Enricos Reisenotizen

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Noch mehr Dinos – im Naturhistorischen Museum

Der T-Rex in der Ausstellung KinoSaurierDer T-REx in der Ausstellung KinoSaurier

Das Naturhistorische Museum wird zum Lieblingsplatz für alle Dinofans: nicht nur der „lebendige" Allosaurier in Saal 10 begeistert die Besucher, die neue Dinoshow auf Deck 50 ist seit kurzem der Fixpunkt jedes Museumsbesuchs meines Enkels. Und jetzt gibt es auch noch die Sonderausstellung KinoSaurier…. 

Woher kommt eigentlich unser Dinosaurierbild? Wer machte sie zu Monstern? Waren sie das überhaupt wirklich? Die neue Ausstellung KinoSaurier will uns darauf einige Antworten geben.

Der "neue" Allosaurier in der Ausstellung KinoSaurier. Ganz schön gruselig....

Mein Dinoverständnis und –interesse kam überwiegend von Jurassic Park. Die Spielberg Trilogie hat es mir angetan, vielleicht weil es einen Science Fiction–Blick in die Urzeit ermöglichte. Und ich liebe nun mal Science Fiction. Meine Helden waren allerdings immer die Velociraptoren, kluge Kerlchen, die immer in der Gruppe jagen und mit listigen Augen ihre Opfer beobachten und dann zur Strecke bringen. Der T-Rex war zwar immer groß und gefährlich und stark, aber für mich auch immer ein wenig dämlich.

Sie sind richtig intelligente Kerlchen - wenn man Jurassic Parc trauen kann - die Velociraptoren ...

Die „lieben" Dinos kannte ich natürlich von den Flintstones und vom Film „In einem Land vor unserer Zeit", aber das war es dann schon.

Die lieben Dinos im Film
Die lieben Dinos im Film "In einem Land vor unserer Zeit"
Dennoch all diese Filme kann man nun ausschnittsweise in der KinoSaurier –Ausstellung verfolgen und noch einige mehr: die Anfänge, die der tschechische Regisseur Karel Zeman 1955 produzierte (Reise in die Urzeit), aber auch Gruselfilme wie Gozilla.
Einer der ersten Hauptdarsteller - Gertie
Einer der ersten Hauptdarsteller - Gertie

Alle diese Filme spiegeln unser Verständnis der Saurier wider: sie zeigen die Entwicklungen sowohl in der Forschung als auch in der Filmindustrie. Von den ersten Ausgrabungen der Saurierknochen und den ersten Animationen bis zu Jurassic Park und Star Track. Ja, genau – eigentlich treten in vielen Science Fiction Filmen auch saurierähnliche Gestalten auf. Und auch wenn ich sie in der Ausstellung gleich erkannt habe, ohne den Hinweis wäre es mir nicht so klar geworden.

Ein Saurier bei Star Track?
Ein Saurier bei Star Track?

Nicht immer folgte aber die Darstellung im Film den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft. So wurde der gefährliche T-Rex zu Beginn des 20. Jahrhunderts riesigen Leguanen nachempfunden, vor allem der Kopf, später erinnerte dieser eher an jene der tatsächlich enger mit ihm verwandten Krokodile. Doch immer wieder gibt es neue Erkenntnisse und so könnte es auch sein, dass man sich einige der Raubdinosaurierlinien eher „vogelhaft" ausgesehen haben.

Eigentlich doch ganz lieb, oder?
Eigentlich doch ganz lieb, oder?

Man stelle sich nur vor wie aus dem gefährlichen T-Rex plötzlich ein hühnchenhafter Dino mit weichen Federn würde. Wer soll denn der erschrecken? Klarerweise kann in so einem Fall die Filmindustrie nicht immer den neuesten Erkenntnissen folgen …

Science Fiction - Die T-Rex Babys aus dem Reagenzglas
Science Fiction - Die T-Rex Babys aus dem Reagenzglas

Natürlich gibt es auch jede Menge Fiction in diesen Filmen. So erzählte uns Frau Dr. Annette Richter vom Museum Hannover, die diese Ausstellung im Museum Hannover konzipierte, dass sie immer wieder gefragt wird, wann man nun den ersten Saurier aus der in Bernstein eingeschlossenen DNA von einer Stechmücke extrahieren kann. Leider, leider gehört diese Möglichkeit in das Reich der Fiction.

Dr. Annette Richter und Dr. Daniel Hercenberger 

Wenn auch die Einschlüsse von Insekten im Bernstein sichtbar sind, so ist es nur der Insektenpanzer, der nach den vielen Jahrhunderten übrig geblieben ist. Blut oder anderes Material aus dem man DNA gewinnen könnte, lässt sich darin leider nicht mehr finden. Schade. Die Vorstellung einer Insel mit Dinosauriern bleibt also ebenfalls eine Fiction. Aber das ist wahrscheinlich für uns und die Dinos besser so.

Die liebe Dinofamily © NHM Wien, Christina Rittmannsperger
Die liebe Dinofamily © NHM Wien, Christina Rittmannsperger

Was mir auch nicht so bewußt war, dass viele Saurier, die in Filmen vorkommen gar nicht zur selben Zeit gelebt haben und sich manchmal auch gar nicht begegnen, geschweige denn „bekriegen" konnten. Auch die Flora waren zu den unterschiedlichen Lebenszeiten der Saurier verschieden. Wieder etwas gelernt.

Welcher Saurier lebte wann und wo?
Welcher Saurier lebte wann und wo?

