Enricos Reisenotizen

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Bei Alma Karlin im Weltmuseum Wien

Alma mit Fächer (Foto © NUK)Alma mit Fächer (Foto © NUK)

Wer in Celje am Bahnhof ankommt und von dort Richtung Innenstadt schlendert, kommt nicht an ihr vorbei. Alma ist mit ihrem Köfferchen auf dem Weg in die Welt. Nun macht sie einen Stopp im Weltmuseum Wien. 

Das kleine Städtchen Celje ist nicht nur wegen Alma Karlin eine Reise wert und lange Zeit waren Stadt und Bürger gar nicht stolz auf ihre „berühmte" Bürgerin. Alma stand eigentlich immer zwischen den Fronten, wurde als Kuriosum betrachtet und in der Heimat kaum geachtet.

Die Weltreisende Alma M. Karlin mit ihrem Köfferchen in Celje
Die Weltreisende Alma M. Karlin mit ihrem Köfferchen in Celje

Doch das ändert sich nun langsam und alle Journalisten, Blogger und Influencer und –innen sollten sich die Ausstellung im Weltmuseum ansehen. Nicht nur die Lebensgeschichte, auch ihre Haltung und Unbeugsamkeit beeindruckt, wie wohl man auch einiges bei der Beurteilung mit den Augen ihrer Zeit sehen muss. Dennoch: ein gutes Beispiel für die schreibende Zunft ist sie allemal.

Almas Schreibmaschine
Almas Schreibmaschine "Erika" in der Ausstellung im Weltmuseum. Nicht IHR Original, aber eine Original-Schreibmaschine dieses Typs.

Die Ausstellung schildert das Leben einer einzigartigen Frau und – darauf sei hingewiesen – es gibt viel zu lesen. Aber wie schon gesagt: es lohnt sich.

Alma mit ihren Eltern
Alma mit ihren Eltern

Alma wurde 1889 als Kind deutschsprachiger Eltern in Celje (lag damals in der Österreich-Ungarischen Monarchie, heute Slowenien) geboren. Ihre Mutter war bei ihrer Geburt bereits 45 Jahre alt, ihr Vater war ein pensionierter 60jähriger Major der Armee. Ihr Verhältnis zu ihrer Mutter kann man von jeher als angespannt bezeichnen. Ob es dabei eine Rolle spielte, dass sie mit einem hängenden Augenlid geboren wurde, ist nicht überliefert. Ihr Vater versuchte sie zu Stärke und Selbständigkeit zu erziehen, er starb jedoch als Alma 8 Jahre alt war.

Alma M. Karlin
Alma M. Karlin

Bald erkannte sie, dass Bildung ihre einzige Chance wäre, von zu Hause ausbrechen zu können. Mit 18 ging sie nach London, wo sie Sprachenunterricht gab und bereits dort wurde ihre Sehnsucht, andere Länder und Kulturen kennenzulernen immer größer. Sprachen waren für sie unter anderem das Tor zur Welt: Sie lernte Norwegisch, Schwedisch, Dänisch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Russisch und erzielte bei den Prüfungen Bestnoten.
Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs reiste Alma nach Norwegen und Schweden und entdeckte dort eine weitere Passion: Das Schreiben.

Ihr
Ihr "Reise"-Wörterbuch vereinte zehn Sprachen

1919 schließlich brach Alma im Alter von 30 Jahren mit ihrer Schreibmaschine „Erika" und einem selbst zusammengestellten Wörterbuch, das 10 Sprachen abdeckte zu ihrer Weltreise auf. Anders als viele reiche und adelige Personen, die sich auf die Reise begaben, fehlte ihr jedoch jeglicher finanzieller Hintergrund. Sie arbeitete als Sprachlehrerin, Übersetzerin, Journalistin und Reiseschriftstellerin um ihr Überleben zu sichern.

Auch der
Auch der "Geheimnisvolle" ist in der Ausstellung im Weltmuseum zu sehen

Diesen Umstand muss man auch im Hinterkopf behalten, wenn man in der Ausstellung jene Objekte sieht, die sie von ihren Reisen mitgebracht hat. Alma hatte nicht die finanziellen Möglichkeiten jene Gegenstände zu erwerben, die sie sich vielleicht gewünscht hätte. Manches konnte sie kaufen, manches wurde ihr geschenkt wie „Der Geheimnisvolle". Diese Statue einer der acht Unsterblichen des taoistischen Pantheons, Li Tieguai, wurde ihr in Peru von einem Schüler geschenkt, das sich seine Frau vor der Statue fürchtete und glaubte sie stelle den Teufel dar.

