Leopold Strobl: Ohne Titel © courtesy galerie guggingLeopold Strobl: Ohne Titel © courtesy galerie gugging

Das museum gugging entwickelt sich für mich mehr und mehr zu einem großen Kulturtipp. Über die Ausstellung „naiv.? naive kunst aus der sammlung infeld" habe ich schon hier berichtet. Am 6. Mai wurde nun das zweite Highlight eröffnet: „gugging.! classic & contemporary" 

All jene, die die Künstler aus Gugging vielleicht noch nie gesehen haben, sollten jetzt ins Museum pilgern, aber auch für jene, die Walla, Tschirtner und Co. vielleicht schon kennen, gibt es jede Menge neue Werke zu sehen. Im Moment sind daher in Maria Gugging am Rande des Wienerwaldes gleich drei hervorragende Ausstellungen zu sehen: auch die galerie gugging zeigt eine neue Ausstellung.

Arnold Schmidt: Menschen (Foto © Dagmar Postel)
Arnold Schmidt: Menschen (Foto © Dagmar Postel)

 „gugging.! classic & contemporary"

Das museum gugging ist nicht nur ein Fenster der Art brut zur Welt, wie es auch immer in seinen Sonderausstellungen demonstriert, sondern es präsentiert auch alle drei Jahre in einer wechselnden Schau einen Überblick über das Schaffen aus Maria Gugging. Und heuer ist es wieder einmal so weit. Die Ausstellung gugging.! classic & contemporary zeigt nicht nur die berühmten Künstler aus Gugging, deren Werke bereits von Paris bis New York bekannt sind und auch zu Höchstpreisen gehandelt werden, sondern stellt auch Arbeiten der „neuen" Künstlergeneration vor. Eine Ausstellung, die man einfach gesehen haben sollte. Über 170 Werke von mehr als 19 KünstlerInnen werden gezeigt, darunter bekannte Namen wie Johann Hauser, Oswald Tschirtner oder August Walla, aber auch aktuelles von Günther Schützenhofer, Arnold Schmidt oder Leopold Strobl.

Die vergangenen Ausstellungen im museum gugging (Foto © Dagmar Postel)
Die vergangenen Ausstellungen im museum gugging (Foto © Dagmar Postel)

Hier allen ausgestellten Künstlern gerecht zu werden, ist unmöglich. Dazu muss man einfach die Ausstellung besuchen. Aber ich möchte euch hier wieder mein ganz persönliches Best-Of zeigen und euch so wieder einen Gusto auf den Ausstellungsbesuch machen.

 August Walla

Er zählt zu den Klassikern und ist weit über die Grenzen Österreichs bekannt. Wenn es möglich ist, bucht eine Führung und lasst euch in die Symbolwelt des August Walla einführen. Am besten vor dem Werk Seutts oder Teich.

August Walla: Seutts oder Teich, Foto © Art Brut KG
August Walla: Seutts oder Teich, Foto © Art Brut KG

Aber auch seine Russensoldatenkisten wie auch die Fotos seiner frühen Installationen sind sehenswert. Bekommt man dazu die Erklärungen seiner Welt geliefert, werden die Werke nochmal so spannend.

August Walla: Trompetenkoffer, Foto © Art Brut KG
August Walla: Trompetenkoffer, Foto © Art Brut KG

 Rudolf Horacek

Horacek ist einer meiner Lieblinge. Bei seinem Bild Rudolf Horacek in Mannswörth, das er bereits 1984 gemalt hat, glaubt man fast er hat die Pandemie vorausgesehen. Aber auch der mit Bleistift und Farbstift gezeichnete Kopf beeindruckt.

Ob er die Pandemie vorher gesehen hat? Rudolf Horacek in Mannswörth, Foto © Art Brut KG
Ob er die Pandemie vorher gesehen hat? Rudolf Horacek in Mannswörth, Foto © Art Brut KG

 Oswald Tschirtner

Seine Menschenbilder – die Kopffüssler – gefallen mit immer wieder sehr, aber auch die Sonne oder das Blatt sind wunderschön.

Oswald Tschirtner begrüßt die Besucher, Foto © Dagmar Postel
Oswald Tschirtner begrüßt die Besucher, Foto © Dagmar Postel

 Doch nun zu meinen ganz persönlichen Neuentdeckungen:

 Anton Dobay

Gleich am Beginn der Ausstellung überraschen die Bilder von Anton Dobay, der mit Wachskreiden Zeitungsausschnitte übermalte. Besonders das Bild von Niki Lauda hat mich fasziniert aber auch seine „bunten" Bilder sind sehr schön.

Anton Dobay: Überzeichnung, Foto © Dagmar Postel
Anton Dobay: Überzeichnung, Foto © Dagmar Postel

 Johann Garber

Zu Beginn lädt die Ausstellung in den „Garber Salon": bunt übermalte Geweihe und Krickel fallen sofort ins Auge, aber auch detailreiche Tusche Zeichnungen des Künstlers. Nehmt auch Zeit für den Salon, es gibt hier viel zu Schauen und zu Staunen.

Blick in den Johann Garber Salon, Foto © Dagmar Postel
Blick in den Johann Garber Salon, Foto © Dagmar Postel

 Leopold Strobl

In einer Ecke des Garber Salons kann man mit einem Video Leopold Strobl kennen lernen, dem später ein ganzer Raum gewidmet ist und der zu meinen ganz großen Entdeckungen dieser Ausstellung zählt. Leopold Strobl wurde 1960 in Mistelbach geboren und ist seit über 15 Jahre regelmäßiger Gast im atelier gugging. Fantasievoll übermalt er Bilder aus Tageszeitungen, die er ausschneidet und mit seinen Übermalungen völlig neue Werke schafft.

