Blick in die Aztekenausstellung (Foto © KHM Museumsverband)Blick in die Aztekenausstellung (Foto © KHM Museumsverband)

Fremde Kulturen faszinieren mich seit jeher: Inkas, Mayas und Azteken stehen hoch oben auf meiner Interessensliste und so ist – nach der Wiedereröffnung der Museen – diese Zeit eine besondere für mich. 

Bereits im Vorjahr hatte ich es geschafft in einer Lockdown-Pause die große Maya-Ausstellung im Mamuz in Mistelbach zu besuchen. Diese wurde nun verlängert und um eine neue Sonderausstellung über die „Götter & Rituale der Maya" ergänzt. Diese steht daher natürlich auch auf meinem Besuchsprogramm, aber vorher war ein „Treffen" mit den Azteken im Weltmuseum angesagt.

Blick in die Ausstellung im Weltmuseum Wien (Foto © KHM Museumsverband)
Blick in die Ausstellung im Weltmuseum Wien (Foto © KHM Museumsverband)

Während die Maya-Ausstellung in Mistelbach bis November 2021 läuft, sollte man sich für einen Besuch der Aztekenausstellung im Weltmuseum Wien bald entschließen. Diese Schau ist nur mehr bis 13. April 2021 zu sehen und da sie danach ins Museum Volkenkunde nach Leiden in die Niederlande übersiedeln wird, ist auch keine Verlängerung zu erwarten. Allerdings bleibt uns der einzigartige und weltberühmte altmexikanische Federkopfschmuck – die „Krone von Monteczuma" erhalten. Sie wurde in Kooperation mit Mexiko von 2010 bis 2012 aufwändig gereinigt und konserviert und als nicht transportfähig eingestuft.

Einzigartig: Der Quetzalfeder-Kopfschmuck (Foto © KHM Museumsverband)
Einzigartig: Der Quetzalfeder-Kopfschmuck (Foto © KHM Museumsverband)

Achtung: Wer sie bei seinem Besuch im Weltmuseum sehen möchte, muss in die Dauerausstellung des Museums – sie ist nicht in der Sonderausstellung ausgestellt.

 Doch nun zur Sonderschau im Weltmuseum:

Mich hat schon die Ausstellungsarchitektur beeindruckt – es ist als ob man in einer andere Welt eintauchen würde – und es ist und war eine andere Welt. Staunend erfährt man, wie hoch entwickelt bereits damals die Azteken und ihre Kultur waren, als 1519 Hernán Cortés und seine Truppen in das aztekische Reich eindrangen.

Hier geht es in die Ausstellung - Timeslot buchen nicht vergessen!
Hier geht es in die Ausstellung - Timeslot buchen nicht vergessen!

Eigentlich stammt der Name „Azteken" von den Europäern – sie selbst nannten sich Mexica. Ursprünglich scheinen sie ein nomadisches Volk gewesen zu sein, dessen mythischer Herkunftsort Aztlán hieß. Diese Namensbezeichnung führte dann zur Bezeichnung Azteken.

Die Spanier kommen ins Reich der Azteken
Die Spanier kommen ins Reich der Azteken

Dieses Volk ließ sich schließlich auf mehreren kleinen Inseln im Texcoco-See nieder und gründete 1325 die Stadt Tenochtitlan, das heutige Mexico-Stadt. Tenochtitlan war um 1519 eine der größten Städte der Welt – man schätzt, dass hier um die 200.000 Einwohner lebten. Auf den zahlreichen Märkten wurde gekauft und verkauft.