Alma mit der Statue, die ihr viel zu bedeuten schien
Alma mit der Statue, die ihr viel zu bedeuten schien

Erst in China erfuhr Alma, wen die Statue wirklich darstellte. Die Xian erreichen ihre Unsterblichen durch den Verzicht auf materielle Güter und gehorchen den Gesetzen der Natur und kultivieren Körper und Seele im Streben nach Harmonie. Alma schrieb der Statue eine besondere Kraft und eine besondere Bedeutung zu und trug sie sechs Jahre lang bei sich.

Auch der Kimono war immer mit dabei
Auch der Kimono war immer mit dabei

Eigentlich war das Ziel ihrer Reise Japan gewesen, doch das Land erreichte sie erst auf Umwegen. Nach all den schwierigen Jahren am süd- und nordamerikanischen Kontinent, die sie teilweise auch lebensbedrohliche Situationen erleben ließ, konnte sie dann ein glückliches Jahr in Japan verbringen, bevor sie nach Asien, Australien, in den pazifischen Raum und schließlich nach Indien weiterreiste, von wo sie dann 1927 in ihre Heimatstadt zurückkehrte.

Karlin erlangte mit ihrer Reisetrilogie, die in Deutschland zwischen 1929 und 1933 publiziert und auch in mehrere Sprachen übersetzt wurde, internationale Bekanntheit.

Alma mit ihrer Schreibmaschine
Alma mit ihrer Schreibmaschine

Dennoch wurde sie in ihrer Heimat weiterhin als Kuriosum gesehen. Für die Slowenen blieb sie „die Deutsche" und auch ihr Lebensstil wurde nicht goutiert. Sie war und blieb eine Außenseiterin, wurde als Lesbe gebrandmarkt.

Alma und ihre Schwesterseele
Alma und ihre Schwesterseele

Als die Nationalsozialisten Slowenien besetzten, wurden ihre Werke verboten und Alma wurde „als Feind des Hitlersystems" verhaftet, da sie sich auch kritisch gegenüber dem Nationalsozialismus geäußert hatte. Sie entging nur dadurch der Gestapo, weil einer der verhörenden Offiziere ein Fan ihrer Reisebücher war. 1944 schloss sie sich den Partisanen an, denen sie jedoch ebenfalls nicht vorurteilslos gegenüberstand und die sie daher ebenfalls überwachten und schließlich auch ihre Liquidierung planten.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung

1945 wurde sie als deutschsprachige Autorin im neu gegründeten Jugoslawien angefeindet. Alma Karlin starb fünf Jahre später völlig verarmt an Brustkrebs.
Heute werden die Person Alam Karlin wie auch ihre Bücher wieder entdeckt. Und auch ihr Heimatort Celje scheint sich mehr und mehr mit ihr zu versöhnen: Bei den Stadtführungen wird zwar schon noch einiges "Gossip" über ihr Leben erzählt, aber man erinnert sich an sie schon mit sichtbar mehr Stolz. Auch wenn man die „schwierigen" Teile ihres Lebens noch nicht besonders breit tritt, aber wer im Urlaub ist, möchte vielleicht sowieso nur die schönen Dinge des Lebens erzählt bekommen.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung
Wer sich aber für die komplette Geschichte von Alma M. Karlin interessiert, der sollte wirklich die kleine Ausstellung im Weltmuseum besuchen. Solltet ihr Celje besuchen (das ich ebenfalls sehr empfehlen kann) findet ihr hier meinen Beitrag darüber. In Celje empfiehlt sich auch ein Besuch des Regionalmuseums, das die Ausstellung mit dem Weltmuseum Wien gestaltet hat.
Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung
Zuletzt noch ein Buchtipp: Barbara Trnovec. Die endlose Reise der Alma M Karlin. Leben, Werk, Nachlass. Das Buch ist auch im Shop des Weltmuseums erhältlich.
Reiseandenken
Reiseandenken

Das Weltmuseum Wien ist täglich außer Mittwoch von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet.

Ausstellungsansicht (Foto © Weltmuseum Wien)
Ausstellungsansicht (Foto © Weltmuseum Wien)

Übrigens: Mehr über die Stadt Celje und ihre Sehenswürdigkeiten findet ihr hier am Reiseführer

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