder beeindruckend: die Künstlergespräche ...

Wir sind zwar leider ein bisschen zu spät gekommen, aber es war auch diesmal wieder sehr interessant, dem Künstler im Gespräch mit einem sachverständigen Interviewer zu lauschen.

Im Anneliese Brost Musikforum Ruhr
Im Anneliese Brost Musikforum Ruhr

Das Konzert begann mit Prélude á la Légende von Michel Tabachnik, das trotz der Modernität der Musik einige sehr schöne und harmonische Passagen enthält. Trotzdem muss ich sagen – nicht so unbedingt meins. Ich denke, es wird hier noch einige Einführungen brauchen, bis ich mich für diese Art der Musik begeistern kann.

Ein Blick zu den Instrumenten
Ein Blick zu den Instrumenten

Danach folgte für mich das Highlight des Abends: das Violinkonzert d-Moll op.47 von Jean Sibelius. Ich wollte ja zuerst meiner besseren Hälfte keinen Glauben schenken, aber es stimmt: die Finnen und die Ungarn haben einiges gemeinsam: den Schmelz, die Emotion, die Melancholie – und das gefällt natürlich auch dem Wienerherz. Wunderbar auch Sergey Khachatryan, der armenische Solist des Konzerts, der das Publikum ebenso wie Dirigent und die Bochumer Symphoniker zu Begeisterungsstürmen hinriss. Auch seine Zugabe – ein armenisches Volkslied – begeisterte nicht nur mich.

Alles bereit für die Pause
Alles bereit für die Pause

Nach der Pause folgte dann Igor Strawinkskys Petruschka, das mich durch die Kraft, aber auch die Feinheit der Melodien zu beeindrucken verstand.

Es war sehr schön, es hat uns sehr gefreut ...
Es war sehr schön, es hat uns sehr gefreut ...

Fazit: Ein toller Abend mit einem tollen Orchester in einem tollen Haus, wieder etwas über neue Musik dazugelernt und dazu der Schmelz von Sibelius.
Herz, was willst du mehr?

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Photokina 2016 – Neues gemischt mit Revival

Die Photokina gilt als eine der größten, wenn nicht als die größte Messe für Photographie, zunehmend nimmt sie sich aber auch dem Videogeschäft an und verbreitet so ihr Angebot und ihre Besucherschichten. Was allerdings Mazda auf der Messe wollte, ist mir nach wie vor schleierhaft..

Nun ja, es waren zwei sehr schöne Sportwagen – in Rot – und auch tolle Fotomotive. Auch dass man ein Auto in einen Kranz von Canon Kameras stellte, die man allerdings nicht berühren und daher natürlich auch nicht ausprobieren durfte, hat mich nicht gerade überzeugt. Diese Messeteilnahme wird mir also ein Rätsel bleiben.

Doch was gab es sonst noch alles für den „Durchschnittsfotografen" zu sehen?

Drohnen und Action

Auch auf der Photokina nehmen die Drohnen einen immer größer werdenden Platz ein.

Diese Ei ist wirklich eine Drohne ...

Fotografieren mit diesem Hilfsmittel, in seiner üblichen Form oder aber auch in Ei (oder Baseball-) Form nahmen einen nicht unbedeutenden Platz ein.

Dazu als Hauptdarsteller oder manchmal auch an der Nebenfront, die entsprechenden Kameras dazu. Kleine Würfelchen, quadratisch, rechteckig, rund, eben Actioncams waren in den unterschiedlichsten Ausführungen stark vertreten.

Drohnen in unterschiedlichen Größen und Qualitäten waren auch auf der Photokina ein Thema - natürlich mit Kameraausstattung...

Neuer und als neuen Trend ausmachen kann man auch die 360° Panoramakameras, die wohl immer stärker in den Mittelpunkt des Interesses rücken.

Panasonic

Ebenfalls bei allen Anbietern auf den Vormarsch sind die sogenannten spiegellosen Systemkameras, die in ihrer Qualität kaum den Spiegelreflexkameras mehr nachstehen. Besonders gut gefiel uns hier die neue Panasonic GX80, die beim kurzen Ausprobieren nicht nur durch einen besonders scharfes Monitorbild beeindruckte, sondern auch einen Sucher bietet und durch rasches Scharfstellung und Auslösen überzeugt.

Bei Panasonic wurde geschaukelt und fotografiert ...

Leider kann an dieser Stelle nichts über die tatsächliche Bildqualität berichtet werden.

