Enricos Reisenotizen

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Corona Ausflug 4 – Der Barfußweg in Schrattenberg

Das Druidentor am Barfußweg in Schrattenberg

Noch immer finde ich es besser, sich in freier Natur zu bewegen und so habe ich mich dieses Mal an die Grenze zwischen Österreich und Tschechien begeben. 

Manchmal muss man weiter weg fahren, um Ideen für einheimische Destinationen zu finden: schließlich lernte ich die Existenz des Barfußwegs bei einer Ferienmesse in Brünn kennen.

Berti mit Fan am Barfußweg (Foto © Schrattenberg)
Berti mit Fan am Barfußweg (Foto © Schrattenberg)

Dann kam Corona, Schlechtwetter und so hat es einige Zeit gedauert, bis ich mich auf den Weg gemacht habe. Gestern – am bis dato heißesten Tag dieses Sommers – bin ich endlich losgefahren.

Von mir zu Hause (Floridsdorf) bis nach Schrattenberg ist es nicht einmal eine Stunde Autofahrt und zum Barfußweg zu gelangen. Im Ort selbst ist die Anfahrt gut beschriftet und ich habe mich mit dem Auto (zuletzt auf einem schmalen Weg) bis zur Berti Hütte vorgewagt, wo man das Auto abstellen kann. Es sei aber gesagt, dass hier nicht allzu viele Parkplätze vorhanden sind und diese alle in der Sonne liegen.

Am Stein in der Mitte kann man seine Sorgen abgeben. Dahinter geht`s mit dem Barfuß gehen los...
Am Stein in der Mitte kann man seine Sorgen abgeben. Dahinter geht`s mit dem Barfuß gehen los...

Gleich bei der Berti Hütte geht es los. Nicht nur, dass hier der Sorgenstein im Labyrinth darauf wartet, dass man ihm seine Sorgen übergibt und daher sorglos dahin marschieren kann, gibt es hier auch einen Duftkreis, bei dem man unter anderem Lavendel und Zitrone erschnuppern kann/soll. (Lavendel hab ich geschafft, den Rest leider nicht)

Den Lavendelduft habe ich erschnuppert
Den Lavendelduft habe ich erschnuppert

Außerdem wartet mit der Schlammstrecke wahrscheinlich ein Highlight für die kleinen Besucher. Hier kann nach Herzenslust im Gatsch gewandert werden – für das Füße waschen danach ist ebenfalls gesorgt. Gleich daneben liegt der Eingang zum Bertipark, der - allerdings gegen Eintritt – ebenfalls viele Attraktionen für kleine und auch größere Besucher bietet. Vielleicht sollte man sich diesen Besuch ans Ende des Barfußwegs verschieben und nicht gleich damit beginnen.

Die Schlammstrecke bei der Berti Hütte - das kann Spaß machen
Die Schlammstrecke bei der Berti Hütte - das kann Spaß machen

Doch nun wollen wir uns auf den Weg machen.

Der Barfußweg führt von Schrattenberg nach Valtice – ein Teil liegt also auch schon auf tschechischem Hoheitsgebiet. Doch – der EU sei Dank – man braucht weder Pass noch Ausweis oder sonstige Zollformalitäten um hier auf beiden Seiten zu wandern. Allein die Schilder mit „Achtung Staatsgrenze" und „Pozor" weisen darauf hin. Ebenso wie der Gruß der Wandersleute vom Servus oder Grüß Gott zum Dobrý den wechselt.

Hier gehts nach Tschechien - ein Schild weist auf die Staatsgrenze hin
Hier gehts nach Tschechien - ein Schild weist auf die Staatsgrenze hin

Ich finde es einfach herrlich über die Grenzen zu wandern und nicht durch Stacheldraht und Schlimmeres vom Nachbarn getrennt zu sein.

