Enricos Reisenotizen

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Reiseträume Teil2 – Unesco-Weltkulturerbe in Tschechien

Die berühmte Wendeltreppe in Schloss Lednice (Foto © Czech Tourism, Ladislav Renner)Die berühmte Wendeltreppe in Schloss Lednice (Foto © Czech Tourism, Ladislav Renner)

Im Teil 2 meiner Reiseträume für 2021 begebe ich mich in unser Nachbarland Tschechien. Auch hier gibt es viel zu entdecken. Einiges in diesem Artikel habe ich schon besucht (darüber findet ihr genaueres dann auf www.ask-enrico.com), aber es lohnt sich in jedem Fall noch einmal dorthin zu fahren. Einiges ist neu und steht auf meiner Reiseträume-Wunschliste..

Es ist nicht leicht einen Unesco-Titel zu bekommen und – wenn man ihn hat – auch zu behalten. Ich erinnere nur an die Diskussionen in Wien, wie viele Stockwerke nun hoch gebaut werden darf oder nicht.

Tschechien ist reich an Sehenswürdigkeiten, Traditionen und Handwerkstechniken, die auch auf dieser Liste zu finden sind. Aber nicht nur deshalb lohnt es sich, in unserem Nachbarland umzusehen.

  Die Glasperlen

Brandnew – also brandaktuell auf gut Deutsch – ist die Aufnahme der Glasperlen in die Liste des Weltkulturerbes. Sie werden in der nordböhmischen Stadt Poniklá hergestellt.

Tschechien ist schon viele Jahre für seine hervorragenden Techniken zur Herstellung von Glas und Kristallglas bekannt. Auch die Wiener Werkstätten arbeiteten um die Jahrhundertwende in der Österreich-Ungarischen Monarchie mit den Künstlern der Glasherstellung in Böhmen zusammen und das böhmische Kristallglas galt lange Zeit als ein Muss in einem gehobenen Bürgerhaushalt.
In der Gemeinde Poniklá am Fuße des Riesengebirges beherrscht man noch eine andere Tradition: das Herstellen von Glasperlenschmuck. Noch heute werden alle Produkte in reiner Handarbeit hergestellt und nur wenige Personen kennen das genaue Herstellungsverfahren.

Die Glasperlen (Foto © Rautis)
Die Glasperlen (Foto © Rautis)

Wurden früher die Glasperlen überwiegend zur Herstellung von Halsketten, Broschen, Hutnadeln, Ohrringern und zum Verzieren von Trachten und Theaterkostümen benutzt, werden sie ab der Mitte des 20. Jahrhunderts mehr und mehr für Festtagsschmuck herangezogen.
Im Dezember 2020 wurde die Einzigartigkeit der Produktion und des Schmucks nun auf die Liste des Unescos Weltkulturerbe gesetzt. Wer mehr darüber erfahren möchte, kann sich bei der Firma Rautis in Poniklá umsehen und natürlich auch mit den diversen Schmuckstücken eindecken. Außerdem kann man sein künstlerisches Talent in der Kreativwerkstatt ausprobieren oder ein Hobby-Set für zu Hause mitnehmen.

Man kann sich ja zur Einstimmung gleich ein wenig auf der Seite von Rautis umsehen: www.rautis.cz und www.perlickoveozdoby.cz und ja: es ist kitschig, aber schön kitschig :-) und daher steht es auch auf meiner Liste. Ihr wollt mehr? Wie wäre es dann mit einem Ausflug zu den letzten Herstellern des Blaudrucks? Steht auch auf meiner Liste - ist aber eine andere Geschichte ...

Wenn wir schon bei Dekoration und Schmuck sind: Ich muss unbedingt noch herausfinden ob man nicht auch eine Glasmanufaktur besuchen kann, die Glasringe herstellt. Ich liebe sie einfach und ich bilde mir ein, dass ich da auch eine Adresse hatte. Ich werde berichten. Wer will mit? Vielleicht dann auch gleich einen Abstecher zu einem Granatschmuck-Hersteller. Diese kleinen roten Steinchen beeindrucken mich auch immer wieder.