Sony

Sony glänzte nicht nur durch viele unterschiedliche Programmpunkte, die vom Publikum mit allen Kameras zum Fotografieren genutzt wurden – wir waren unter anderem live bei der Samurai-Show dabei - , sondern auch durch einen großen Publikumsandrang, der es unmöglich machte, ohne größere Wartezeiten oder Ellbogentechnik die Kameras überhaupt in die Hand zu nehmen. 

Sony bot unter anderem eine Samurai-Show, bei der natürlich wie verrückt fotografiert und gefilmt wurde

Olympus

Auch bei Olympus war jede Menge los und hier hatte man sogar – gegen Abgabe eines Personalausweises – wieder die Möglichkeit unterschiedliche Kameras für zwei Stunden selbst zu testen. Dieses Service finde ich jedes Mal hervorragend, da es dem Besucher die Möglichkeit gibt, sich kurz mit der Kamera auseinander zu setzen.

Farbkleckser am Olympusstand, aufgenommen mit der neuen PEN PL7

Zu testen, wie sie in der Hand liegt und ob man mit ihr gut zurecht kommt. Zusätzlich kann man seine Aufnahmen auf einer Speicherkarte mit nach Hause nehmen und damit auch am PC checken, wie die Fotos geworden sind.

Das nenn ich Service: Bei Olympus konnte man seine Olympus-Kamera gleich von Spezialisten überprüfen und reinigen lassen

Ein beachtliches Service, das ganz toll zu bewerten ist. Die PL7 glänzt durch eine leicht verständliche Menüführung und liegt eigentlich gut in der Hand. Allerdings ist mir eigentlich der – nur angedeutete – Handgriff auf der rechten Seite ein wenig zu klein geraten.

Mit den Sonderfunktionen der PEN PL7 lassen sich kreative Effekte erzielen

Während bei der OMD-Serie diesem Umstand mit einem aufsetzbaren Handgriff abgeholfen werden kann, scheint es dieses ausgesprochen nützliche Teil für die neue Pen (noch?) nicht zu geben. Die Auskunft des PEN-Verantwortlichen „Schauen Sie mal beim Zubehör in den Vitrinen, ob sie da etwas finden", war allerdings auch nicht besonders hilfreich. Ein Danke gilt dem OMD-Team, die zumindest versuchten ihren Griff zu montieren (was aber nicht gelang).

Auch diese Aufnahme ist mit einer Kreativeinstellung der PEN PL7 entstanden

Ansonsten gab sich Olympus aber ausgesprochen servicefreundlich: in einem eigenen Check & Clean-Bereich konnte man seine Olympus Kamera auch gleich einmal „überholen" lassen.

Nikon

Hier interessierten mich wieder die sogenannten Bridge-Kameras, die nun alle am Markt erhältlich sein sollten und auf die unterschiedlichen Bedürfnisse – von Allround bis Super-Zoom – der Fotografen ausgerichtet sind. Dabei gab es auch ein Wiedersehen mit meiner B500, die ich vor nicht allzu langer Zeit im Test hatte und von der ich – vor allem unter Berücksichtigung des Preis-/Leistungsverhältnisses noch immer sehr angetan bin.

Das Publikum wartet auf den Vortrag am Nikon Stand

Auch die neue B700 war bereits zu sehen und man konnte zumindest probieren, wie sie einem in der Hand liegt.

Canon

Selbstverständlich fehlte auch Canon in der Riege der Großen nicht. Hier glänzten vor allem die hochpreisigen neuen Modelle wie die EOS 1D X Mark II. Hier sind schnelle Serienaufnahme mit bis zu 16 Bildern pro Sekunde und umfangreiche Ausstattung inklusive 4K/60p angesagt. Eine ideale Kamera für alle Profis mit vielen interessanten Details – der Preis der Vollformat-Spiegelreflexkamera bewegt sich dadurch aber auch in sonnigen Höhen.

Canon und Panasonic teilten sich eine Halle

Die EOS 5D Mark IV kommt da bereits etwas preisgünstiger in den Handel, allerdings muss man auch hier noch ziemlich in die Tasche greifen. Dafür gibt es jede Menge an News integriert: WLAN, NFC, GPS, ein Dual-Pixel-Vollformatsensor, 30 Megapixel, Touchscreen-Displays, 4K-Video, HDR Movie und Aufnahmeserien mit sieben Bildern in der Sekunde sind hier die Highlights.