Einer der Stars der Ausstellung ist der „funkelnagelneue" Plateosaurier, den das Naturhistorische Museum von der Ausgrabungungsstätte Frick in der Schweiz bekam und der vor 210 Millionen Jahren gelebt hat. Allerdings war das Skelett noch in Felsblöcken „verborgen" und musste erst freigelegt und zusammengesetzt werden. Ein Dinosaurier zum Selberbauen sozusagen.

"Unser" neuer - der Plateosaurier aus der Schweiz

Groß war allerdings der Stolz als man nach langwieriger Arbeit herausfand, dass der Saurier zu 61% vollständig war – und mit diesem Prozentwert gilt das Skelett als vollständig! Kopf und fehlende Teile wurden mittels 3D-Druckverfahren ergänzt und so steht der neue alte Saurierkamerad nach neuesten Erkenntnissen nun auf zwei Beinen in der neuen Ausstellung und wird auch danach im Museum in der Dauerausstellung verbleiben. Die Arbeit muss aufregend, aber ein echter Wahnsinn gewesen sein. Nicht nur das vorsichtige Herausschälen der Knochen aus der Gesteinsschicht und die Rekonstruktion der fehlenden Teile, sondern auch das „Zusammenbauen": so musste für jeden einzelnen Knochen eine eigene Aufhängung geformt werden. Dauer der Prozedur: ein Jahr. Man sollte sich den Kollegen also ehrfürchtig anschauen, immerhin war der Plateosaurus trossingensis 5,80 Meter lang und 1,5 Tonnen schwer.

Er ist schon furchterregend - der Allosaurier
Er ist schon furchterregend - der Allosaurier

Mein kleiner Saurierspezialist braucht allerdings noch ein bisschen Zeit um sich die ganze Ausstellung anzuschauen. Nachdem wir uns mutig durch den etwas schummrigen Eingang bis zur lieben Dinomama mit ihrem Baby getraut hatten, war beim Allosaurier Schluss.

Blick in die Ausstellung, Foto © NHM Wien, Christina Rittmannsperger
Blick in die Ausstellung, Foto © NHM Wien, Christina Rittmannsperger

Obwohl wir dessen beweglichen Bruder aus der Dauerausstellung eigentlich kennen und ihn immer wieder besuchen. Doch ein weiterer Blick Richtung Gozilla ließ uns dann endgültig umkehren. Dennoch: ich bin mir sicher, dass es nur eine Frage der Zeit sein wird, bis wir uns in alle Zimmer trauen. Das wird sicher noch sehr sehr spannend. Davor besuchen wir einfach wieder die Dinoshow.

Wahrheit oder Fiction? Ein Dinosaurier-Schlüpfling und ein Dinosaurier-Embryo (Foto © NHM Wien, Christina Rittmannsperger)
Wahrheit oder Fiction? Ein Dinosaurier-Schlüpfling und ein Dinosaurier-Embryo (Foto © NHM Wien, Christina Rittmannsperger)

Cineasten wird die Entwicklung der Animationstechnik interessieren – kann man doch in der Ausstellung sehen wie die Dinos „laufen" lernten. Aber auch wie sie sich in ihrem Aussehen entwickelt haben.

So stellte man sich die Dinos früher vor
So stellte man sich die Dinos früher vor

Zum Abschluss noch ein Tipp: Schaut euch auf jeden Fall den Trailer zur Ausstellung an. Beim ersten Mal sind Fabian und ich gemeinsam zusammengezuckt, wie der T-Rex sich seinen Weg bahnt.

Fabian hat es dann aber soo gut gefallen – ich glaube er hat es sich locker noch 10 Mal angesehen.
Wir kommen also wieder, bis zum nächsten Mal ihr Dinos.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung

Die KinoSaurier sind bis zum 18.4.2022 im Naturhistorischen Museum zu Gast. Es ist nicht nur eine Ausstellung für jugendliche Dinofans, sondern auch für uns „Alte". Nicht nur um die eigene Einstellung zu Sauriern und Fiction zu überprüfen, man kann wirklich auch viel Wissenswertes erfahren. Toll gemacht und kurzweilig – von den Animationen bis zu Jurassic Park. Ein Wiedersehen mit Familie Feuerstein und den Dinos im Land vor unserer Zeit. Und ich werde jetzt auch einige Außerirdische in meinen Science Fiction Filmen ganz anders betrachten.

Unendliche Weiten - bei Star Track im Jahr 2200
Unendliche Weiten - bei Star Track im Jahr 2200

Außerdem trägt die Schau auch dazu bei, die Dinos wieder ein bisschen realistischer und wissenschaftlicher zu sehen – und sie hilft uns dabei leichter zu erkennen, was Wirklichkeit, Realität und eben Fiction in den Filmen ist.

Noch ein kleiner Dino ...
Noch ein kleiner Dino ...

Ein großes Rahmenprogramm rundet die Ausstellung ab. Daher mein Tipp – nicht nur für Dinofans – auf ins Naturhistorische Museum. Soviel Dino gabs noch nie.

Blick in die Ausstellung (Foto © NHM Wien, Christina Rittmannsperger)
Blick in die Ausstellung (Foto © NHM Wien, Christina Rittmannsperger)

 Zweiter Tipp: wenn ihr einen Dinofan zuhause habt, kauft euch eine Jahreskarte. Ab drei Besuche seid ihr als erwachsene Begleitperson einfach günstiger dran.

Vielleicht warensie doch nicht ganz so nett ...
Vielleicht waren sie doch nicht ganz so nett ...

Das Naturhistorische Museum ist von Mittwoch bis Montag von 9:00 bis 18:30 Uhr geöffnet, Dienstag ist geschlossen. Bitte haltet euch an die jeweils geltenden Covid-19-Regelungen.

Hier noch ein paar Eindrücke von der Ausstellung:

Visualized dreams …
Die 80er kommen wieder!

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