Enricos Reisenotizen

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Im Hafen der Vielfalt ...

Oper Industriale (Foto © Petar Kurschner, Rijeka2020)

Es wird ein tolles Jahr der Europäischen Kulturhauptstadt Rijeka und das Beste überhaupt: Es spielt sich fast vor unserer Haustür ab.

Den Abstecher bei der Fahrt in den Urlaub am Strand solltet ihr heuer auf jeden Fall einbauen: Rijeka, das frühere Fiume, ist die europäische Kulturhauptstadt 2020 und startete mit einem Wahnsinns-Eröffnungsabend in ihr Kulturhauptstadtjahr. Grippebedingt gibt es den Bericht erst jetzt …

Opera Industriale (Foto © Rijeka 2020)
Opera Industriale (Foto © Rijeka 2020)

Ich versteh es ja nicht ganz: da haben wir einen eigenen Sport- aber auch Kultursender und auch die Privaten beehren uns ja immer wieder mit „Außergewöhnlichen". Wir bekommen live fast jedes Skirennen bis zu Schwimmwettbewerben alles ins Haus geliefert, können jugendlichen Müttern beim Erziehen ihrer Kinder auf der Couch zusehen und erfahren, wer wie im Dschungelcamp überlebt – aber einen europäischen Kultursender – einen gemeinsamen – haben wir bis dato nicht. DAS wäre doch einmal eine Aufgabe für die EU. Am besten gleich mit vielen Dokus, Kultursendungen und – warum eigentlich nicht – Sprachlehrgängen. Soll ja heutzutage in vielfältiger Art und Weise möglich sein. WARUM bitte gibt es das noch nicht?? Jahr für Jahr feiern wunderschöne Städte die Vielfalt, das Leben, die Kunst und Europa und kein Mensch sieht es?? Ein kurzer 2-Minutenbeitrag in der ZIB1 war alles, was mir untergekommen ist. Auch wenn man die Google-Suche bemüht, wird man bei diesem Thema kaum fündig. Schade – es war sooo toll.

Opera Industriale (Foto © Rijeka 2020)
Opera Industriale (Foto © Rijeka 2020)

Eigentlich wollte ich ja bei der Show live vor Ort dabei sein. Immerhin wurde von den Veranstaltern eine „Opera Industriale" im Hafen von Rijeka angekündigt. Ich hatte die Stadt schon einmal in der Vergangenheit besucht und war damals begeistert. Hafen und Meer – das ist genau meins.

Erzähler Zoran Prodanovic Prlja im strömenden Regen  (Foto © Rijeka 2020)
Erzähler Zoran Prodanovic Prlja im strömenden Regen (Foto © Rijeka 2020)

Leider waren schon alle Hotels ausgebucht und auch das Presseteam stöhnte freundlich, aber bestimmt unter den vielen Journalisten, die sich zur Eröffnung bereits vor mir angekündigt hatten. Also beschloss ich einfach zu Hause zu bleiben. Schließlich hatte man angekündigt, die Opera Industriale im Netz zu streamen. Interessante Programmpunkte warten in diesem Hauptstadtjahr laufend und für die Fotos aller Sehenswürdigkeiten würden die kommenden Monate mehr Sonne und blauen Himmel als Hintergrund bieten. Ich wusste ja noch nicht, wie Recht ich bekommen sollte.

Der Hafen der Vielfalt - in Rijeka (Foto © Rijeka 2020)
Der Hafen der Vielfalt - in Rijeka (Foto © Rijeka 2020)

So saß ich pünktlich 19:30 Uhr vor dem PC, um mir die Opera anzuschauen. Es war mir klar, dass es keine Musikdarbietung im klassischen Sinne werden würde. Diese Urgewalt hatte ich allerdings nicht erwartet…

Opera Industriale - die Eröffnung des Kulturhauptstadtjahrs in Rijeka 2020
Opera Industriale - die Eröffnung des Kulturhauptstadtjahrs in Rijeka 2020

Wobei eine Urgewalt im doppelten Sinn auf Rijeka niederbracht: Strömender Regen prasselte während der ganzen Veranstaltung auf Publikum wie die Künstler nieder. Hochachtung an alle. Ich saß gemütlich vor dem PC und genoss das Spektakel und das war es im wahrsten Sinne des Wortes.

Auch die Kleineren hatten ihren Part bei der Eröffnung (Foto © Rijeka 2020)
Auch die Kleineren hatten ihren Part bei der Eröffnung (Foto © Rijeka 2020)

Rijeka – was auch kroatisch Fluss bedeutet – wurde nach eben diesen Fluss benannt, der hier ins Mittelmeer fließt, hat eine reiche und wechselhafte Vergangenheit. Im 20. Jahrhundert gehörte es zu sieben verschiedenen Staaten, ist heute der größte Hafen Kroatiens, war früher Industrie- und entwickelt sich mehr und mehr zur Tourismusstadt, unter anderem durch den bereits weit über die Grenzen bekannten Karneval. Als Universitätsstadt zieht es viele junge Menschen hierher und der Hafen war und ist immer wichtig für die Stadt gewesen.