Revival Kodak Pixel Pro

Kodak is back – allerdings nicht Kodak himself, sondern Pixel Pro, die jedoch eine ganze Range an Kameras, von Actioncams bis Bridge-Kameras präsentierten. Vor allem die Bridge-Serie erinnerte mich allerdings vom Aussehen und vom Funktionsumfang sehr an meine Z980, die mir zwar lange Jahre gute Dienste leistete, aber nun doch schön langsam ans Ende ihrer Lebenszeit gelangt.

Am Kodak Pixel Pro Stand

Verkauft werden die Produkte anscheinend hauptsächlich über den Kodak Shop im Internet, die versprochene Händlerliste, die sich ebenfalls auf der Website http://59.120.88.16/Europe/de/cameras/ befinden sollte, habe ich allerdings für Österreich, aber auch für Deutschland nicht finden können. 

Blick auf das Kodak-Sortiment

Von einer einst angekündigten Micro Thirds Four-Kamera habe ich zwar auch nichts gesehen, aber die Bridge –Alternativen, wie auch die Action Kameras lassen hoffen, dass es doch in die richtige Richtung gehen könnte. Auch die ehemalige, amerikanische Kodak haben wir dann noch in einer anderen Halle gefunden.

360° Kameras spielen auch bei Kodak Pixel Pro eine Rolle

Irgendwie hat es schon wehgetan, diese einst so große und innovative Fotofirma derart geschrumpft und – zumindest für den Endverbraucher – nicht mehr relevant zu sehen.

Revival Polaroid

Sie waren die Stars der frühen 1980er Jahre: Die Polaroids. Draufdrücken und schon kam mit Getöse das Bild gleich im Rahmen aus der Kamera. Dann noch etwas Schütteln und Warten bis die Farbe trocken war und schon hatte man seine Bildchen fertig. Vorbei mit dem Weg zum Fotohändler, um seine Filme ausarbeiten zu lassen – man sah gleich, was man wie fotografiert hatte.

Bunt ging es am Polaroid Stand zu

Mit dem Aufkommen der Digitalisierung ist es aber dann auch ruhig um Polaroid geworden. Jetzt scheint wieder die Zeit reif für eine neue Lebensphase zu sein.

Die kleinen bunten Würfel begeisterten vor allem das jugendliche und weibliche Publikum

Am knallbunten Stand von Polaroid waren nicht nur viele Smiley-Taschen zu sehen, die nicht nur bei den „Taschensammlern" reißenden Absatz fanden, sondern auch die Jugend begeisterten. Die Stars waren eben – und könnte wieder pulsierendes Leben in die Marke kommen, die vielen kleinen bunten Viereckchen – Actionscams, die großen Anklang fanden und teilweise zu dritt und mehr auf ihren – ebenfalls bunten – Stativen angebracht waren.

Klein, aber oho ...

Mit den ebenfalls bunten Minidruckern in Smartphone-Format lassen sich die Fotos gleich überall ausdrucken und die ebenfalls im Sortiment erhältlichen Speicherkarten sorgen dafür, dass alle Erinnerungen und Snapshots auch entsprechend und sicher abgespeichert werden. Wer in nostalgischen Erinnerungen schwelgt, wird sich wahrscheinlich für die neuen Sofortbildkameras begeistern.

Der Cube war der kleine Star am Stand von Polaroid

Ganz neu im Sortiment sind Smartphones – damit ist es soweit - endlich können wir mit unseren Kameras auch telefonieren :-)

Die Fotoausstellungen

Sehr inspirierend sind für mich auch jedes Mal die Fotoausstellungen: auch heuer war es wieder äußerst beeindruckend z.B. die Leica-Ausstellung auf sich wirken zu lassen oder jene Kunstbilder anzusehen, die zeigten, was man mit seinen Fingern alles an Tieren darstellen kann, ….

Dieser Fisch ist eigentlich eine Hand ... - Die Idee stammt von Guido Daniele, der einige tolle Fotos ausstellte

Natürlich finden sich auf den Ständen der großen Anbieter auch noch jede Menge Aufnahmen, die man einfach gesehen haben muss. Ideal zum Nacheifern.

Ausschnitt aus der Leica Ausstellung

Dazu gibt es jede Menge Vorträge, Tipps und Tricks von den unterschiedlichen Anbietern – die Photokina ist immer wieder einen Besuch Wert.

Blick in die Leica Ausstellung

Zum Abschluss noch ein Wort zur Preisgestaltung: Wenn ich auch ein Fan dieser Messe bin, halte ich einen Eintrittspreis von 53 Euro für eine Tageskarte – im Vorverkauf 33 Euro – so man von Dienstag bis Freitag die Messe besuchen möchte, schon für ziemlich übertrieben. Wenn man unter der Woche nur Fachbesucher und Pensionisten zur Messe zulassen möchte, kann man dies ja so kommunizieren und auch mittels Ausweisen kontrollieren.

