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Die Welt der Maya in Mistelbach

Mystisch - in der Maya-Ausstellung im Mamuz Mistelbach

Das Mamuz Museum Mistelbach lädt noch bis 22.11.2020 in die wunderbare Welt der Maya ein. Eine Ausstellung, die man sich nicht entgehen lassen sollte.


Erstmals nach langer Zeit gibt es wieder eine Ausstellung über diese faszinierende Kultur, die noch immer viele ungelöste Fragen aufwirft. Einige sind allerdings schon beantwortet. Dazu beigetragen hat unter anderem die Entzifferung der Maya Schrift, wobei hier der Kurator der Ausstellung Nikolai Grube einen nicht unbedeutenden Anteil hat und der auch den lesenswerten Katalog zur Ausstellung verfasst hat.

In Zeiten von Corona sind wahrscheinlich Museen eine ziemlich sichere Angelegenheit. Wenige Besucher trauen sich in die Ausstellungshallen, Abstand ist leicht zu halten und die Maske bin ich inzwischen schon gewohnt. Also auf nach Mistelbach. Die Maya-Ausstellung wollte ich schon die ganze Zeit sehen und da nun auch kaltes, feuchtes Wetter herrscht, musste dieser Ausflug einfach sein.

Ausstellungsansicht (Foto © Museumspartner)
Ausstellungsansicht (Foto © Museumspartner)

Als Besucher geht man einmal vom Foyer aus um die Ecke und schon taucht man in eine geheimnisvolle Welt ein. Viele Videos bringen dem Besucher die Welt der Maya zu den verschiedenen Fragestellungen, Lebensbereichen und ihrer Geschichte näher.

Die Maya-Kalender
Die Maya-Kalender

Die Maya waren eine der frühen Hochkulturen, die eine mindestens so große Beachtung wie die ägyptische Kultur verdient hätten. Heimisch sowohl im tropischen Tiefland als auch im vulkanischen Hochland Guatemalas waren sie während ihrer ganzen Geschichte an äußere Umstände anpassungsfähig und konnten so bis heute überleben.

Die Schrift der Maya
Die Schrift der Maya

Allerdings gibt es nicht DIE Maya. Die Mayas waren nie ein geeintes Volk, sondern teilten sich in viele einzelne Königsstaaten, die oft miteinander kooperierten, aber auch oft gegeneinander Kriege austrugen. Selbst zur Hochblüte der Kultur gab es zwei rivalisierende Königshäuser, wobei Sieg und Niederlage und das daraus entstehende Machtvakuum zum Untergang mit beigetragen haben könnte.

Ausstellungsansicht (Foto © Museumspartner)
Ausstellungsansicht (Foto © Museumspartner)

Aber wie gelang es damals die zahlreiche Bevölkerung zu ernähren? Der Boden war karg und nicht sehr fruchtbar. Regenwald wurde durch Brandrodung nutzbar gemacht, Mais, Bohnen und Kürbis angebaut. Vor allem der Mais ist auch heute noch eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel der Maya – der Maisgott war unter ihren 8.000 Göttern einer der Wichtigsten. An der Maispflanze entlang rankten sich die Bohnen und die großen Blätter des Kürbis sorgten dafür, dass die Sonne den Boden nicht zu sehr austrocknen konnte.

Ausstellungsansicht (Foto © Museumspartner)
Ausstellungsansicht (Foto © Museumspartner)

Ihre Könige waren die Vermittler zu den Gottheiten – ihr Blut war eine der wichtigsten Opfergaben.

Manches erinnerte mich an Science Fiction und Fantasy-Filme: Die Sprache und einige Namen erinnern mich irgendwie an die Klingonen von Star Trek und der Heilige Baum, Ceiba, der bis zu 70 Meter hoch werden konnte und mit seinem schlanken Stamm und der ausladenden Krone die Erdachse und den Himmel nach Ansicht der Maya darstellte, erinnerte mich sofort an den Baum der Seelen der Na'vi auf Pandora im Film Avatar (auch wenn dieser eine andere Form aufweist).

Natürlich interessierte es mich als ehemalige Handballerin auch, dass das Ballspielen bereits bei den Mayas bekannt war. So wurde in jedem Königreich in der Nähe des Haupt- bzw. Ritualplatzes auch einen Ballspielplatz angelegt. Allerdings ging es hier sehr viel härter zu als wir von unseren heutigen Ballsportarten gewohnt sind. Der Ball wurde aus Kautschuk gefertigt und durfte nur nicht mit Händen und Füßen gespielt werden, sondern mit der Hüfte. Außerdem wird vermutet, dass auch Kriegsgefangene zu „Bällen" zusammengebunden wurden.