Port of Diversity (Foto © Nocne von Petar Kurschner, Rijeka 2020)
Port of Diversity (Foto © Nocne von Petar Kurschner, Rijeka 2020)

Kein Wunder also, dass gerade dieser Hafen im Mittelpunkt der Eröffnungsshow stand. Er ist der Identifikationspunkt der Stadt, er zeigt die Öffnung und die Vielfältigkeit, das Moderne, aber auch das Vergangene. Auch für Europa sind sichere Häfen wichtig, besonders wenn man sich in den Häfen traut, alle „bunten Segel" Willkommen zu heißen.

Opera Industriale (Foto © Rijeka 2020)
Opera Industriale (Foto © Rijeka 2020)

Es sollte eine Hommage an die Arbeiter im Hafen, die Fabriken, die Werften werden, an alle, die über Jahrhunderte von überall herkamen um die Stadt aufzubauen und sie zu dem machten was sie nun ist. Eine Ode an die künstlerische Avantgarde der Stadt und der ganzen Region und an Europa und seine Werte.

Opera Industriale (Foto © Rijeka 2020)
Opera Industriale (Foto © Rijeka 2020)

Sirenen starten, Lichter gehen an und wieder aus, an den großen Hafeneinrichtungen wird geschweißt, Funken fliegen – es ist laut. Nicht immer unbedingt melodisch, aber man kann sich irgendwie gar nicht satt hören und sehen. Dazwischen prasselt der Regen und der Erzähler – Zoran Prodanović Prlja, der Sänger der Rockgruppe Let 3, die aus Rijeka stammt, beginnt mit seiner Erzählung. 1230 wurde die Stadt erstmals urkundlich erwähnt und viel ist passiert seitdem. Leider gibt es im Stream keine Untertitel, daher ist es mir erst bei der nachfolgenden Pressemitteilung möglich, die ganzen Eckpunkte mitzubekommen. Aber egal, einige verstehe ich ohne Kroatisch zu können und die ganze Auflistung erfahrt ihr spätestens wenn ich den Artikel über Rijeka auf askEnrico schreibe. Versprochen. 

Der Erzähler der Opera Industriale (Foto © Rijeka 2020)
Der Erzähler der Opera Industriale (Foto © Rijeka 2020)

Die Stadt hat viel erlebt, viel gelitten und ist doch immer wieder wie ein Phönix aus der Asche neu entstanden. So bunt wie die Stadt sind auch die einzelnen Teile der Oper: da wird an Schläuche gerüttelt, Kinder singen, eigene Instrumente – Schachtophone – wurden kreiert, auf den Balkonen wird getanzt und im Hafen sind die „Blaumänner" mit ihren Helmen – darin stecken ebenfalls Tänzerinnen – los, die eine wilde Performance bieten.

Opera Industriale (Foto © Rijeka 2020)
Opera Industriale (Foto © Rijeka 2020)

Dazwischen spielt ein Orchester in klassischer Besetzung fast klassische Themen, auch die Ode an die Freude und damit die Europahymne wird ebenso gespielt wie die Hymnen all jener Staaten zu denen Rijeka einst gehörte.

Der finnische
Der finnische "Schrei"-Chor während der Opera Industriale (Foto © Rijeka 2020)

Dazwischen schreien sich die Männer vom Mieskuoro Huutaja aus Finnland die Seele aus der Brust, bevor wieder der Erzähler uns zu den Ereignissen des 20. Jahrhunderts mitnimmt.  

Drummer soweit das Auge reicht (Foto © Rijeka 2020)
Drummer soweit das Auge reicht (Foto © Rijeka 2020)

Es folgen Trommler, Kuhschellen, ein anderer Chor, eine Bühne voll mit Gitarristen, Schiffe fahren im Hafen auf und ab und zum Höhepunkt und fast schon am Ende wird „O bella ciao" gesungen. Dieses Lied ist ein Symbol der italienischen Antifaschisten und soll an den letzten Weltkrieg erinnern und dass nun bereits für 75 Jahre Friede herrscht und dieser nur auf dem Boden antifaschistischer Werte blühen kann.

"O bella ciao" (Foto © Rijeka 2020)

Rijeka, das besonders in der Zeit der faschistischen Regime gelitten hat, ist es wichtig, diese Werte zu betonen: Die Offenheit seiner Bürger, Toleranz und den Respekt und die ungeteilte Anerkennung der Menschenrechte. Es sind auch diese Worte, die nun auf den großen Videowalls immer wieder aufblitzen.

Fiume - Rijeka (Foto © Rijeka 2020)
Fiume - Rijeka (Foto © Rijeka 2020)

Mit einem großen Feuerwerk ging dann zwar die Oper Industriale, nicht aber der Eröffnungstag und schön gar nicht das Kulturhauptstadtjahr zu Ende.
Kommt nach Rijeka, taucht ein in Neues und Altes, die Stadt erwartet euch.

Rijeka (Foto © Rijeka 2020)
Rijeka (Foto © Rijeka 2020)
Mehr über Rijeka und die vielen Veranstaltungen in der Kulturhauptstadt findet ihr unter www.rijeka2020.eu (Kroatisch, Englisch, teilweise auch Deutsch) und auf www.ask-enrico.com werden wir versuchen, das eine oder andere ganz besondere Highlight auszuwählen und darüber berichten.

Hier noch ein paar Szenen aus dem Streaming der Eröffnungsfeier: 

Advent und Meer und Köstliches aus der Kvarner Reg...

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