Apropos Ausweis: Dass mein Presseausweis vom Österreichischen Journalistenclub eigentlich nur mit einer Redaktionsbestätigung (ok, die kann ich mir als Chefredakteur und Herausgeber selber schreiben) akzeptiert wird, halte ich auch für etwas zu viel deutsche Gründlichkeit. 

Danke trotzdem, dass mir der Zutritt gestattet wurde….

Hier noch ein paar Fotoimpressionen und ein kleines Video:

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Komm Zigan – Operettengala in Dortmund

Eigentlich war ich nie ein großer Operettenfan, Musical ja, aber Operette? Zu kitschig, zu leicht verdaulich schien mir am Anfang das Metier. Doch nach einigen Besuchen in Mörbisch muss ich gestehen, dass ich diesem Genre doch einiges abgewinnen kann. Es wird doch nichts mit meinem Alter zu tun haben?

Operettengala in Dortmund (Foto © Oper Dortmund)

Daher konnte ich auch nicht der Einladung der Oper Dortmund zu der Operettengala widerstehen. Über das Haus und einige äußerst gelungene Aufführungen – auch von Musicals, besonders aber von Opern –habe ich ja schon euphorisch berichtet, aber wie sieht es nun bei der Operette aus?

Operettengala in Dortmund (Foto © Oper Dortmund)

Fangen wir einmal mit jenen Punkt an, der mir nicht so gut gefallen hat, dann können wir mit den durchaus positiven und erwähnenswerten Höhepunkten abschließen: Es spielten die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Philipp Armbruster. Technisch brillant, aber im ersten Teil der Gala für mich als Wienerin zum Teil ohne Herz.

Operettengala in Dortmund (Foto © Oper Dortmund)

Kein Schmelz und wenig Charme bei der Csárdásfürstin, der Zigeunerliebe, etwas besser, aber noch nicht in Höchstform, so auch beim Bettelstudent. Ausgezeichnet dafür bei den Piraten von Penzane – alles was schnell und zackig gespielt werden soll, erfreute mein Herz, den leicht kitschigen Ausdruck der „österreich-ungarischen" Melodien vermisste ich.

Einmalig die Piratentruppe und ihr Chef (Foto © Oper Dortmund)

Vielleicht sollten diese durch die Interpretation auch entstaubt und entkitscht werden, aber gerade der Kitsch und das leicht „Schmalzige" ist für mich das Schöne an diesen Opern, wir Wiener brauchen das eben.

Fritz Steinbacher brachte den österreichischen Schmelz ins Programm (Foto © Oper Dortmund)

Nach der Pause folgte dann unter anderem der Auftritt von Fritz Steinbacher mit „Komm, Zigan" aus Gräfin Mariza und da war er plötzlich wieder: der unvergleichliche Schmelz. Ein Lächeln ging über mein Gesicht. Auch das Orchester schien plötzlich weicher und mit mehr Herz zu agieren. Fritz Steinbacher gelang es dann auch noch die Titel aus dem Walzertraum und der Czárdásfürstin ganz nach meinem Geschmack zu gestalten und auch seine Kollegen „wienerisch" mitzureißen. Bravo!

Operettengala in der Oper Dortmund (Foto © Oper Dortmund)

Und ich schwöre, ich habe erst später im Programm nachgelesen, dass er ein Österreicher ist.

Ebenfalls ein großes Lob an den Solo-Geiger! Kompliment! So muss die Melodie klingen, das stellen wir uns – zumindest in Wien - unter Pusztaklängen vor!

Ein ausgezeichneter Sänger und Conférencier (Foto © Oper Dortmund)

Ausgezeichnet auch der Chor, dem man Spiel und Sangesfreude anmerkte. Großen Applaus auch für Herrn Kammersänger Hannes Brock, der charmant, witzig und unterhaltsam durch den Abend führte.

Das Dortmunder Publikum war jedenfalls begeistert – ich schließlich auch – und so klatschten wir uns, fast in Radetzkymarschmanier des Neujahrskonzertes, noch die Hände wund und erfreuten uns an den Zugaben.

Operettengala in Dortmund (Foto © Oper Dortmund)

Fazit:
Auch wenn Operette in Dortmund gespielt wird, solltet ihr den Besuch des Hauses keinesfalls scheuen.

