Enricos Reisenotizen

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Große Oper in Kirchstetten

Wer heiratet nun wen?Wer heiratet nun wen?

Nun ja, kein Wagner oder Mozart, Belcanto und Rossini ist angesagt. Im Ehrenhof von Schloss Kirchstetten gibt sich dieses Jahr Signore Bruschino die Ehre … 

Ich liebe ja diese kleinen Festivals, die mit viel Fantasie und kreativem Geist große Bühnen und teure Ausstattung mehr als wettmachen und mit vielen tollen Ideen überraschen. Letzte Woche hatte ich wieder so ein Glückserlebnis.

 Das kleinste Opernhaus Österreichs spielt Belcanto

Hab ihr schon vom kleinsten Opernhaus Österreichs gehört? Ich gestehe, es war mir bis letzte Woche kein Begriff. In Kirchstetten, im Weinviertel, nahe der tschechischen Grenze, wartete jedoch ein besonderer Genuss. Hier werden – seit einigen Jahren – im Sommer Belcanto Opern aufgeführt, aber auch Konzerten und Ausstellungen bietet das Schloss eine Heimat.

Schloss Kirchstetten in der Abendsonne
Schloss Kirchstetten in der Abendsonne

Normalerweise ist der Maulbertschsaal Aufführungsort der Veranstaltungen, doch auf Grund der Corona-Pandemie trat Plan B (oder war es doch A?) in Kraft: man entschloss sich im Ehrenhof des Schlosses zu spielen. Und ich kann gleich zu Beginn sagen: keine schlechte Entscheidung.

Die kleine Bühne unter der alten Weide auf der gleich Großes passiert
Die kleine Bühne unter der alten Weide auf der gleich Großes passiert

Heuer spielt man Il signor Bruschino und ich bin zur Vorpremiere eingeladen. Bei Sonnenschein und Sommertemperaturen mach ich mich auf den Weg und plane auch noch einen Abstecher ins Vino Versum in Poysdorf ein. Wir lieben den Gemischten Satz vom Strobl und warum soll man die Fahrt nicht auch dafür nutzen. Mein Navi kommt dadurch zwar wieder einmal ein wenig ins Schleudern, aber egal, der kleine Umweg musste sein.

 Vorab ins Museum

Trotzdem bin ich noch früh genug, um mir auch die Ausstellung im Kunst- & Naturmuseum anzuschauen. Die Ausstellung ist ein Sammelsurium an Kunst und Taubenwissen. Alles noch sehr „work in progress".

Ab ins Museum
Ab ins Museum

Ein bisschen Kitsch (nach meinem Kunstverständnis), aber auch Interessantes über Taubenarten, ihre Verbreitung, ihren Einsatz im Krieg. Ich wusste auch nicht, dass die Unesco 2019 die Zucht, Haltung und Flugsport mit Wiener Hochflug-Tauben als Immaterielles Weltkulturerbe für Österreich anerkannte.

Andrea Dee, sie weiß alles über Tauben
Andrea Dee, sie weiß alles über Tauben

Ja, ich hab nicht einmal gewusst, dass es Hochflug-Tauben gibt und dass das mit den „normalen" Brieftauben nichts zu tun hat. Wer sich also bezüglich Tauben weiterbilden möchte, ist bei Andrea Dee, der Gründerin des Museums in den besten Händen.

Ein bisschen Kunst ist auch dabei
Ein bisschen Kunst ist auch dabei

Das Museum findet ihr neben der Volkschule vis à vis vom Schloss. Geöffnet ist es jeweils zwei Stunden vor dem Opern- oder Konzertveranstaltungen. Der Eintritt ist frei.

 Il signor Bruschino 

Doch nun endlich zum Schloss und zur Oper. Ich parke auf dem großen Parkplatz vor dem Eingang zum Schloss, zeige mein Impfzertifikat und trete durch einen Torbogen in den Ehrenhof.

Der erste Blick auf den Ehrenhof und das Schloss
Der erste Blick auf den Ehrenhof und das Schloss

Vis à vis zeigt sich der Eingang zum Schloss mit der schönen Fassade, dem Steinbalkon und dem Wappen derer von Suttner. Nehme ich zumindest an. 1723 erwarb der kaiserliche Leibarzt Matthias von Suttner das Schloss und ließ es nach Plänen von Joseph Emanuel Fischer von Erlach in ein Barockschloss umbauen. Auch Bertha von Suttner soll hier öfter ihre Verwandtschaft besucht haben und auch Teile ihres berühmten Romans „Die Waffen nieder" im Schloss verfasst haben.