Sonnenblumenfelder mit leuchtendem Gelb am Wegesrand
Sonnenblumenfelder mit leuchtendem Gelb am Wegesrand

Doch was ist jetzt eigentlich der Barfußweg. Stellt euch einfach einen Feldweg vor, der durch Felder, Weinberge und ein kleines Waldgebiet führt. All diese Abschnitte kann man natürlich – wie überall – auch barfüßig erwandern. Die kurzen Abschnitte – so man im Dorf Schrattenberg beginnt oder nach Valtice zum Museum hinunterwandert – die betoniert sind, geht man am besten beschuht. Um ehrlich zu sein: ich bin den ganzen Weg in Schuhen gegangen, was dem Spaß aber keinen Abbruch tut.

Ein Blick in die Landschaft
Ein Blick in die Landschaft

Wege wie diesen findet man auch am Bisamberg oder anderswo. Das besondere hier sind allerdings die Stationen, die den Weg auf für jüngere Besucher, die vielleicht nicht soo gerne wandern, unterhaltsam machen.

Der Pilzparcours beim Kukuruzfeld
Der Pilzparcours beim Kukuruzfeld

Der Start geht relativ steil bergan, aber schnell gibt es auf der linken Seite versteckt bei einem Maisfeld den Pilzparcour. Gar nicht so einfach sich über die verschieden hohen Pilzköpfe zu hanteln. Da freut sich der eine oder andere sicher über eine helfende (stabilisierende) Hand, um nicht abzustürzen. Aber man kann es dann ja gleich noch einmal probieren…

Der Gedächtnisweg - mit geschlossenen Augen gar nicht so einfach
Der Gedächtnisweg - mit geschlossenen Augen gar nicht so einfach

Weiter geht's und an der nächsten Wegbiegung wartet der Gedächtnisweg. Hier sind in den Boden in ungleichen Abständen Holzklötze eingearbeitet. Die Aufgabe besteht nun darin, den Weg nur auf den Holzklötzen zu durchschreiten und sich deren Plätze und Abstände genau einzuprägen. Denn danach heißt es Augen zu und man versucht das Ganze noch einmal mit geschlossenen Augen. Gar nicht so leicht, kann ich euch nur sagen.

Rast machen und in die Landschaft schauen geht hier besonders gut
Rast machen und in die Landschaft schauen geht hier besonders gut

Wer davon schon ein bisschen ermüdet ist, macht am Besten beim Relaxplatz Pause. Drei bequeme Holzliegen laden ein, die Ruhe zu genießen, einen mitgebrachten Imbiss zu verzehren oder einfach – an heißen Tagen besonders wichtig – einen Schluck Wasser zu trinken. Dabei blickt man „ins Land eini" und genießt den Ausblick auf Schrattenberg.

Da blitzt schon etwas durch die Bäume
Da blitzt schon etwas durch die Bäume

Ein wenig später wird der Wanderer vor die Entscheidung gestellt, ob er die große oder die kleine Runde weitergehen möchte. Ich entschließe mich für die große Runde, vollende sie jedoch nicht, sondern kürze diese ab.

Die Kolonnade
Die Kolonnade

So gelange ich auf tschechisches Gebiet in einen Wald, der zum Areal von Lednice und Valtice gehört. Dieses (in früheren Zeiten Eisengrub und Felsberg) war im Besitz der Liechtensteiner und wer mehr Zeit hat oder in der Nähe seine Ferien verbringt sollte unbedingt einen Ausflug dorthin machen. (Mehr über Lednice und Valtice gibt es hier auf askEnrico).

Beeindruckend: Das Gebäude und die Aussicht
Beeindruckend: Das Gebäude und die Aussicht

Mein Weg ist nun schön schattig und kühl, und bald sehe ich durch die Bäume bereits eine Lichtung und einen Bau blitzen. Ich bin am Weg zur Raisten Kolonnade. Romantisch geht es hier zu obwohl es an einen traurigen Anlass erinnert. Fürst Jan I. von Liechtenstein, Feldmarschall und Befehlshaber der Kavallerie in der Schlacht bei Austerlitz ließ sie zur Erinnerung an seine verstorbenen Brüder Philip und Ludwig und an den ebenfalls verstorbenen Vater Franz Josef I. nach den Napoleonischen Kriegen im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts erbauen. Der Architekt Kornhäusel errichtete sie nach einem Projekt seines Vorgängers Josef Hardmuth.

