Enricos Reisenotizen

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Mein Pressburg

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So nah und doch so fern

„Fahrst mit der Pressburger?" Warum konnte meine Großmutter nicht einfach fragen, ob ich mit dem Zug von Fischamend nach Wien fahre? Was sollte das mit der Pressburger? (Noch dazu sagte sie Preschburger, mit Betonung auf dem u.) Als Jugendlicher in den 80er Jahren konnte ich mit Pressburg, damals noch Preßburg geschrieben, wenig anfangen. War interessierte mich eine Stadt hinter dem Eisernen Vorhang, auch wenn sie kaum 30 Kilometer von meinem Heimatort entfernt lag?

Der Name Pressburg war in meiner Kindheit und Jugend allerdings noch weit präsenter als heute. Der einfache Grund: Auf den Straßenschildern stand er noch, später blieb nur mehr die Bezeichnung Bratislava übrig. Vielleicht sollte das politisch korrekt sein? In Slowenien und Ungarn sieht man das weit lockerer. Da wird auf den Wegweisern der Ort in der eigenen Landessprache (z.B. Gradec) und dann in der Sprache des Landes, in dem der Ort liegt (also Graz), angegeben. Und das ist gut so, denn es zeigt die Bedeutung des Ortes für das eigene Land – politisch, wirtschaftlich, historisch und emotional.

Erinnerung an die dreisprachige Stadt (Foto © Josef Wallner)
Erinnerung an die dreisprachige Stadt (Foto © Josef Wallner)

Bei Pressburg ist es allerdings ein bisschen komplizierter. Die Stadt gehörte seit Jahrhunderten zum ungarischen Königreich, ja sie war, als Budapest im Besitz der Türken stand und darüber hinaus, das ungarische Zentrum, in dem die Könige gekrönt wurden. Der ungarische Name Pressburgs, den die Stadt bis zum Ende der Monarchie als offiziellen Namen führte, ist Pozsony (das y wird nicht gesprochen). Auf Slowakisch heißt die Stadt Prešporok. Und was ist dann mit Bratislava? Die Slowaken waren, ähnlich wie die Slowenen, eine Volksgruppe, die sich erst spät als Nation begriff. Ein wichtiger Schritt dazu ist die Entwicklung der eigenen (Schrift)sprache. Und ein kleines Mosaik dabei ist die Erfindung von topografischen Bezeichnungen in der eigenen Sprache. (Man denke nur an das slowenische Maribor.) Vratislava taucht im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts auf. Die slowakischen Autoren lehnten sich dabei an einen Gelehrten aus dem 16. Jahrhundert an. Dieser ging davon aus, dass die vom mährischen Fürsten Vratislav auf den Fundamenten einer Römersiedlung errichtete Burg Vratislaburgium hieß. Von Vratislaburgium zum Bratislava wäre es also nicht weit. Nur, so einfach ist es auch wieder nicht, denn die Gelehrten waren sich wie so oft nicht einig. Brecisburg, slowakisch Bracislaw oder Brecislaw, kommt ins Spiel, weil man (fälschlicherweise) annahm, dass die Stadt vom böhmischen König Brecislaw (oder Bracislaw) gegründet worden sei. Von Brecislaw war es nicht weit zu Břetislava und schließlich Bratislav, wie die Stadt seit 22. Februar 1919 offiziell hieß. Nur, dass das wegen der Endung av wiederum zu Tschechisch klang. Der Disput war ein kleiner Vorgeschmack auf die tschechisch-slowakischen Reibereien, die folgten. Und so einigte man sich einen Monat später auf Bratislava.

Als der Name Bratislava noch nicht existierte (Foto © Josef Wallner)
Als der Name Bratislava noch nicht existierte (Foto © Josef Wallner)

Heute spielt man in der Stadt ganz gerne wieder mit ihren vielen Namen. Es gibt Cafés und Biere, die Pressburg und Prešporok heißen und der etwas lächerlich wirkende rote Touristenzug, eine Art Liliputbahn für die Straße, heißt Prešporáčik.

Von all dem war noch keine Rede, als ich mit meinen Eltern und Geschwistern am Hainburger Braunsberg stand, einem unserer klassischen Sonntagsausflugsziele, und hinunter ins Donautal schaute. Meistens blickten wir nur Richtung Westen. „Schau, der Schneeberg, wie deutlich man den sieht", rechts der Kahlenberg und – die biedermeierliche Vedute störend – ÖMV und Flughafen.

Und der Blick gegen Osten? Bemerkenswert, wie Absurdes als selbstverständlich angenommen wird, wenn man es nicht anders kennt. Den Osten gab es schlichtweg nicht. Höchstens waren es noch die da drüben, die Armen, die nicht raus konnten. Aber dass wir einmal hinüber wollten? Keine Rede davon. Nur in der Generation der Großeltern, erwachsen geworden in der Zwischenkriegszeit, gab es noch Anknüpfungspunkte. Die Großmutter kurte selbstverständlich noch in Karlsbad und erzählte von den armen Kindern dort drüben. Vielleicht war es auch als Trost gemeint, für Mitbringsel wie Matrjoschka-Puppen, von uns Kindern einfach Babuschka genannt, die uns nur mäßig begeisterten.

Mit dem Interesse für Geschichte wuchs auch das für die Städte Altösterreichs, die nun in so vielen Ländern liegen. Die Neugier bezog sich auf die Geschichte, wie es Kronstadt, Czernowitz oder Lemberg aussah, interessierte mich eigenartigerweise weniger. Oft wusste ich nicht einmal, in welchem Staat die eine oder andere Stadt lag oder wie sie in der jeweiligen Landessprache hieß.

Mein Pressburg - Ein schwieriger Beginn 

1989 änderte viel. Sie denken jetzt vor allem an die großen Umwälzungen in Mittel- und Osteuropa, den Mauerfall und Zusammenbruch der sozialistischen Regimes. Ich denke an meine Matura, das eigene Auto und dieses Gefühl von Freiheit, dass so nie wieder kam.

Und trotzdem: Etwas verband die große und meine kleine Welt. Krimsekt. Bei dem erstsemestrigen Studenten war Geld immer knapp, gefeiert wollte trotzdem werden, erst recht zu Silvester. Mit meinem besten Freund fuhr ich zwischen Weihnachten und Silvester 89 daher nach Pressburg. Dort sollte es den picksüßen Perlwein, mit 19 liebt man es noch süß, günstig zu erstehen sein. Aus dem Autoradio meines Toyota Tercel kam irgendein U2-Song, anmoderiert von Gotthard Rieger auf Radio CD, einem der ersten österreichischen Privatradios. Es durfte noch nicht einmal von Österreich senden, sondern von Pressburg. (Wahrscheinlich war das erst ein, zwei Jahre später. In meiner Erinnerung gehört es zusammen: der hellgraue Toyota mit seinen Rostflecken auf den Kotflügeln, das schiache Radio CD-Pickerl auf der Heckklappe, Gotthard Rieger, U2 und der dunkelgraue Winternachmittag.)

Ein stiller Winkel im alten Pressburg (Foto © JOsef Wallner)
Ein stiller Winkel im alten Pressburg (Foto © Josef Wallner)

Das Überschreiten einer mitteleuropäischen Grenze war damals noch fast ein Ereignis, vor allem beim Retourfahren von Ost nach West, wenn mehr Alkohol und Zigaretten im Auto waren als erlaubt. So weit war es aber noch nicht. Zuerst mussten wir nach Pressburg hineinfinden. Das ging gar nicht so schlecht, sogar schneller als erwartet fanden wir unseren Weg über die in der Erinnerung recht holprigen Straßen in das Stadtzentrum – oder was wir damals dafür hielten.

Licht und Schatten einer Stadt (Foto © Josef Wallner)
Licht und Schatten einer Stadt (Foto © Josef Wallner)

Gestatten Sie, werte Leserinnen und Leser, an dieser Stelle einen Sidestep (ich fürchte, es folgen deren mehrere): Sie mögen meinen Schilderungen eine gewisse Hochnäsigkeit des Österreichers gegenüber Pressburg entnehmen. Vielleicht war dem damals, Ende der Achtzigerjahre, auch so. Ich befand mich damit in guter schlechter Gesellschaft. Denn es hatte eine jahrhundertelange Tradition, dieses Naserümpfen über die Schwesternstadt an der Donau. Pressburg, obwohl mehrheitlich deutschsprachig, war für die Wiener eben der Vorposten Ungarns – und über das erzählte man sich wahre Schauergeschichten: Ungarn war in der Meinung der Weaner wild, schmutzig, unzivilisiert. Orient halt. Man bedauerte jeden, der dort hinunter musste. Dass mancher Reisender dann dort unten seine Meinung änderte und von Pusztaromantik und feurigem Ungartum schwärmte, änderte am wohlgepflegten Vorurteil der Wiener nicht das Geringste.

Mein erster Eindruck von Pressburg war der scharfe Geruch, der uns entgegenschlug, sobald wir aus dem Auto ausgestiegen. Ein beißender Gestank, den ich sofort wieder in der Nase habe, wenn ich heute daran denke. Lang wollten wir uns in der Stadt nicht aufhalten. Die Ostblockschüsseln, die wir schon von den langen Kolonnen kannten, die seit ein paar Wochen auf der Pressburger Bundesstraße in Richtung Wien fuhren und die neben der Kohlenfeuerung der Häuser für den markanten Geruch verantwortlich waren, fuhren scheinbar ziellos über den Platz. Es war laut und viel dunkler als wir es von Wien gewohnt waren. Heute vermute ich, dass wir am Námestie SNP (Platz des slowakischen Nationalaufstands), dem Marktplatz des Pressburgs der Monarchie, gelandet waren.

Der Marktplatz heute, keine Spur von Realsozialismus (Foto © Josef Wallner)
Der Marktplatz heute, keine Spur von Realsozialismus (Foto © Josef Wallner)

Nach dem Krimsekt mussten wir nicht lange suchen. Scheinbar war er in jedem Geschäft zu haben. Und was für Geschäfte waren das! Als ob das Wenige, das der reale Sozialismus an Konsumwaren hervorzubringen imstande war, so unvorteilhaft wie möglich präsentiert werden sollte. Wir waren froh, als wir – nach langem Stehen vor dem Grenzschranken – wieder drüben, in Berg, waren.

Heute erstrahlt die Stadt in neuem Glanz (Foto © Josef Wallner)
Heute erstrahlt die Stadt in neuem Glanz (Foto © Josef Wallner)

Dieser erste Eindruck schien nicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, um im Filmzitatekästchen zu kramen, zwischen Pressburg und mir zu sein. Von stürmischer Liebe konnte schon gar keine Rede sein. Die Liebe reifte später, nachdem ich genug gelesen hatte über alle diese mir bislang verschlossen gebliebenen Städte Mitteleuropas, in deren Gassen ich mich dank der Lektüre vor hundert Jahren besser ausgekannt hätte als heute.

Ich mag sie, die Markthalle (Foto © Josef Wallner)
Ich mag sie, die Markthalle (Foto © Josef Wallner)
Es kam bald die Zeit, die Vergangenheit mit der Gegenwart zu konfrontieren. Das könnte doch reizvoll werden. Wie reizvoll es dann tatsächlich wurde, hätte ich nicht vermutet. Heute fühle ich mich in zwischen Agram, Laibach, Budapest, Brünn und Prag fast zu Hause, nicht mehr im Gestern, sondern im Heute, das ich umso besser verstehe, je mehr ich vom Gestern weiß. Naheliegenderweise gilt das besonders für Pressburg. Mein Zuhause und die Stadt sind nur 30 Kilometer voneinander entfernt. Und irgendwie habe ich das Gefühl, auf dem Weg zu einem Viertel, vielleicht sogar halben Pressburger zu sein. Wobei, die Pressburger würden das wahrscheinlich anders sehen. Es ist immer noch ein Blick von außen, den ich auf die Stadt werfe – und noch dazu ein wenig kakanisch gefärbt. Aber wer kann schon aus seiner Haut?
Altes Pressburg, neues Bratislava (Foto © Josef Wallner)
Altes Pressburg, neues Bratislava (Foto © Josef Wallner)

Vorhang auf für mein Pressburg 

Ein Samstag in der Altstadt von Pressburg. Mein Spaziergang führt mich meist die Route des alten Corsos entlang durch die Stadt. Einen Corso oder Korso gab es in jeder k.u.k. Stadt, die etwas auf sich hielt.

Er war die Promenadenstrecke der städtischen Haute-Volée für das tägliche See and be seen. Der berühmteste Punkt des Wiener Korso (der Name kommt von der italienischen Bezeichnung für Boulevards; in den altösterreichischen Städten wie Görz und Triest lebt sie meist als Corso Italia weiter fort) war das Sirk-Eck an Kärntner Ring und Kärntner Straße, der kosmische Punkt in Karl Kraus' Letzten Tagen der Menschheit. In Pressburg war das vielleicht der Fischplatz (Rybné námestie). Hier gab es für ein paar Jahre nach der Wende ein Café Korzo, heute ist hier ein Lokal einer internationalen Gastrokette. (Ein Restaurant und Café Korzo gibt es nun im Hotel Carlton.)

Erinnerungen an den Korso (Foto © Josef Wallner)
Erinnerungen an den Korso (Foto © Josef Wallner)

Ja, das Verschwinden alteingesessener oder in Ostmitteleuropa nach 89 wieder eröffneter klassischer Wiener Kaffeehäuser stimmt wehmütig. Oft bin ich aber versucht den Betreibern zuzurufen: selber schuld. Denn Kaffee und Snacks sind in den modernen Cafés von hoher Qualität, WIFI ist fast immer unkompliziert verfügbar und obendrein wird man auch noch freundlich bedient. In Wien gibt es noch das Publikum für das Kaffeehaus und es wird überleben, denn sein vorhergesagter Tod gehört zu ihm wie die grantigen Ober. Nur ein bissl mehr Anstrengung in puncto Kaffeequalität könnte mancherorts nicht schaden, obwohl der Wiener Kaffee eben wässriger sein muss als sein italienisches Pedant oder der – saure – neue Berliner Kaffee. (So wurde es mir von höchst berufener Seite erklärt.)

In den Metropolen Kakaniens rühmt man sich auf den Touristenwebsites zwar der wiederbelebten Kaffeehauskultur, finden lässt sich diese aber nur noch in Spuren in Budapest oder Prag. (Krakau ist eine andere Geschichte.) Es fehlt das Publikum. Die Vernichtung der Juden, die Vertreibung von Deutschsprachigen oder Ungarn und schließlich die in vielem so schmerzhaft sich bemerkbar machende Auslöschung des Bürgertums, bei aller Unschärfe von dessen Definition, durch den Kommunismus haben dem Kaffeehaus die Geschäftsgrundlage entzogen.

Am Fischplatz (Foto © Josef Wallner)
Am Fischplatz (Foto © Josef Wallner)

Aber es liegt nicht nur am Publikum, es liegt auch an der Atmosphäre. (Das eine bedingt wohl das andere mit.) Laute Musik passt halt nicht zum Kaffeehaus. Wer hört dann die Kaffeeschalen klirren, die Espressomaschine dampfen, den Ton, wenn das Mokkalöfferl auf die Tasse gelegt wird, das Knarren des abgetretenen Parketts und – das muss jetzt sein – das Rascheln der Zeitungen, aber die gibt es in den Möchtegernkaffeehäusern ohnehin nur in sehr begrenzter Zahl. Eine letzte Anmerkung im Exkurs Kaffeehaus kann ich mir nicht verknofeln – und sie führt uns auch wieder in die Pressburger Innenstadt, in ein Café in der Nähe des Martinsdoms, zurück. Dort wird noch eine šale Kaffee serviert. Bei uns ist sie meist schon zur Tasse verkommen – was vor wenigen Jahrzehnten noch unvorstellbar gewesen wäre. Tasse war in Österreich stets nur die Untertasse, der Kaffee wurde aus der Schale getrunken. Die Schale Gold war der Bestseller im Wiener Kaffeehaus, ein Mokka mit heißer Milch aufgegossen und mit Milchschaumhaube serviert. Bei der mit ihr nah verwandten Melange sollte der Kaffee ein wenig verlängert sein. Die zur Tasse verkommene Schale ist nur ein kleiner Mosaikstein auf unserem Weg zur deutschen Einheitssprache. Deutschlandismen haben den Weißwurstäquator längst überschritten. Mittlerweile hat`s die Melange auch schon erwischt. Man trinkt lieber Cappuccino, was zugegebenermaßen mit einem Deutschlandismus nichts zu tun hat. In den kakanischen Ländern findet man die Melange höchstens noch in Budapest – und den besten Kaffee Mitteleuropas nördlich der Alpen gibt's sowieso in Krakau, und in was für Kaffeehäusern der serviert wird. Einfach herrlich.

Der internationale Stil hielt Einzug in der Stadt (Foto © Josef Wallner)
Der internationale Stil hielt Einzug in der Stadt (Foto © Josef Wallner)

Wieder zurück auf den Pressburger Korso. Ums Eck vom Fischplatz (Rybné námestie), der durch die grauenhafte Staromestská, das Ärgste, was die Kommunisten der Stadt angetan haben, viel an Atmosphäre eingebüßt hat, liegt einer der prominentesten Plätze Pressburgs. Sein Name spiegelte stets, welche Volksgruppe in Pressburg das Sagen hatte: Aus dem Promenadenplatz wurde der Theaterplatz, dann während des Neoabsolutismus der 1850er Jahre der Radetzkyplatz und in der Doppelmonarchie, als die Ungarn aus ihrem Pozsony eine echte magyarische Stadt machen wollten, der Kossuth-Platz, nach dem ungarischen Revolutionsführer Lajos Kossuth, Symbolfigur der Los-von-Österreich-Bewegung in den Jahren 1848/49 und bis zu seinem Tod in den 1890er Jahren Stachel im Fleisch der – von manchen zumindest angestrebten – guten Beziehungen zwischen Cis- und Transleithanien. Wir wären nicht in Kakanien, hätte er nach seinem Tod nicht eine schöne Leich in Budapest bekommen, mit dem allerhöchsten Sanctus von Ferenc József, dem damals schon lang nichts mehr anderes übrig, geschweige denn erspart blieb. Wie viel hat Franz Josef selbst dazu beigetragen, dass es so weit kommen konnte? Diese Frage bleibt bis heute spannend. Die von einer kleinen Bevölkerungsgruppe bestimmte ungarische Politik hatte es zu diesem Zeitpunkt jedenfalls schon lange geschafft, aus den Ungarn vor Nationalstolz prustende Magyaren zu machen.

Auf der Promenade (Foto © Josef Wallner)
Auf der Promenade (Foto © Josef Wallner)

In der Zwischenkriegszeit hatte der böhmische (er stammte aus Mähren, diesem Biotop für erfolgreiche Politiker, denken Sie nur an Tomáš Masaryk, Karl Renner, Adolf Schärf, ja und auch Bruno Kreisky) Historiker und Politiker František Palacký die Ehre, Namensgeber für die Pressburger Promenade zu sein. Ein ungarischer Nationalheiliger wurde durch einen tschechischen abgelöst. (Den slowakischen Nationalisten wird das in den späten Dreißigern, als es in der tschechisch-slowakischen Ehe schon merklich kriselte, vielleicht weniger gefallen haben, aber immerhin hat Palacký in Pressburg studiert und heute trägt die alte Jägerzeile beim Theater seinen Namen)

Fassadendekor auf der Promenade (Foto © Josef Wallner)
Fassadendekor auf der Promenade (Foto © Josef Wallner)

Heute heißt der Platz Hviezdoslavovo námestie, nach dem Dichter Pavol Országh Hviezdoslav. Er begann seine literarische Laufbahn übrigens mit deutschen und ungarischen Werken, denn Slowakisch war nach der Mitte des 19. Jahrhunderts noch immer nur die Sprache, die auf dem oberungarischen Land gesprochen wurde. Pavol Országh ist nicht der einzige, der in Deutsch und/oder Ungarisch zu schreiben begann, bevor er zum Nationaldichter eines der kleinen Völker Österreich-Ungarns wurde. Mit dem Dichterfürsten der Slowenen, France Prešeren, verhält es sich auch so.

Winterliche Promenade (Foto © Josef Wallner)
Winterliche Promenade (Foto © Josef Wallner)

Schlussendlich waren die im nationalen Eifer vollzogenen Umbenennungen für die Katz. Für die Pressburger ist und bleibt es die Promenade. Und die mag ich sehr, vor allem am frühen Abend, wenn der Platz bis vor zum Theater und hinüber zur Redoute in ein sehr anheimelndes Licht getaucht ist. Dann sind auch die Tagestouristen aus Österreich fast verschwunden. Traurig bin ich darüber nicht. (Verzeihen Sie mir bitte meine Arroganz.) Vielleicht bin ich noch zu nah der Heimat – das vertraute Idiom in den Pressburger Gassen zu hören, macht mir selten Freude.

Altösterreichisches für Touristen (Foto © Josef Wallner)
Altösterreichisches für Touristen (Foto © Josef Wallner)

Ein Paradoxon: Ich kann das Österreichische in vielen Variationen, vielleicht sogar den meisten, gut leiden und hör es gern. Aber hier in Pressburg hat's nicht immer einen wohltuenden Klang, gleich ob es die Wiener, welcher sozialer Herkunft auch immer, sprechen, die Nordburgenländer, deren Dialekt sich weit weniger hart anhört als der der niederösterreichischen Hainburger oder jene sind, die westlich von Enns ihr Zuhause haben.

Prächtige Promenade (Foto © Josef Wallner)
Prächtige Promenade (Foto © Josef Wallner)

Ruft der letzte Twin City Liner, ein fabelhaftes Schiff, und die Tagesgäste eilen schnellen Schritts (oder was ein Österreicher dafür hält) an der Redoute vorbei zur Anlegestelle, sitz ich schon auf der Kleinen Promenade (Námestie Eugena Suchoňa) bei Notre Dame und schau hinüber zum Pressburger Nationaltheater, von den Wienern Oper genannt, die sie ja angeblich so gern besuchen. (Seit der Saisoneröffnung 2016 müssen Wiener Pressburg-Touristen einen anderen Weg zum Schiff einschlagen, denn der Twin City Liner hat seine neue, schickere Anlegestelle bei der SNP-Brücke.)