Auf das Diwanpüppchen kann man sich schon freuen ... (Foto © Oper Dortmund)

Tipp: 
Als nächste Operette steht die „Blume von Hawai" von Paul Abraham ab 21. Jänner 2017 am Programm. Tamara Weimerich und Morgan Moody gaben mit dem Titel „Ich hab ein Diwanpüppchen" schon eine kleine Kostprobe bei der Operngala. Meine Empfehlung: hingehen, ansehen und anhören!

Theater Dortmund
441 37 Dortmund, Theaterkarree 1-3
Tel: +43 231 50 25 547, Ticket-Hotline: +43 231 50 27222
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.theaterdo.de

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Die Route der Industriekultur – Jahrhunderthalle Bochum

Ich hoffe, Ihr habt meine Einleitung zu den Gemeinsamkeiten zwischen Bochum und Wien gelesen. Dann ist der folgende Absatz leichter nachvollziehbar. Denn wer in die Stadtinformation Bochum geht, um sich nach der Route der Industriekultur zu erkundigen (es gibt dort wirklich gutes und ausführliches Material), sollte auch den richtigen Terminus verwenden.

Ich fragte nach der "Straße der Industriekultur" und erntete zuerst ziemliches Unverständnis: „Wat willste wissen, Mädel?" Vielleicht sind die Unterschiede zwischen Straße und Route ja aber wirklich so groß und wie wir ja wissen, ist das einzige was uns von unseren deutschen Freunden trennt, die gemeinsame Sprache. Egal: Fragt nach der ROUTE, dann klappt es auch mit der Info.

Es läuten die Glocken ...

​Nachdem ich also alles Material eingeheimst hatte, wollte ich mich mit großen Ambitionen auf den Weg – Entschuldigung – auf die Route begeben.

Die Route der Industriekultur

Entlang dieses 400km langen Straßenrundkurses kann der Besucher alles finden, worauf das Ruhrgebiet jahrzehntelang stolz war und was es prägte: Hochöfen, Gasometer, Fördertürme, ehemalige Produktionsstätten, einfach alles was zur 150jährigen Industrievergangenheit des Reviers zählt.

Auch ein Highlight der Route - das Bergbau-Museum

Was mich dabei besonders beeindruckt hat, sind die bombastischen Bauten, die auf eine ganz eigene Weise eine Schönheit bekommen haben, teilweise sehr geschmackvoll und kreativ mit neuen An-, Zu- Umbauten ergänzt wurden (wäre in Wien wahrscheinlich größtenteils unmöglich gewesen), und die nun neuen, oftmals kulturellen Nutzungsmöglichkeiten offen stehen.

Altes und viel Grün gibt es hier zu finden ...

Auf der Route finden sich 25 sogenannte Ankerpunkte, die die Highlights des industriellen Erbes darstellen, sowie 17 Panoramen (Aussichtspunkte in die Industrielandschaft) und die 13 schönsten Siedlungen verschiedener Epochen. Radfahrfans können ein 700 km langes Radwegenetz nutzen und 28 Themenrouten, wobei zwei weitere derzeit in Vorbereitung sind, laden ebenfalls zum Entdecken ein.

Die Jahrhunderthalle Bochum

​Leider machte mir lang anhaltendes Regenwetter einen Strich durch die Rechnung, doch dann war es soweit: "Here comes the sun again" und ich fuhr zur Jahrhunderthalle.

Hier gibt es Parkplätze genug ...

So ihr mit dem Auto anreist, versucht, gleich auf den Veranstaltungsparkplatz zu gelangen. Hier ist – vor allem wenn keine Veranstaltung läuft – riesig Platz. Es gibt zwar eine Straße davor auch noch einen Parkplatz und hier ist auch ein Wegweiser zur Jahrhunderthalle, aber ich habe dort weder einen freien Parkplatz noch den Eingang zum Westpark, in dem ja die Jahrhunderthalle liegt, gefunden.

Geschichte der Jahrhunderthalle

Die Geschichte der Jahrhunderthalle ist eng mit der Stadt Bochum und dem Bochumer Verein verbunden.
1842 hatte die Stadt gerade mal 4.000 Einwohner, als Jacob Mayer seine „Gussstahlfabrik Mayer und Kühne" gründete. Bald darauf änderte sich der Name in „Bochumer Verein für Gussstahlfabrikation" und das Gelände wurde mehr und mehr mit Produktionsanlagen verbaut. 1902 fand in Düsseldorf eine sogenannte „kleine Weltausstellung" – eine Industrie- und Gewerbeschau statt, an der auch der Bochumer Verein teilnahm und dafür vom Architekten Heinrich Schumacher eine Halle entwerfen ließ, die man später am Werksgelände verwenden könnte.