  Vorher geht's aber nach Lednice Valtice

Hier wird Geburtstag gefeiert, denn diese wunderbare Kulturlandschaft steht bereits seit 25 Jahren auf der Unesco Weltkulturerbeliste. Egal, ob ihr mehr an Architektur oder Natur interessiert seid – hier findet jeder sein „Wow". Beeindruckend das Schloss in Lednice im Tudor Stil – hier muss man unbedingt auch das Innere besuchen. Es wäre echt schade, die Bibliothek mit ihrer Wendeltreppe nicht gesehen zu haben.

Die wunderschöne Wendeltreppe im Schloss Lednice (Foto © Czech Tourism, Ladislav Renner)
Die wunderschöne Wendeltreppe im Schloss Lednice (Foto © Czech Tourism, Ladislav Renner)

Auch das Palmenhaus ist einen Besuch wert, bevor man sich in den „Garten" begibt, um noch mehr zu staunen. Dieser ist nicht nur riesengroß – hier wurden auch Teiche und Flüsse angelegt und viele Bauwerke verwundern den Besucher: ein Minarett mit wunderschöner Deckenmalerei, ein Jagdschlösschen, eine kleine Burgruine, der Diana Tempel, drei Grazien, die Hubertus Kapelle und vieles mehr warten auf eine Besichtigung. Da der Park wirklich sehr weitläufig ist, kann man sich auch mit einer Kutsche durch die Landschaft bewegen oder man nutzt eines der Boote, die auf den Flüssen durch den Park fahren. Einmalig!

Das Minarett im Areal von Lednice - Valtice
Das Minarett im Areal von Lednice - Valtice

Doch das ist noch nicht alles. Das Areal verbindet die beiden Schlösser der Liechtensteiner: Lednice und Valtice, die Sommer- und die Winterresidenz der Liechtensteiner. Diese waren eines der bedeutendsten Adelsgeschlechter in Europa. Keine Überraschung, dass das Schloss Lednice daher auch jeden Sommer ein Treffpunkt des europäischen Adels war.

Es ist ein riesiges Areal - hier ein Blick auf das Sommerschloss Lednice
Es ist ein riesiges Areal - hier ein Blick auf das Sommerschloss Lednice

Schloss Valtice war der Wintersitz. Hierher sollten alle Liebhaber eines guten Tropfens reisen (und am besten in der Nähe übernachten), denn diese Gegend ist seit langem für seine Weinbautradition bekannt, immerhin heißt es dass die ersten Reben bereits von den Legionen des Kaisers Marc Aurel hier gepflanzt wurden. Auf jeden Fall sollte man den Weinsalon im Nebengebäude des Schlosses besuchen und sich vom Sommelier des Hauses die besten mährischen Weine erklären lassen.

Schloss Valtice (Foto © Czech Tourism, Ladislav Renner)
Schloss Valtice (Foto © Czech Tourism, Ladislav Renner)

Wer mehr über Lednice und Valtice und meinen Besuch beim Weinsalon erfahren möchte, klickt einfach in diesem Satz auf die Links.

Weitere Informationen darüber findet ihr auch hier: https://www.visitczechrepublic.com/de-DE/Things-to-Do/Places/Landmarks/UNESCO/c-lednice-valtice-area-unesco

  Die Villa Tugendhat

Ich weiß, es ist eine Schande, die ich so schnell wie möglich beseitigen sollte: Obwohl ich schon mehrere Male Brünn besucht habe, ich habe es nie geschafft, die Villa Tugendhat und die Burg zu besuchen. Das muss sich ändern, aber Brünn hat eben vieles zu bieten. Meine bisherigen Streifzüge durch die Stadt, findet ihr hier: https://ask-enrico.com/brno-bruennDoch noch kurz zur Villa Tugendhat. Sie befindet sich im Brünner Stadtteil Černa Pole und wurde von Ludwig Mies van der Rohe im Auftrag des Unternehmerehepaars Greta und Fritz Tugendhat gebaut und gilt als eine der vier bedeutendsten Villen der Welt.
Die Villa Tugendhat in Brünn (Foto © Czech Tourism, Aleš Motejl)
Die Villa Tugendhat in Brünn (Foto © Czech Tourism, Aleš Motejl)

Natürlich wurde sie auch in die Liste des Unesco Weltkulturerbes aufgenommen. Der Architekturstil der Villa unterschied sich total von dem damaligen Schönheitstrend und war auf Grund ihrer Funktionalität und ihres Interieurs ein absoluter Vorreiter. Die Tugendhats konnten ihre Villa allerdings nur acht Jahre lang genießen. 1938 mussten sie vor den Nazis flüchten, die Villa wurde von der Gestapo beschlagnahmt und nach dem Krieg eignete sich der Tschechoslowakische Staat die Villa. Die Familie Tugendhat kehrte nie wieder in ihre Villa zurück.

