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Das Grab des Kaisers

Das Friedrichs-Grab im Wiener Stephansdom

Friedrich III. , der Vater Maximilians, wurde von den Wienern angeblich mit dem Beinamen „Schlafmütze" versehen. Sein AEIOU und auch sein Grab geben heute noch immer Rätsel auf - einige sind aber nun geklärt …

Herrschergräber standen immer im großen Interesse – der Historiker, aber auch der Räuber. So ist es auch zu erklären, dass von den vierzehn Begräbnisstätten von Königen und Kaisern des Heiligen Römischen Reiches im späten Mittelalter es nur eine einzige gibt, die nie geplündert oder aus anderen Gründen verändert wurde: jene von Kaiser Friedrich III. im Wiener Stephansdom.

Das Grabmal Kaiser Friedrichs III., Niclaus Gerhaert mit WErkstatt und Nachfolger, Wien und Wiener Neustadt, zwischen 1467 und 1513/1517, im Südchor der Dom- und Metropolitankirche St. Stephan (Foto © KHM Museumsverband)
Das Grabmal Kaiser Friedrichs III., Niclaus Gerhaert mit WErkstatt und Nachfolger, Wien und Wiener Neustadt, zwischen 1467 und 1513/1517, im Südchor der Dom- und Metropolitankirche St. Stephan (Foto © KHM Museumsverband)

Vermutungen, dass das Grab leer sein konnte, führten dazu, dass man 1969 eine kleine Öffnung in die Wandung des Hochgrabes bohrte und über diesen Weg mit Lampen und Spiegeln festgestellt wurde, dass ein Leichnam im Grab lag. Allerdings konnten damals keine Fotos angefertigt werden.

Die Grabplatte mit dem Bilnis Kaiser Friedrichs III., Ausschnitt, Niclaus Gerhaert von Leyden, 1467-1473 (Foto © KHM Museumsverband)
Die Grabplatte mit dem Bilnis Kaiser Friedrichs III., Ausschnitt, Niclaus Gerhaert von Leyden, 1467-1473 (Foto © KHM Museumsverband)

Dies blieb den Forschern der Dombauhütte und des Kunsthistorischen Museums 2013 vorbehalten, die in einer wunderbaren Kooperation das kleine Loch noch einmal öffneten, um das Innere des Grabes zu untersuchen und auch zu fotografierten. Dabei wurden auch kleine Proben der Textilien und des Keramiksarges für eine wissenschaftliche Untersuchung entnommen. Alles andere blieb unberührt.

Blick in das Innere der Grabkammer gegen Westen mit dem Sarg aus glasierten Keramikplatten, den Schrifttafeln an Nord- und Südwand soeie der die Deckplatte überragenden Grabkrone (Foto © Dombauhütte zu St. Stephan)
Blick in das Innere der Grabkammer gegen Westen mit dem Sarg aus glasierten Keramikplatten, den Schrifttafeln an Nord- und Südwand soeie der die Deckplatte überragenden Grabkrone (Foto © Dombauhütte zu St. Stephan)

Die Fotos und deren wissenschaftliche Auswertung wurden nun in dem Buch „in hoc precioso monomento" veröffentlicht, das Beiträge internationaler ExpertInnen zum historischen Kontext und zum derzeitigen Kenntnisstand beinhaltet.

Blick auf die Mitrenkrone über dem mit Leinenbinden umwickelten und von einer Stoffbahn bedeckten Schädel mit dem Emaildekor des Stirnreifs und dem Blütenkranz darüber (Foto © Dombauhütte zu St. Stephan)
Blick auf die Mitrenkrone über dem mit Leinenbinden umwickelten und von einer Stoffbahn bedeckten Schädel mit dem Emaildekor des Stirnreifs und dem Blütenkranz darüber (Foto © Dombauhütte zu St. Stephan)

Dabei sieht man den außergewöhnlichen Aufwand, der bei dieser Herrscherbestattung betrieben wurde. Der Sohn Friedrichs III., Maximilian, ließ das Grabmonument des Vaters vollenden und dessen Leichnam 1513, 20 Jahre nach seinem Tod, darin bestatten.

