Enricos Reisenotizen

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Visualized dreams …

Ida Buchmann im museum guggingIda Buchmann im museum gugging

Das museum gugging stand lange Zeit nicht im Fokus meiner Museumsbesuche. Zu Unrecht. Neben den Dauerausstellungen bietet es immer wieder sehenswerte Sonderausstellungen….

Bereits die letzte Sonderausstellung über Naive Kunst hat mich sehr begeistert. Auch die neue Ausstellung „visualized dreams …" ist wieder sehenswert und auch die neue Dauerausstellung sollte man nicht verpassen.

Ida Buchmann: Im Himmelreich
Ida Buchmann: Im Himmelreich

Die neue Sonderausstellung widmet sich zwei Künstlern und einer Künstlerin, wobei alle drei in ihren Werken bestimmte Gemeinsamkeiten aufweisen, obwohl ihre Ausdrucksweise komplett verschieden ist. Erstens visualisieren sie in ihren Werken ihre Wünsche und Fantasien und ihre Vorstellungen von der Welt – darauf nimmt auch der Name der Ausstellung Bezug. Dann spielt die Schrift in ihren Arbeiten eine zentrale Rolle. Alle drei haben eine langjährige Psychiatrie-Erfahrung und keiner von ihren besaß eine künstlerische Ausbildung oder eine kreative Erfahrung.

Johann Fischer: Telefon
Johann Fischer: Telefon

Wenn ihr ins museum gugging fahrt, nehmt genügend Zeit mit. Erstens sollte man sich auch die Dauerausstellung „gugging.! classic & contemporary" auch nicht entgehen lassen (ich empfehle euch besonders die Werke von Leopold Strobl zu betrachten!) und zweitens braucht man viel Zeit zum „Lesen" der Bilder in der Sonderausstellung. Und es lohnt sich wirklich. Vieles lädt zum Nachdenken ein – besonders die Schriften in den Bildern von Johann Fischer.

Johann Korec: Johann Korec mit Annemarie Pröll und Juliane Werdter
Johann Korec: Johann Korec mit Annemarie Pröll und Juliane Werdter

 Johann Fischer

Fischer gilt als der „Inschriftierer". Geboren 1919 in Eggendorf am Wagram, lernte er das Bäckerhandwerk, wurde 1940 zur Wehrmacht eingezogen und 1946 aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft entlassen. Danach übernahm er den elterlichen Hof, entwickelte allerdings bald Fantasien in denen er außerordentlich reich war und auch einige Ölquellen besaß. Ab 1961 war er Patient in der Heil- und Pflegeanstalt Gugging, 1982 kam er in das heutige Haus der Künstler und war damit Teil jener Generation, die 1990 den Oskar Kokoschka-Preis erhielt.

Joahnn Fischer: Sing Nachtigall, sing
Johann Fischer: Sing Nachtigall, sing

1982 erstanden seine ersten Werke, zuerst einfärbig in schwarz, später begann er mit Farben zu experimentieren und Zeichnungen zu „inschriftieren", wie er es nannte. Dabei erklärte Johann Fischer wie die Welt funktioniert bzw. wie sie zu sein hätte. Oft besuchte er das Museum, um seine eigenen Werke zu lesen.

Johann Fischer: Für die Agrarier, Bauernbündler und Bauern
Johann Fischer: Für die Agrarier, Bauernbündler und Bauern

Auch seinem „Chef" Johann Feilacher, dem künstlerischen Direktor des Museums, erklärte er in gewählter und bedeutungsschwerer Sprache seine künstlerischen Vorhaben und die Wichtigkeit der Aussage seiner Werke. Beeindruckend ist auch wenn er in einem seiner Bilder festhält wie viel Raum und Geld eine Familie mit zwei Kindern vom Staat brauchte, oder dass alle Autos, die in Österreich gekauft werden auch in Österreich produziert werden sollten.

 Johann Korec

Korec wurde 1937 in Wien geboren und lebte bis zu seinem 14. Lebensjahr in Jugendheimen, besuchte die Sonderschule und arbeitete bis zum Alter von 21 Jahren als Kuhhalter und Knecht bei Bauern. 1958 kam er in die damalige Heil- und Pflegeanstalt nach Gugging, wo sein künstlerisches Talent gefördert wurde. 1981 zog er in das heutige Haus der Künstler. Sein Traumberuf war eigentlich Dompteur und Tierwärter in einem Zirkus, tatsächlich gehörte er zur Gründergeneration der Art Brut in Gugging.