Villa Tugendhat
613 00 Brno, Černopolní 45
Tel: +420 515 511 015
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.tugendhat.eu

  Das Nationalgestüt Kladruby nad Labem

Pferdeliebhaber sollten auf jeden Fall bei einem der ältesten Gestüte Europas vorbei schauen. Auch dieser Ort bzw. das Gestüt steht unter der Schirmherrschaft der Unesco und hier wird nach wie vor die älteste original tschechische Pferderasse gezüchtet. Bereits 1579 wurde das Gestüt von Kaiser Rudolf II. zum kaiserlichen Hofgestüt erhoben, Die Altkladruber Schimmel wurden in der Vergangenheit nicht nur am Wiener Hof bei zeremoniellen Anlässen eingesetzt. Die Pferde galten als besonders ausgeglichen und daher auch bei großen Menschenansammlungen einsetzbar. Noch heute sind sie am schwedischen und dänischen Königshof im Einsatz.

Die Altkladruber im Nationalgestüt Kladruby nad Ladem (Foto © Czech Tourism, Jakub Kynčl)
Die Altkladruber im Nationalgestüt Kladruby nad Ladem (Foto © Czech Tourism, Jakub Kynčl)

  Kutná Hora

 Kaum 30 Minuten Autofahrt von Nationalgestüt entfernt, ist man in der Bergbaustadt Kutná Hora, die nicht nur durch ihre beeindruckende St. Barbara Kathedrale, sondern auch durch das Beinhaus und die Friedhofskirche bekannt. Doch die Stadt bietet noch viele andere Sehenswürdigkeiten, wie ihr auf unserem Artikel auf askEnrico nachlesen könnt. Wer es zusätzlich noch besonders spannend mag, sollte sich unter Tag begeben. Hier kann man am eigenen Leib erleben, wie sich die Bergarbeiter gefühlt haben müssen. Es ist dunkel und eng und man sollte auf keinen Fall unter Platzangst leiden.

Die Kathedrale der Heiligen Barbara in Kutná Hora (Foto © Tourismus Kutná Hora)
Die Kathedrale der Heiligen Barbara in Kutná Hora (Foto © Tourismus Kutná Hora)

Doch hier lag der frühere Reichtum der Stadt – das Silbervorkommen.

Mehr über Kutná Hora findet ihr hier https://ask-enrico.com/kutna-hora-kuttenberg und auf der von Czech Tourismus: https://www.visitczechrepublic.com/de-DE/Things-to-Do/Places/Landmarks/Cities/t-kutna-hora

  Bergbau im Erzgebirge

Apropos Bergbau: wer sich dafür interessiert, sollte sich auch ins Erzgebirge wagen. Hier wurde in der Vergangenheit auf beiden Seiten der Grenze (Deutschland und Tschechien) verschiedene Metalle abgebaut. Silber-, Zinn-, Kobalt-, Kupfer-, Eisen- und nicht zuletzt Uranerz wurden hier vom 12. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts gefördert.

Das Agricola Aquazentrum in Jáchymov
Das Agricola Aquazentrum in Jáchymov

Fünf Gebiete stehen auf der tschechischen Seite als Welterbestätten unter dem Schutz der Unesco: die Bergbu-Kulturlandschaft Krupka, die Bergbaulandschaft Jáchymov, die Bergbaulandschaft Abertamy-Boží Dar-Horní Blatná, der Berbaulandschaft auf der Anhöhe Mědník und das nationale Kulturdenkmal Roter Turm des Todes in Vykmanov. 

Das Radium Palace Hotel in Jáchymov (Foto © Jáchymov)
Das Radium Palace Hotel in Jáchymov (Foto © Jáchymov)

Der Ort Jáchymov steht nicht nur im Mittelpunkt des gleichnamigen Romans von Josef Haslinger (lesenswert!), sondern ist auch für seine Kurtradition weit über die Grenzen Tschechiens bekannt. Mehr über den interessanten Ort und seine speziellen Kuren erfahrt ihr mit einem Klick hier: https://ask-enrico.com/index.php/jachymov-st-joachimsthal

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