Die Inselhauptstadt
Die Inselhauptstadt
Die Eliten lebten im großen Luxus im Zentrum der Stadt, wo auch der Palast des Herrschers, des Huei tlatoani, stand: Wohnung und administratives Zentrum des Reiches. Außerhalb der Städte siedelten die Bauern, die Selbstversorger waren und nicht nur vor allem Mais, Bohnen und Chili anbauten, sondern auch ihre Keramikgegenstände selbst erzeugten und Stoffe herstellten.
Typische Nahrungs- und Heilmittel der Azteken: Bohnen, Mais, Chili
Typische Nahrungs- und Heilmittel der Azteken: Bohnen, Mais, Chili

Ursprünglich siedelten im Tal von Mexiko 50 Stadtstaaten mit ihren eigenen Herrschern, Palästen und Tempeln, es wurden mehr als vierzig unterschiedliche Sprachen gesprochen. Der Krieg spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte der Azteken, denn ihr Imperium und ihr Reichtum waren auf den Tributzahlungen der unterlegenen Städte aufgebaut, wobei sie vor einem Angriff ihrer Armee auch versuchten die Provinz „friedlich" zu gewinnen, indem sie zunächst Schutz gegen Tribut anboten.

Adlerkopf aus Stein (Foto © Royal Museum of Arts and History, Brüssel)
Adlerkopf aus Stein (Foto © Royal Museum of Arts and History, Brüssel)

Die kriegerischen Auseinandersetzungen gaben dem einfachen Volk eine Möglichkeit zum Aufstieg in der Hierarchie: Erfolg und Tapferkeit im Krieg wurden belohnt. Die Gefangennahme feindlicher Krieger war eine Garantie für den Aufstieg – diese wurden in die Hauptstadt gebracht, lebten dort monate- oder jahrelang und wurden oft jedoch während der Rituale beim Templo Mayor hingerichtet.

Blick in die Ausstellung (Foto © KHM Museumsverband)
Blick in die Ausstellung (Foto © KHM Museumsverband)

Pflanzen, Tiere und Landschaften hatten im Leben der Azteken einen religiösen Wert, ein Kalender der unterschiedlichen Rituale bestimmte ihr Leben – durch ihn wusste man, wann welche Pflanzen auszusäen waren, wann was gepflanzt wurde, aber er war auch hilfreich bei der Planung wichtiger Lebensereignisse. Es ist faszinierend, welche Bedeutungen sie ihrer natürlichen Umwelt zuordneten:

Das Quaken der Kröten als ein Zeichen kommenden Regens angesehen, Chili war kein Nahrungsmittel oder Gewürz, sondern wurde als Heilmittel, z.B. gegen Zahnschmerzen eingesetzt, die Schlange galt als ein Symbol der Fruchtbarkeit und der Erneuerung (durch ihre Häutung) und der Adler als mächtigstes Tier des Himmels wurde mit der Bewegung der Sonne assoziiert. Bohnen, Mais und Kürbis galten als die heilige „Dreifaltigkeit der Nährstoffe" – um nur einige Beispiele zu nennen.

Aber auch die Erschaffung der Erde und ihre Götter werden in der Ausstellung faszinierend präsentiert. So glaubten die Azteken, dass die Erde durch die zwei Ursprungsgötter Quetzalcoatl und Tezcatlipoca erschaffen wurde. Diese ließen sie aus dem Körper des weiblichen Erdmonsters Tlaltecuhtli entstehen, indem sie sie in zwei Teile zerrissen, wobei eine Hälfte zu den Himmeln, die andere zur Erde wurde. Ihre Haare sind die Pflanzen und Bäume, ihre Augen die Quellen, ihr Mund die Flüsse und Höhlen. Die Erde selbst ist ein Lebewesen: die Göttin Tlaltecuhtli und alle anderen Elemente der Natur haben ihre eigenen Götter. Beim Mais, der die wichtigste Nahrungspflanze darstellte, hatten sogar seine verschiedenen Wachstumsphasen – Samen, Sprosse, reifer Maiskolben - jeweils eigene Gottheiten.

Blick in die Ausstellung (Foto © KHM Museumsverband)

Die Azteken kannten hunderte Götter: Den Gott der Milchstraße und der Jagd, den Maisgott, den Sonnengott um nur drei zu nennen.