Kolonnade Detail
Kolonnade Detail

Wenn sie geöffnet ist, kann man gegen Eintritt die Aussicht von der Terrasse aus genießen: blickt man nach Tschechien sieht man Mikulov mit seinem Schloss und dem Heligen Berg, die Pollauer Berge und das Minarett im Schlosspark von Lednice, beim Blick in die Slowakei kann man den Kamm der Kleinen Karpaten und in Niederösterreich die Burgruine Falkenstein bei gutem Wetter erkennen.

Kolonnade Detail
Kolonnade Detail

Die Kolonnade war früher Bestandteil des Eisernen Vorhangs und wurde von der Grenzwache benutzt. In dieser Zeit wurde sie auch beschädigt und erst nach 1989 wieder renoviert. Nun erstrahlt sie im alten Glanz. Weitere Infos findet ihr hier: https://www.zamek-valtice.cz/de/visitors-information/tours/6121-kolonnade-auf-dem-reisten

Die Inschrift weist auf den traurigen Grund des Baus hin
Die Inschrift weist auf den traurigen Grund des Baus hin

Hier weiß ich eigentlich nicht so richtig wie es weiter geht. Ein Weg führt vom Berg hinunter nach Valtice, wo auch das Museum des Eisernen Vorhangs besucht werden kann (mehr darüber findet ihr hier: https://ask-enrico.com/lednice-und-valtice) Für all jene, die sich nicht mehr an den Eisernen Vorhang erinnern können oder die ihn gar nicht mehr erlebt haben, sei hier der Besuch empfohlen. Man muss einfach wissen, wie es ist, wenn die Grenzen nicht offen sind, wenn man nicht einfach von einem Land ins andere fahren kann. Was es bedeutet, wenn die Ausreise aus seinem Land einfach verboten ist. Wer sich hier umsieht, wird die Errungenschaften der EU – und seien sie seiner Meinung noch so klein – vielleicht dann erst wirklich zu schätzen wissen.

Rast- und Aussichtsplatz in drei Länder
Rast- und Aussichtsplatz in drei Länder

Ich gehe aber entlang der Kolonnade weiter und finde einen Hinweis auf den Barfußweg. Damit verpasse ich das Museum und die Station Drei Eichen, bin aber ganz schnell beim Dreiländerblick angekommen. Dieser ist zu einem sehr schönen Rastplatz ausgebaut, auf dem es sich auch gemütlich verweilen lässt. Ich klettere auf den Aussichtsturm und genieße den Ausblick. Schön haben wir es hier, auf allen drei Seiten der Grenze – egal ob ich nach Tschechien, Österreich oder in die Slowakei blicke. Die Grenze ist nicht mehr auszumachen. Und so soll es auch sein.

Pause
Pause

Weiter geht's und schon bin ich beim Druidentor angekommen. Hier muss ich natürlich nicht nur den Ausblick genießen, sondern auch gleich nach alter keltischer Tradition meinen Geburtstagsbaum und auch die meiner Lieben suchen.

Das Druidentor mit Blick auf Schrattenberg
Das Druidentor mit Blick auf Schrattenberg

Ihr wollt Genaueres wissen? Here we go:

Die Haselnuss – Baum der Wahrheit (22.3.-31.3)
Menschen, die im Baumzeichen der Hasel geboren wurden sind wahrheitsliebend. Ihre Ehrlichkeit ist für ihre Mitmenschen meist entwaffnend und bringt die Dinge sehr schnell auf den Punkt. Unwahrheiten werden von diesen Menschen unerbittlich durchschaut und klar gestellt. Sie sind wie ein Fels in der Brandung, an dem zweifelhafte Vermutungen wie Wassertropfen zerschellen. Gerade wegen ihrer Geradlinigkeit und ihrer ausgesprochenen Eitelkeit sind sie ein guter Freund und Partner, auf den man sich jederzeit verlassen kann.
Wegen ihrer ausgeprägten Fähigkeit Sachverhalte auf den Punkt und ans Licht der Wahrheit zu bringen, wird ihre Meinung von Mitmenschen sehr geschätzt. Stets sind sie bemüht sich selbst zu vervollkommnen. Ihre Erkenntnisse teilen sie mit engsten Freunden und Bekannten in tiefen Gesprächen und besonderen Treffen.