Schattiger Promenadenplatz (Foto © Josef Wallner)
Schattiger Promenadenplatz (Foto © Josef Wallner)

Ich erspar Ihnen und mir an dieser Stelle die üblichen nostalgischen Ausführungen zum kakanischen Star-Architektenduo Fellner & Helmer, die auch das Pressburger Stadttheater in den Achtzigerjahren des 19. Jahrhunderts erbaut haben. (In seinem schönen Rokokovorgängerbau wirkte ein Jahr lang Emanuel Schikaneder als Direktor.) Genießen Sie einfach das schöne Ensemble, das sich Ihnen mit dem Theater und dem Ganymed-Brunnen bietet. Viktor Tilgner, der große Wiener Bildhauer aus Pressburg, hat den Brunnen 1888 im Auftrag der Ersten Pressburger Sparkasse errichtet. Sie können an den am Brunnen dargestellten Fischen ihre Kenntnisse in der Fauna überprüfen. Erkennen Sie Zander, Karpfen, Wels und Hecht? Tilgner hat seiner Heimatstadt noch einen weiteren Brunnen hinterlassen. Es ist der Tritonbrunnen im Hof des Palais Mirbach. Allerdings ist er nur eine Kopie des berühmten Wiener Originals aus dem Volksgarten.

Das alte Stadttheater (Foto © Josef Wallner)
Das alte Stadttheater (Foto © Josef Wallner)
Die Seitentürln des Theaters (Foto © Josef Wallner)
Die Seitentürln des Theaters (Foto © Josef Wallner)

Zum Wiener Pressburg-Klischee gehört neben dem Theater die legendäre Schienenverbindung zwischen den beiden Donaustädten, die Pressburger Bahn. (Sie erinnern sich an den Ausspruch meiner Großmutter.) Ach ja, waren das Zeiten, als man mit der Straßenbahn vom Hauptzollamt auf der Wiener Landstraße nach Pressburg fahren konnte!

Entlang der Pressburger Bahn (Foto © Josef Wallner)
Entlang der Pressburger Bahn (Foto © Josef Wallner)

Nun, dieses Vergnügen hat kürzer bestanden, als Sie vielleicht denken. Denn die Fahrt auf der 1914 eröffneten Strecke war nur wenige Jahre ohne Umsteigen möglich und eine durchgängige Straßenbahnverbindung gab es nie, weil die Pressburger zwischen Schwechat und Kittsee eine klassische Bahnstrecke, wenn auch schon elektrifiziert, war. Aber immerhin hat Otto Wagner die ersten Garnituren entworfen. (Sie können im Eisenbahnmuseum Schwechat besichtigt werden. Im Frühling 2016 ist eine Garnitur der Pressburger Bahn auch wieder nach Pressburg gekommen, allerdings auf einem LKW aufgeladen.)

Stationen der Pressburger Bahn (Foto © Josef Wallner)
Stationen der Pressburger Bahn (Foto © Josef Wallner)

Auf die Straßenbahn zur Heimfahrt in die Wienerstadt würden meine Landsleute heute vergeblich warten und so eilen sie eben dem Schiff zu. Der lange Tag in der Stadt hat seinen Tribut, vor allem von den Füßen, gefordert und das eine oder andere Souvenir ist im dünnen Plastiksackerl zu tragen. Von Sightseeing haben sie genug, am ehesten vermag noch die Redoute ihre Aufmerksamkeit für einen Moment zu fesseln. Der neoklassizistische Stil ist ihnen von zu Hause vertraut.

Kinoträume (Foto © Josef Wallner)
Kinoträume (Foto © Josef Wallner)

Mit dem Bau der Redoute wurde 1913, also erst knapp vor Torschluss, begonnen. Als sie fertig gebaut war, gab es keine Monarchie mehr und die Redoute war schon etwas aus der Zeit gefallen, so wie viele Gebäude, die knapp vor dem Ersten Weltkrieg errichtet wurden, als der Jugendstil wieder aus der Mode und Protz erneut angesagt war.

Die Redoute (Foto © Josef Wallner

Vielleicht war die Redoute im Stil nicht mehr auf der Höhe ihrer Zeit, von der Technologie her, es wurde in Eisen und Beton gebaut, war es sie es. Jetzt erstrahlt sie in neuem Glanz und was jahrelang durch schwere Vorhänge dem Blick der Passanten verborgen geblieben ist, lässt nun die Pressburger und ihre Gäste staunen. Was für ein Prunk ein Weiß und Gold! Der Vorgängerbau der Redoute diente einem weit nüchterneren Zweck. Maria Theresia ließ hier 1773 einen königlichen Schüttkasten, also Getreidespeicher, errichten. Immerhin wurde dieser von Franz Hildebrandt erbaut.

Der Krönungshügelplatz (Foto © Josef Wallner)
Der Krönungshügelplatz (Foto © Josef Wallner)

Der Platz an der Längsseite der Redoute hieß zu Kakaniens Zeiten Krönungshügelplatz. Pressburg war, als Ofen-Buda türkisch war, die Krönungsstadt der ungarischen Könige. Sie blieb es auch noch, als die Türken schon lange auf den Balkan zurückgedrängt worden waren. Teil der Krönungszeremonie war, dass der frisch Gekrönte auf einen Hügel aus Erde aus allen ungarischen Komitaten ritt und dort das Schwert nach den vier Himmelsrichtungen strich, als Zeichen sein Königreich gegen jeden Feind zu verteidigen. In Pressburg wurde diese Zeremonie auf jenem Platz vollzogen, über den die Touristen nun ihren Schiffen zustreben. Für jeden König einen neuen Hügel zu errichten, schien den Pressburgern nicht gerade effizient zu sein. So wurde 1775 ein fester Krönungshügel mit einer Balustrade rundum errichtet, das Herankarren von Erde konnte entfallen.

Ausgezahlt hat es sich trotzdem nicht so ganz, denn nur zwei ungarische Könige zogen ihr Schwert noch auf dem Hügel, Leopold und Ferdinand. Leopold konnte seinen Krönungsschwur nur kurz erfüllen, denn schon zwei Jahre nachdem er seinem Bruder Josef II. in den Erblanden, in Böhmen, in Ungarn, den österreichischen Niederlanden und als Kaiser und König im Deutschen Reich gefolgt war, starb er. Schade. Er war der letzte Habsburger Herrscher von Format. Aus der Toskana formte er einen wahren Musterstaat des ausgehenden 18. Jahrhunderts und auch in der kurzen Zeit als österreichischer Herrscher bewies er weit mehr Feingefühl als sein Bruder Josef. Die Kunst der Politik besteht darin, in kleinen Schritten, nicht selten geht einer auch rückwärts, als notwendig Erkanntes zu tun und nicht durchs Drüberfahren über alles und jeden, auch wenn das zunächst leichter von statten geht. Denn jene, über die drübergefahren wurde, wetzen ihre Messer und für die meisten Drüberfahrer, sind ihre Motive auch noch so lauter, kommt der Tag, an dem die Messer aus dem Schaft geholt werden. Nicht selten kommt er früher, als sie denken.

Der Krönungshügel wurde in den 1870iger Jahren abgetragen. Budapest war zum aufblühenden Zentrum Ungarns geworden und Franz Josef ritt 1867 auf den dortigen Krönungshügel. Der beliebteste ungarische Habsburger König war Franz Josef mit ziemlicher Sicherheit, zumindest die ersten 20 Jahre seiner Regentschaft, nicht. Maria Theresia hatte auch in Ungarn eine weit bessere Nachrede. Und so wurde ihr 1897, zehn Jahre nach der Errichtung des Wiener Maria-Theresien-Denkmals, in Pressburg ein Monument errichtet, naheliegenderweise auf dem Krönungshügelplatz.

Was blieb vom Doppeladler? (Foto © Josef Wallner)
Was blieb vom Doppeladler? (Foto © Josef Wallner)

Beinahe die ganze kaiserlich-königliche Familie musste zu seiner Enthüllung ausrücken. Elisabeth fehlte natürlich, aber Franz Josef berichtete ihr ausführlich schriftlich vom Festtag in Pressburg: „Sonntag bin ich bei strömendem Regen um 7 Uhr vom Staatsbahnhofe in Wien abgereist und bin um ½ 9 Uhr in Galla in Preßburg angekommen, wo mich am Bahnhofe Fritz [Erzherzog Friedrich], der Primas, die Minister, Bischöfe und andere Große erwarteten und eine Ehren Companie aufgestellt war. Durch ein Truppen Spalier fuhr ich mit Fritz in sein Palais, wo mich Isabelle sammt [sic!] Töchtern erwarteten. Um 9 ¼ Uhr fuhr ich mit Franzi [‚Erzherzog Franz Ferdinand] im sechsspännigen Gallawagen zum Monuments Enthüllungs Platze, wo bereits die sehr zahlreiche kaiserliche Familie versammelt war, nebst unzähligen in ungarischer Galla gekleideten, frierenden Herrn. In allen Straßen waren Truppen aufgestellt, welche Fritz zu Pferde kommandirte. Die Bischof von Neutra las unter einem Zelte eine unglaublich schnelle Messe, dann war Gesang, Rede des Bürgermeisters, meine Antwort und die Hülle fiel. Die Reiterstatue ist ganz gelungen aus Marmor ausgeführt. In langem Zuge fuhren wir nun zur Franciscaner Kirche, wo ein neu restaurirter Thurm eingeweiht und ein langes Tedeum gesungen wurde und dann bei wieder begonnenem Regen in das Palais zurück. Dort war um ½ 1 Uhr ein excellentes Familien Déjeuner an zwei Tafeln, die die Zahl der Familien Mitglieder für einen Saal zu groß war. Ich saß zwischen Stéphanie und Isabelle."

Maria Theresia thronte als ungarischer König (nicht Königin!) hoch zu Ross, was an die an diesem Platz ausgeführte Zeremonie im Rahmen der Krönungsfeier erinnern sollte. Das Denkmal des Pressburgers Fadrusz János (Johann), neben Viktor Tilgner und Alois Rigele Teil des Pressburger Dreigestirns der bildenden Kunst des späten 19. Frühen 20. Jahrhunderts, trug die Inschrift Vitam et sanguinem, was wiederum an ein der berühmtesten Episoden ungarischer (und damit auch österreichischer) Geschichte gemahnt. Leben und Blut für unseren König Maria Theresia! Sie kennen sicher das eine oder andere Bild von diesem Ereignis. Die ungarischen Magnaten zeigten 1741 im Pressburger Schloss Loyalität und sicherten ihrem König Maria Theresia Unterstützung im Kampf gegen Preußen zu, wenn auch nicht ganz umsonst. (Und der kleine Josef war in Pressburg nicht dabei, auch wenn uns das viele Gemälde glauben machen wollen, aber auf Propaganda verstand sich der mariatheresianische Hof sehr gut und die ganze Pressburger Geschichte war im wahrsten Sinn des Wortes nur ein gut inszeniertes Bild, es war alles längst ausverhandelt.)

Das alte Pressburg (Foto © Josef Wallner)
Das alte Pressburg (Foto © Josef Wallner)
Eine kleine Kopie des Maria-Theresien-Denkmals wurde vor einigen Jahren vorübergehend auf der nahen Donaulände aufgestellt. Es sollte Unterstützer anlocken, die für die Wiedererrichtung des Denkmals auf dem Krönungshügelplatz eintreten. Mittlerweile ist es um diese Initiative ruhig geworden. Und so wird sich an der bisherigen Platzgestaltung wenig ändern. Ľudovít-Štúr darf sein Denkmal behalten und der Platz weiterhin seinen Namen tragen. Den meisten Slowaken werden sich dem Dichter und Politiker auch mehr verbunden fühlen als der Monarchin. Immerhin ist Štúr der größte slowakische Nationaldichter. Er kodifizierte die slowakische Schriftsprache und setzte sich, auch im ungarischen Reichstag, massiv für die Rechte der Slowaken ein. Er schrieb, auch das ist keine Seltenheit im alten Mitteleuropa, in Deutsch, Tschechisch, Slowakisch und Ungarisch.


Schräg gegenüber der Redoute, dem Sitz der Slowakischen Philharmonie, steht an der Donaulände das Esterházy-Palais, in dem ein Teil der Slowakischen Nationalgalerie untergebracht ist. (Weniger Kunstbeflissenen sei zumindest der Besuch der Museumsbar angeraten.) Den meisten Besucher Pressburgs fällt davon nur der markante der Donau zugewandte Bauteil aus den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts auf, hinter dem sich der schöne Hof der ehemaligen Wasserkaserne, heute ebenfalls Teil der Nationalgalerie, verstecken muss.

Und wo zieht es mich jetzt hin? Vielleicht in die Nationalgalerie? Oder ins Berlinka, dem hippen Museumscafé in den Räumlichkeiten des traditionsreichen Pressburger Cafés Hungária? Auch nicht, ich brauch noch Luft, und bleib noch ein wenig unter einem Baum auf der kleinen Promenade, inmitten der Pressburger Josefstadt sitzen. Ja, auch in Pressburg gab es eine den Menschen in Altösterreich sehr vertraute Einteilung der Stadt. Und so lag neben der Josefstadt, wenig überraschend, die Theresienstadt und die Franz-Josef-Stadt. Und selbst ein Ferdinand kam zu Ehren.

Die kleine Promenade (Foto © Josef Wallner)
Die kleine Promenade (Foto © Josef Wallner)

Der kleine Park zwischen Rosengasse (Jesenského) und Jägerzeile (Palackého) ist ein Stück meines Pressburgs, nah am Trubel und ihm trotzdem so entrückt, dass ich hier wunderbar Tagträumen kann. Und das Licht ist so schön hier am Abend. Es ist fast schon ein bisschen dieses Licht des Ostens, mein ungarisches Licht. Im Alföld, der großen Tiefebene zwischen der Theiß und der Donau, hat es mich zum ersten Mal in seinen Bann gezogen. Ein Sonnenuntergang, nicht so makellos und fein wie im Süden, sondern härter, erdiger. (Man verzeih mir dieses etwas schiefe Bild, allein es gelingt mir nicht besser.)

Links nimmt das wuchtige Carlton, Pressburgs Grand Hotel, das in seiner jetzigen Form gar nicht mehr aus der Zeit der Monarchie, sondern aus den Zwanzigerjahren stammt, das Eck von Promenade und Bruckgasse (Mostová) ein. Gasthäuser gab es an dieser Stelle schon seit einer gefühlten Ewigkeit. Begonnen hat es mit dem Gasthaus Zum Schwan, später, im 18. Jahrhundert, folgte der Gasthof Zu den drei grünen Bäumen, der im 19. Jahrhundert von Ignaz Feigler jun., die Feigler zählten zu Pressburgs bekanntesten Architekten, zum legendären Hotel zum grünen Baum umbaut wurde. (Das Gasthausschild finden Sie im Stadtmuseum.) Es stand nicht am Eck von Promenade und Bruckgasse, sondern war das dritte Haus an der Promenade. Am Eck hingegen etablierte sich das Hotel National mit dem Café Savoy zum großen Konkurrenten des Grünen Baums, das der führenden Pressburger Weinhändlerfamilie Palugyay gehörte. Nachdem Heinrich Prüger das National übernommen hatte, kaufte er nicht nur das Haus zwischen den beiden Hotels, sondern auch den Grünen Baum und ließ die drei Gebäude zum Savoy Carlton umgestalten. Der Name Carlton ist eine Referenz an die Palugyay, das Ehepaar Karl und Antonia, genannt Tonka. (Die schöne Einrichtung des Cafés ist erst vor ein paar Jahrzehnten entfernt worden – ein typisches Pressburger Schicksal.)

Während das Carlton noch in mein schönes Abendlicht getaucht ist und die gut situierten Pressburger noch rasch ihre Einkäufe beim Billa im Carlton erledigen, liegt rechts von mir Notre Dame schon lange im Schatten. Notre Dame ist klein und sehr pressburgerisch mit dem schmalen Park und dem alten hohen eisernen Zaun, eine unspektakuläre Kirche in dieser an Kirchen so reichen Stadt und nicht zu vergleichen mit dem stolzen Martinsdom und der Pracht von Jesuiten- und Franziskanerkirche, der schlichten Eleganz der Kapuzinerkirche oder der blauen Elisabethkirche. Sie ist Ödön Lechners Pressburger Glanzstück. Viele kennen die Silhouette des Jugendstilbaues, weil ein Poster mit dem Bild der Kirche in den durch das östliche Österreich fahrenden Zügen der ÖBB hängt und Werbung für einen Besuch von BratisLOVER macht. Im Unterschied zu anderen großen ungarischen Städten der Monarchie hat Ödön Lechner in Pressburg keine weiteren Spuren hinterlassen; schade, denn wie prächtig sind seine Entwürfe für Budapest, Szegedin (Szeged) und Kecskemét. Merkwürdig, dass die zwei Großen, Wagner in der österreichischen und Lechner in der ungarischen Reichshälfte, jeweils die Postsparkasse in Wien und Budapest planten. Und trotzdem unterschieden sie sich in Vielem. Lechner wollte einen nationalen ungarischen Stil in seinen Bauten verwirklichen, während in Wagners Vorstellungen nationaler Impetus keine Rolle spielte.

Die Elisabethkirche aus einer eher unüblichen Perspektive (Foto © Josef Wallner)
Die Elisabethkirche aus einer eher unüblichen Perspektive (Foto © Josef Wallner)

Der Strom der Österreicher versiegt, die ersten Standler auf der Promenade klappen die Holzläden hoch. Bratislava-Magnetsticker, Handarbeitszeug aus der Hohen Tatra und Loksche mit fettem Fleisch oder Mohn werden heute nicht mehr gewollt. Denn kaum verschwindet die Sonne hinter den Kleinen Karpaten, geht's in den Gassen und auf den Plätzen der Inneren Stadt für viele nur noch um das eine: Alkohol. Es beginnt lauter zu werden, immer mehr Gruppen tauchen auf. Ihre Zusammensetzung ist stets die gleiche. Relativ jung, hundert Prozent männlich und im Stadium zwischen Schwips und mittelschwerer Trunkenheit angelangt. Die Bachelors sind los! Dank Flugtickets zu Spottpreisen feiern halb England und Umgebung, wie es scheint, Junggesellenabschied in Pressburg. Österreicher, Deutsche und andere kommen noch dazu. Gesoffen haben wir auch, als der Junggesellenabschied noch Polterabend hieß. Niemandes Spaß, von Freude zu sprechen träfe es nicht, will ich verderben – aber leid ist's mir trotzdem um die Stadt. Fast scheint es, als wenn sich die Palais Zentimeter um Zentimeter von der Straße zurückziehen wollten, auch wenn ihre einer Krönungsstadt geziemenden Barockfassaden noch die letzten wärmenden Sonnenstrahlen genießen möchten. Sie sind irritiert, verstört, obwohl sich dieses Schauspiel Wochenende für Wochenende wiederholt. Die Feiernden bemerken es nicht. Das Bier zischt, zuerst in den Mund und dann, wenn der Schluck zu groß ausgefallen ist, quillt es wieder heraus. Schaumreste tropfen über die rotblonden Bärte.

Geduldige barocke Pracht (Foto © Josef Wallner)
Geduldige barocke Pracht (Foto © Josef Wallner)

Ein paar der Jungmänner stolpern über zwei Pressburger Attraktionen aus Metall, den aus einem Kanal herauslugenden Bauarbeiter und den Schönen Náci. „Die Idee, einen (Bau-) Arbeiter an der Ecke der Straße Panská und dem Fischertor aus einem Schacht schauen zu lassen, ist aber wirklich sehenswert", meint die Tourismuswerbung. Der Schöne Náci aus der Sattlergasse (Sedlárska) hat sogar ein historisches Vorbild, den in zerschlissener Eleganz durch Pressburg spazierenden Ignác Lamár. Ihn Dandy im Wrack zu nennen, hätte dem stets freundlichen alten Herrn wahrscheinlich nicht gefreut.

Die Wege von Touristen und Bachelors sind auch in Pressburg berechenbar. Ich kann ihnen leicht ausweichen. Am Ende der Herrengasse oder Lange Gasse (Panská), der Pressburger Meile des Adels mit den in der mariatheresianischen Zeit erbauten Palais der Pálffy, Esterházy, Csáky und Keglevich (Keglević), sind sie weg. Das Grölen weicht einer anderen, noch vertrauteren Geräuschkulisse, dem Lärm des Verkehrs, der von der Lände und der SNP-Brücke heraufzieht auf den Domplatz (Rudnayovo námestie) und den Fischplatz (Rybné námestie), dort wo einst die große Pressburger Synagoge stand. Sie wurde nicht in den dunklen Jahren des slowakischen Faschismus niedergerissen, sondern erst im Zuge der Stadtregulierung in den späteren Jahren des Kommunismus. Die Wunde, die damals der Stadt zugefügt wurde, klafft noch immer und sie schmerzt mich jedes Mal, wenn von der Inneren Stadt auf den Schlossberg spaziere.

Die Bacherlors sind weg (Foto © Josef Wallner)
Die Bacherlors sind weg (Foto © Josef Wallner)

Der Schlossgrund mit Zuckermantl (oder -mandl), dem Schlossberg, dem Hausbergl und Weidritz (auch Wödritz, Vydrica), im 19. Jahrhundert zur Theresienstadt (Podhradie-Terézváros) vereint, wurde planiert, arrondiert, zerstört. Es wurde Platz gebraucht für die neue Straße, die Engerau (Petržalka) über die SNP-Brücke (Most Slovenského národného povstania, Brücke des slowakischen Nationalaufstandes) mit der Innenstadt verbindet. Kollateralschäden ließen sich nach den Vorstellungen der Stadtplaner scheinbar nicht vermeiden. Geblieben ist wenig, aber Reizvolles, wie das Haus zum Guten Hirten (Dom U dobrého pastiera), nach der Christusfigur an der Fassade so genannt, in der Schlossgrund- oder Judengasse (Židovská ulica), der vor Kurzem wieder Kopfsteinpflaster verpasst wurde. Jeder Stock des Rokokohauses, jetzt ein Uhrenmuseum, hat nur einen Raum.

