Enricos Reisenotizen

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Corona-Ausflug 1 – Die Donauinsel von der Jedleseer Brücke zum Einlaufbauwerk

Die Neue Donau bei der Jedlerseer Brücke

Wien ist wahrhaft eine schöne Stadt und diese Tatsache wurde schon mit vielen internationalen Statistiken bewiesen. Da macht es Spaß einen Ausflug gleich ums Eck zu machen …


Auch wenn einige Miesepeter (derzeit auch in unserer Regierung) immer wieder versuchen Wien ans Bein zu pinkeln: die Stadt ist einfach „urlebenswert". Auch wenn Kunst und Kultur im Moment coronabedingt eingeschränkt sind (zumindest die Museen öffnen gerade wieder teilweise) hat man doch in wenigen Städten die Natur gleich so ums Eck wie in Wien.

Vor allem wenn man – in dem ebenfalls von vielen geschmähten – 21. Hieb (=Bezirk) wohnt. Transdanubien, die klassischen Arbeiterbezirke der Vergangenheit, werden auch heute noch von einigen „Bildungsbürgern", meist in den Bezirken innerhalb des Gürtels wohnend – als Wohngegenden 2.Klasse abgetan. Das gilt natürlich auch für die U-Bahnlinie U6, über die man auch gleich allerlei Gruseliges zu hören bekommt: die Gerüchte reichen hier von den vielen Drogendealern, über die „Kopftuchträger", den fürchterlichen Gestank und dass hier natürlich lauter Gangster unterwegs sind.

Doch Wanderer, Tourist und auch Wiener: Glaubt den Mieselsüchtigen nicht. Traut euch – steigt in die U6 oder in die U1 und kommt nun mit mir auf die Donauinsel.

Ich wohne in einem „alten" Teil von Floridsdorf – in Jedlesee an der Prager Straße. Am Spitz teilt sich ja die Floridsdorfer Hauptstraße in zwei Straßen auf, wobei eine nach Prag und die andere nach Brünn führt. Und wer weiß heute noch, dass unser Amtshaus nur deshalb so prächtig ausfiel und die Kirche am Kinzerplatz so groß, weil Floridsdorf zu diesen Zeiten als Hauptstadt von Niederösterreich im Gespräch war. Aber Wien war anscheinend schneller – Floridsdorf wurde eingemeindet uns so auch irgendwie Hauptstadt.

Doch jetzt geht's mit dem Rad auf die Donauinsel. Von meiner Wohnung aus ist das ein Klacks. nicht einmal zu Fuß würde ich länger als 10-15 Minuten brauchen. Mit dem Rad geht es natürlich noch schneller.

Hier ragt nur der Kirchturm der Loretto-Kirche durch die Bäume
Hier ragt nur der Kirchturm der Loretto-Kirche durch die Bäume

Auf meinem Weg zum ehemaligen „Überschwemmungsgebiet" – so wurde die Gegend vor dem Bau der „Neuen Donau" bezeichnet komme ich bei der Lorettokirche vorbei. Das Glockengeläute der Kirche kann ich bis zu meiner Wohnung hören. 1713 wurde die Kapelle, die den Kern der heutigen Kirche bildet, bereits errichtet und eingeweiht.

Blick auf das neu renovierte Maria Theresien Schlössel vis à vis der Loretto-Kirche in Jedlesee
Blick auf das neu renovierte Maria Theresien Schlössel vis à vis der Loretto-Kirche in Jedlesee

Gleich gegenüber befindet sich das Loretto- oder Maria Theresien Schlössl, das um 1650 erbaut, aber 1683 von den Türken zerstört wurde. Doch Albert Lonqueval Graf von Bouquoy, dem Herrn über Jedlesee baute es wieder auf. 1711 ging Gut uns Schloss auf seine zweite Gattin, Antonia Renata von Bouquoy, geborene Gräfin Czernin über. Sie ließ auch die oben erwähnte Loretto-Kapelle erbauen. Man sieht also – wir sind hier durchaus auch in wohlgeborener Obhut gewesen…