Johann Korec
Johann Korec

Sein zentrales Thema waren die Beziehungen zwischen Mann und Frau und bereits in seinen ersten kleinformatigen Arbeiten mit Blei- und Farbstift sind seine Zeichnungen mit Kommentaren versehen. In den 1970er schrieb Korec auch kurze Prosatexte und arbeitete damals vor allem mit Vorlagen, pauste Bilder aus Zeitungen ab, wobei er oft mehrere Vorlagen für eine Zeichnung verwendete, von den Vorlagen oft stark abwich und sie ergänzte. Der Kommentar zur Zeichnung erhielt den gleichen Stellenwert wie die Zeichnung.

Johann Korec
Johann Korec

In den 1980ern entstanden Werke ohne Vorlagen mit stark autobiografischen Zügen, die meist seine Liebesabenteuer beschrieben. Nicht immer war Korec in seinen Werken diskret, oft waren seine Geliebten dabei – nicht zu deren Begeisterung – erkennbar. Korec erzählt mit seinen Werken Geschichten, sie wirken wie illustrierte Tagebuchaufzeichnungen. Johann Korec genoss die Anerkennung seiner Kunst, fuhr gerne auf Vernissagen, konnte sehr charmant und zart sei, aber auch direkt und fordernd – nicht immer waren seine Kommentare zum Geschehen eine Freude für sein Umfeld.

 Ida Buchmann

Ihre Bilder haben mich von allen am meisten angesprochen. Klare große Linien und von Weiten betrachtet strahlen die meisten auf den ersten Blick Freude und Leichtigkeit trotz ihrer dicken Linien aus. Wenn man allerdings näher an die Werke herantritt, merkt man oft Traurigkeit und die Leichtigkeit geht verloren – so wirken sie zumindest auf mich.

Ida Buchmann
Ida Buchmann

Buchmann wurde 1911 in Egliswil in der Schweiz geboren, verlor mit 18 ihre Mutter, mit 23 Jahren ihren Vater und musste dann ihre Geschwister aufziehen.

Ida Buchmann: Dort unten in der Mühle
Ida Buchmann: Dort unten in der Mühle

Mit 30 Jahren heiratete sie und bekam zwei Kinder. Nach mehreren kürzeren Aufenthalten in der Psychiatrie lebte sie von 1966 bis zu ihrem Tod 2001 in den psychiatrischen Klinik Königsfelden.

Ida Buchmann: Durch die Hose pfeift der Wind
Ida Buchmann: Durch die Hose pfeift der Wind

Buchmann bekam erst im fortgeschrittenen Alter eine Möglichkeit ihre künstlerisch-kreativen Fähigkeiten auszuleben. Erst in den 1980er Jahren begann sie mit Stift, Pinsel und Farbe auf Papier und Leinwand zu arbeiten und damit ihr Gefühlsleben in großformatigen Werken auf die „Leinwand" zu bannen.

Während ihrer Arbeiten sang sie meist Volkslieder oder redete mit ihren BetreuerInnen.

Ida Buchmann: Schöne Rose
Ida Buchmann: Schöne Rose

Expressivität und Dynamik zeichnen ihre Werke aus, die auffallend farbenfroh und Einblicke in ihre innere Gefühlswelt bieten und ihr Bedürfnis nach Liebe und Nähe wie auch erotische Fantasien zeigen. Auch in ihren Arbeiten spielt die Schrift eine zentrale Rolle: sie wird zum gestalterischen Formenelement. Vielleicht braucht man auch ein bisschen länger um das Schwyzerdütsch zu verstehen …

Also: Schauen Sie sich das an … und lest euch ein ...

Ida Buchmann
Ida Buchmann

Das museum gugging ist von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet, Montag (außer Feiertag) ist geschlossen. Schaut bei eurem Besuch auch noch in der galerie gugging vorbei – auch hier gibt es immer wieder tolle Präsentation der Künstler aus Gugging.

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