In Zuckermandl (Foto © Josef Wallner)
In Zuckermandl (Foto © Josef Wallner)
Mich zieht es allerdings mehr hinunter nach Zuckermandl, dort, wo der alte Franz Xaver Messerschmidt seine Grimassenköpfe schuf. Die Kirche und ein paar Häuser sind von dem Ort mit dem verlockenden Namen geblieben. Sie beherbergen Museen wie jenes der Karpatendeutschen oder der Ungarn in der Slowakei. Neben ihnen entsteht ein neuer Stadtteil. Es brauchte lange, bis seine Türme in den Himmel wuchsen. Noch stiller ist es im ehemaligen Weidritz. Warum geschieht hier nichts? Gestrüpp, wohin man schaut, ein paar Löcher im Berg zeigen, wo einst die Keller der Bürgerhäuser waren. Ein Parkplatz mit für meinen alten Z3 gefährlichen Schlaglöchern und einem der (hoffentlich) letzten Kettenhunde Pressburgs, das blieb von Weidritz.


Noch weiter donauaufwärts liegen drei historische Friedhöfe der Stadt, der Alte und der Neue jüdische Friedhof und der Nikolausfriedhof. Sie finden diese Gottesäcker in jedem Reiseführer als sehenswert ausgezeichnet, vor allem die Chatam Sofer-Gedenkstätte am Areal des alten orthodoxen jüdischen Friedhofs. 1943 wurde der Friedhof liquidiert, nur 23 Gräber bedeutender Pressburger Juden konnten gerettet werden. Erst nach der Wende konnte an dem Ort eine würdige Gedenkstätte geschaffen werden. Ihrem Namensgeber Chatam Sofer (Mosche Schreiber) werde ich auf meinem Pressburger Spaziergang noch einmal begegnen.

Mein Pressburger Lieblingsfriedhof ist ein anderer. Es ist der evangelische beim Gais- oder Ziegentor, der Kozia brána, am Palisadenweg-Palisády. Dort wird Kakanien wieder lebendig. Man sehe es mir nach, dieses Bild für einen Friedhof zu benützen, allein es passt mir so gut. Ins ehemalige evangelische Viertel in und rund um die Nonnenbahn, Panenská, zieht es mich immer wieder. Barock und klassizistisch sind die Bürgerhäuser und Palais, nicht wenige von ihnen scheinen sich ihrem Verfall ergeben zu haben. Sie umgeben die von Matthias Walch geschaffene Große Evangelische Kirche (Veľký evanjelický kostol); ein wunderbarer Bau, so anders als die hierzulande übliche Sakralarchitektur. Der Architekt musste Maria Theresias Vorgabe eines nicht repräsentativen Kirchenbaus beachten. Wenige Geschäfte, ein, zwei Antiquitätenhändler, moderne Cafés, Schulen im k.u.k. Stil machen das Grätzel zu einem meiner Pressburger Sehnsuchtsorte. Ein Hauch alten bürgerlichen Lebens liegt in der Luft, unwillkürlich richtet man seinen Oberkörper gerade und geht, nein, fast ist es ein Schreiten, gemessenen Schritts seines Weges, von einer Chopin-Etüde, auch Pressburger Musikstudenten dürfen sich plagen, begleitet. Mit den vielen Schulen hätte wahrscheinlich der schlesische Augustinerabt Johann Ignaz v. Felbinger seine Freude gehabt. Er verfasste für Maria Theresia die Allgemeine Schulordnung für die deutschen Normal-, Haupt- und Trivialschulen. Gestorben ist er 1788 in Pressburg, in das er zehn Jahre zuvor gekommen war. Der Kaiserin hatte Felbinger von ihrem Intimfeind Friedrich II. übernommen, der interessanterweise nichts dagegen hatte, dass der Augustiner eine der wichtigsten Reformen Maria Theresias maßgeblich mitgestaltete.

Aber wo ist die Nonnenbahn und wo bin ich? – Noch steh ich unschlüssig am Fischplatz. Soll ich den Schlossberg hinauf spazieren, vielleicht mir einen Kaffee auf der Terrasse des Burgrestaurants (Restauracia Hrad) gönnen und statt der Mehlspeis zum Mokka den famosen Blick auf das kleine Altstadtensemble und das neue Bratislava genießen? Hochhäuser gibt es genug zu schauen, und die Pressburger Skyline hat fast schon den Charakter einer Sehenswürdigkeit. Und trotzdem: Es sind die Altstädte und vor allem die Kirchen, die die Silhouette einer europäischen Stadt unverwechselbar machen. Gewinnt Architektur erst mit Patina an emotionalem Wert für die meisten von uns? Womit man aufgewachsen ist, was uns in der Kindheit umgeben hat, ist gut, so scheint es. Das neue Wien der Eltern ist unser altes, vertrautes. Und das ist gut, oder? Sie widersprechen? Sicher, ich gebe Ihnen Recht. Die Bauten aus den Siebzigern, also aus meiner Kindheit, sind nicht gut, sondern grässlich. Und ich werde das nicht mit einem Oft abschwächen. Schiach bleibt schiach. Aber die Gründerzeitbauten oder selbst die pompösen Kästen der unmittelbaren Vorkriegszeit wie das ehemalige Kriegsministerium am Stubenring? Für die meisten meiner Generation sind sie schön. (Die meisten und schön, was für Unwörter für Architekturkritik!) So ändern sich die Zeiten. Werden die gläsern schimmernden Sky scraper jemals eine vergleichbare Patina ansetzen? Sind sie darauf überhaupt angelegt, oder sollen sie nach einem halben Menschenleben unwirtschaftlich, verbraucht und hässlich sein, ganz ohne Patina, um wieder Platz zu schaffen für Neues? Warum auch nicht.

Auch Neues, auf Alt gemacht, tut sich schwer, Patina anzusetzen. In Pressburg wird es in ein paar Jahrzehnten dafür ein gutes Exempel geben. Es ist das Reiterstandbild des Svatopluk I., Fürst des mährischen Reiches, der im neunten Jahrhundert einen von vielen Versuchen unternommen hat, im Donau- und Karpatenraum ein Reich zu schaffen. Auf das Großmährische Reich folgten unter anderem böhmische, polnische und ungarische Dynastien, am erfolgreichsten versuchten es die Habsburger. Wie nachhaltig die Europäische Einigung in dieser Region ist, wird sich weisen. Die Geografie zwingt uns in Mitteleuropa eng zusammen, vierzig Jahre Abschottung mögen die unrühmliche Ausnahme bleiben.

Unrühmlich mag auch die Idee gewesen sein, dem mährischen Herrscher im Jahr 2010 vor dem Pressburger Schloss (man möge es im Deutschen nicht Burg nennen) ein sehr traditionelles Reiterstandbild zu errichten. Sie haben richtig gelesen: im Jahr 2010! Entworfen von einem, der in der Zeit der Normalisierung nach dem Prager Frühling hoch im Kurs stand… Der gute Svatopluk hätt sich darüber wahrscheinlich auch gewundert, retro war der nämlich nicht und mit einer Slowakei hätt er schon gar nichts anzufangen gewusst. Aber Nationalismus zieht auch im 21. Jahrhundert, auch wenn der passende Nationalheld erst gebastelt werden muss. (Es sei unserem Nachbar nachgesehen, die österreichische Nation, wie sie sich heute begreift, ist ja auch eine späte. Nur kann sie sich aus dem reichen mitteleuropäischen Potpourri diejenigen Nationalhelden herauspicken, die ihr zupass kommen. Der über die Jahrhunderte so wage Begriff des Österreichisch-Seins macht es möglich: Irgendwann waren sie alle Österreicher.)

Die stillen Gassen des Schlossbergs (Foto © Josef Wallner)
Die stillen Gassen des Schlossbergs (Foto © Josef Wallner)

Man sagt, das Pressburger Denkmal sei ein Signal an die ungarischen Nationalisten: Ätsch bätsch, unser Slawe Svatopluk war vor eurem König Stephan da, geht's euch brausen mit euren großungarischen Gebietsansprüchen. Am 90. Jahrestag des Friedens von Trianon, mit dem Ungarn den Verlust von Oberungarn, also der Slowakei, Siebenbürgen, Fiume (Rijeka), Kroatien und Slawonien zu verkraften hatte, man könnte auch sagen, es bekam die Rechnung für vierzig Jahrzehnte forcierte Magyarisierung präsentiert, enthüllten der sozialdemokratische Premierminister, der Staatspräsident und der Parlamentspräsident das Reiterstandbild vor dem restaurierten Schloss. Seither wird es brav abfotografiert. Es juckte mich nicht selten, die Touristen zu fragen, wie lange ihrer Meinung nach der gute Svatopluk hier schon stehe.

Ja in diesem altösterreichischen Raum, die Magyaren mögen mir verzeihen, dass ich sie in diesen miteinbeziehe, haben die Völker noch immer ein paar Rechnungen miteinander offen. Oft es sind es gottlob nur mehr kleine Beträge, über die gestritten wird.

Eine Rechnung kann auch jahrelang in irgendeinem Ladl liegen, aber dieses Ladl kennt man und kann den Wisch bei Bedarf wieder heraussuchen und den offenen Betrag zu saldieren versuchen. Wenn die Leut' sich auch nicht so schlecht miteinander vertragen, die nationalistische Karte im Spiel der Politik sticht noch immer, wenn auch nicht sehr hoch.

Der nationalen Misere versuchten das doppelmonarchische Cis- und Transleithanien auf unterschiedliche Weise beizukommen. Mit einem sehr groben Blick auf die Materie könnte man sagen, die ungarische Elite war nicht abgeneigt, den Anteil der Magyaren in ihrem multiethischen Reich(steil) zu steigern (die Kroaten durften vielleicht ein bissl mehr kroatisch bleiben).

Gestatten Sie mir, geschätzte Leserinnen und Leser, an dieser Stelle einen Sidestep zum feinen Unterscheidung von Magyaren und Ungarn. Robert Hofrichter und Peter Janoviček bringen in ihrem Buch Von Preßburg nach Salzburg Licht in mein Dunkel: „Zwischen Slowaken und Ungarn gibt es Begriffe und Namen, deren bloße Erwähnung Zornesröte in die Gesichter des jeweils anderen treibt. Um ganz konkret zu werden: Die Ungarn nennen sich selbst Magyar. Ein Mensch dieser Nationalität bezeichnet sich als Magyar, er nennt seine Sprache so und auch sein Land: Magyaroszág (Land der Madjaren). Das ist keine Erfindung von ungarischen Nationalisten – es war immer schon so, denn es gibt kein zweites Wort, mit dem man Magyar im Ungarischen ersetzen könnte. […] Die deutsche Sprache kennt zwei unterschiedliche Ausdrücke: Ungarn bzw. Ungar und Magyaren (Madjaren) […] Der tiefere Sinn einer möglichen Unterscheidung der beiden Wörter ‚Ungar' und ‚Magyare' ist den meisten Menschen unbekannt. Auch die slawischen Sprachen bieten zwei Ausdrücke für Ungarn: Mad'ari und uhry. Diese zwei Namen für ein und dasselbe Volk, ein und dieselbe Sprache und ein und dasselbe Land spielen in der slowakischen bzw. allgemeinen slawischen Geschichtsschreibung eine Schlüsselrolle. […] Die Slowaken war historisch zwar ein Teil des Königreichs Ungarn (Uhorské Královstvo), das lässt sich rückwirkend nicht ändern, doch mit dem Wort Madjare oder madjarisch (mad'ari) wollen sie nicht in Verbindung gebracht werden."

Ungarische Sprache, ungarische Kultur und eine starke zentrale Verwaltung waren für die Magyaren die Grundlage, um ihren modernen, wirtschaftlich erfolgreichen Staat zu formen. Über die Geschicke dieses Staates sollten aber nur wenige, sehr wenige bestimmen, die sich noch dazu in ihren politischen Vorstellungen nicht sehr deutlich voneinander unterschieden, dafür persönlich nicht selten spinnefeind waren, so von Graf zu Graf. Der breiten Masse offerierte man ein anderes Gericht, Nationalstolz genannt, es machte so satt, dass keine Kraft mehr blieb, zu kämpfen, zum Beispiele für die Teilhabe am politischen Leben. Dieses Gericht lässt sich in Ungarn anscheinend so oft aufwärmen wie ein gutes Gulasch oder Pörkölt oder Paprikás, um kulinarisch korrekt zu bleiben.

Ein wenig simpel ist's dennoch, die Magyaren als die bösen Buben der Monarchie abzustempeln, wie es die populäre österreichische Geschichtsschreibung bis heute gerne tut. Politik machen heißt verstehen, wie der Partner tickt und ihm dann etwas anzubieten, was beiden zupass kommt. (Zugegeben, der Gedanke ist simpel, seine Ausführung nicht.) Die Österreicher hatten vielleicht noch immer das Gefühl, sie würden den Ungarn etwas gewähren, eher noch, sich etwas abpressen lassen vom gemeinsamen Kuchen und insgeheim glaubten sie noch immer, dass ihnen der Kuchen ganz gehörte. Und im Hinterstübchen der Magyaren nistete wohl noch die Furcht, irgendwann doch wieder zu Österreichern gemacht zu werden. Damit das nicht passieren kann, galt es so rasch und so umfassend wie möglich zu magyarisieren und die Welt wissen zu lassen, das Ungarn nicht als Hälfte des Ganzen, sondern schon allein das Ganze sei.

Werte Leserinnen und Leser, Sie sehen, von inniger Geschwisterliebe waren die Ungarn und Österreicher weit entfernt. Auch in der Kunst rieb man sich aneinander. William M. Johnston, der Doyen der österreichischen Kulturgeschichtsschreibung, charakterisiert das Verhältnis von cis- und transleithanischer Kunst und Kultur und von deren Protagonisten wie folgt: „In ihrem Bemühen, sich die neuen Literaturen Westeuropas einzuverleiben, legten die Ungarn jenes feine Urteilsvermögen an den Tag, das für Hofmannsthal und Wildgans ein Hauptmerkmal des gebildeten Österreichers war. Mit einem Wort, die Ungarn waren bestrebt zu zeigen, dass sie kosmopolitischer waren als ihre österreichischen Rivalen. Dieser heimliche Wunsch, österreichischer zu sein als die Österreicher, ist jedenfalls als eine Hommage an die Kultur der Doppelmonarchie zu werten. […] In einer merkwürdigen Variation des Ödipus-Themas hat sich die Rivalität zwischen zwei Kulturen entwickelt, die sich selbst nicht in der Rolle von Vater und Sohn, sondern als Geschwister wider willen sahen."

Wobei: Die Ungarn waren sich wenigstens im Klaren, wer sie sind – Ungarn eben. Bei den anderen war das nicht so einfach. Hier muss jetzt aus dem Mann ohne Eigenschaften zitiert werden: „Der Österreicher kam nur in Ungarn vor, und dort als Abneigung; daheim nannte er sich einen Staatsangehörigen der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder der österreichisch-ungarischen Monarchie, was das gleiche bedeutet wie einen Österreicher mehr einem Ungarn weniger diesen Ungarn, und er tat das nicht aus Begeisterung, sondern einer Idee zuliebe, die ihm zuwider war, denn er konnte die Ungarn ebenso wenig leiden wie die Ungarn ihn."

Aber das ist lange her und uns Nachgeborenen Kakaniens klingt von den damaligen Rivalitäten und Streitereien nichts mehr im Ohr, im Unterscheid zum Verkehrslärm am Fischplatz, auf dem ich noch immer stehe. In Gedanken habe ich es schon hinauf auf den Schlossberg geschafft, auf die Terrasse des Restaurants. Von dort sieht man nicht nur das alte Pressburg-Pozsony-Prešporok und das neue Bratislava, sondern auch die kleinen Karpaten mit dem Fernsehturm am Gemsenberg (Kamzík), Wahrzeichen des Bratislavas der Siebzigerjahre. Rund hundert Jahre früher, 1866, wurde am Gemsenberg das letzte Gefecht, beim Treffen von Blumenau (Lamač) zwischen Preußen und Österreichern gefochten. Ein Denkmal erinnert noch daran.

Nach der Schlacht ließ der Pressburger Bürgermeister Heinrich Justi ein paar Hügel weiter den Gebirgspark (Horský park) anlegen. Er ist der größte Pressburger Stadtpark. Wie eh und je gehen die Pressburger mit Kind und Hund hier sonntags gerne spazieren und im alten Forsthaus (Libresso Horáre) mit seinem schönen alten Kachelofen einkehren.

Im alten Forsthaus (Foto © Josef Wallner)
Im alten Forsthaus (Foto © Josef Wallner)

Die drei einst legendären Jausenstationen, Batzenhäusl genannt, sind leider verschwunden. Aber das dem Justi gesetzte Denkmal, gefertigt von der k.k. Kunst-Erzgießerei in Wien, steht noch heute mitten im Gebirgspark.

Die Stadt vom Gebirgspark aus gesehen (Foto © Josef Wallner)
Die Stadt vom Gebirgspark aus gesehen (Foto © Josef Wallner)

Hier im Weichbild der Stadt fühl ich mich schon sehr wie im heimatlichen Wien, auch wenn der nahe Fernsehturm am Berg und nicht an der Donau und das Russendenkmal (Slavin) nicht in der Stadt steht, sondern über ihr thront. Es liegt wohl auch an der Topografie, Wienerwald hier, Kleine Karpaten da, deren Örtlichkeiten man nicht selten die gleichen Namen gab. Ja, es gibt auch in Pressburg einen Kahlenberg, sein slowakischer Name Bubnovka bedeutet allerdings Trommlerberg.

Erinnerung an Bürgermeister Justi (Foto © Josef Wallner)
Erinnerung an Bürgermeister Justi (Foto © Josef Wallner)

Nicht zu reden von den vielen begabten und gescheiten Menschen, die hier wie da wirkten. Ich erspar Ihnen (vorerst) ein Namedropping, Sie fallen bei einem Rundgang durch Stadt sowieso über eine(n) nach der (dem) anderen drüber. War (oder ist) Pressburg also eine Wiener Vorstadt? Ein Pressburg bei Wien, so wie Baden bei Wien, das das Attribut mit Stolz, gleichsam als programmatische Ansage trägt? Nein, damit würde man das alte Pressburg-Pozsony zu gering schätzen, und mit dem neuen Bratislava verhält es sich so wie so ganz anders.

Kakanische Reminiszenz am Justi-Denkmal (Foto © Josef Wallner)
Kakanische Reminiszenz am Justi-Denkmal (Foto © Josef Wallner)

Nach Wien strömten Menschen aus ganz Mittel- und Osteuropa. Wer hier bestehen wollte, musste sich integrieren, sprich auch Deutsch lernen, auch ein gewisser politischer Druck förderte das. Wien war und blieb in seinem Selbstverständnis eine weitgehend deutschsprachige Stadt, wenn die Sprache auch wunderbar durchsetzt war (und immer weniger ist) mit Vokabeln aus allen habsburgischen Ländern, und es Vororte gab, in denen die erste Generation der Zuwanderer fast nur Tschechisch sprach (die nächste aber pratschkerte schon auf Deutsch). Pressburg war da weit kakanischer, keine Gruppe, weder die Deutschsprachigen, noch die Ungarn, obwohl sie es vielleicht probierten, und schon gar nicht die Slowaken waren stark genug, aus Pressburg nur ihre Stadt zu machen. Pressburg war und blieb bunt, auch als die Monarchie gestorben war.

Sicher, das Kräfteverhältnis veränderte sich, die Ungarn verloren, Slowaken und die mit ihnen nun verbundenen Tschechen gewannen an Terrain. Und trotzdem blieb es die Stadt aller, auch unabhängig von ihrer Religion. Gerade in dieser Frage gab es aus Pressburg manch Kurioses zu vermelden, oder wo gab es das noch, dass die Söhne in einer Familie evangelisch und die Töchter katholisch getauft wurden (oder war es umgekehrt)?

Reminiszenz an die dreisprachige Stadt (Foto © Josef Wallner)
Reminiszenz an die dreisprachige Stadt (Foto © Josef Wallner)

Die dreisprachigen Straßenschilder der Zwischenkriegszeit habe ich auf meinen Streifzügen durch die Stadt vergeblich gesucht, aber genügend vergilbte Aufschriften an den Hauswänden sind noch da, wie jene des Tapezierers-Čalúnnik-Kárpitos Augustin Ney in der Hochstraße, der Vysoká oder Magas utca. Sie sind die letzten Relikte des Alltags in einer kakanischen Stadt, auch als es Kakanien gar nicht mehr gegeben hat. Pressburg mochte man mit dem Prädikat Wiener Vorstadt Unrecht tun, ein wenig stolz waren die Pressburger auf ihre enge Verbundenheit mit der (ehemaligen) Reichshaupt- und Residenzstadt allemal. Nur Österreicher wollten auch die deutschsprachigen Pressburger nicht werden in den aufregenden Tagen des Winters 1918/19. Die Pressburger Zeitung schrieb: „Bangigkeit erfüllt alles Seelen, besonders uns Preßburger Deutschungarn. Bleiben wir im Verbande der heiligen Stefanskrone? Oder werden wir von unseren andersprachigen Mitbürgern losgerissen aus dem Körper der ungarischen Nation, abgezwackt, ein Stück auf der Schlachtbank des Weltkrieges? Werden Stadt und Umgebung Preßburgs, dies uralte Juwel Ungarns losgebrochen aus der Krone St. Stefans? Einen jeden erfüllt Bangigkeit vor der Zukunft. […]

Sollen wir vielleicht warten, bis man über uns beschließt ohne unser Zutun? Wer nimmt sich das Recht heraus, zu befehlen: Preßburg und Umgebung werde deutschösterreichisch oder slovakisch oder gar czechisch? Wilsons Feuerwort vom Selbstbestimmungsrecht der Völker erwies sich in den Händen österreichischer Alldeutschen und czechischer Panslaven als eine Brandfackel! […]

Wir Preßburger Deutschungarn werden – wie ersichtlich – von zweifacher Gefahr bedroht! Die erste ist: das heißgeliebte Vaterland zu verlieren, unserer altangestammten ungarischen Nation entrissen zu werden, um entweder zu einer Frohnstadt des industriellen Deutschösterreichs herabzusinken, oder gar dem nicht minderindustriellen Czechenstaaate zur Ausbeutung und völligen Entdeutschung überantwortet zu werden. Die zweite Gefahr bedroht uns, aber auch das hiesige Kernungartum im eigenen Vaterlande und zwar mit völliger Slavisierung durch unsere mit eigenen Selbstbestimmungsrechten ausgestatteten Mitbürger […] Wir werden uns wollen auch fürderhin zu Ungarn gehören: jetzt und immerdar!"