Blick zur Loretto-Kirche
Blick zur Loretto-Kirche

Das Schlössel wie auch die Kirche haben eine abwechslungsreiche Vergangenheit. Die Kirche wurde von Anton Freiherr von Störck (Störckgasse) ausgebaut, der 1778-1789 die Herrschaft über Jedlesee und das Schloss innehatte. Orgelchor und Turm wurden erst 1877 unter Pfarrer Vinzenz Wenhart errichtet (an ihn erinnert die Wengartgasse im Bezirk)

Seit 1841 ist das Stift Klosterneuburg Eigentümer von Gut und Schloss. Während es nach dem Zweiten Weltkrieg als Pfarrheim genutzt wurde, fand später der Floridsdorder Tennisklub im Schlössl seine Heimat, nach dessen Insolvenz stand das Gebäude lange Zeit leer und begann zu verfallen und sollte eigentlich schon abgerissen werden.

Blick auf die Pfarrwiese zum Kinderspielplatz
Blick auf die Pfarrwiese zum Kinderspielplatz

Dies wurde allerdings verhindert und nach langem Hin und Her war das Stift Klosterneuburg bereit, das Gebäude zu sanieren. Heute erstrahlt es wieder in seinem alten Glanz und ist ein echtes Prachtstück, das an seine doch große Vergangenheit erinnert und wird nun wieder als Pfarrhof genutzt.

Wer noch möchte, kann gleich danach zum Jedlerseer Friedhof abbiegen und viele ehemalige Größen des Bezirks kennen lernen, doch dazu vielleicht ein anderes Mal, heute radeln wir gerade aus weiter – vorbei an der Pfarrwiese mit ihrem großen Kinderspielplatz, dem neuen Platz für Scater (um den auch lange gestritten wurde) zum Aupark hin.

Eine kleine Wildnis in der Stadt: der Aupark in Jedlesee
Eine kleine Wildnis in der großen Stadt: der Aupark in Jedlesee

Ja, auch das gibt es noch in Jedlesee. Wir sind jetzt schon ganz nahe der Donau und früher gab es hier einen richtigen Au-Urwald. Ein kleines Stückchen ist noch erhalten durch das man auch heute noch spazieren kann. Ich erinnere mich noch an ganz tolle Rodelpartien, die wir hier als Kinder mit einigem Mut veranstaltet haben. Ja, und damals gab es im Winter auch in Wien noch so viel Schnee, dass man an einigen Tagen Rodeln konnte.

Über die Jedleseer Brücke gehts auf die Insel
Über die Jedleseer Brücke gehts auf die Insel

Doch jetzt sind wir da, rauf geht es zur Neuen Donau bei der Jedlerseer Brücke. Ich fahre jedoch nicht über die Brücke auf die Insel, sondern bleibe neben der A22, der sogenannten Donauuferautobahn. Allerdings nicht lange. Wenn man schon am Wasser ist, dann sollte man auch zum Wasser fahren, also nichts wie „bergab" zur Neuen Donau.

Fahre ich oben oder am Wasser unten weiter?
Fahre ich oben oder am Wasser unten weiter?

Inzwischen ist es halb Elf und viele Wiener genießen den Sonnenschein. Auf der Donauinsel und bei der Neuen Donau finden sich nicht nur die Sportlichen (Radfahrer, Läufer, Nordic Walker, Skater), hier führt man auch seine Hunde spazieren, macht eine Pause, geht schwimmen (so es warm genug ist), oder liegt einfach in der Sonne (auch pudelnackt – immerhin gibt es eigene FKK-Bereiche).

Ich habe mich für
Ich habe mich für "unten" entschieden und komme am kleinen Hafen vorbei

Heute sind auch jede Menge Fischer vertreten, die auf einen mehr oder weniger großen Fang hoffen. Allerdings scheinen sich auch die Fische einen Feiertag zu genehmigen – ich habe nicht gesehen, dass einer angebissen hätte.

Es ist wunderbar am Wasser
Es ist wunderbar am Wasser

Ich weiß nicht, ob dies auch mit Corona zusammenhängt oder dem Klimawandel geschuldet ist, aber ich habe auf der Insel noch nie so viele Grillen zirpen gehört. Fast schon wie in den Mittelmeerländern am Meer. Toll, meine Laune wird immer besser.