Auf dem Weg zur Jahrhunderthalle ...

So wurde die Halle nach der Gewerbeschau 1903 nach Bochum übersiedelt. Man plante die Halle als Gaskraftzentrale einzusetzen, die die Energie für die weitere Expansion des Unternehmens liefern sollte. Immerhin waren damals schon 17.000 Menschen beim Bochumer Verein beschäftigt, einige Jahre später stieg die Beschäftigtenzahl sogar auf 22.000 Menschen.

Sieht aus wie eine "Glockenblume" ...

Zu den berühmtesten „Produkten" des Unternehmens zählen die Berliner Olympiaglocke, die Jahrhundertglocke der Frankfurter Paulskirche und die Friedensglocken in Hiroshima.

Jetzt sehen wir den neuen Teil der Jahrhunderthalle - die Vorbereitungen zur Ruhrtriennale laufen schon..

Während der Weltkriege war der Bochumer Verein einer der größten Rüstungsunternehmen des Landes. Danach startete man wieder mit einer breiten Palette von Stahlerzeugnissen, um schließlich 1965 zur Friedrich Krupp Hüttenwerke AG zu fusionieren, 1968 wurde der letzte Hochofen stillgelegt. In den Jahren darauf wurde von der Stadt und NRW nach neuen Nutzungsmöglichkeiten für das Industrieareal gesucht, doch es dauerte bis Ende der 1980er Jahre bis man im Rahmen eines Workshops mit renommieren Planungsbüros Konzepte für das Areal entwickelte.

Blick auf den modernen Anbau ...

Mit dem gemeinsamen Konzert der Bochumer Symphoniker und der Radio-Philharmonie Leipzig 1991 wurde die Entwicklung in Richtung Kultur gelegt, und die Jahrhunderthalle hatte ihren ersten Einsatz – wenn auch noch im unrenoviertem Zustand als Spielstätte.

Sieht doch modern aus und doch ging der leicht industrielle Touch nicht verloren...

1999 wurde der, die Halle umgebende, Westpark eröffnet und ein Architektenwettbewerb zum Umbau und Nutzungsmöglichkeiten der Halle ausgeschrieben, den das Büro Petzinka Pink aus Düsseldorf mit der Idee gewann, die Industriekathedrale als Festspielhaus der Ruhrtriennale zu nutzen.

Im Inneren der Jahrhunderthalle - die Vorbereitungen für die Ruhrtriennale laufen auch hier ...

Heute ist die 8.900 m2 große Halle, die unter Denkmalschutz steht, ein Hauptanziehungspunkt der Route der Industriekultur, seit 2003 Hauptspielstätte der Ruhrtriennale und gilt als Wahrzeichen für den erfolgreichen Strukturwandel der Region. Mit dem Westpark ist die Jahrhunderthalle auch ein beliebtes Ausflugsziel für Spaziergänger und Radfahrer.

PumpenhausZwei

An der Rückseite der Jahrhunderthalle befindet sich das Pumpenhaus, das mit seinen Wasserpumpen früher das Stahlwerk des Bochumer Vereins mit Kühlwasser versorgte. Nach der Stilllegung des Werkes wurde es nicht mehr benötigt und stand in Gefahr 2006 abgerissen zu werden.

Das Pumpenhaus und sein ebenfalls moderner Anbau...

In letzter Minute entschloss man sich dann aber doch, das kleine, fast unscheinbare Haus zu retten und wandelte es schließlich in eine Künstlerkantine, Cateringküche und ein Café-Restaurant mit angeschlossenem Besucherzentrum um. Die „Verwandlung" des „Urbildes eines Hauses mit Satteldach" des Architekten Heinrich Böll aus Essen konnte auch schon mehrere Architekturpreise gewinnen.

Rohre über Rohre - beim Pumpenhaus ...

Dunkles Holz, hohe Decken, die große alte Krananlage, freiliegende Rohre und breite Fensterfronten sind die Merkmale des heutigen Pumpenhauses ebenso wie die täglich wechselnde Mittagskarte, bei der regionale Spezialitäten im Mittelpunkt stehen. Es lohnt sich aber auch, hier an einem schönen sonnigen Tag Kaffee und Kuchen zu genießen.

Geschichtspfad im Westpark

Rohre und Übergänge - auf in den Westpark ..