Deutschsprachige, die unbedingt Ungarn sein wollten? (Und das trotz der Erfahrungen, die sie in der Doppelmonarchie mit der Magyarisierungspolitik gemacht hatten?) Wie weit weg ist das von uns, die wir, Europa hin oder her, noch immer so nationalstaatlich geprägt sind? Wobei: Lesen Sie ein wenig zwischen den Zeilen. Haben Sie nicht auch den Verdacht: It's the economy, stupid!?

Das Pressburger Deutsch, welches der Herr Redakteur wahrscheinlich gesprochen hat, ist verklungen. Vor wenig mehr als vierzig Jahren hat es Ernst Trost, der Chronist der versunkenen Welt des Doppeladlers in den engen Gassen und den alten Bürgerhäusern der Donaustadt noch vernommen. „In dem dunklen Flur tastet man nach dem Lichtschalter und sucht die Namensschilder. Von der Haustür tönt es in lockerem Wienerisch: ‚Gott sei Dank, daß wir zu Haus' sind, so eine lange Fahrt macht einen ganz steif.' – ‚Zu Haus' – aber das müssen doch Wiener sein! Nein, es sind Pressburger, die sich meistens dieser Sprache bedienen, obwohl in ihren Dokumenten die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft verzeichnet ist, obwohl sie von einem ungarischen Pfarrer getauft worden sind und ihre Voreltern Magyaren waren."

Das Pressburger Deutsch mag verschwunden sein, im slowakischen Pressburgerisch, wenn man den in der Hauptstadt gesprochenen Dialekt so nennen mag, wurlt es aber geradezu noch von Germanismen, die nicht selten Austriazismen, also in etwa die kakanische Variante der heutigen Deutschlandismen (was vermuten Sie, ist mir lieber?) sind. Beispiele gefällig? Paradajky, suflik, tepich, gurky. Nun gut: Bei suflik werde ich Ihnen helfen: Es ist die Schublade!

Am Domplatz (Foto © Josef Wallner)
Am Domplatz (Foto © Josef Wallner)
Wer weiß davon heute noch im 70 Kilometer entfernten Wien? Die alten Familienbande sind durchtrennt, obwohl manche Wiener Familie noch immer eine alte, sehr alte Tante in Pressburg sitzen hat. Aber es wächst Neues, unbelastet vom Alten und gemeinsamer kakanischer Herkunft, über die man hüben wie drüben nur mehr wenig weiß, es interessiert auch kaum. Wozu auch? Die neu geknüpften Bande sind auch so stark genug, die Freundeskreise werden durchmischter und in spätestens ein paar Jahren haben die Wiener wieder ihre Pressburger Großmutter

Jetzt steh ich noch immer am Fischplatz, nein, ich hab Sie angeschwindelt. Ich sitz längst in einem der vielen Kaffees der Pressburger Innenstadt, gleich neben der schönen Salvator-Apotheke in der Herrengasse, gutes Neorenaissance, geschmückt mit der Christus-Figur von Alois Rigele, die noch nicht restauriert ist.

Sie brauchen auch nicht versuchen, einen Blick durch die dreckigen Fenster zu werfen. Die wunderbare barocke Einrichtung, die hier schon ihren dritten Standort hatte, wurde nämlich schon lange demontiert und ist heute Teil einer privaten Sammlung. Die Geschichte des Hauses seit der Wende und das Hin und Her um die berühmte Ausstattung sind kein Ruhmesblatt für die Stadt Bratislava. Es ist nur eine von vielen Geschichten, die im Dunstkreis von Restitution und Privatisierung passiert sind. Viele alte Pressburger Familien, nach der Vertreibung in Österreich oder sonst wo sesshaft, sind nicht glücklich darüber, wie das nach 1989 gelaufen ist und noch immer läuft. Gerechtigkeit und vielleicht nicht einmal Recht wird es in vielen Fällen auch in Pressburg nicht geben.

Lassen wir (vorerst) die Vergangenheit und genießen Sie mit mir Ihren Pressburger Kaffee. Ein Café, eine Bar oder einen hippen Coffeeshop nach Berliner Art mit oft ausgezeichnetem Kaffee, Selbstbedienung und nicht selten einem an eine Krabbelstube erinnernden Ambiente zu finden, ist nicht schwer, im Gegenteil. Die Auswahl fällt schwer. Und als Wiener sollte man rasch allfällige Vorurteile gegenüber der vermeintlichen Provinz ablegen. So viele stylische Lokale auf engem Raum muss man selbst in Neubau-Bobostan einmal finden. (Ja, eine kleine große Stadt hat eben durchaus ihre Vorteile.) Alle zwei Wochen sperrt ein neues Lokal auf, wo gerade eines zugemacht hat. Namen, Konzepte und Interieur mögen sich ändern, die Besitzer bleiben nicht selten die gleichen, was leicht an den auf jedem Lokal prangenden Metalltafeln mit dem Logo des Betreibers zu erkennen ist. Ein wenig gewinnt man den Eindruck, die Pressburger Innenstadtlokale haben sich zwei Unternehmen untereinander aufgeteilt.

Ein stilles Platzerl (Foto © Josef Wallner)
Ein stilles Platzerl (Foto © Josef Wallner)

Ich habe meinen Schanigarten gut gewählt, links der Schlossberg und gerade vor mir der Martinsdom. Noch immer bin ich unschlüssig, ob ich mir den Gang zum Schloss antun soll. Ich mag die engen Gassen hinauf – nachdem ich es geschafft habe, die Straßenschneise zu über- oder unterqueren und an so manchen hässlichen Betonklotz, offenbar noch sozialistische Straßenmöbelage, erfolgreich nicht in mein Blickfeld gelassen habe. Besonders liebe ich den kleinen Platz vor der seit über einem halben Jahrhundert orthodox gewordenen Nikolauskirche und das elegante Sigmundstor, eine Erinnerung an die Zeit, als die Luxemburger Mitteleuropas erste Herrscherfamilie waren.

Die Nikolauskirche (Foto © Josef Wallner)
Die Nikolauskirche (Foto © Josef Wallner)

Das Schloss selbst finde ich von weitem, sehr weitem, schön. Es ist der erste, wahrhaft strahlende Gruß der Stadt, lange bevor ich bei Berg oder Kittsee die Landesgrenze passiere. Aus der Nähe betrachtet verliert das umgekehrte Bettgestell oder der verkehrte Tisch, wie man die (damalige) Ruine einst nannte, an Reiz. Zu kalt und abweisend wirkt es auf mich. Viel und oft wurde hier gebaut, jetzt gräbt man gerade antike Fundamente aus und vor Kurzem zwängte man eine Garage für die Parlamentarier in den Berg hinein, was bei den Bewohnern des Schlossbergs viel böses Blut machte, Bonzenwirtschaft ist ein in der Slowakei nicht wenig benutzter Ausdruck.

Modrá hviezda - im blauen Stern am Schlossberg (Foto © Josef Wallner)
Modrá hviezda - im blauen Stern am Schlossberg (Foto © Josef Wallner)

Vielleicht war Bonzentum nicht einmal den ersten Bewohnern des Schlossbergs fremd. Sie zogen schon in der Steinzeit auf den strategisch günstig gelegenen Karpatenhügel. Alle anderen Völker, die diesen Teil des Donauraums je besiedelt hatten, folgten. Zur Zeit der Mährer wurde der Berg befestigt und die Geschichte von Burg und Schloss begann. Die Ungarn und Luxemburger bauten weiter, die Habsburger und eroberten sie, die Hussiten griffen sie an. Zu guter Letzt ging auch in Pressburg alles seinen geordneten Gang, wie es in einem patriotischen Werk des 19. Jahrhunderts geheißen haben könnte, Stadt, Land und Burg wurden habsburgisch. Und sie bauten weiter, vor allem an den Bastionen – mit Stein aus dem nahen Kaisersteinbruch, heute ein burgenländischer Grenzort zu Niederösterreich. (Eine der Basteien wird selbst von den slowakischen Pressburgern noch Luginsland genannt.)

Die habsburgischen Könige von Ungarn ließen auch die Burg umbauen, jetzt im Renaissancestil, versteht sich. Schön langsam nahm sie mit den vier Türmen ihre heutige Form an. Mehr als zwei Jahrhunderte nachdem Ungarn österreichische Herrscher bekam, gab Maria Theresia auch ihrer ungarischen Residenzstadt eine neue Fassung. Aus der Pressburg wurde das barocke Schloss von Pressburg. Ihr späterer Gemahl Franz Stephan v. Lothringen, das geliebte Mäusl, hat in vorehelichen Zeiten hier gewohnt, später residierten ihre Lieblingstochter Marie Christine und deren Mann, der geschätzte Albert von Sachsen-Teschen, als ungarisches Statthalterpaar hier, wobei der Sitz des Statthalters genau genommen das Theresianum war.

Das gibt es schon lange nicht mehr. Es fiel dem großen Feuer zum Opfer, beim dem 1811 auch das Schloss ausgebrannte. An Bedeutung hatten Theresianum und Schloss damals schon längst eingebüßt. Kein ungarischer Statthalter residierte mehr in Pressburg und vieles von Wert war nach Wien geschafft worden. (Der josefinische Reformeifer hat in Kunstbelangen in Pressburg aber weniger anrichten können als anderswo – man denke nur an den schändlichen Umgang mit dem Prager Kunstkabinett Rudolfs II. (Zwei Jahrhunderte später gab es im Zuge der Restaurierung des Pressburger Schlosses eine gut nachbarschaftliche Unterstützung durch die Denkmalschützer und Restauratoren aus der Wiener Hofburg.) Im Schloss war das Militär eingezogen, nachdem es eine Zeitlang im Besitz der Kirche gestanden war. Soldaten dürften dann auch den verheerenden Brand ausgelöst haben. Pressburgs Wahrzeichen blieb Ruine bis in die Zeit der zweiten tschechoslowakischen Republik. Ein paar Jahre nach der Wende besuchte ich die Bratislavaer Burg, wie das Schloss jetzt genannt wurde, das erste Mal. Es erinnerte noch alles sehr an die sozialistischen Zeiten. Soweit ich mich erinnere, waren damals Möbel ausgestellt, auch die erinnerten noch stark an das vor kurzem verblichene Regime.

Heute ist das anders, ganz anders. Von außen betrachtet ist das theresianische Schloss wieder erstanden, von der Ausstattung blieb eine prachtvolle Rokokotreppe, und einige Säle erstrahlen wieder im theresianischen Stil. Wechselnde Ausstellungen machen die Burg auch für die Pressburger selbst zu einer attraktiven Adresse. Die Touristen strömen sowieso in Scharen hinauf. Deshalb bleib ich meistens unten. (Wo es für mich auch weit mehr zu entdecken und genießen gibt als oben, wobei seit der barocke Garten wieder instandgesetzt ist, sollte ich doch öfters wieder hinaufspazieren.)

In den ruhigen Winkeln der Altstadt (Foto © Josef Wallner)
In den ruhigen Winkeln der Altstadt (Foto © Josef Wallner)

Der Kaffee am Domplatz ist ausgetrunken und schön langsam wird's Zeit für mein Lieblingsviertel in der Altstadt, die Pfarrgasse (Farská), die Probstgasse (auch Pázmánygasse, Prepoštská), die Klarissengasse (Klariská) und die Kapitelgasse (Kapitulská).

Neogotische Pracht am Turm der Klarissenkirche (Foto © Josef Wallner)
Neogotische Pracht am Turm der Klarissenkirche (Foto © Josef Wallner)

Man könnte das Grätzel auch Domviertel nennen und kirchlichen Zwecken dienen heute noch viele der Gebäude. Am Dom würde ich jetzt am liebsten vorbeihuschen, die kleine Treppe hinauf, vorbei am Liszt-Denkmal, auf das man in der Stadt scheinbar vergessen hat. Vielleicht weil Franz Liszt sich selbst als Magyare bezeichnet hat? Obwohl er erst sehr spät in seinem Leben Ungarisch gelernt hat… Aber er stammte noch aus einer Zeit, in welcher der nationalstaatliche Gedanke noch nicht vollkommen von Denken und Fühlen des Mitteleuropäers Besitz ergriffen hat. Man konnte sich, so wie Liszt, als Magyare fühlen, ohne ungarisch zu beherrschen. (Am liebsten wär er vielleicht ohnehin Franzose gewesen.)

Franz Liszt-Denkmal (Foto © Josef Wallner)
Franz Liszt-Denkmal (Foto © Josef Wallner)

Vor über hundert Jahren, 1911, wurde Liszts Denkmal vom Kirchenmusikverein Pressburg der Stadt übergeben. Die Büste hat ein großer Pressburger, Viktor Tilgner, geschaffen. Liszt war bekannterweise kein Pressburger, aber dieser Stadt eng verbunden, in der 1820 „sein Schicksal als Musiker entschieden worden ist", wie er selbst sagte. Er war damals neun Jahre alt. Das Jugendstilgitter trägt die letzten Takte des Benediktus der Krönungsmesse.


Das Denkmal des großen Liszts übersehen die meisten Touristen, denn der prominente Standort auf dem Domplatz gehört Anton Bernolàk, Geistlicher und Förderer der slowakischen Schriftsprache. Den Namen hat der Platz wiederum von einem anderen Geistlichen: Alexander Rudnay, dem ersten Slowaken mit Kardinalshut. Wenigstens ein Nicht-Kleriker hat auf dem Domplatz auch sein Denkmal. Es ist Georg Raphael Donner, der Wiener in Diensten der pressburgischen Esterházy, der das berühmteste Kunstwerk im Dom geschaffen hat. (Ein anderer, den Wienern ebenso nicht gänzlich unbekannter Mann, hat auch in Pressburg gearbeitet – Hans Puchsbaum.)

Georg Raphael Donner in seinem Versteck (Foto © Josef Wallner)
Georg Raphael Donner in seinem Versteck (Foto © Josef Wallner)

Donners Werk ist die Reiterstatue des Heiligen Martin, „ein Meisterwerk des Künstlers", wie es in einem von der Ersten k.k. priv. Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft herausgegebenen Reiseführer 1918 hieß. „Die Feinheit der Komposition im Halbdunkel schwer erkennbar." Wie wahr. Ehrlich gesagt, war ich fast ein wenig enttäuscht, nachdem ich Donners Werk in Natura gesehen hatte. Mittlerweile finde ich das Martins-Denkmal grandios, ich musste mir eben Zeit nehmen, es genau zu betrachten, so wie die Elomosynariuskapelle, deren Gesamtkomposition ebenfalls Donner geschaffen hat: „Vorzüglicher dekorativer Barockportalbau mit Konsolen, Korbbogen und reicher farbiger Stukkodraperie mit Putti", weiß der Autor meines fast hundert Jahre alten Reiseführers.

Mitten aus dem Leben (Foto © Josef Wallner)
Mitten aus dem Leben (Foto © Josef Wallner)

Man müsste sich halt öfter Muße nehmen und den Kunstwerken die Chance geben, sie näher kennen zu lernen. Im Pressburger Dom kann man das tun. Nur ist ein kleiner Obolus für seine Besichtigung zu entrichten. Bei Hochzeiten hat man draußen zu bleiben. Und Hochzeiten gibt es viele in Pressburg, nicht nur im Martinsdom, dessen golden glänzende Stephanskrone auf der Turmspitze bis heute daran erinnert, dass hier viele ungarische Könige und Königinnen gekrönt wurden. Beachtliche acht Kilogramm Gold wurden für Krone und Kissen verarbeitet. (Ein Beitrag in der Rubrik: Was sich nicht zu wissen lohnt.) Nachdem das Prachtstück angebracht worden war, fanden allerdings keine ungarischen Königskrönungen mehr im Dom statt. Franz Josef und Elisabeth wurden in der Ofener (Budaer) Matthiaskirche gekrönt, Karl und Zita auch. Dass die Könige nach Budapest zogen, erscheint logisch, aber warum wurde das Chorgestühl des Pressburger Doms ins Wiener Palais Kinsky gebracht und dient dort im Speisesaal als Wandvertäfelung? Ich gebe zu, ich hab es nicht herausgefunden.

Samstagnachmittag scheint die Pressburger Innenstadt die Bühne für eine einzige große Hochzeitsgesellschaft zu sein. Gleich, ob im Dom, der Kapuzinerkirche, der Dreifaltigkeits-, Jesuiten- oder Franziskanerkirche, überall werden hoffentlich glückliche Bräute zum Altar geführt, oft sekundiert von einer wahrhaft illustren Gästeschar. Die Slowakinnen, wie die meisten Slawinnen, lieben es sich weit mehr aufzumascherln als etwa die (nicht selten zumindest auch halbslawischen) Österreicherinnen. Dazu muss oft nicht wenig Mut gehören. Bei den Männern von vierzig aufwärts scheinen die auch in modischen Belangen unseligen kommunistischen Zeiten noch nachzuwirken und Bauch nach wie vorher hohes Ansehen zu machen.

Stadtgeschichte in Bildern (Foto © Josef Wallner)
Stadtgeschichte in Bildern (Foto © Josef Wallner)
Mich freut es heute nicht, in den Dom zu schauen. Lieber lauf ich rund um den Domplatz. Ich mag das Ensemble mit dem großen Baum und den beiden alten Laternen. Wie groß diese Kirche ist! Früher ist mir das gar nicht aufgefallen, der Turm ja, der springt ins Auge, aber das gotische Schiff fesselt mich mittlerweile weit mehr als der Turmaufbau aus dem 19. Jahrhundert, als man auch den Innenraum „leider vollkommen stilrein restauriert" hat, wie mein alter Reiseführer moniert. Ja, niemandem kann man es recht machen. Ein paar Jahrzehnte zuvor war man noch stolz auf die stilreine Neogotik.

Das Pressburger Kirchenschiff erinnert mich an die Hermannstädter Kirche und die Schwarze Kirche von Kronstadt (Brașov), beide in Siebenbürgen und damit auch in Altungarn gelegen. Ob daher meine Assoziation stammt? Wahrscheinlich nicht. Eher verbindet die Kirchen die Tradition der deutschen Gotik, schließlich waren Hermannstadt, Kronstadt und Pressburg damals hauptsächlich deutsch. Und jetzt stehen die Kirchen in Rumänien und der Slowakei. So ist das bei uns in Mitteleuropa. Auf den Turm, Sie wissen, der mit der goldenen Krone, muss ich noch einmal zurückkommen: Die Pressburger bauten ihn einst, wahrscheinlich klugerweise, in ihre Stadtbefestigung ein. Er lag damit streng genommen außerhalb der Stadt, was die Wiener später spotten ließ, der Pressburger Pfarrer müsse die Stadt verlassen, um sich für die Messe anzuziehen.

Zeit für ein Glas Wein? Warum nicht. Es geht schon fast als Sundowner durch. Ich sitz vor der Weinstube Pinot im hintersten Winkel des Domplatzes.

Hier ist es still und an einem lauen Abend auch romantisch, wenn die Flammen der Kerzen auf den Tischen sich hartnäckig dagegen sträuben, durch den vom Domdach herabwehenden Wind ausgelöscht zu werden. Es ist eines der Lokale, für die ich diese Stadt liebe. In diesen stillen Gassen und Winkeln der Altstadt beim Dom oder drüben, rechts vom Michaelertor in der Schlossergasse (Zámočnícka) oder der Franziskanergasse (Františkánska), sind es nicht die schicken Bars und Cafés, sondern die dunklen Beisln, Studentenlokale mit Wein- und Bierausschank, die mich fast sentimental werden lassen, gar nicht so sehr in Erinnerung an die eigene Jugend, als ich – als Student der Wirtschaft – vielleicht noch eher auf der schicken Seite zu finden war, sondern an die Bilder, Filme und Romane aus den späten Sechzigern, auch oder vor allem die aus Prag, wo in dunklen, krummen Gassen hinter dicken Mauern diskutiert, gesoffen, geraucht und geliebt und von einem freien Leben geträumt wurde. Die buckligen Pressburger Altstadtgassen führen geradewegs in diese Zeit.

Aber noch ist es zu früh für die dunklen Gassen und manches (noch immer) verrauchte Lokal. Noch ist es Zeit tief durchzuatmen und langsam die Kapitelgasse hinauf, hinüber in die Klarissengasse (Klariská), vor bis zur Breiten Stiege (Široké schody) zu spazieren. Wie oft bin ich hier schon gegangen und noch immer hab ich es nicht geschafft, durch diese Straßen zu eilen. Noch immer fesseln mich die Sichtachsen durch die schmalen Gassen hinauf zum Schloss so, dass ich stehen bleiben muss, ich trau es mir, das innehalten zu nennen, und diesen Blick zu genießen. Was für ein Ensemble! (Nur der Wiederaufbau des Esterházy-Palais in der Kapitelgasse könnte schön langsam in Angriff genommen werden.)