Ausstellungsansicht (Foto © Museumspartner)
Ausstellungsansicht (Foto © Museumspartner)

Doch allein schon der Kautschukball konnte auf Grund seiner Größe und Schwere einiges an Verletzungen bei den „Spielern" verursachen. Da stand weit mehr auf dem Spiel als ein verstauchter Daumen wie zu meinen Zeiten. Die Ballspielplätze, meistens auch tiefer gelegt, galten den Mayas als Eingang in die Unterwelt, hier war eine leichtere Kommunikation mit den Bewohnern der Unterwelt möglich.

Jadeobjekt © Jorge Pérez de Lara Eliás
Jadeobjekt © Jorge Pérez de Lara Eliás

Es ist faszinierend durch die Ausstellung zu gehen und all diese Informationen (oft in Videos und animiert) zu verfolgen.

Ausstellungsansicht (Foto © Museumspartner)
Ausstellungsansicht (Foto © Museumspartner)

Ebenso hat mich ihre Bilderschrift fasziniert. Wobei es für mich fast unglaublich war, dass man diese entziffern kann. Auch ihre Kalender – die Maya hatten deren drei - und ihre Entschlüsselung sind Meisterleistungen. Wobei auch hier festgehalten werden soll, dass das Ende des einen Mayakalenders nicht – wie von manchen gedeutet – das Ende der Welt darstellen sollte, sondern nur das Ende einer Kalenderperiode.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung

200 Originalexponate aus Guatemala werden in der Ausstellung präsentiert, darunter einige, die erstmals in einer Ausstellung gezeigt werden. Allein die vielen Gesichter, die Gefäße schmücken sind faszinierend. Dazu die Bilder von imposanten, steinernen Tempelpyramiden und Palästen und das bereits 250 bis 900 n.Chr. – das war die Blütezeit der Mayakultur.

Auch nach dem Zusammenbruch der großen Maya-Städte, den klimatischen Herausforderungen und der Invasion der Spanier blieb die Maya-Kultur bestehen. Wie kaum eine andere Gesellschaft haben es die Maya verstanden, sich immer wieder an neue Lebensumstände anzupassen. Sechs Millionen Menschen führen ihre Abstammung auf die Mayas zurück, fühlen sich auch heute als Maya. Sie leben in fünf verschiedenen Staaten und sprechen über 30 verschiedene Maya-Sprachen.

Ausstellungsansicht (Foto © Museumspartner)
Ausstellungsansicht (Foto © Museumspartner)

Wer also „reisen" möchte – sowohl in die Vergangenheit als auch in die Gegenwart und eine faszinierende Kultur kennen lernen möchte, der sollte sich nach Mistelbach begeben. Bis 21. November gibt es noch die Gelegenheit.

Wichtig für die Maya: die Kakaobohne
Wichtig für die Maya: die Kakaobohne

Tipp: Solltet ihr noch ein bisschen mehr über die Kultur erfahren wollen oder auch zu Hause noch einmal ein bisschen der Faszination nachspüren wollen: unbedingt den Katalog mit nach Hause nehmen. Für den Inhalt zeichnet auch Maya-Forscher und Kurator Nikolai Grube verantwortlich und neben wunderschönen Bildern ist noch einmal viel Wissenswertes der neueren Forschung zusammengefasst.

  Hier noch das Trailer Video des Mamuz zur Einstimmung:

Das Mamuz Mistelbach ist Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. An Feiertagen ist auch montags offen. Der Eintritt beträgt 11 Euro, wobei dabei auch der Eintritt ins Mamuz Asparn an der Zaya inkludiert ist. Für alle mit NÖ-Card ist der Eintritt frei, Kinder sind bis 10 Jahre ebenfalls frei. Außerdem ist auch der Eintritt ins Nitsch-Museum inkludiert (dazu später).

Maya
Mamuz Museum Mistelbach
2130 Mistelbach, Waldstraße 44-46
Tel: +43 2572 – 20 719
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.mamuz.at

Besuch im Nitsch Museum
Lesung Alena Mornštajnová im Tschechischen Zentrum

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