Die Erschaffung der Welt (Foto © KHM Museumsverband)
Die Erschaffung der Welt (Foto © KHM Museumsverband)

Bei der Erschaffung der Welt wurden auch Raum und Zeit geformt. Mit dem ersten Sonnenaufgang begannen die Zeit und der Kalender. Die Welt ist in vier Ecken geteilt und in der Mitte dieser Ecken steht der zentrale Baum, um den sich alles dreht. Bis heute stellen sich die Götter der schweren Aufgabe die Schöpfung zu erhalten, und dafür müssen die Menschen ihnen mit Geschenken danken, damit sie auch weiterhin für sie sorgen. Nichts desto trotz ist es in regelmäßigen Abständen notwendig die Schöpfung zu erneuern.

Der Sonnengott Tonatiuh
Der Sonnengott Tonatiuh

Es ist faszinierend durch die Ausstellung in diesem Bereich zu gehen und einige ihrer Gottheiten kennenzulernen, obwohl es mir nicht nur schwerfällt ihre Namen auszusprechen, sondern vor allem auch sie mir zu merken. Und obwohl die Europäer versuchten, diese alte Kultur auszurotten, ist ihnen dieses nicht gelungen. Dennoch wurde vieles zerstört.

Blick in die Aztekenausstellung (Foto © KHM Museumsverband)
Blick in die Aztekenausstellung (Foto © KHM Museumsverband)

Faszinierend ist auch ein sogenannter Codizes, eine Bilderschrift, die Aufschluss über das Leben gibt: unter anderem gibt es auch eine „Seite" die das Gelingen einer Ehe aus den Geburtsdaten von Mann und Frau errechnet bzw. eingeschätzt.

Blick in die Ausstellung, rechts hinten der Codex (Foto © KHM Museumsverband)
Blick in die Ausstellung, rechts hinten der Codex (Foto © KHM Museumsverband)

Auch einige Verhaltensregeln überraschen: so war es streng verboten sich zu betrinken. Wer es trotzdem tat, wurde mit dem Tode bestraft. Erst ab 60 Jahren war das Trinken von Alkohol erlaubt.

Der Plan eines Ballspielplatzes
Der Plan eines Ballspielplatzes

All dies ist nur ein Teil der faszinierenden Geschichte dieses Volkes. Er sollte euch aber einen kleinen Einblick geben und Lust machen die Ausstellung zu besuchen. Sie ist es wert. Daher – schnell Timeslot buchen und sich in die faszinierende Welt der Azteken begeben. Nur noch bis 13. April 2021.

Vogelkopfmaske © Stiftung Schloss Friedenstein Gotha
Vogelkopfmaske © Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

  Ein kleiner Überblick:

Trägerfigur © KHM Museumsverband
Stab- und Statuenaufsatz © National Museum of Denmark, Roberto Fortune
Schädelmaske © Gliserio Castaneda, D.R. Secretaria de Cultura - INAH
Das Team des Pau bei den Ausgrabungen des Tempels des Ehecatl-Quetzalcoatl (Foto © Raúl Barrera Rodriguez)
Skulptur in Form einer Schlange © Museum am Rothenbaum Hamburg, Foto: Paul Schimweg
Pulque-Gefäß © KHM Museumsverband
Stempel mit Affenmotiv (Foto © Irene de Groot)
Schmuckstück in Form eines Herzens © Jorge Pérez de Lara, D.R. Secretaria de Cultura - INAH
Opferkiste © Proyecto Templo Mayor, Foto © Jesús López
Steinskulptur der Göttin Coyolxauhqui © Proyecto Templo Mayor, Farbrekonstruktion: Michelle De Anda und Fernando Carrizosa
Die Schädelmauer Huei Tzompantli © Foto: Oliver Santana
Kojote oder junger Wolf, © D.R. Archivo Digital de las Colecciones del Museo Nacional de Antropología, Secretaria de Cultura - INAH