Hier, im Windschatten des großen Touristenstroms dürfen die Fassaden noch abblättern und das Pflaster buckelig sein, genauso wie in der Basteigasse (Baštová), eine der stimmungsvollen Gassen der Stadt mit dem angeblich originalen mittelalterlichen Pressburger Pflaster, wie mir ein hiesiger Freund erzählte. Es macht so einen Buckel, dass sich am linken und rechten Rand Wasserrinnen bilden konnten, die allen Unrat davonschwemmten. (Leicht geht's sichs auf dem Pflaster jedenfalls nicht, egal wie alt es tatsächlich ist.) Im Fluss der Zeit (ich konzediere, eine etwas gar simple Überleitung) sind die anderen Namen dieser alten Gasse verschwunden wie Henkergassl oder Zwingergasse, sehr sympathisch muten sie ohnehin nicht an. Das Haus des Scharfrichters hatte sich noch bis zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erhalten.

Foto © Josef Wallner
Foto © Josef Wallner

Am Ende der Basteigasse muss ich mich entscheiden: Gehe ich rechts hinunter in die Michaelergasse (Michalská) und über die Sattlergasse (Sedlárska) oder über die Venturgasse (Ventúrska) zurück zur Herrengasse? Beides reizt mich nicht besonders, obwohl diese Gassen unbestreitbar zu den prächtigsten der Altstadt zählen. Aber es sind mir nach wie vor noch zu viele Leute auf dem einstigen Corso unterwegs. Und von den schönen Bürgerhäusern und Palais sieht man das dreiviertel Jahr auch nicht viel, denn ein Schanigarten reiht sich an den nächsten. Mittlerweile gibt zwischen den Gastronomiebetrieben unterschiedlicher Qualität und den unvermeidlichen Souvenirshops das eine oder andere interessante Geschäft, avantgardistische Mode und so.

Von einem Klein-Wien oder gar Klein-Berlin ist Pressburg diesbezüglich aber noch weit entfernt. Aber es beginnt sich etwas zu regen in der Stadt. Eine junge Einzelhandelsszene hat sich in der Lorenzertorgasse (Laurinská ulica), die lange Zeit gemeinsam mit der Herrengasse Lange Gasse hieß, bis hinunter zum Marktplatz etabliert und auch in der Josefstadt, in den Straßen und Gassen zwischen der Štúrova ulica (Štúrgasse, früher Baross Gábor-Straße) und der Oper habe ich das eine oder andere, neudeutsch sollte ich jetzt wohl Teil sagen, erstanden, so bei Anna K. in ihrem kleinen, recht chaotischen Atelier und Boutique in der Gorkého ulica, der früheren Andrássy Gyula- und noch früheren Andreas-Gasse.

Die Kapitelgasse (Foto © Josef Wallner)
Die Kapitelgasse (Foto © Josef Wallner)

Ein kalter Windstoß weht vom Michaelertorturm, dem einzigen Stadtzugang, der sich von der Stadtbefestigung erhalten hat, herunter. Er lässt jetzt im Frühherbst bei mir sogar ein wenig Vorfreude auf den Winter aufkommen, denn dann gehören Michaeler- und Venturgasse den Pressburgern und mir fast allein und dann liebe ich es, hinunter zu spazieren bis zum Steiner, vielleicht dem einzigen Geschäft, das vom blühenden und bunten Einzelhandel des alten Pressburg geblieben ist. Wobei geblieben nicht ganz stimmt, ein Wiederda trifft es besser. Die Steiners und ihre Buchhandlung waren und sind ein Stück Pressburg. Begonnen hat alles mit dem aus Kojetein (Kojetín) in Mähren stammenden Sigmund Steiner und seiner Frau Josephine, die ab 1847 am Schlossgrund ein Antiquariat mit angeschlossener Leihbibliothek erfolgreich betrieben. Für seine Glaubensgemeinschaft spielte der später erblindete Sigmund auch als Talmud-Kenner und -Lehrer eine bedeutende Rolle. Sohn Hermann baute das Geschäft zu einer Buch- und Musikalienhandlung aus, die schon bald (im neuen Haus in der Venturgasse 22) zu einer festen Adresse des Pressburger intellektuellen Lebens wurde, so wie Hermann in den Kreis der Honoratioren seiner Heimatstadt aufstieg und auch über deren Grenzen hinaus, so als Gründungsmitglied des ungarischen Buchhändlerverbandes, hohes Ansehen genoss. Die Steiners konnten nicht nur ein weiteres Anwesen in der Pressburger Innenstadt erwerben, sondern auch den von der Familie so geliebten Garten, der eigentlich ein großes Areal samt Villa war. Heute erhebt sich an dieser Stelle das Ehrenmal der Roten Armee (Slavin).

Im Unterschied zu vielen anderen schlug Hermann Steiner nicht den Weg der Assimilierung ein, er war und blieb orthodoxer Jude, genauer gesagt Anhänger der Neo-Orthodoxie, und übernahm in der jüdischen Gemeinde hohe Funktionen, so vertrat er im Jahr 1905 die Pressburger Ortsgruppe Ahawat Zion auf dem Zionistenkongress von Basel, einer seiner Söhne, Wilhelm, übernahm diese Funktion zwei Jahre später auf dem Zionistenkongress von Den Haag. Dieser Wilhelm war es, der wenige Jahrzehnte später als einziges von den neun Kindern Hermanns und seiner aus Galizien stammenden Frau Selma den Holocaust überlebte hatte. Der berühmteste Steiner war aber sein Bruder, Siegfried, Rechtsanwalt und führender Zionist der ersten tschechoslowakischen Republik. Als Angehöriger der Misrachi-Bewegung wollte er das religiöse Judentum mit dem jüdisch-nationalen Selbsthilfegedanken verbinden. Er unterstützte die Auswanderung von Juden aus der Ostslowakei und der Ukraine nach Palästina. Siegfried fühlte sich dem traditionsreichen religiösen ostmitteleuropäischen Judentum sehr verbunden, für ihn war es das Fundament des Judentums, aber er war auch Mensch des 20. Jahrhunderts, das von einem wichtigen Mitglied einer städtischen Gesellschaft Modernität und Assimilation erwartete. In diesem Spannungsverhältnis stand Steiner, bis die Nazis auch ihm und seiner Familie, bis auf Tochter Selma, 1942 das Leben nahmen.

Eine Pressburger Institution (Foto © Josef Wallner)
Eine Pressburger Institution (Foto © Josef Wallner)
Der Pressburger Schriftsteller Michal Hvorecky hat im Dezember 2012 in der Tageszeitung Die Presse den Leidensweg der Steiners geschildert, der für Selma Steiner auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch nicht vorüber war: „Selma Steiner habe ich als 18-Jähriger in der Ventúrska-Gasse in Bratislava kennengelernt. Ich war damals schon ein begeisterter Leser, doch neue Bücher waren mir als Maturanten zu teuer. In der wiedereröffneten Buchhandlung der Familie Steiner entdeckte ich eine Kollektion von alten und neuen Werken, die mir den Atem raubte. Ich habe inzwischen sicher mehr als 200 Bücher in dem winzigen Laden gekauft. Frau Steiner hat jeden Besucher persönlich begrüßt und nach Lesewünschen gefragt. […]


Als ich später eigene Bücher veröffentlichte, habe ich oft mit ihr gesprochen. Sie war immer humorvoll, elegant, sympathisch. Und eine große Leserin. Sie las alles, was sie in die Finger bekam, und sympathisierte vorurteilslos mit den jungen Dichtern. Gerne habe ich mit ihr gestritten, ob Arthur Schnitzler mehr Prosa oder mehr Theatertexte hätte schreiben sollen oder welches Gedicht von Hölderlin das schönste ist. […] Selma wuchs dreisprachig auf, mit Deutsch, Ungarisch und Slowakisch, sie spielte Klavier, war Mitglied im Makkabi-Sportverein, tanzte Ballett, schwamm im Donau-Freibad und ging auf dem Slavín-Hügel spazieren […]

Ab September 1941 mussten Juden den Judenstern tragen. Die slowakischen Bestimmungen zählten neben den „Nürnberger Gesetzen" zu den schärfsten antijüdischen Verordnungen in Europa – sogar Briefe mussten mit dem Judenstern gekennzeichnet werden, was nicht einmal für das Deutsche Reich galt. 1942 wurden mehr als 57.000 Juden aus der Slowakei deportiert. Slowakische Juden waren die ersten, die in Majdanek und Auschwitz ermordet wurden, die meisten sofort nach ihrer Ankunft.

Nach einer Vereinbarung Nazi-Deutschlands mit dem faschistischen slowakischen Regime unter Führung des katholischen Priesters Jozef Tiso wurden für jeden Verschleppten 500 Reichsmark an die Deutschen überwiesen. Über ein offizielles Warenkonto flossen umgerechnet mehr als 17 Millionen Reichsmark an die Reichsbank. Es handelt sich um eine der zynischsten Aktionen im Zweiten Weltkrieg. Die Opfer mussten im Voraus noch für ihren Tod bezahlen. Selmas Eltern und beide Brüder wurden in Auschwitz und Mauthausen getötet, ihr Onkel Gustav in Dachau, ihre Cousine Relina in Birkenau, eine andere Cousine namens Selma wurde als Widerstandskämpferin in den slowakischen Bergen gefoltert und anschließend erschossen.
Selma Steiner konnte sich durch die Hilfe der Pressburger Deutschen Maria Dund dank eines gefälschten Trauscheins in Sicherheit bringen und tauchte dann in die Illegalität ab. Doch die Gestapo führte ständig Kontrollen auf den Straßen durch und wurde dabei von einheimischen Informanten unterstützt. Nur ein paar Monate vor Kriegsende wurde Selma Steiner verraten und sofort ins südslowakische KZ Sereď, anschließend nach Theresienstadt deportiert. […]


Jedes slowakische Kind, das gerne Bücher liest, kennt den Namen Ľudo Ondrejov. Der Dichter, Übersetzer und vor allem Jugendbuchautor wurde 1901 geboren. Er hatte ernsthafte literarische Ambitionen, doch die größten Erfolge feierte er mit romantischen Abenteuerromanen für Jugendliche. […] Ľudo Ondrejov stammte aus einer Handwerker- und Arbeiterfamilie. Weil er sehr gerne Wein und Schnaps trank, hat er in der Zwischenkriegszeit oft seine Beschäftigung gewechselt. Er arbeitete in einer Autowerkstatt, wurde Berufskraftfahrer, später Beamter bei einer Versicherung. 1934 wurde er freier Schriftsteller. Doch erst die Konfiszierung von jüdischem Eigentum, die „Arisierung" von Betrieben, bedeutete für Ondrejov einen Neuanfang. In der Hoffnung auf wirtschaftlichen Aufschwung wurde er zum Anhänger der NS-Ideologie. Ondrejov, Durchschnittsslowake und typischer Mitläufer, hatte schon lange von der Buchhandlung der Familie Steiner geträumt. Der Laden wurde beschlagnahmt und für die ‚Arisierung' ein Vermögensverwalter eingesetzt. Der Autor der ‚Räuberjugend' wurde selbst zum Räuber. ‚Ich bin Intellektueller, kein Antisemit', sagte Ľudo Ondrejov nach der Übernahme zu den Steiners. Kurze Zeit durften Selmas Vater und seine drei Brüder als Hilfskräfte im Laden arbeiten. Doch als 1942 die Massendeportationen aus der Slowakei begannen, schrieb Ondrejov an die zuständigen Behörden: ‚Hiermit bestätige ich, dass ich in meiner Buchhandlung folgende Juden nicht brauche: Max Steiner, Jozef Steiner, Sigmund Steiner und Viliam Steiner. Verhaftung und Abtransport dieser Juden würden keinen wirtschaftlichen Verlust für mein Geschäft oder für die Slowakische Republik bedeuten.'

Damit unterzeichnete Ondrejov das Todesurteil für Familie Steiner. Weil er zu Kriegsende kurz in einer illegalen Widerstandsgruppe aktiv war und weil fast die gesamte Familie Steiner tot war, schien es für den Jugendbuchautor, als wäre eigentlich nichts geschehen. Ondrejov machte nach 1945 in der Tschechoslowakei wieder Karriere. Nach dem kommunistischen Putsch wurde er gedeckt und von der Partei protegiert, sein Lebenslauf schamlos geschönt und gefälscht. […] Die Slowakei hat sich nie von ihrem katholischen Nationalsozialismus befreit, weder militärisch noch psychologisch. Meiner Heimat ist es dank des Nationalaufstandes im August 1944 gelungen, sich später als Opfer Hitlers zu inszenieren. Aber mit dem Kriegsende waren die Pogrome in der Slowakei nicht vorbei. Im Sommer 1946 wurde ein jüdisches Krankenhaus überfallen, und im Sommer 1948 gab es heftige antisemitische Übergriffe an mehreren Orten des Landes. Viele in Bratislava verbliebene Juden verließen spätestens Anfang 1950 die Stadt.

1948 wohnte Selma Steiner in Prag, wo sie die Liebe ihres Lebens traf, einen Engländer. Sie wollte zu ihm, hatte sogar eine Ausreisegenehmigung bekommen, doch sie wurde von kommunistischen Agenten als vermeintliche Westspionin verhaftet. Ein halbes Jahr war sie in Haft, dann wurde sie freigesprochen und kehrte zurück nach Bratislava. Selma Steiner lebte nach dem Krieg als junge Frau in derselben Stadt wie Ľudo Ondrejov. […]

In den Fünfzigerjahren, ohne Familie und Geld, wurde sie bereits wieder als Mitglied der verhassten Oberschicht verfolgt. […] Frau Steiner arbeitete jahrzehntelang im Staatsbetrieb ‚Das Buch', lehrte privat Deutsch und hat aus dieser Sprache auch immer wieder literarisch übersetzt. Ende der Sechzigerjahre war sie bereits eine europaweit anerkannte Kennerin alter Bücher, Büchersammler aus München und Prag haben sie besucht und um Ratschläge gebeten. 1990 hat sie – nicht so geräumig wie vor 100 Jahren und nicht ganz an derselben Stelle, sondern im Nebenhaus – das alte Familiengeschäft in der Ventúrska-Gasse wiedereröffnet.

Anlässlich des 100. Geburtstags von Ľudo Ondrejov 2001 wollte die slowakische Nationalbank auf Vorschlag des Kulturministeriums den berühmten Autor mit einer Gedenkmünze ehren. Selma Steiner konnte nicht mehr schweigen. Öffentlich hat sie gegen die geplante Ehrung protestiert – mit Erfolg. Viele Historiker halfen, die Tatsachen wissenschaftlich zu untersuchen und zu bestätigen, und konnten ihre Aussagen unterstützen. Die Details über die „Arisierung" der legendären Buchhandlung schockierten die Öffentlichkeit, mich auch. Den Opfern der Nazi-Barbarei und der Wahrheit verpflichtet, brachte Selma Steiner Ondrejovs Legende zu Fall."


Während des Prager Frühlings lebte und arbeitete Selma Steiner eine Zeitlang in Wien, aber es zog sie wieder nach Pressburg zurück. Wien war für sie die „Stadt der Hausmeister", in der sie auf Dauer nicht leben mochte. Selma verlor rund 80 Angehörige im Holocaust. Diejenigen, die überlebt haben, gingen nach Israel. Selma besuchte sie mehrmals im Jahr, vor allem auch, „weil sie sehr froh sei, freie Juden zu sehen", wie sie es 2007 in einem Interview mit Ulrich Weinzierl von der deutschen Welt nannte. 2010 starb Selma Steiner in Pressburg.
Das Antiquariat wird von der Familie ihrer Geschäftspartnerin fortgeführt. Die beiden Damen waren rührig bemüht, jede meiner noch so seltsam anmutenden Fragen (Wo bitte ist der Kahlenberg?) gewissenhaft zu beantworten.

Schaffe ich es unter der Woche nach Pressburg, am Samstag ist das Geschäft mittlerweile leider zu, führt mich einer meiner ersten Wege zum Steiner, zum Stöbern, zum Plaudern und zum Kaufen.

Meist werde ich fündig, nicht nur bei den Büchern, sondern auch bei den alten Karten und Ansichtskarten, vor allem letztere sind beim Steiner günstig zu erstehen. Natürlich gibt es noch viele deutschsprachige antiquarische Bücher und Deutsch ist nach wie vor eine der Geschäftssprachen des Steiner, so wie vor achtzig Jahren, als das dreisprachige Pressburg noch Realität war und auf das sich das heutige Stadtmarketing so gerne beruft, vor ein paar Jahren nachzulesen auf der Website der Stadt: „Man sagt, dass jeder echte Pressburger vier Sprachen spricht: Slowakisch, Deutsch, Ungarisch und Mischmasch." Dieses Image will sich die Stadt nicht erst seit der Errichtung der unabhängigen Slowakei geben, schon die Reisenden früherer Jahrhunderte waren über den Pressburger Mischmasch erstaunt. John Paget, eine beliebte Quelle für die auf dem Gebiet der Reiseliteratur Forschenden, schrieb über einen Besuch Pressburgs im Jahr 1840: „Es war sonderbar, die verschiedenen Begrüßungen der Spaziergänger zu hören. Da gab es jede Abweichung von dem einfachen: ‚Wie geht's' des deutschen Gewerbsmannes bis zu dem aufgeblasenen ‚servus, domine spectabilis' des katholischen Priesters. Der Ungar begnügt sich gewöhnlich mit einem ‚servus, barátam,' eine Mischung von Latein und Magyarisch, wovon er sich trotz der größten Anstrengung nicht frei machen kann. Unter den Geistlichen ist Lateinisch noch zuweilen das Unterhaltungsmittel, unter den Adeligen Magyarisch oder Deutsch am gewöhnlichsten, und unter den Damen Deutsch oder Französisch. Die gewerblichen Klassen reden natürlich die Sprache des Volks, unter welchem sie sich befinden, doch glaube ich, daß die Handelscorrespondenz gänzlich deutsch geführt wird."

Das Verlorene sichtbar machen (Foto © Josef Wallner)
Das Verlorene sichtbar machen (Foto © Josef Wallner)

Nun, diese Zeiten sind vorbei, schließlich haben sich auch die ethnischen Verhältnisse in der Stadt radikal verändert. Zur Zeit Pagets wohnten in Pressburg mehr als 30 000 Deutschsprachige und kaum mehr als 6000 Ungarn und Slowaken zusammen. 1910 zeigten sich bereits die Auswirkungen der Magyarisierung: Deutschsprachige und Ungarn lagen mit je 31 000 gleich auf, 11 500 Bewohner zählten als Slowaken, rund 8 000 als Juden. Heute hat die Stadt über 400 000 Einwohner, rund 90 % von ihnen sind Slowaken, über 3 % Ungarn und weit unter einem Prozent Deutschsprachige. Zum jüdischen Glauben bekennen sich nur noch über 500 Pressburger.

Die heutigen Pressburger sprechen somit vorwiegend Slowakisch, im Dialekt mit ein paar österreichischen und ungarischen Einsprengseln, die Jungen oft sehr gut Englisch, (deutsches) Deutsch spielt schon eine weit geringere Rolle, obwohl es noch von mehr Pressburgern gelernt wird als Ungarisch, das dank der magyarischen Minderheit noch ein wenig in der Stadt präsent ist (und in der Politik des Landes auch). Das einst fast berühmte Pressburger Deutsch wird höchstens noch von ein paar sehr Alten gesprochen.

Das Bild ist weniger bunt geworden. Aber war die in der Memoirenliteratur viel zitierte Pressburger Mehrsprachigkeit tatsächlich Realität oder doch mehr Wunschvorstellung? Historiker und Germanist Jozef Tancer hat sich die Sprachbiografien seiner Heimatstadt genauer angesehen und in vielen Interviews mit alten Pressburgerinnen und Pressburgern hinter das schöne Bild vom vielsprachigen Pressburger Alltag geblickt. So erinnerte sich eine der interviewten alten Damen an eine für das Pressburg der Dreißigerjahre typische Konversation. Wir sind am Lido, dem beliebten Strandbad am Engerauer Ufer der Donau, nach dem Vorbild des Wiener Gänsehäufls gestaltet: „Es war so eine Situation: Sie sind aufs Lido gegangen und da fragte einer auf Slowakisch: Neviete, koľko je hodín? [Wissen Sie nicht, wie spät es ist?] Fél kilenc [Halb neun]. Darauf sagt er: Köszonom szépen [Danke schön]. So, so eine Situation war hier auch wenn viel Leute beisammen waren." Tancer schreibt dazu: „Dieses Zitat, das die mehrsprachige Kommunikation unter der Stadtbevölkerung illustriert, veranschaulicht zugleich das für mehrsprachige Milieus typische Phänomen des Code-Switching. In diesem Fall wechselt der Fragende aus dem Slowakischen ins Ungarische, passt sich dem Kommunikationskode des Antwortenden an und zeigt damit seine Dankbarkeit für die erhaltene Zeitangabe."

Aber es geht noch besser – im sogenannten Pressburger Mischmasch: „Als wir am Anfang eines Gesprächs der Interviewten (Abkürzung „I") erklärten, dass wir (Abkürzung „F" – Forscher) an den Sprachen interessiert sind, die in Bratislava der Zwischenkriegszeit gesprochen wurden, wollte sie zuerst wissen, ob wir selbst irgendwelche Fremdsprachen beherrschen. Auf unsere Reaktion „My sme germanisti"[Wir sind Germanisten], ging sie, wie folgt, zuerst ins Deutsche und dann ins Ungarische über und kehrte zum Schluss wieder zurück zum Slowakischen, in dem wir unser Gespräch begonnen hatten.

I: A vy ovládate nejakú reč? [Und Sie beherrschen irgendeine Fremdsprache?]
F: Áno, samozrejme, inak by som to nerobil.... My sme obidvaja germanisti, čiže, teda [Ja, natürlich, sonst würde ich es nicht tun … Wir sind beide Germanisten, das heißt, also]
I Na da können wir ja Deutsch reden, wenn Sie wollen
F: Können wir, wir können das...
I: Wir könn `s mischen, so, so wie wir alte Prešpuráci alles mischen. Egyszer beszélünk magyarúl, és egy[szer] … - és mindig azt kérdezik: Jak vy to stále? Tri, aspoň tri reči ... [Mal sprechen wir Ungarisch und mal... Alle fragen uns: Wie sprechen Sie da immer? Drei, mindestens drei Sprachen ...]"