Eine Orchidee am Wasser
Eine Orchidee am Wasser?

Wie üblich auf der Donauinsel bläst mir der Wind ins Gesicht und ich hoffe wie immer, dass er mich dann auf der Rückfahrt anschieben wird. Wie immer ist auch dies nicht der Fall und ich frage mich zum 100. Mal wie dieses Phänomen zustande kommen kann, dass ich immer gegen den Wind fahren muss.
Aber egal. Kurze Zeit später werde ich auf etwas ganz besonderes aufmerksam: Ein Schwan hat sich in der Nähe des Ufers beim Schiffshafen ein Nest gebaut und ist nun begehrtes Fotomotiv – natürlich auch von mir.

Kaum zu glauben: Ein Schwan hat hier sein Nest
Kaum zu glauben: Ein Schwan hat hier sein Nest

Nun bin ich aber fast schon bei der Schleuse, die bei Hochwasser geöffnet werden kann, um eine Überschwemmung des Handelskais zu verhindern. Nicht allzu weit weg sieht man die zwei Türme des Stifts Klosterneuburg.

Das sogenannte Einlaufbauwerk - der Beginn der Neuen Donau
Das sogenannte Einlaufbauwerk - der Beginn der Neuen Donau

Für mich geht es jetzt auf der Insel wieder zurück zur Jedleseer Brücke.

Ein wenig ärgere ich mich wieder über die vielen Radfahrer, die weder einen Babyelefanten mithaben, noch ausweichen. Auch merke ich, dass mein Gedanke Radfahren ist ein Einzelsport gründlich falsch ist, man fährt zu Zweit, natürlich nebeneinander und tratscht und das wird auch nicht geändert wenn es eng wird. Leute! Die Kaffeehäuser sind schon offen, sie freuen sich über euren Besuch, wenn ihr plaudern wollt! Manchmal verstehe ich, wieso die Radfahrer einen schlechten Ruf genießen…

Die Donau
Die Donau

Auf einer abgezäunten Wiese komme ich dann auch noch an einer Schafherde vorbei, die bereits jetzt den Schatten genießt. 70 Krainer Steinschafe sorgen hier für das natürliche Rasen mähen. Was oder wem man nicht alles in Wien begegnet …

Auch eine Schafherde bevölkert die Donauinsel
Auch eine Schafherde bevölkert die Donauinsel

Schließlich komme ich beim Kirschblütenhain vorbei. Die Kirschblüte habe ich leider schon verpasst. Trotzdem es ist schön hier. Einige Tische und Bänke warten auf Besucher, ein paar sind bereits besetzt. Vielleicht komme ich in paar Tagen noch einmal vorbei, mit einem Buch oder meinem Netbook…

Am Weg zurück komme ich beim Kirschblütenhain vorbei
Am Weg zurück komme ich beim Kirschblütenhain vorbei

Jetzt geht's gleich über die Jedlerseer Brücke heimwärts, zuvor aber weist die Stimmgabel noch auf die Anwesenheit von Ludwig van Beethoven im Bezirk hin. Auch dieser große Meister kam oft und gerne nach Jedlesee und wohnte dann am Landgut der Gräfin Erdödy. Wenn Beethoven die Gräfin besuchte, nutzte er meistens die Überfuhr von Nussdorf oder Heiligenstadt aus.

Die Stimmgabel erinnert an Beethoven, der ebenfalls Jedlesee besuchte
Die Stimmgabel erinnert an Beethoven, der ebenfalls Jedlesee besuchte

Mitten auf der Brücke bleibe ich noch einmal stehen, genieße das Blau des Himmels, der Donau und den Ausblick auf das „neue Wien". Dann geht's ab nach Hause.

Zurück über die Jedleseer Brücke
Zurück über die Jedleseer Brücke
Vielleicht zeige ich euch ja bald die andere Seite der Insel – dann fahren wir Richtung Lobau.

Hier noch ein paar Impressionen: 

… von Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden
[Alien] Star Dust. Kunst im NHM

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