Ansicht des Reichsapfels mit Kreuz und Beschriftung sowie Detail des Szepters zur Rechten des Leichnams (Foto © Dombauhütte zu St. Stephan)
Ansicht des Reichsapfels mit Kreuz und Beschriftung sowie Detail des Szepters zur Rechten des Leichnams (Foto © Dombauhütte zu St. Stephan)

Zu sehen sind nicht nur die dem Toten beigegebenen Funeralinsignien – Krone, Szepter und Reichsapfel – sondern auch vergoldete Metallplatten mit Texten, die nicht nur die Leistungen Friedrichs, sondern vor allem auch jene seines Sohnes aufzählen.

Detail des Friedrichgrabes
Detail des Friedrichgrabes

Auf ihnen findet sich auch das Zitat „in hoc precioso monomento", das zum Buchtitel wurde. Von außergewöhnlicher Bedeutung ist auch die Mitrenkrone, die Friedrich III. trägt. Diese blieb mit der weiteren historischen Entwicklung bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806 mit dem Hause Habsburg verbunden bleiben und gilt in formaler Hinsicht als Vorläuferin der sogenannten Rudolfskrone von 1602, die 1804 zur Krone des Kaiserturms Österreich wurde und die heute in der Wiener Schatzkammer ausgestellt ist.

Detail des Friedrichgrabes
Detail des Friedrichgrabes

Wer daher dem Stephansdom einen Besuch abstattet – und welcher Wien-Besucher tut das nicht? – sollte auch auf das Friedrichsgrab einen ganz besonderen Blick werfen. Wer mehr darüber erfahren möchte, sollte das Buch „in hoc precioso monomento" erwerben, das Beiträge von Franz Zehetner, Stefan Roller, Michail A. Bojcov, Karl Rudolf, Renate Kohn, Fritz Kirchweger, Katja Schmitz- von Ledebur, Heinz Winter, Elisabeth Klecker und Karin Zeleny enthält und von Franz Kirchweger, Katja Schmitz- von Ledebur, Heinz Winter und Franz Zehetner herausgegeben wurde.

Das Hochgrab Friedrich III. im Wiener Stephansdom
Das Hochgrab Friedrich III. im Wiener Stephansdom

Bei der Vorstellung des Buches im Wiener Stephansdom konnte man nicht nur Musik der damaligen Zeit hören (dargebracht vom Enselble Opus Ultimum) und dem Orgelspiel von Domorganist Konstantin Reymaier lauschen, sondern erfuhr durch die Vorträge von Enrst Pucher (Dompropst und Domkustos), Sabine Haag (Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums), Wolfgang Zehetner (Dombaumeister zu St. Stephan), Franz Kirchweger (Kurator der Kunstkammer und Schatzkammer) auch einiges über das Projekt und auch der Verbindung von Friedrich III. und dem Wiener Stephansdom. Ein Abend, der mit einer Besichtigung des Hochgrabes endete…

Das Ensemble Opus Ultimum bei der Buchvorstellung im Stephansdom
Das Ensemble Opus Ultimum bei der Buchvorstellung im Stephansdom
In hoc precioso monomento

Die Bestattung Kaiser Friedrichs III. im Wiener Stephansdom
Herausgeberin der Schriften des Kunsthistorischen Museums: Sabine Haag
Herausgeber/In des Bandes: Franz Krichweger, Katja Schmitz-von Ledebur, Heinz Winter, Franz Zehetner
ISBN 978-3-9032-0748-6
Verlag Holzhausen
https://www.verlagholzhausen.at/singleview/article/in-hoc-precioso-monomento

Das Buch ist auch im Shop des Kunsthistorischen Museum erhältlich.

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