Die Dreisprachigkeit, die heute viele als identitätsstiftendes Merkmal Pressburgs sehen möchten, war wahrscheinlich weniger verbreitet, als wir das heute zu glauben wünschen. Die Kommunikation im alten Pressburg spielte sich auch nach der Eingliederung der Stadt in die Tschechoslowakei im Alltag noch lange in zwei Sprachen ab, Deutsch und Ungarisch. Das Slowakische eroberte sich erst nach und nach seinen Raum in der Stadt. Für die alteingesessenen Pressburger war das oft die Sprache der Leute vom Land, die sich nun im Verein mit den Tschechen anschickten, die neuen Herren in der Stadt zu werden, für viele deutsche und magyarische Bewohner, nun saß man auf einmal wieder im selben Bott, waren sie aber noch lange keine Pressburger. Die Sprache war, wie so oft, ein Mittel sich abzugrenzen, vielleicht auch einzuigeln, vor dem Neuen, das die Identität der Stadt verändern wird, für die Alteingesessenen ein Szenario, das zumindest Unsicherheit hervorrief. Das konnte auch verletzen, so wenn in Geschäften in der Altstadt slowakisch sprechende Kunden nicht oder nicht gern bedient wurden, wie Jozef Tancer eine Interviewte erzählte: „Es gab viele Geschäfte, wo man nicht bedient wurde, wenn man nicht Deutsch sprach {...} wenn Sie z. B. an der Reihe waren und etwas auf Slowakisch wollten und jemand hinter Ihnen Deutsch sprach, so wurde zuerst der Deutsche bedient." Diskriminierung gab es auch in die andere Richtung, wenn etwa deutschsprachige Kinder aus Furcht ihrer Eltern vor einem stärker werdenden slowakischen Nationalismus auf eine slowakische Schule geschickt wurden und dort dem Mobbing der slowakischen Mitschüler ausgesetzt waren.

Viele Slowaken konnten sich nicht mit der für Deutschsprachige und Magyaren so wichtigen Pressburger Identität anfreunden, was auch in einer Ablehung des Pressburger Deutsch zum Ausdruck kam, wie Tancer eine 1920 geborene Interviewpartnerin zum Ausdruck brachte:

F: [... ] würden Sie über sich sagen, dass Sie eine „eine alte Pressburgerin" sind?
I: Nein, ich, ich bin in Bratislava geboren, nein, denn …
F: Womit assoziieren Sie es?
I: Die Pressburger … Also erstens habe ich nie das Pressburger Deutsch gesprochen, das ist, das ist also ein Dialekt, einfach so schrecklich wie Zuckermandl, nicht wahr? Also ich, ich fühle mich als Slowakin …
F Mhm
I: … ich bin keine Nationalistin ….
F: Ja, aber …
I: Aber, aber ich bin keine Pressburgerin.
F: Und würden Sie sagen, dass Sie eine Bratislavaerin sind?
I: Bratislavaerin ja, Bratislavaerin ja. Und dann noch eine Tschechoslowakin."

Was für ein Wirrwarr und wie spannend, tragisch und berührend sind die Biografien, die mit dieser zutiefst mitteleuropäischen Stadt verwoben sind. Es ist Zeit, ein wenig innezuhalten und all das zu verdauen. Anstatt mich mit den Massen durch Michaelergasse und Sattlergasse zu schieben, such ich daher einen meiner liebsten Plätze zum Sinnieren auf. In einem unscheinbaren Hauseingang rechts vom Michaelertorturm steige ich ein paar Stiegen hinunter und stehe mitten in einem Zaubergarten. Nun, die Dramaturgie erforderte diesen Terminus, die Realität streift ihn nur. Denn für einen Zaubergarten ist sie mir zu wenig bunt, eine Oase der Ruhe ist sie aber auf jeden Fall, die Lesezone im Michaelergraben, wo ich mit Karl Benyovszky einen virtuellen Spaziergang durch die Pressburger Innere Stadt unternehmen will.

Abseits der Touristenströme (Foto © Josef Wallner)
Abseits der Touristenströme (Foto © Josef Wallner)

  Mit einem alten Pressburger durch das alte Pressburg

Es ist an der Zeit, Ihnen meinen Reisebegleiter vorzustellen: Karl Benyovszky, Kriminalbeamter der Budapester Polizei im Ruhestand. Nach dem Ersten Weltkrieg kehrte er in seine Heimatstadt Pressburg zurück, wurde Journalist, Biograf von Johann Nepomuk Hummel, Pressburger wie er, und populärer Chronist des alten Pressburgs.

Sein Buch Spaziergang durch Alt-Pressburg, vor einiger Zeit neu aufgelegt, sei Liebhabern der Stadt empfohlen, nicht zuletzt wegen der Illustrationen von Karl Hugo Frech. Benyovszky emigrierte nach dem Zweiten Weltkrieg nach Bad Aussee, Maler und Grafiker Frech, den es 1914 der Liebe wegen nach Pressburg gezogen hatte, nach Steyr.

Ich beginne meinen virtuellen Stadtrundgang beim Michaelertor, genauer beim Michaelertorturm, als dem stadtseitigen Michaelertor, dem letzten noch erhaltenen Tor der Stadtbefestigung. Die übrigen befestigten Zugänge in die Innere Stadt, Weidritzer Tor, Fischertor und Laurenzertor, sind wie die Tore der äußeren Umwallung der Stadt, Gaistor, Dürre Mauttor, Schöndorfer Tor, Donautor und Spitaltor, schon in Maria Theresias Zeiten verschwunden. Das Michaelertor erinnert mich wegen seiner barocken Haube an einen Kirchturm. Die Touristen erklimmen seine sechs Stockwerke, um ein typisches Pressburg-Pic an ihre Freunde in aller Welt zu senden. Von oben schauen sie auf ihre Gefährten, die sich erst durch die Michaelergasse zu dem vom heiligen Michael gekrönten Turm schieben müssen. Dort angelangt erregt ihre Aufmerksamkeit der in den Boden der Durchfahrt eingelassene Null-Kilometerstein, der die Entfernung von diesem Punkt in alle möglichen Hauptstädte der Welt anzeigt.


Mich zieht's in Gedanken in die entgegengesetzte Richtung, die Michaelergasse (Michalská ulica) stadteinwärts. Eigentlich genügt mir der Blick hinunter nach rechts zum ehemaligen ungarischen Landhaus, heute Sitz der Unibibliothek. Die Magnaten tagten hier in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, also in einer Zeit, in der sie nicht unbedingt viel zu reden hatten. Aber immerhin wurde hier 1825 auf Antrag (und mit dem Angebot großzügiger finanzieller Unterstützung) eines sehr weisen Ungarns, Gróf Széchenyi István, die ungarische Akademie der Wissenschaften begründet.

Der Michaelertorturm (Foto © Josef Wallner)
Der Michaelertorturm (Foto © Josef Wallner)

Széchenyi war Ungar und dem österreichischen Kaiser loyaler Untertan. Das hat ihm bei Metternich nichts genützt, der den Reformer, viele nennen ihn bis heute den größten Ungarn – und mir ist er jedenfalls weit sympathischer als sein Konkurrent um diesen Titel, Lajos Kossuth – stets misstrauisch beäugt hat. Metternichs Epigonen taten es ihm gleich und drohten dem seit Jahren in einem Döblinger Sanatorium weilenden ungarischen Wiener, er ist in der Herrengasse Nr. 5 im heutigen Palais Wilczek geboren, seine Verbringung in eine staatliche Irrenanstalt an. Der große Förderer der ungarischen Modernisierung, unvergessen sein Einsatz für die Errichtung der Kettenbrücke zwischen Ofen (Buda) und Pest, wählte daraufhin den Freitod.

Der ungarischen Nation waren aber selbst in den vormärzlichen Landtagen von Pressburg Erfolge beschieden. So wurde in diesem Haus in den 1840er Jahren Ungarisch als Amtssprache in der gesamten Landesverwaltung und als Unterrichtssprache anerkannt. (Viele stolze magyarische Aristokraten beherrschten damals Ungarisch nicht ausgesprochen gut.) Ein paar Jahrzehnte später schlug das Pendel in die andere Richtung aus und die Ungarn übertrieben es, gerade in den Schulen, mit ihrer Magyarisierung. Das hätte einen großen Slowaken, Ľudovít Štúr, der 1847 am letzten Pressburger Landtag teilgenommen hat, sehr geschmerzt. Er klagte schon ein paar Jahrzehnte früher in einer Schrift über Die Beschwerden und Klagen der Slaven in Ungarn über die gesetzwidrigen Uebergriffe der Magyaren.

Fast über jedes Haus in der Michaelergasse weiß mein Begleiter Benyovszky (und andere) viel zu erzählen. Aber was bleibt von all diesen Geschichten, was merke ich mir nur ein paar Minuten über das Lesen hinaus? Und dennoch möchte ich weiter eintauchen in die vielen Geschichten der Häuser und der Menschen, die sie bewohnt haben. Waren die Segner stolz auf ihr Renaissancepalais, fertiggestellt in dem Jahr, in dem der Dreißigjährige Krieg zu Ende ging? Ich vermute, ja. Immerhin ist es das schönste Haus in der Michaelergasse, und ihr Name prangt noch an der Fassade. Sie kamen aus St. Georgen (Svätý Jur), dem berühmten Weinort in den Kleinen Karpaten, heute in weniger als einer halben Stunde von Pressburg zu erreichen. Prominentester Spross dieser Pressburger Bürgerfamilie ist Johann Andreas von Segner, Erfinder des Segner-Rads, das zur Grundlage für die moderne Turbine wurde. (Wieder was gelernt…)

Die Michaelergasse war immer ein guter Boden für zuagraste Pressburger. So ließ sich gegenüber vom Segnerhaus der Siebenbürger Sachse SimonPeter Weber nieder, der erste freisinnige Buchdrucker der Stadt, wie man das damals nannte und ein Stück weiter oben, neben dem Michaelerturm, wohnte der aus den böhmischen Ländern stammende Johann Nepomuk Batka. Dieser wollte gar nicht lang in der Stadt bleiben, er sollte nur die neue Orgel in der evangelischen Kirche in der Nonnenbahn ausprobieren. Aber wo die Liebe hinfällt oder auf wen man sein Auge wirft, was in diesem Fall besser passt, denn Komponist Batka verliebte sich in die Tochter eines Pressburger Optikers und blieb in der Stadt picken, was für die Pressburger Geschichte nicht unwesentlich war, den sein Sohn gleichen Namens wurde ein bedeutender Stadtarchivar.

In der Nähe des ehemaligen Batka-Hauses bieg ich auf meinem Stadtspaziergang in Gedanken in die Schlossergasse (Zámočnícka) ein, nicht ohne zuvor noch der Venturgasse (Ventúrska) meine Referenz zu erweisen. Pálffy, Zichy, Erdödy – eine feine Auslese der ungarischen Aristokratie residierte in der Venturgasse. Hinter den Mauern ihrer Palais wird sich manches des Erinnerns werte abgespielt haben wird, am Pálffy-Palais, erster Sitz der österreichischen Botschaft nach Gründung der unabhängigen Slowakei, weist eine Gedenktafel darauf hin: Mozart war hier! Das Zichy und vor allem das Erdödy sind heute als Ort eines manchmal auch künstlerischen Handwerks, des Kochens, bekannt. Das Erdödy ist obendrein das schönste Rokoko-Palais der Stadt.

Zurück in die Renaissance und zur hohen Wissenschaft (Sie erinnern sich in Mathematiker Segner) bringt mich ein anderer Ort in der Venturgasse: Das alte Münzhaus, in dem – Überraschung! – die städtische Münze ihren Sitz hatte, nachdem Pressburg 1430 das Münzrecht erhalten hatte. Das Haus interessiert mich nicht wegen Gold und Silber, sondern der Universitas Istropolitana wegen, jener von Papst Paul II. 1465 gegründeten ersten ungarischen Universität. Hinter der Gründung stand Matthias Corvinus Ungarns bedeutender König aus dem siebenbürgischen Geschlecht der Hunyadi, der zeitweise nicht nur über ungarische Gebiete, sondern auch über österreichische Erblande herrschte und in Wien residierte, nachdem er die Stadt bei ihrer dritten Belagerung endlich einnehmen konnte. Auch über weite Gebiete der böhmischen Krone wie Mähren und Schlesien gebot Corvinus. Das belegt aufs Neue: Die Einigung Mitteleuropas haben die Habsburger weder erfunden noch waren sie die ersten, nur die mit dem längsten Atem – und einem guten Marketing.

Zum Freund seines habsburgischen Kollegen, Kaiser Friedrich III., haben Corvinus seine Ambitionen nachvollziehbarerweise nicht gemacht. Beider Streit begann schon mit dem Kampf um Ungarns Krone: Die Westungarn wollten Friedrich, die im Osten den Raben (corvus, lat. Rabe). In Wien ist Corvinus, Europas wichtigster Renaissancefürst nördlich der Alpen, 1490 gestorben. Eine schöne Leich konnten ihm die Wiener nicht bereiten, er ist in Stuhlweißenburg (Székesfehérvár) begraben.

Im Jahr von Corvinus' Tod schloss auch schon die Istropolitana (Istropolis bedeutet Donaustadt) wieder ihre Pforten. Als ihr Erbe sieht sich die 1919 gegründete Comenius-Universität. Wobei: Eine Universität wurde in Pressburg schon ein paar Jahre früher gegründet. Es war 1910, als in den Budapester Zeitungen die Errichtung einer dritten ungarischen Universität – mit Sitz in Pressburg – besprochen wurde. In der Preßburger Zeitung tat man dies vorerst als „schöne Erdichtung" ab. Es mussten sich dann nur ein paar andere ungarische Städte für die Uni interessieren, dass man in den Pressburger Medien doch hellhörig wurde. Der Magistrat war ohnehin an der Sache dran. Es wurde diskutiert, lange und immer wieder.

In ihren Motiven für Pressburg als Unistadt einzutreten, unterschieden sich die Nationalitäten. Die Ungarn wollten das Magyarische an der Grenze des Reiches (aus österreichischer Sicht war es nur die Hälfte des Reiches) gefestigt wissen, ganz so sicher konnten sie sich Pressburg doch nie sein. Die Deutschsprachigen wollten die Universität wegen des „intelligenten Elements der deutschen Gegenden", wie Monika Gletter in ihrer Studie zum Pressburger und Budapester Bildungswesen des Fin de Siècle schreibt. Ungarns Regierung plante in den Zehnerjahren eine wahre Bildungsexplosion (zumindest versuchte man der Bildungspolitik diesen medialen Dreh zu geben). Für Pressburg waren eine katholische und eine evangelische Fakultät geplant, Fünfkirchen (Pécs) sollte eine katholische und die calvinistische Hochburg Debreczin (Debrecen) eine reformierte theologische Fakultät bekommen. Führende Pressburger Kreise wollten aus Anlass des 80. Geburtstags ihres Königs Franz Josef eine Hochschulstiftung von 100 000 Kronen anlegen. „Die Preßburger Bürger hielten – weniger euphorisch – eine Lehrlingsheimstiftung für eine bessere Idee, solange die Universitätsfrage nicht entschieden war", resümiert Gletter.

1912 war es schließlich so weit, die Königlich-Ungarische Elisabeth-Universität, wie sollte eine Universität zu jener Zeit in Ungarn sonst heißen, wurde gegründet. Die ersten Vorlesungen, an der juridischen Fakultät, wurden erst 1914 gehalten. „Der Wunsch der Slowaken nach einem Lehrstuhl für slowakische Sprache und Literatur oder auch für Slawistik blieb Utopie. Allerdings mußten - von Seiten der Slowaken selbst - alle Möglichkeiten, die ihnen die Regierung in dieser Richtung bot, abgelehnt werden, da noch im Jahre 1913 von der Budapester Universität nicht ein einziger Privatdozent für Slawistik gefunden werden konnte." (Gletter)

Schön ist sie, die Venturgasse. Hier wohnte das noble Pressburg, zu dem auch der Namenspatron der Gasse, deren Name im Unterschied zu fast allen anderen Gassen der Innenstadt in den letzten Jahrhunderten nicht geändert wurde, zählte: Bonaventura oder Venturinus de Salto, Italiener von Geburt und einer der reichsten Pressburger seiner Zeit, der in der damaligen Neugasse Häuser und Grundstücke besaß.

Fast ein Wahrzeichen in der Venturgasse (Foto © Josef Wallner)
Fast ein Wahrzeichen in der Venturgasse (Foto © Josef Wallner)
Durch den Schwibbogen (Podjazd) beim Haus der ungarischen Kammer, der heutigen Unibibliothek, komme ich auf meinem virtuellen Spaziergang in einen anderen, nicht ganz so vornehmen, dafür sehr pittoresken Winkel der Stadt. Es ist die Klarissergasse. Die Klarissinnen sind schon lang weggezogen, die Kirche ist keine Kirche und das Ende der Gasse bei der Breiten Stiege kein Sauwinkel mehr, in dem die Pressburger ihren Dreck entsorgten. Ich mag die Gasse und das schmale gotische Kirchenschiff mit dem eleganten Turm, der ist allerdings nur neogotisch.


Die kurze Sattlergasse (Sedlárska ulica) führt von der Ventúrska auf den Hauptplatz. Die Sattlergasse kann ich nicht ausstehen. Hier generiert sich die Stadt als Partyslava, was nur langweilig ist.

Am Hauptplatz. Karl Benyovszky würde leicht irritiert sein: Sag mir, wo die Bäume sind? Denn vor hundert Jahren war ein großer Bereich des Platzes als Park gestaltet, mit verschlungenen Wegen, säuberlich geschnittenen Bäumen und Sträuchern rund um den Brunnen. Die Geschichte zum sagenumwobenen, von einem Steinmetz aus Deutsch-Altenburg geschaffenen Röhrbrunnen erspar ich Ihnen, Reiseführer widmen sich seiner Geschichte und den Geschichten zur Genüge, außer vielleicht, dass er nicht Rolandbrunnen, sondern Maximilian-Brunnen, nach seinem Auftraggeber Kaiser Maximilian II., heißt. Auch über das Café Mayer im Palais Jeszenak, das so gern als Pressburgs Demel apostrophiert wird, kann ich mir, Ihr Einverständnis vorausgesetzt, viele Worte ersparen. (Erst recht, nachdem die schöne Einrichtung, die wirklich Demel-like war, hinausrenoviert wurde.) Ja, natürlich war der Mayer auch Hoflieferant, immerhin residierten in der Stadt mit Erzherzog Friedrich und seiner Gemahlin Isabella sehr prominente – und reiche – Mitglieder des Erzhauses. (Und geht es nach ihrer Leibesfülle, dürften sie den süßen Mayerschen Genüssen auch nicht abgeneigt gewesen sein).

Beim Mayer, der erste Mayer, Julius hieß er, wanderte übrigens aus Wien nach Pressburg zu, kaufte auch Österreichs letzte Kronprinzessin Stefanie ein. Elf Jahre nach dem Selbstmord von Kronprinz Rudolf ehelichte sie im Schloss Mirarmar bei Triest Elemér Graf (später Fürst) Lónyay. Stefanie, die geborene Prinzessin von Belgien, erwarb ein paar Jahre darauf die Herrschaft Karlburg, von ihr und ihrem Mann mit dem ungarischen Namen, Oroszvár (slowakisch Rusovský kaštieľ) genannt. Schließlich lag das Schloss damals in Ungarn, und der frühere Diplomat Lónyay war wie die meisten seiner Standesgenossen dieser Zeit ein sehr nationalbewusster Magyar.

Die Menschen auf der österreichischen Seite nannten die Herrschaft Karlburg. Noch heute rufen ältere Leute aus Berg oder Kittsee, wenn sie von den Zeiten bis 1945 sprechen, Bewohner aus der Gegend von Rusovce die Karlburger. Für die Kroaten war Oroszvár Rosvar. Ja, Kroaten gab es hier auch. Sie siedelten im Nachbarort von Karlburg, dem heute ersten Ort auf slowakischer Seite, wenn man über Kittsee nach Pressburg fährt. Er heißt Jarovce, deutsch Kroatisch Jahrndorf. Sein Nachbarort auf österreichischer Seite ist Deutsch Jahrndorf. Das Pendant zum nahen (Bad) Deutsch Altenburg liegt übrigens nach wie vor in Ungarn. Es heißt, wenig überraschend, Ungarisch Altenburg (Magyaróvá) und ist schon lange mit dem Nachbarort Wieselburg (Moson) zu einer Stadt vereint – Mosonmagyaróvá.

Dieses Spiel lässt sich auch mit Orten anderer Bundesländer bzw. Kronländer fortsetzen. Dem österreichisch-steirischen Deutschfeistritz steht ein slowenisch-steirisches Windisch-Feistritz (Slovenska Bistrica) gegenüber und selbst die steirische Landeshauptstadt Graz (slowenisch Gradec) hat in der slowenischen Untersteiermark ihren Namensvetter Windischgraz (Slov. Gradec). Andere Orte auf österreichischer Seite haben nach dem Ende der Monarchie den Namenszusatz, der auf aktuelle oder vormalige ethnische Zugehörigkeit ihrer Bevölkerung schließen ließ, entfernt, wie Kroatisch Haslau, das an der Pressburger Bahn zwischen Fischamend und Hainburg liegt. Deutsch Haslau, zwanzig Kilometer weiter östlich gelegen, hat seinen vollen Namen beibehalten.

