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Echnaton von Philip Glass an der Oper Dortmund

Echnaton und die Sonnenscheibe (Foto © Theater Dortmund)

Das Opernhaus Dortmund überrascht und fasziniert mich immer wieder – diesmal mit einer Oper von Philip Glass und einer wunderschönen Inszenierung.

Ich gestehe: Ich gehe gerne in die Oper und auch gerne in das ein oder andere Konzert. Ich freue mich auch über neue Inszenierungen und Interpretationen. Auch Fidelio oder Carmen muss nicht immer in der „Folklore“-Version ihrer Zeit gespielt werden, solange es noch zum Inhalt und zum Stück passt. Aber da gibt es für kreative Künstler viele Möglichkeiten.

Echnaton in der Oper Dortmund - es tanzt das NRW Juniorballett (Foto © Theater Dortmund)Mit zeitgenössischer Musik habe ich da allerdings so meine Schwierigkeiten und Gegenwart fängt bei mir schon teilweise bei Richard Strauss und Schönberg an. Regelmäßige Leser meines Blogs kennen meine Erfahrungen mit Xenakis.

Doch es gibt immer wieder Überraschungen – also Musik, die mir sehr gut gefällt und mit der ich auch etwas anfangen kann. Ein Komponist, der mich immer wieder mit seiner sogenannten Minimalmusik beeindruckt, ist Philip Glass.
Unserer erste „Begegnung“ mit dem Komponisten hatte ich bei einem Konzert in Grafenegg (Mahler meets Glass) und es zeigt, dass man sich immer wieder auf Unbekanntes einlassen soll.

Echnaton mit Nofretete und seiner Mutter Teje (Foto © Theater Dortmund)Philip Glass hat mehr als 20 Opern komponiert, die Oper Echnaton gehört zu einer Trilogie über Männer, die die Welt durch die Kraft ihrer Ideen veränderten. Die beiden anderen Werke widmen sich Albert Einstein (Einstein on the Beach) und Mahatma Gandhi (Satyagraha).
Der ägyptische Pharao Echnaton, verheiratet mit Nofretete, Sohn des Amenophis III. und der Königin Tje, erhebt den Gott Aton in Gestalt der Sonnenscheibe zum Gott über alle anderen Götter Ägyptens und weiht ihm die neue Hauptstadt Achet-Aton. Damit gilt er als Begründer der monotheistischen Religion, befindet sich aber im direkten Gegensatz zur mächtigen Priesterschaft.

Fritz Steinbacher als Hohepriester des Amun, im Hintergund David DQ Lee als Echnaton (Foto © Theater Dortmund)

Die Uraufführung der Oper erfolgte am 24.3.1984 am Württembergischen Staatstheater Stuttgart. Gesungen wird in englischer, ägyptischer, akkadischer und aramäischer Sprache mit deutschen Untertiteln.

Anna Sohn als Teje und David DQ Lee als Echnaton (Foto © Theater Dortmund)

Die Aufführung in Dortmund überzeugt durch die Kraft der Bilder und die Melodie in den jeweils leicht veränderten „Wiederholungen“ der Minimalmusik von Philip Glas. Selten, dass mich das bildhafte Geschehen auf der Bühne und die Einfühlsamkeit der Musik so beeindruckt haben. Unvorstellbar nach dieser Aufführung nur die Musik zu hören oder nur die Bilder zu sehen. Es war einfach beeindruckend. Selten waren Musik, Licht, Kostüme und Tanz so stimmig für mich.

Nofretete (Aytaj Shikhalizada) und Echnaton (David DQ Lee) in Echnaton (Foto © Theater Dortmund)

Auch wenn es hier und da vielleicht kleine „Unachtsamkeiten“ gab, die Präzision des Balletts – es tanzt das NRW Juniorballett – vielleicht nicht 100%ig war, was solls. Bei Premieren, bei denen klarerweise auch immer die Nervosität mit schwingt, ist es mehr als verständlich und es tat dem Genuss keinen Abbruch. Die Ausdrucksstärke, die die Tänzer auf die Bühne bringen, lässt alles andere vergessen.

Das NRW Juniorballett (Foto © Theater Dortmund)

Als Zuschauer und Zuhörer wird man einfach in die Welt des Pharaos entführt und gleichzeitig auch in eine Welt des Staunens. Wer sich für Musiktheater und Ballett interessiert und Neuem offen gegenübersteht, sollte Echnaton sehen. Mit dem ersten Ton und dem ersten Bild stellt sich ein Wow-Effekt ein, der zwar nach dem ersten Akt ein bisschen schwächer wird, aber die Begeisterung bis zum Schluss trägt.

Echnaton und die Sonnenscheibe (Foto © Theater Dortmund)Echnaton ist keine Oper mit großen Einzelarien, oft bestimmt der Chor die Szene, dennoch möchte ich den Hauptakteuren mit der Erwähnung Referenz erweisen: David DQ Lee, ein führender Counter-Tenor singt die Hauptperson Echnaton, Aytaj Shikhalizada Nofretete, seine Gemahlin. Sehr gut gefallen hat mir auch Anna Sohn als Königin Teje, Mutter des Echnaton und Fritz Steinbacher als Hohepriester des Amun und damit Gegenspieler des jungen Pharaos. Mandla Mndebele ist ein überzeugender Haremhab, General und zukünftiger Pharao und Denis Velev gibt Aye, Vater Nofretetes und Berater des Pharaos. Claus Dieter Clausnitzer ist der Chronist, der mit Erzählungen und Zitaten (darunter der Große Sonnengesang, der Echnaton persönlich als Urheber zugeschrieben wird) durch die Szene führt.

Die Herrschaft Echnatons geht zu Ende (Foto © Theater Dortmund)

Es spielen die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung Motonori Kobayashi. Regie und Choreografie verantwortet Guiseppe Spota, dem man zu dieser Aufführung nur gratulieren kann. Allerdings wäre diese Macht der Bilder ohne die wunderschönen Kostüme und Bühnengestaltung von Tatyana van Walsum nicht möglich gewesen. Auch die Lichtgestaltung von Bonnie Beecher/Stefan Schmidt soll hier hervorgehoben werden.

Der Chronist Claus Dieter Clausnitzer (Foto © Theater Dortmund)Daher kurze Zusammenfassung: Karten kaufen, in die Oper gehen, hören und staunen…

Weitere Aufführungstermine: 26.5., 1., 7., 9., 20., 21., 22. und 29.6.2019

Echnaton von Philip Glass in der Oper Dortmund (Foto © Oper Dortmund)Echnaton – Oper in drei Akten von Philip Glass
Libretto von Philip Glass in Zusammenarbeit mit Shalom Goldman, Robert Israel, Richard Ridell und Jerome Robbins, die Gesangstexte sind historischen Quellen entnommen durch Shalom Goldman.
Theater Dortmund
44137 Dortmund, Theaterkarree 1-3
Kartenbestellung: +49 231 50 – 27 222
www.theaterdo.de

Der Besuch erfolgte auf Einladung des Theater Dortmund

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