Ein Rundweg mit acht Stationen, der über das ganze Westpark-Areal führt, erzählt die Geschichte des Bochumer Vereins als integriertes Hüttenwerk mit seinen unterschiedlichen Produktionsanlagen. Die Infotafeln zeigen historische Fotoaufnahmen, bieten fundiertes Hintergrundwissen und erläutern die Zusammenhänge auf dem weitläufigen ehemaligen Werksgelände.

Der Park in der Nähe der Jahrhunderthalle

Besucher mit Smartphones können mit einem QR-Reader eine englischsprachige Variante abrufen, sowie weiteres Foto und Filmmaterial online betrachten.

Blick in den Park bei der Jahrhunderthalle

Weitere Informationen über Bochum und das Ruhrgebiet bekommt ihr im benachbarten Besucherzentrum (Ruhr.Infolounge Bochum) mit Revier-Shop und TouristInfo.

Die bunte Graffiti-Wall

Man sollte sich also viel Zeit nehmen, wenn man zur Jahrhunderthalle und in den Westpark kommt. Es gibt viel zu sehen und zu entdecken. Ich hätte auch nicht gedacht, dass alte Rohre so eine Faszination ausüben können. Tun Sie aber. Vielleicht liegt es aber auch am Bombastischen, an der Größe, an den verschiedenen Rostfarben und wie sich diese mit der Ursprungsfarbe mischen. Ich weiß es nicht, aber es ist einfach toll, dort herumzusteigen – und man entdeckt immer wieder etwas Neues. Blumen – vielleicht auch Unkraut – das an unmöglichen Stellen blüht. Eine neue Rohrverbindung, die plötzlich von irgendwo herkommt. Ein Haus, halb renoviert und halb verfallen. Wiesen, Wasser, Graffiti. Hier ist alles vertreten.

Interessantes Design für einen Gehweg, oder??

Lange Spaziergänge sind angesagt, aber auch ein Rad mieten und durch die Gegend fahren, lohnt sich. Oder einfach ein Buch mitbringen, lesen und die Sonne genießen. Dann vielleicht am Abend noch ein Konzert oder die Urbanatix in der Jahrhunderthalle genießen – so lässt sich's leben. In Bochum. Im Ruhrpott.

Die Jahrhunderthalle

Jahrhunderthalle Bochum
447 93 Bochum, An der Jahrhunderthalle 1
Tel: +49 234 36 93-100
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.jahrhunderthalle-bochum.de

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Gemeinsamkeiten zwischen Wien und Bochum

Je öfter ich ins Ruhrgebiet fahre, umso mehr stelle ich Gemeinsamkeiten zwischen Wien und Bochum, Essen und Co. Fest. Glaubt ihr nicht? Dann wollen wir einige hier aufzählen:

Einst und jetzt

Wien war einst Hauptstadt eines großen Reiches – der Habsburger Monarchie. Noch heute erinnern grandiose Bauten an diese Zeit und bestimmen auch den Charme der Innenstadt. Hier wurde getanzt und gefeiert, über Krieg und Frieden entschieden. Hier war der der Mittelpunkt der Monarchie.

Wiener Riesenrad im Prater

Bochum war einst einer der wichtigsten Orte des Bergbaus, der Stahl- und der Autoindustrie. Hier wurde Kohle abgebaut und Stahl verarbeitet. Rot leuchtete der Himmel über der Stadt, wenn der Hochofen abgestochen wurde. Schwarz waren die Gesichter der Kumpels, wenn sie aus dem Berg an die Oberfläche kamen. Das Opelwerk bestimmte lange Zeit das Geschehen der Stadt. .

Im Bergbaumuseum

Heute ist Wien die Hauptstadt eines der kleinsten Länder der EU und in Bochum gibt es kein Opelwerk mehr, man sieht gerade noch einen Teil der Ruinen der Werkshallen und auch der Kohlebergbau wurde als unrentabel eingestellt, auch die Stahlindustrie hat viel an Glanz verloren Die einstigen Wiener „Weltbürger" und die stolzen Bochumer Stahl- und Bergarbeiter mussten und müssen sich in einer anderen Welt zurechtfinden, die kleiner und unbedeutender ist, als ihre Vergangenheit. Und beide denken oft wehmütig an die guten alten Zeiten zurück.