Warum hat sich Prinzessin Stefanie für Karlburg entschieden? Landschaftlich hätte es wohl im weiten Ungarland attraktivere Plätze gegeben. Vielleicht wegen der Nähe zu Wien und ihrer Tochter Elisabeth Marie, der späteren roten Erzherzogin, mit der sie damals noch nicht zerstritten war? Oder vielleicht weil Schloss Karlburg im 19. Jahrhundert im gleichen Stil umgebaut worden war, in dem Schloss Miramar von ihrem (angeheirateten) Onkel Max und ihrer Tante Charlotte errichtet wurde - à la Tudor. Stefanie machte aus ihrem Oroszvár ein kleines Paradies, vor allem der riesige Park, der sich zur Donau zieht, erregte weit und breit Bewunderung, auch bei Cousin Franz ​Ferdinand​. Mit diesem teilte Stefanie nicht nur ihre Liebe zu Rosen, sondern auch zu nicht standesgemäßen Partnern, wie man weiß. Es ist schon eine gewisse Ironie oder vielleicht sogar kleine Rache der Geschichte, dass sich die beiden ihrer hohen Geburt sehr, sehr bewusst gewesenen Kaiser- beziehungsweise Königskinder unter ihrem Stand verliebten – und erstaunlicherweise auch dazu standen. Da muss die Liebe schon sehr groß gewesen sein, denn beide gaben dafür viel auf, weil sie selbst (im Falle Stefanies) oder ihr Partner (bei Franz Ferdinand) in der so hierarchisch gegliederten ersten Gesellschaft der Monarchie nicht mehr eindeutig in eine der Schubladen einordenbar waren, was für Brösel sorgte. Stefanie verarbeitete das auf sehr sublime Art und Weise, in dem sie auf Karlburg als Herrscherin auftrat und Gäste wie Bedienstete ihrem Zeremoniell unterwarf. Sie selbst war der Überzeugung, das Leben einer weltoffenen englischen Sportslady zu führen (was immer das auch gewesen sein mag). Nach den Jahren in der (zu ihr) schrecklich netten Kaiserfamilie sei ihr die friedliche Karlburger Welt vergönnt gewesen.

Pawlatschen, ein Pressburger Wahrzeichen (Foto © Josef Wallner)
Pawlatschen, ein Pressburger Wahrzeichen (Foto © Josef Wallner)

Auf den ersten Blick passt es gar nicht so ins Bild, das man sich von der Kronprinzessin-Witwe macht. Im Unterschied zu ihrer Schwester Louise, die wegen ihres öffentlich gewordenen Verhältnisses mit einem kroatischen Offizier und Grafen für einen der größten Gesellschaftsskandale der untergehenden Monarchie sorgte, war Stefanie sehr konservativ.

Und trotzdem lud sie zu Weihnachten 1906 Berta v. Suttner nach Karlburg ein, die in konservativen Kreisen nicht gerade hoch geschätzt wurde, auch wenn sie eine geborene Gräfin Kinsky (allerdings mit einer nicht standesgemäßen Mutter) war. Vielleicht hat Stefanie der Friedensnobelpreis beeindruckt, den Suttner ein Jahr zuvor erhalten hatte? Die Friedensberta schrieb über ihren Besuch einen recht blumigen Beitrag, diesen aber immerhin für das Feuilleton der Neuen Freie Presse. Nicht der Artikel blieb in Erinnerung, sondern sein Verriss. Das liegt an seinem Verfasser, Karl Kraus. In der Fackel schrieb er in Die Suttner: „Kammerzofe. Als eine »starkgeistige« Frau wird uns die Berta v. Suttner von der liberalen Presse überliefert. Selbst Ibsen soll auf sie hereingefallen sein. Ehre sei Gott in der Höhe, wenn er uns vor den starkgeistigen Frauen schützt! Aber wenn schon Friede den Menschen auf Erden sein soll, so werde er ihnen nicht durch die dümmsten Feuilletons gestört. Noch ist das Gespräch der Suttner mit dem Fürsten von Monaco nicht vergessen, da erzählt sie uns auch schon, wie es in Küche und Keller der Gräfin Stephanie Lonyay zugeht. Interessiert uns nämlich ungemein. Ein Thema, dem endlich ein Feuilleton in der ›Neuen Freien Presse‹ gewidmet werden mußte. Der Max Schlesinger hat nie den Ehrgeiz gehabt, dem russisch-japanischen Krieg durch eine Depesche an den Präsidenten der Vereinigten Staaten ein Ende zu machen, hat auch nie, wiewohl er für ein ›Salonblatt‹ schrieb, auf den Nobelpreis Anspruch erhoben. Aber er hat dafür die Fürstlichkeiten geschickter ausgefratschelt als die Berta v. Suttner, die wohl deshalb, weil sie selbst Aristokratin ist, sich einbildet, einen natürlicheren Anspruch auf die Indiskretionen »aus der Gesellschaft« zu haben als ein bürgerlicher Reporter. Das ist aber nicht wahr. Bei den Plaudereien des Max Schlesinger war's nur peinlich, dass sich die Fürstinnen dazu hergaben, ihm die für weitere Kreise unentbehrlichen Auskünfte über den Bestand ihrer Leibwäsche zu erteilen. Bei den Plaudereien der Baronin Suttner wirkt vor allem die Herablassung jener Persönlichkeit peinlich, die die Auskünfte empfängt. Das Feuilleton »Weihnachten bei der Prinzessin Stephanie in Oroszvar« gehört zu den sinnigsten Unappetitlichkeiten, die uns die Schmockpresse je zum heiligen Feste beschert hat.

Die Suttner erzählt, dass die Beteiligten in Oroszvar »einen kleinen Volksstamm abgaben«. Die Schloßherrin aber habe mit eigener Hand die für jeden bestimmte Gabe verteilt und jedesmal ein freundliches »Ich wünsche glückliche Feiertage« hinzugefügt. Wie oft demnach die Schloßherrin diese Worte aufgesagt hat, das auszudenken überläßt die Suttner einer Phantasie, die in Fieberträumen liegt; dafür entschädigt sie die Leserinnen durch die gewissenhafte Beantwortung der nicht minder geläufigen Frage: Was hat sie angehabt? Und fügt etwas Sensationelles hinzu: »Vor nicht langer Zeit las man in den Blättern (obwohl dies die Blätter im Grunde nichts angeht), dass Gräfin Lonyay in London eine Quantität von Schmuck verkauft habe. In der Tat hatte sie, wie dies jede Dame bisweilen tut, in ihrem Schmuckschrank Ordnung gemacht, altmodische und minderwertige Dinge abgestoßen, schon alte Garnituren neu fassen lassen, so dass der Schmuck jetzt nur Tadelloses — in Millionenwert — enthält«.

Obwohl dies die Blätter im Grunde nichts angeht, erzählt es die Suttner in der ›Neuen Freien Presse‹. Dann schildert sie, wie die Kammerjungfern, Lakaien, das Küchen- und das Stallpersonal beschenkt wurden. Der Christbaum durfte nicht geplündert werden. Nur die Suttner, die schon den Nobelpreis hat, durfte sich »ein kleines Zuckerschweinchen, das ein vierteiliges Kleeblatt im Rüssel hält« (wie lieb!), herabholen. »Und wer da bezweifelt, dass mir das Glück bringt, ist ein mißgünstiger Charakter.« Das ist aber noch gar nichts. Die Leser des Weltblatts sollen noch wichtigere Kunde hören. »Monsieur Björn — kurzweg Monsieur genannt — wurde auch beschenkt: ein Schüsselchen mit seinem Lieblingsgericht, Kalbsbraten, und eine weiche Seidendecke. Herr Björn ist ein wunderschöner Ireland-Spitz und immer — zu Hause wie auf Reisen — in seiner Herrin unmittelbarer Gesellschaft. Ich datiere das Vergnügen (er wird finden, ich sollte sagen ›die Ehre‹) seiner Bekanntschaft zwei Jahre zurück, nach Kap Martin, und glaube seither seines herablassenden Wohlwollens sicher sein zu dürfen. Es ist anerkannt, dass Monsieur von fast unnahbarer Vornehmheit ist, und alle Menschen (seine Herrin, die er einfach ›ma femme‹ nennt, mitinbegriffen) sagen ›Sie‹ zu ihm. Er ist die hochmütigste Bestie — Pardon, ich wollte sagen: Individualität, die es auf beiden Hemisphären gibt. Das drückt sich in seinen ganzen Manieren aus. Wenn ihm die Schüssel mit seiner täglichen Mahlzeit in den Salon gebracht wird, so tut er, als bemerke er es nicht; erst bis der Diener wieder fortgegangen ist, steht er langsam von seinem Lager auf und begibt sich nachlässigen Schrittes zum Diner. Hier gibt es nicht etwa, wie es sonst Hundebrauch, schlürfendes Verschlingen — Monsieur speist lautlos und leidenschaftslos, als Gentleman.« 23 Zeilen über den Spitz der Gräfin Lonyay! Das ist zu viel! Die größten Dichter sind in der ›Neuen Freien Presse‹ schlechter weggekommen. Von den Bequemlichkeiten des Schlosses erwähnt die Suttner die eine: »Man wohnt mit der Prinzessin der täglichen Frühmesse bei — oder auch nicht«. Das ist unleugbar ein Vorzug, den Oroszvar vor anderen Gegenden voraus hat. Aber der Fehler, den dort »die Tage haben: viel zu kurz zu sein, um alles das zu fassen, was man in ihnen tun könnte und wollte«, ist gewiß nicht ein typisches Merkmal der Gegend von Oroszvar. […] Kommt die elektrische Beleuchtung hinzu, so hat Oroszvar Aussicht, ein »Klein-Weimar« zu werden.

Unter den Gästen fesselt besonders der Domprobst von Preßburg. Er ist unerhört freisinnig und wendet sich im Gespräch mit der Suttner gegen die Erziehung in den Nonnenklöstern. Aber er scheint sich nicht ganz klar auszudrücken, denn die Suttner sieht sich ein paar Tage später gezwungen, ihr Feuilleton zu berichtigen und zu erklären, dass der Domprobst von Preßburg es doch anders gemeint habe. Zum Schlusse eine kleine Reklamenotiz für die Geigerin Amely Heller, die nicht berichtigt werden muß. Amely Heller hat »bereitwilligst zugesagt«, am soundsovielten im großen Musikvereinssaale zu gunsten des Österreichischen Friedensvereins zu konzertieren, und die Schloßherrin von Oroszvar hat das Protektorat übernommen. »Zu diesem Versprechen nickte Fee Nr. 3 Beifall.« Beinahe hätte ich nämlich vergessen, zu erwähnen, dass drei Feen an der Wiege der Prinzessin Stefanie gestanden sind. Die erste sprach so etwas wie: Austria erit in orbe ultima. Die zweite murmelte etwa: Bella gerant alii, tu felix Austria nube. Doch die dritte, ja die dritte, rief: Die Waffen nieder! In ihrem Sinne war es, dass die Männer an der Kunkel sitzen und die Weiber die Feder führen. Und dass die »starkgeistigen« unter ihnen den erbärmlichsten Klatsch aus gräflichen Gesindestuben zu Feuilletons für Weltblätter verarbeiten."

Ein Sujet für jede große Stadt des Reiches ... (Foto © Josef Wallner)
Ein Sujet für jede große Stadt des Reiches ... (Foto © Josef Wallner)

So bös. Ja, die Suttner war damals noch weit davon entfernt, am Tausender zu landen (obwohl das Kraus erst recht zur Feder hätte greifen lassen). Als Gesellschaftskolumnisten hätte sie das auch nicht geschafft. So ist es eben mit den späteren Ikonen, zu ihren Lebzeiten werden sie meist nicht vom Schicksal verwöhnt, was im Regelfall auch die Abwesenheit einer Überfülle an Mammon zur Folge hat, so dass sie mancher Beschäftigung nachgehen, welche die Nachgeborenen nicht für möglich gehalten hätten.

Die Protagonisten dieses spätkakanischen Sittenbildes sind schon längst tot. 1945 flohen die alten Lónyays vor den Russen aus dem damals noch immer ungarischen Karlburg. Ihr Ziel war der Martinsberg bei Raab (Győr). Dort, in Pannonhalma, sind sie auch begraben. Die Benediktiner vom Martinsberg wurden zu den Erben von Karlburg eingesetzt. Für die neuen kommunistischen Machthaber in der Tschechoslowakei, zu der nun auch Karlburg gehörte, war das allerdings nicht von Bedeutung. In das nationalisierte Schloss zog eine Musikschule ein und ein paar Jahrzehnte später wieder aus. Denn seit über 20 Jahren will die Slowakische Republik aus dem Schloss ihr Gästehaus machen. Bislang wurden dafür zig Millionen Euro investiert, fertiggestellt ist die feudale Gästeresidenz noch nicht. Ich hab den Park sehr gern, auch oder vielleicht weil er nur mehr vergangener PrachtSkelett ist, was weiland Kaiserin Elisabeth über die ganze Monarchie zu sagen pflegte. Die Benediktiner gingen nach der Wende bis vor den Europäischen Gerichtshof, um ihr Karlburger Erbe zu erhalten. Vergebens, wie es aussieht.

Wie einfach ist es, in Gedanken zu reisen. Schon bin ich von Karlburg zurück auf dem Pressburger Hauptplatz. Am liebsten ist er mir zwischen Neujahr und Ostern, wenn keine Sauf-, Fress- und Souvenirhütten ihn behübschen. Nichts gegen den Pressburger Christkindlmarkt, er ist in seiner Deftigkeit mit Metwein, fetten Würsteln und den Loksche, dicken Palatschinken aus Erdäpfelteig, noch immer weit anziehender als sein Wiener Pedant, oder eher weniger abstoßend als dieses, aber meins ist er nicht.

Der Hauptplatz bietet einen recht bunten stilistischen Mix, im Ergebnis trotzdem ein recht harmonisches Bild. Es wär mir und wahrscheinlich auch Ihnen fad, Gebäude für Gebäude aus kunsthistorischer Sicht zu besprechen. Ich mag das Palais Kutscherfeld (in Rokoko, am Eck zur Sattlergasse), jetzt französische Botschaft, wo Rubinstein seine Melodie in F vielleicht komponierte. Schräg gegenüber steht das Palais Palugyay, in den 1880er Jahren von Viktor Rumpelmayer gebaut, mit einem bei Touristen recht beliebten Café und einem Geschirrgeschäft am Eck zur Grünstüblgasse (Zelená).

Das prominentere Haus der Palugyay, jener Pressburger Hof-Weinhändlerfamilie von altem ungarischen Adel, von der ich Ihnen schon beim Hotel Carlton erzählt habe, steht in der Prager Straße 1 (Pražská) Geplant hat es Ignaz Feigler jun., der Pressburger Stadt- und Stararchitekt der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, mit einem Fassadendekor, das eindeutig auf die Profession der Hausherren schließen lässt. Die Palugyay nannten es ihrem Anspruch gemäß Chateau Palugyay. Die Marke Jakob Palugyay und Söhne hatte auf dem ganzen alten Kontinent einen guten Klang. Zumindest für Österreich-Ungarn traf das auch auf Hubert J.E. zu. Das war die erste Kellerei außerhalb Frankreichs, in der Sekt nach der traditionellen Champagnermethode gekeltert wurde. Die Geschichte, nach der ein verwundeter napoleonischer Soldat aus der Champagne beim Rückzug aus Russland der Liebe zu einer Krankenschwester wegen in Pressburg hängen geblieben ist und hier nämliche Sektkellerei gründete, hat etwas von einem Dreigroschenroman und stimmt somit leider auch nicht. Tatsächlich stieg ein Hubert, der Bruder des Soldaten, als Teilhaber in die von Johann Fischer und Michael Schönbauer 1825 gegründete Kellerei ein. Bald wurde das gesamte Unternehmen von den Huberts übernommen und Johann Evangelist Hubert wenig später Eigentümer. Die Marke Hubert J.E. war geboren.

Zur Blüte führte diese dann nach Johanns frühem Tod seine Frau Pauline. Mit Beginn des kommunistischen Regimes wurden die Huberts 1948 enteignet. Heute gehört die Hubert-Kellerei zu Henkell. Enteignet wurden nicht nur die Huberts, sondern auch die Nachfolger der Palugyays, die Ludwigs, Christian Ludwig Attersees Großeltern. Die einzige Restitution an die Familie Ludwig betraf die Familiengruft am evangelischen Friedhof. So gleichen sich die Geschichten, aus welchem Land sie auch stammen, denn auch meine Görzer Freunde, die Levetzow-Lanthieri, durften von ihrem reichen slowenischen Besitz nur die Gruft am Wippacher Friedhof behalten. Auf die Toten ist man, so scheint es, nicht mehr neidisch. Heute ist das Chateau Palugyay Sitz des slowakischen Außenministeriums. (Ein Großteil des Gartens wurde Amtsgebäuden geopfert.)

Noch weit mehr Geschichten als das Palais Palugyay in der Grünstüb(e)lgasse kann ein anderes, sehr altes Haus in dieser Gasse erzählen, ja es hat ihr sogar den Namen gegeben. Das Grüne Stübel steht am Eck Grünstüblgasse - Sattlergasse. Sein gemütlicher Name stammt von den grünen Bildern, mit denen es einst geschmückt war. Hier tagten zeitweise der ungarische Landtag, der Komitatsrat und der Pressburger Stadtrat. Hier wurden Urteile gefällt und Theater gespielt, vor Maria Theresia und Josef II. Heute geht's in der Gasse weniger um Spektakel als um gutes Essen, bevorzugt aus der Ethno-Küche.

Wieder zurück auf den Hauptplatz. Neben dem Palugyay Palais steht das Haus, das meinem Geschmack am meisten entspricht. Es ist das sezessionistische Roland-Palais mit dem gleichnamigen Café-Restaurant, von dem man annehmen könnte, dass es schon immer hier war. Stimmt aber nicht, ursprünglich hatte in den Räumlichkeiten eine ungarische Bank ihre repräsentative Stadtniederlassung.

Die gegenüberliegende Schmalseite des Hauptplatzes nimmt das alte Rathaus ein. Auch sein Turm würde gut zu einer Kirche passen. Er war im Mittelalter sogar eine Zeitlang in Privatbesitz, die Stadtgemeinde kaufte ihn bald wieder zurück, da man der Meinung war, ein solcher Turm in Privatbesitz könnte die Sicherheit der Stadt gefährden. (Noch dazu war der Besitzer Jude, was die üblichen Ressentiments nach sich zog.) Über die Jahrhunderte wurde das Rathaus immer wieder verändert. Der schöne Erker kam hinzu, der Turm verlor seine Seitentürme, wurde nach einem Erdbeben restauriert, nahm bei einem Brand Schaden und wurde schließlich barockisiert. Der Innenhof sei jedem Produzenten eines historischen Films als Location empfohlen, er ist auch tatsächlich ein wenig Kulisse, denn die Rückseite des Rathauses ist neugotisches 19. Jahrhundert. Ich schätze den Platz sehr, auch der von mir wenig geliebte Christkindlmarkt (Sie erinnern sich) hat hier seinen stimmungsvollen Teil. Die Dauerausstellung im Stadtmuseum absolviert man halt einmal, die zusätzlichen wechselnden Ausstellungen mögen Ihnen Manches von Interesse bieten.

Hinter dem alten Rathaus am Primatialplatz, in der Zeit der Magyarisierung Batthyányplatz genannt, liegen zwei weitere Rathäuser: der Sitz des Bürgermeisters im Primatialpalais und gegenüber der neue Magistrat aus kommunistischer Zeit.

Das pompöse Primatialpalais, also der Sitz des Primas, wurde für den Kardinal-Erzbischof Fürst Josef Batthyány gebaut. Auch ein anderer bekannter Pressburger Name ist mit dem ehemaligen Bischofssitz verbunden: Messerschmidt. Der Bruder des berühmten Franz Xaver hat die prächtigen Giebelfiguren der Wissenschaft, Vaterlandsliebe, Regierungskunst und Theologie geschaffen. Berühmt ist das Palais am ehemaligen Getreidemarkt, Tandelmarkt oder Johannisplatz aber aus einem anderen Grund: 1805 wurde in seinem Spiegelsaal der Friede von Pressburg zwischen Österreich und dem napoleonischen Frankreich geschlossen. Gedenktafeln im Foyer, eine alte auf Deutsch und eine neuere auf Slowakisch, erinnern daran. Zu dauerhaftem Frieden hat der Pressburger Vertrag bekannterweise nicht geführt, was wahrscheinlich auch keiner der damaligen Akteure erwartet hat. Für Österreich war der Vertrag eine Katastrophe. Tirol und Vorarlberg waren ebenso futsch wie Vorderösterreich mit dem Breisgau. Das erst acht Jahre zuvor dank Napoleons Gnaden gewonnenen Gebiete der Republik Venedig mit Venezien, Westistrien und Dalmatien wurden den Habsburgern auch wieder genommen. Dafür kam Salzburg erstmals an die habsburgische Hauptlinie.

Notre Dame auf der kleinen Promenade (Foto © Josef Wallner)
Notre Dame auf der kleinen Promenade (Foto © Josef Wallner)

Mit einem in Pressburg geschlossenen Friedensvertrag hatten die Habsburger auch schon vorher kein Glück gehabt. 1491 musste Maximilian I. bei diesem zweiten in Pressburg geschlossenen Frieden, der erste fällt schon auf das Jahr 1271, auf seine Ansprüche auf Ungarn verzichten. Er unterlag dem Jagiellonen Vladislav II., der fortan in Böhmen und Ungarn (mit Kroatien) herrschte. Nach dem Tod von dessen Sohn in der Schlacht bei Mohács kamen die Habsburger 35 Jahre später, 1526, schließlich doch an die Reihe. Mehr Glück hatten sie auch beim nächsten Frieden von Pressburg, der hundert Jahre nach der Schlacht von Mohács mit Bethlen Gábor (Gabriel Bethlen) geschlossen wurde. Es ging wieder einmal um Ungarn, das der mit den Türken verbündete siebenbürgische Fürst, mit deren Unterstützung er sich auch zum König von Ungarn wählen ließ, im Dreißigjährigen Krieg den Habsburgern entreißen wollte. Im Frieden von Pressburg akzeptierte der Protestant Bethlen endgültig seine Niederlage gegenüber dem katholischen Erzhaus. Den Rest seiner Herrschaft kümmerte er sich, durchaus mit Erfolg, um die Entwicklung von Siebenbürgen.