Na, habt ihr mich erkannt?

Auf den Tafeln kann man die Charaktereigenschaften seines Lebensbaum lesen
Auf den Tafeln kann man die Charaktereigenschaften seines Lebensbaum lesen

Auch hier kann man nicht nur die verschiedenen Charaktere seiner selbst und seiner Freunde begutachten und über die Richtigkeit derselben diskutieren, sondern auf einer großen Sitzecke wieder einmal die Aussicht genießen.

Auch hier lässt es sich bequem sitzen und auch Abstand halten
Auch hier lässt es sich bequem sitzen und auch Abstand halten

Ich wandere weiter und schau mir die Rebstöcke der Weingärten genauer an. Hier wird auch fleißig gearbeitet. Noch sind die Trauben nicht reif, aber es scheint ein ganz gutes Jahr zu werden.

Schrattenberg ist ein Weinort - wie man sieht
Schrattenberg ist ein Weinort - wie man sieht

Schließlich komme ich zur Wackelbücke, wo man seinen Gleichgewichtssinn testen kann und ein wenig später geht es die Gefühlstreppe hinunter. Um den Untergrund so richtig zu spüren, sollte man hier die Schuhe wirklich ausziehen – nur so kann man Rinde, Reisig, Blätter oder Tannenzapfen erspüren. Ich warne auf jeden Fall vor den Tannenzapfen, aber es ist schon ein Erlebnis, auf den unterschiedlichen Untergründen barfuß zu laufen. Wer das nicht will oder ein bisschen Adrenalin braucht, nimmt einfach die Rutsche. Die ist ziemlich steil und bei entsprechender Kleidung sollte da anständig Speed möglich sein.

Auf der Wackelbrücke (Foto © Schrattenberg)
Auf der Wackelbrücke (Foto © Schrattenberg)
Jetzt aber Schuhe aus und die Gefühlstreppe runter
Jetzt aber Schuhe aus und die Gefühlstreppe runter

Zum Abschluss der Tour raste ich mich im Fasshaus noch ein wenig aus, bewundere das Sonnenblumenfeld am Wegesrand und bin wieder bei der Berti Hütte angelangt.

Noch eine kleine Pause im Holzfass
Noch eine kleine Pause im Holzfass

Mein „Schnelldurchlauf" war in 2 ½ Stunden zu Ende. Wenn man aber mit der ganzen Familie unterwegs ist, die einzelnen Stationen vielleicht ein paar Mal macht, weil sie einfach Spaß machen, das Museum und/oder den Bertipark besucht, dann ist es ein schöner Tagesausflug.
Egal ob barfuß oder nicht …

Das WC im
Das WC im "Nachtscherm" bei der Berti Hütte

Weitere Informationen über den Barfußweg in Schrattenberg findet ihr hier: https://www.barfussweg.at/

Blick zum Berti Park
Blick zum Berti Park
Und solltet ihr wirklich noch jede Menge Zeit haben oder einen weiteren Ausflug einplanen, empfehle ich euch die Schlösser Lednice und Valtice und den Schlosspark zu besuchen. Das Areal Lednice/Valtice ist übrigens auch für Radfahrer ein Paradies.

Hier noch eine kleine Bildergalerie:

Zum Abschluss noch ein kleines Video über Schrattenberg, das zeigt was man alles dort noch erleben kann:

Ein Königreich für alle Modell-Eisenbahn-Liebhaber
Eine Reise (fast) um die ganze Welt – in Wien

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