Auftreten und Schmelztiegel

Das bringt uns gleich zu Gemeinsamkeit Nummer 2, die zuallererst wie ein Gegensatz wirkt. Auf den ersten Blick sind sie grundverschieden: Der Bochumer ist kurz angeboten und direkt in seiner Aussage. Es fehlt ihm fast gänzlich, was man in Wien Charme oder diplomatisches Geschick nennen würde. Diese Ausdrucksweise ist einem Wiener fremd. Hier versucht man diplomatisch allfällige Unstimmigkeiten vordergründig zu umschiffen und es kommt selten vor, dass man einander Unannehmlichkeiten ganz direkt ins Gesicht sagt. Was bei den Bochumern wieder als Hinterlistigkeit und Falschheit angesehen wird. Die unterschiedliche Ausdrucksweise kommt wahrscheinlich auch aus der Vergangenheit: In Wien war Diplomatie angesagt – nicht nur in Zeiten Metternichs – auch sonst mussten viele verschiedene – zum Teil nationale Strömungen – unter einen Hut oder eine Krone gebracht werden (was, wie wir wissen, ja später nicht mehr gelang). Wien heiratete, intrigierte, veranstaltete Bälle und Kongresse – zu all dem hatte ein Kumpel im Berg keine Zeit. Hier musste kurz und knapp gesagt werden, was Sache ist. Die Arbeit war hart und gefährlich. Man musste sich 100% auf den anderen verlassen können, wollte man eine schwierige Situation überleben.

Auch das ist Wien - in der Lobau

In Bochum ist es vor allem das Polnische, das in das Deutsch des Ruhrgebiets Einzug gehalten hat – kamen doch viele Kumpels ursprünglich als Polen.

Auch das ist Bochum - Chinesischer Garten

Doch dann beginnen die Gemeinsamkeiten: Wien war der Schmelztiegel der Monarchie und noch heute finden sich im Wiener Dialekt sowohl Tschechische, Jiddische, Ungarische, Kroatische Ausdrücke oder Wortkreationen, die in diesen Ländern ihren Ursprung hatten. Viele sind und gehen leider mehr und mehr verloren.

Glanz und Gloria und der Nabel der Welt

Gemeinsam ist beiden Städten/Regionen aber auch, sich nach wie vor für den Nabel der Welt zu halten oder zumindest so zu tun, beide sind manchmal sogar mehr als stolz auf ihre ganz besondere Kultur, beide wissen, dass vom einstigen Glanz und Gloria der Verputz etwas abgebröckelt ist.

In der Wiener Staatsoper

Erzählen Sie mal einem Ruhri wie gut und wie toll eine Aufführung der Wiener Philharmoniker war. Sie sind noch nicht fertig, wird er Ihnen schon von den Bochumer Symphonikern vorschwärmen, die wieder unter einem berühmten Dirigenten aufgetreten sind.

Die Wiener Festspiele haben heuer ein tolles Programm – tja, da hast Du jenes von der Ruhrtriennale noch nicht gesehen. Die Donauinsel ist wirklich ein tolles Erholungsgebiet mitten in der Stadt – ja, aber an der Ruhr ist es noch viel natürlicher …

Audimax in Bochum

Diese Beispiele funktionieren natürlich auch vice versa.

Die Gemeinsamkeit lautet: Meine Stadt ist mindestens genauso gut und schön und kulturell aufgestellt wie deine. Wenn nicht noch besser. Basta.

Es war einmal und es war einmal schön – oder?

Und das führt uns zu einer weiteren Gemeinsamkeit: Im Innersten trauern beide den vergangenen Zeiten nach. Es gibt Städte und deren Bürger, die schauen nach vorne, die „Ureinwohner" von Wien und Bochum schauen gerne zurück. Beide Städte und Regionen bemühen sich smart zu werden, Modernes zu fördern, das ganze Ruhrgebiet war sogar Kulturhauptstadt Europas.

Und doch: eigentlich hätten die Wiener noch gerne ihren Kaiser und wären der Nabel der Welt und die meisten alteingesessenen Bochumer trauern der Zeit nach, wo noch Bergbau und Stahlproduktion den Tagesablauf bestimmten und die Opels nur so vom Fließband liefen.

Natürlich sollten die Errungenschaften von heute erhalten bleiben! Ebenso klar ist, dass ich die junge Generation von diesen Gemeinsamkeiten ausnehme – da hat sich in beiden Gebieten eine Menge getan – aber die Generation der Babyboomer und eine danach: Tja, ich finde mal, die sind so wie oben beschrieben. 

Nachdem dies jetzt geklärt (oder zur Diskussion gestellt) ist, kommen wir nun zum eigentlichen Thema: Der Route der Industriekultur.

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