Leopold Strobl: Ohne Titel, Foto © courtesy galerie gugging
Leopold Strobl: Ohne Titel, Foto © Courtesy galerie gugging

Die Monoliten, die in manchen seiner Bilder auftauchen erinnerten mich irgendwie an die Welten von 2001: Odyssee im Weltraum. Wie im Film steht man vor den Bildern und wird irgendwie in sie und in ihre Welt hineingezogen. Kein Wunder, dass seine Werke mittlerweile nicht nur im MoMa in New York begehrt sind und international Spitzenpreise erzielen.

Leopold Strobl: Ohne Titel, Foto © courtesy galerie gugging
Leopold Strobl: Ohne Titel, Foto © courtesy galerie gugging

In der Ausstellung sind 45 neue und noch nie gezeigte Miniaturen zu sehen.

Leopold Strobl: Ohne Titel, Foto © courtesy galerie gugging
Leopold Strobl: Ohne Titel, Foto © courtesy galerie gugging

 Franz Kamlander

Sein Markenzeichen sind die bunten Kühe, die er mit wenigen Strichen grandios zu Papier bringt. In der Ausstellung sind eine gelbe, eine rote und eine klassisch schwarz-weiß gefleckte zu sehen. Kamlander wuchs auf einem Bauernhof auf und entwickelte eine eigene, faszinierende Sprache.

Ausstellungsansicht Franz Kamlander, Foto © Dagmar Postel
Ausstellungsansicht Franz Kamlander, Foto © Dagmar Postel

 Karoline Rosskopf

Interessant fand ich auch die Menschen von Karoline Rosskopf. Ihre Kopffüssler sind ausdrucksstark und erinnern mich fast an kleine Trolle.

 Arnold Schmidt

Beeindruckend ist hier vor allem die riesige rote Couch, die den Raum dominiert. Auch sie kann man nur staunend von allen Seiten betrachten. Darüber sollte man aber nicht auf die Serien der Menschen- und Frauenbilder vergessen, die so einzigartig ausgeführt sind, dass man in den Gestalten jeweils nicht nur unterschiedliche Personen, sondern auch unterschiedliche Charaktere erkennen – vielleicht besser: erfühlen – kann.

Ausstellungsansicht Arnold Schmidt, Foto © Felix Büchele
Ausstellungsansicht Arnold Schmidt, Foto © Felix Büchele

Dies alles ist nur ein kleiner Ausschnitt eines Rundgangs durch die neue Ausstellung, in der die Klassiker der ersten Stunde dem aktuellen Schaffen aus Maria Gugging mit über 170 Werken von 24 KünstlerInnen gegenübergestellt wird.

Das museum gugging ist jeweils von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Montag – außer Feiertag – ist geschlossen.
Eintrittstickets können hier online erworben werden: https://www.museumgugging.at/de/besuch/shop/online-shop

Das museum gugging ist jeweils von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Montag – außer Feiertag – ist geschlossen.
Eintrittstickets können hier online erworben werden: https://www.museumgugging.at/de/besuch/shop/online-shop

Die Ausstellung „gugging.! classic & contemporary" ist vom 6.5.2021 bis 1.4.2024 zu sehen.

 "naiv.? naive kunst aus der sammlung infeld"

Bis zum 5.9.2021 könnt ihr auch noch die Sonderausstellung „naiv.? naive kunst aus der sammlung infeld" sehen, die ich euch ebenfalls unbedingt ans Herz legen möchte und mit der das museum gugging über 120 Werke von 31 KünstlerInnen, unter anderem aus Ex-Jugoslawien, Rumänien, Russland und Frankreich zeigt, darunter auch meinen hoch geschätzten Ivan Generalić. Hier könnt ihr einen kleinen Überblick über die Ausstellung gewinnen: https://reisenotizen.ask-enrico.com/index.php/blog-kategorien/oesterreich/509-naive-kunst-im-museum-gugging

Ivan Generalić: Pferdchen, © Ivan Generalić, Thomastik Infeld GmbH

 „arche noah – basel al-bazzaz | helmut hladisch | jürgen tauscher"

Zum Schluss solltet ihr auch noch einen kleinen Rundgang durch die galerie gugging einplanen, die ebenfalls bis 20.6.2021 eine neue Ausstellung mit Werken von Basel Al-Bazzaz, Helmut Hladisch und Jürgen Tauscher eröffnet hat. Vielleicht ist ja auch das eine oder andere Werk dabei, das dann eure Wohnung schmücken wird. Ich hätte da schon einiges für mich gesehen :-)

Blick in die galerie gugging, Foto © Dagmar Postel
Blick in die galerie gugging, Foto © Dagmar Postel

Bezüglich der Öffnungszeiten des Café Bistro am Campus und den verschiedenen Rahmenveranstaltungen schaut bitte tagesaktuell auf die Webseite des museums gugging: www.museumgugging.at. Jeden Sonntag um 14:00 Uhr sind, so die Pandemiebestimmungen es zulassen, öffentliche Führungen geplant und ich kann euch nur empfehlen, diese wahrzunehmen. Eine Anmeldung und natürlich die Einhaltung der jeweils geltenden Pandemievorschriften sind erforderlich.

basel al-bazzaz in der galerie gugging (Foto © Dagmar Postel)
basel al-bazzaz in der galerie gugging (Foto © Dagmar Postel)