Das Orchester macht sich bereit
Das Orchester macht sich bereit

Eine große Trauerweide beherrscht die rechte Ecke des Ehrenhofes und davor beginnen bereits die Musiker ihre Instrumente zu stimmen. Als Bühne gibt es drei Podeste und dann beginnen schon die Publikumsreihen.

Die Bühne beleuchtet
Die Bühne beleuchtet

Auf der anderen Seite gibt es vor der Vorstellung und in der Pause nicht nur erstklassigen Rotwein (ich habe nur diesen probiert), sondern auch kleine Schmankerl zu kaufen. In der Wiese unter den hohen Bäumen und vor dem Schloss kann man sich so ausgestattet in einem der Liegestühle niederlassen, Speis und Trank und den Sonnenuntergang genießen. Es gibt fast nichts Schöneres.

Ein Glaser Festspielwein und einen kleinen Snack gibt es hier
Ein Glaser Festspielwein und einen kleinen Snack gibt es hier

Nun beginnt das Spiel und es ist einfach große Klasse.

Dora Garcidueñas als Sofia und Theresa Krügl als Zimmermädchen Marianne
Dora Garcidueñas als Sofia und Theresa Krügl als Zimmermädchen Marianne

Dora Garcidueñas als Sofia begeistert gleich in der ersten Arie ebenso wie das Zimmermädchen Marianne, das von Theresa Krügl gesungen wird. Florville, Sofias Geliebter, gesungen vom hervorragenden July Zuma bahnt sich seinen Weg durch das Publikum zur Bühne und so kann man seine „buschigen" Augenbrauen noch besser beobachten.

Nicht nur die Augenbrauen sind toll, auch die Stimme
Nicht nur die Augenbrauen sind toll, auch die Stimme

Emilio Marcucci ist ein hervorragender Gaudenzio, Daniele Macciantelli ein unheimlich komischer, gebrechlicher Bruschino, bei dem man am liebsten vom Sessel aufspringen möchte, um ihm von einem Podest zum anderen zu helfen.

Emilio Marcucci als Gaudenzio (Foto © Patrick Piller)
Emilio Marcucci als Gaudenzio (Foto © Patrick Piller)
Daniele Macciantelli als Signor Bruschino
Emilio Marcucci als Gaudenzio (Foto © Patrick Piller)

Damian Suchożebrski spielt überzeugend Filberto, den Wirten – kein Wunder mit einem Bierkrügel auf seinem Kopf. Und Andrea Calce brilliert nicht nur als wahrer Sohn des Signor Bruschino, sondern auch als Polizist mit einer Marionette als Hund und Blaulicht am Kopf. Die Bühne und Kostüme sind bunt und kreativ, die Einfälle der Maske und der Kostüme sind witzig, aber nicht zu übertrieben.

Der
Der "Zechpreller" Bruschino Junior und der Wirt

Nicht nur, dass alle Stimmen ausgezeichnet disponiert sind, auch das Spiel der SängerInnen und ihr Mienenspiel – ganz große Klasse. Durch die Nähe zur Bühne kann man jede Mimik, jede Regung in den Gesichtern wahrnehmen. Toll. Auch das ist ein Grund warum ich kleine Bühnen und Aufführungen so mag: die Nähe zu den Protagonisten. Wenig Technik, einfach Musik und Spiel pur.

Traritrara, die Polizei ist da
Traritrara, die Polizei ist da

Daher großes Lob nicht nur für die Sänger, sondern auch für Hooman Khalabari, der das Orchester Virtuosi Brunenses dirigierte, für die Regie von Richard Panzenböck, die Bühnengestaltung von Petra Fibisch-Patzelt, für die Kostüme von Sigrid Dreger, die Maske von Bettina Franz und die Lichtgestaltung von Martin Kurz.

Das Ensemble von Signor Bruschino (Foto © Andreas Auer)
Das Ensemble von Signor Bruschino (Foto © Andreas Auer)

Schade nur, dass ich nur einen ganz kurzen, dunklen Blick in den Maulbertschsaal machen konnte. Aber vielleicht kann ich mir diesen ja bei einem meiner nächsten Besuche genauer ansehen.

Blick in den Maulbertschsaal (Foto © Schloss Kirchstetten)
Blick in den Maulbertschsaal (Foto © Schloss Kirchstetten)
Es war ein hervorragender, stimmungsvoller, begeistender Abend. Ich freue mich schon auf das nächste Jahr…

Vielleicht schaffe ich es ja auch noch zu einem der Konzerte - oder zum Weihnachtsmarkt.

Weitere Informationen über die Veranstaltungen auf Schloss Kirchstetten findet ihr hier: https://www.schloss-kirchstetten.at/

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