Was für ein Gerangel herrschte durch die Jahrhunderte in diesem Donau- und Karpatenraum! Wie froh bin ich, heute leben zu dürfen. Darauf sollte man anstoßen – am besten im Spiegelsaal des Primatialpalais, den man erfreulicherweise zu weit günstigeren Konditionen als einen repräsentativen Wiener Saal mieten kann.

Wo führt mich mein Altpressburger Spaziergang mit meinem mir mittlerweile zum Freund gewordenen Karl Benyovskzky weiter hin? Vom Primatialplatz (Primaciálne námestie) böte sich ein Spaziergang durch die Hutterergasse (Klobučnícka) hinunter zur alten Markthalle an. Ich wollte Ihnen schon erzählen, mich ziehe es in dieser Gasse immer in das Musikgeschäft oder das Johann Nepomuk-Hummel-Museum, zu finden an derselben Adresse. Ich will ehrlich sein: Es bleibt es meist bei einem Blick in die Auslage. Ihnen sei ein Besuch des Shops und des Museums aber durchaus empfohlen, letzteres aber vor allem wegen des romantischen Innenhofes. Das aus zwei Räumen bestehende Museum selbst, eingerichtet in Hummels Geburtshaus, bietet nichts Unerwartetes, also Musikinstrumente, Büsten usw. Johann Nepomuk Hummel, Komponist, Dirigent und Musikpädagoge, zwischen Klassik und Romantik stehend, kam schon als Kind nach Wien, als sein Vater eine Stelle als Kapellmeister bei Emanuel Schikaneder antrat. Für den kleinen Johann Nepomuk hatte es den Vorteil, bei Mozart Klavier studieren zu können. Den großen Johann Nepomuk zog es als Hofkapellmeister nach Weimar, wo er nicht nur als Künstler, sondern auch als Geschäftsmann von sich reden machte, vor allem wegen seines Eintretens für den Schutz von Urheberrechten.

Zu Kakaniens Zeiten benannte der Pressburger Magistrat eine Gasse nach dem großen Sohn der Stadt. Heute heißt sie Nedbalova und ist nach meinem Autorenfreund Benyovskzky „eine der ältesten und vom architektonischen Standpunkt bemerkenswertesten Gassen" Pressburgs. Sie kreuzt die Hutterergasse und reicht von der Ursulinengasse (Uršulínska) hinunter zur Lorenzertorgasse (Laurinská ulica). Rund um die Nedbalova lag im Mittelalter Pressburgs Ghetto. Die Pressburger Juden, nicht die Juden vom Schlossgrund, der nicht zur Stadt gehörte, waren im 13. Jahrhundert von den ungarischen Königen der christlichen Bevölkerung der Stadt gleichgestellt worden. Im 15. Jahrhundert änderte sich die Lage für die jüdische Bevölkerung dramatisch. Sie wurde für Jahrzehnte gezwungen, Judenmantel und Kapuze zu tragen. Der jeweilige Umgang mit den Juden war über Jahrhunderte Indikator für die wirtschaftliche und politische Lage im alten Europa. Ging es schlecht, waren die Juden als Sündenböcke nur allzu oft herzlich willkommen.

Es wär verlockend, meinen Gedankenspaziergang die Hutterergasse entlang in Richtung Marktplatz fortzusetzen und vielleicht auf einen Sprung ins Delikatessengeschäft U Paulika in der alten Markthalle zu schauen. Von außen sieht es sehr verlockend aus, ein wenig an die legendären Prager Selchereien erinnernd, von denen Friedrich Torberg in der Tante Jolesch schwärmt. Diese lassen sich aber anscheinend nur mehr in Büchern finden und deshalb ist das Geschäft mittlerweile geschlossen. Mich zieht es immer öfters ins Café DobreDobre, das sich in der Jugendstil-Markthalle eine heimelige Nische geschaffen hat. Am Samstagvormittag ist die Atmosphäre dort mit einem Hauch von Bohème angereichert, wenn die alte Dame in die Tasten greift und mit freien Interpretationen von Wiener Klassikern und Jazzhadern das Pressburger Intellektuellen-Bobo-Gemisch ins Wochenende geleitet

Im DobreDobre (Foto © Josef Wallner)
Im DobreDobre (Foto © Josef Wallner)

Also zurück und rechts die Ursulinengasse hinauf in Richtung Franziskanergasse (Františkánska). Die recht unscheinbare Ursulinenkirche war um die Mitte des 17. Jahrhunderts ein wichtiger Gebetsort für die Protestanten Westungarns, gleich ob sie Magyaren oder Slowaken waren. Die Städte Ödenburg (Sopron), Güns (Köszeg) und Rust (Ruszt) spendeten für den Kirchenbau. Ein paar Jahrzehnte später überließ Leopold I. die Kirche den Ursulinerinnen. Die Gegenreformation hatte längst gesiegt.

Die kurze Franziskanergasse bietet ein Stück pittoreskes Alt-Pressburg. Da sind die zur Franziskanerkirche (Eingang ums Eck am Franziskanerplatz) gehörende gotische Johanniskapelle, erbaut nach dem Vorbild der Sainte-Chapelle in Paris (was mir auf den ersten Blick nicht in den Sinn gekommen wäre), an die eine von den Esterházy erbaute barocke Lorettokapelle anschließt, und die Geheimnisse, die das Haus Nr. 3, heute das elegante Hotel Arcadia, umweben. Karl Benyovskzky erzählt: „Geschichtlich bemerkenswert ist das Haus Nr. 3, das sogenannte ‚Hussiten-Haus', in dessen kellerartigen Gewölben die Husiten (sic!), die vor den Verfolgungen aus Böhmen nach Preßburg geflüchtet waren, ihre Gottesdienste abhielten. Allerdings waren sie vor den Verfolgungen auch hier nicht ganz sicher und hielten deshalb ihre Zusammenkünfte geheim. Nach einer im Volksmunde lebenden Sage soll man später von diesen Zusammenkünften dennoch erfahren haben, einen geheimen Gang von der Franziskanerkirche in den Kellerraum des Hussitenhauses gegraben und zahlreiche Personen niedergemetzelt haben, die gekommen waren, um den gottesdienstlichen Handlungen beizuwohnen. Auch die beiden Kelche, die sich auf zwei Säulen der Loggia im Hofe befinden, sollen ein Andenken an die Hussiten sein. Demgegenüber ist es Tatsache, daß das Haus nach der Gegenreformation in den Besitz des Franziskanerordens überging, der im 18. Jh. einen neuen Trakt mit der im Hofe befindlichen Loggia erbauen ließ. Zum Gedenken an die sieghafte Gegenreformation wurden an den beiden Säulen in der Höhe des ersten Stockwerkes die Kelche mit der Hostie in Stein gemeißelt."

Am Franziskanerplatz (Foto © Josef Wallner)
Am Franziskanerplatz (Foto © Josef Wallner)

Genug von den alten Geschichten? Ja, wenn Pressburg nicht so viele davon zu bieten hätte… Aber vielleicht ist es einfach Zeit, die Schönheit der Stadt zu genießen. Der Franziskanerplatz (Františkánske námestie) eignet sich dafür bestens. Generationen von Pressburgern kannten den Platz so, wie er heute noch aussieht. Die Franziskanerkirche mit ihrer Turmkopie, das Original wurde wegen Erdbebenschäden 1897 abgetragen und im Aupark (Janko-Kráľ-Park) aufgestellt, die wegen ihrer zurückhaltenden Fassade, es war ursprünglich ein protestantisches Gotteshaus, sehr elegante Jesuitenkirche, der Brunnen, die alten Bäume, die Mariensäule, man beachte das schöne Relief am Sockel, ergeben einen typischen altösterreichischen Platz. Alte Plätze brauchen hin und wieder ein Facelifting. Der Pressburger Franziskanerplatz erhielt seines im Frühjahr 2016. Die alten Bäume mussten jungen weichen.

Als die alten Bäume noch da waren, am Franziskanerplatz (Foto © Josef Wallner)
Als die alten Bäume noch da waren, am Franziskanerplatz (Foto © Josef Wallner)

Das prächtigste Haus am Františkánske námestie ist das vor Kurzem mit einer prächtigen neuen Fassade samt vergoldetem Balkongitter ausgestattete Palais Mirbach, erbaut für den bürgerlichen Brauer Michael Spech. Die städtische Galerie ist einen Besuch wert, allein schon wegen der 245 in Holzkassetten gefassten Kupferstiche. Letzter privater Eigentümer des Palais war Emil Graf v. Mirbach-Kosmanos. 1945 wurde er von den Russen erschossen, Palais und Kunstsammlung wurden enteignet und nicht der Stadt geschenkt, wie es heute noch öfters heißt.

Die Schneeweißgasse, slowakisch Biela und zu später ungarischer Zeit Corvinus-Gasse genannt, verbindet den Franziskanerplatz mit der Michaelergasse. Der Wachszieher Schneeweiß gab der Gasse den Namen (oder waren es doch die weißgestrichenen Häuser?). Auch wenn es sehr nach Touristenfalle aussieht, das Geschäft auf Nr. 7, es preist sich als ältester Laden, wahrscheinlich ist Souvenirladen gemeint, Pressburgs an, bietet im angeschlossenen kleinen Museum manch Kurioses, vor allem für historisch ein wenig interessierte Besucher der Stadt. Im Hof das Manifest des Kaisers und Königs anlässlich der Kriegserklärung an Serbien in Slowakisch, im Geschäft türmen sich in Plastik eingeschweißte Pressburger Kipferl und in Vitrinen wird die bekannte slowakische Keramik aus Modern (Modra) feilgeboten.

Die Jesuitenkirche (Foto © Josef Wallner)
Die Jesuitenkirche (Foto © Josef Wallner)
Mich zieht es immer wieder zu den alten Reklametafeln aus der Monarchie und der ersten tschechoslowakischen Republik. Sie sind originell, elegant und manchmal von künstlerischer Qualität (glaub' ich halt…). Im gleichen Gebäude befindet sich das Fleischmann-Museum. Arthur Fleischmann, der in Pressburg geborene Bildhauer studierte in Budapest und Prag Medizin und danach an der Akademie der Bildenden Künste in Wien Bildhauerei. Sein bewegtes Leben spielte sich fast auf dem gesamten Erdball ab, nachdem der zum Katholizismus konvertierte Jude 1937 Europa verlassen hatte. Einige von Fleischmanns Plexiglasarbeiten sind im Pressburger Museum ausgestellt.
Von Donner bis Fleischmann die Stadt der bildenden Künstler (Foto © Josef Wallner)
Von Donner bis Fleischmann die Stadt der bildenden Künstler (Foto © Josef Wallner)

In die Vorstadt!

Mein virtueller Rundgang durch die Altstadt hatte den Vorteil, dass mir die Füße nicht wehtun und ich meinen Streifzug durch Pressburg nun ausgeruht oder voll fit in realiter fortsetzen kann. Benyovszky ist dabei nicht mein einziger Begleiter, denn beim Steiner hab ich mich im Sortiment an Pressburger Literatur reichlich bedient. Die vielen alten Ansichten in den Büchern beflügeln den Forschergeist. Wo bitte ist das? In der Ferdinandstadt? Dort schaut es heut aber ganz anders aus…

Also auf geht's in die ehemalige Vorstadt, die nur wenige Schritte von meinem Rastplatz entfernt liegt. Länger hätte ich es in der Lesezone (Sie erinnern sich an den Garten im Michaelergraben?) ohnehin nicht ausgehalten, zu sehr fühl ich mich wie in einem Tiergarten, wohlgemerkt hinter den Gittern, beäugt von den Leuten, die von der Brücke in meinen Zaubergarten blicken.

Also hinauf in die Michaelergasse, durch den Torturm, vorbei an Straßenmusikanten und den alten Frauen aus den Dörfern der Kleinen Karpaten, die je nach Jahreszeit Lavendel, Maiglöckerl oder irgendwelche Kräuteln verkaufen. Durch das Michaelertor drängt sich alles von Nah und Fern wie durch einen Trichter. Ein paar Meter weiter, am Kohlmarkt, verlaufen sich die Menschen in alle Richtungen. Sie rennen über historischen Boden, auf dem so Mancher sein Leben lassen musste, auf diesem Platz vor dem Michaelertor. Karl Benyovszky schildert die Szene: „Es waren meist Enthauptungen, bei denen der Delinquent auf einem hölzernen Stuhl saß und der Scharfrichter ihm mit dem breiten Richtschwert den Kopf abhieb. Diesen legte man in einen aus Stroh geflochtenen Korb, während der Körper mit einer Decke verhüllt wurde. Weil dem Hingerichteten ein kirchliches Begräbnis verweigert wurde, verscharrten dann Henkersknechte seine Leiche."

Jetzt heißt es blättern in den alten und neuen Bücheln und die passenden Ansichten zu dem Platz zu finden, zum Vergleich des Gestern mit dem Heute. Die längste Zeit nannten ihn die Pressburger Kohlmarkt, weil sie hier ihr Holz und ihre Kohle oder Holzkohlen kauften. Die Kohlenbrennereien selbst lagen außerhalb der Stadt in den Wäldern der Kleinen Karpaten. Der Platz behielt seine Bezeichnung auch, als der Markt längst ein Stück stadtauswärts verbannt worden war. Wie so viele Plätze und Straßen Pressburgs bekam auch der Kohlmarkt 1879 einen neuen Namen – mit einem ungarischen Bezug, selbstverständlich. Aus dem Kohlmarkt wurde der König-Ludwig-Platz. (Dieser ungarische König des 14. Jahrhunderts hatte der Stadt viele Privilegien verliehen.) 1918 hatten die ungarischen Nationalhelden im Pressburger Stadtbild schon wieder ausgedient. Der Nagy Lajos verschwand ebenso wie der Kossuth Lajos oder der Deák Ferenc von den Straßenschildern.

Unverkennbar k.u.k. (Foto © Josef Wallner)
Unverkennbar k.u.k. (Foto © Josef Wallner)

Auf dem Kohlmarkt zog Jozef Ľudovít Miloslav Hurban ein, Schriftsteller und wie andere seiner Zunft im 19. Jahrhundert, gerade wenn sie einer jungen, mitteleuropäischen Nation angehörten, auch Politiker. Hurban würde seinen Platz, den Hurbanovo námestie, heute kaum wiedererkennen. Ja, die Trinitarierkirche mit den beiden niedrigen Türmen und der leicht geschwungen Fassade, gebaut nach dem Vorbild der Wiener Peterskirche, ist noch da, so wie das ehemalige Komitatshaus daneben, es gehört schon dem Komitatshausplatz (heute Pfarrplatz-Župné námestie) an. Blickte der Dichter gerade aus, würde er seinen Augen nicht trauen: Was ist aus den Häusern an der Dürren Maut (Suché mýto) geworden? Das Antlitz dieser historischen Ausfallsstraße, in der Endzeit der Monarchie nach Erzherzog Friedrich benannt, hat sich in den letzten Jahrzehnten drastisch verändert. Einst kamen über diese Straße die Waren aus Mähren und noch weiter nördlich gelegenen Regionen in die Stadt, der Transport erfolgte also über Land und nicht wie sonst in Pressburg üblich über die Donau, daher wurde die hier gelegene Mautstation Dürres Mauttor genannt. Der Name übertrug sich auf die gesamte Straße. Schließlich wurde aus der Dürren Mauttorgasse die Dürre Maut, Slowakisch Suché mýto.

Die alten Ansichten zeigen eine elegante, harmonisch wirkende Gasse. Nicht die Bomben von 1944, die kommunistische Stadtplanung hat auch an diesem Rand der Pressburger Innenstadt gewütet und die Altstadt zur Insel gemacht, von ihren ehemaligen Vorstädten durch ein breites Straßenband getrennt. Mich erinnert Pressburg an diesen sensiblen Übergängen von der Alt- zur Neustadt an einige westdeutsche Städte. Ich verspüre keine Lust, entlang dieser Stadtautobahnen zu spazieren, Sinnbild jener Zeit, als dem Automobilverkehr das Primat eingeräumt wurde. Es fehlen die krummen, engen Gassen mit ihren nur wenige Stockwerke hohen Häusern. Stattdessen bilden einzelne, in die Höhe gezogene Einkaufstempel und Bürotürme aus kommunistischer und postkommunistischer Zeit wieder einzelne kleine Inseln, deren Erreichen durch eine höchst kreative Ampelschaltung erschwert wird.

Chilliges Pressburg (Foto © Josef Wallner
Chilliges Pressburg (Foto © Josef Wallner)

Aber auch hier, zwischen Dürrer Maut, Grassalkovich-Platz (Hodžovo námestie), Heumarkt (Námestie 1. mája), Spitalgasse (Špitálska), Blumental und der Donau entdecke ich mein Pressburg. Vielleicht ist es gerade hier meine Stadt, nicht das herausgeputzte, das unfertige, in seinem Wirrwarr an Neuem und Altem gleichermaßen anziehende wie abstoßende Pressburg.

Häuser, Beisel und Geschäfte wollen eingeordnet, bewertet werden, so wie auch die Menschen. Gehören sie zur Avantgarde der Stadt oder sind es schon in den Abgrund gestürzte Existenzen? Vielleicht beides. Wie rasch ändert sich die Bewertung, tauscht man nur das Etikett. Was bleibt, ist Ambivalenz. Vergammelte kommunistische Fassaden, zerbrochenes Fensterglas, Fastfoodläden mit dem Geruch von Fett von vorgestern, dazwischen ein schick sein wollendes Café, das gerade deshalb so sehr Provinz ist, dann wieder ein kleines Rokokohaus, das Tor angeschmiert, der Putz bröckelt und trotzdem ein Kleinod. Ich spür die Spannung in diesen Grätzeln, sie wissen selbst noch nicht, was sie sein wollen, sind nicht fertig, hier ist das kleine Pressburg mehr Stadt, Großstadt, als das satte Wien.

Hinterhöfe (Foto © Josef Wallner)
Hinterhöfe (Foto © Josef Wallner)

Und wieder bin ich abgeschweift, in Viertel, in denen ich auf meinem Spaziergang noch lange nicht angekommen bin. Denn noch steh ich am Kohlmarkt beim Baťa-Haus. Die Geschichte des mährischen Industriepioniers Jan Baťa, des Königs der Schuhe, hat alle Ingredienzien eines großen Films: bedeutender Unternehmer der ersten tschechoslowakischen Republik, Nazi-Flüchtling und von den Kommunisten Verfemter. Jan Baťa musste einen Weg gehen, den er mit vielen Europäern des 20. Jahrhunderts teilte und der Europas Mitte einen nachhaltigen Brain-Drain zugefügt hat.

Baťa hat auch Architekturgeschichte geschrieben, vor allem im mährischen Zlin, das er zur viel apostrophierten Perle des Funktionalismus machte. Das Pressburger Kaufhaus, den eleganten Eckkubus auf gläsernem Sockel, baute Vladimír Karfík, der Chefplaner des Baťa-Konzerns. Das Baťa-Haus am Hurbanovo námestie ist einer jener Bauten, die uns vom goldenen Zeitalter der tschechoslowakischen Architektur der Zwanziger- und Dreißigerjahre geblieben sind und die, wenn auch neue Grenzen gezogen worden waren, ihre Inspiration auch aus dem noch immer regen Austausch zwischen Prag - Brünn - Wien und Pressburg (und den Städten Deutschlands) erhielt.

Heute finden Sie im Pressburger Baťa-Haus ein Restaurant und eine beliebte Bar. Der Ort kehrte damit zu seiner ursprünglichen Bestimmung zurück, denn vor dem Baťa-Bau stand hier das Wirtshaus Zum Schmidt Hansl. Zur Familie Baťa, der einst – nur ein wenig übertrieben gesagt – die halbe Slowakei gehörte, hat die Slowakische Republik ein nicht gerade einfaches Verhältnis.

Es gibt nicht nur Anglizismen (Foto © Josef Wallner)
Es gibt nicht nur Anglizismen (Foto © Josef Wallner)

Prager bauten in Wien, so wie Wiener in Prag und mit Pressburg verhielt es sich genauso, wobei die (neue) Staatsbürgerschaft noch nichts über die Nationalität der Architekten sagte. Aus Pressburg stammten unter anderem Christian Ludwig, der für die Stadt gemeinsam mit Emerich Spitzer und Augustín Danielis das Wohn- und Geschäftshaus Manderla am Marktplatz, Berufene nennen es ein Meisterwerk des Funktionalismus, entwarf, und Siegfried Theiss. Dieser plante gemeinsam mit Hans Jaksch das Hochhaus in der Wiener Herrengasse. Christian Ludwig war der. Der Architekt, Vater von Christian Ludwig Attersee, wurde aus Pressburg vertrieben und starb in den Sechzigerjahren in Linz. Sein Leichnam wurde 2004 auf den evangelischen Friedhof von Pressburg überführt. Christian Ludwig Attersee und Hugo Portisch sind die beiden heute bekanntesten Österreicher aus Pressburg. Beide haben ihren Frieden mit der Stadt gemacht. Die Pressburger Zeitung widmete Attersee unter der Schlagzeile „Ein Pressburger kommt nach Hause" vor kurzem eine Titelgeschichte.

Wo zieht's mich hin? In die Kapuzinerstraße (Kapucínska) oder über die Dürre Maut zur Stefaniestraße (Štefánka), in die Schöndorfer Gasse (Obchodná) oder doch auf den Marktplatz (Námestie SNP)?

Rückzugswinkel in der Stadt (Foto © Josef Wallner)
Rückzugswinkel in der Stadt (Foto © Josef Wallner)

Es wird die Kapuzinerstraße – des schönen Abendlichtes wegen und weil es dort seit Kurzem nette Cafés gibt, in einem bekomm ich sogar meine geliebten Pressburger Kipferl. Die Erfolgsgeschichte der hiesigen Beugel begann aber nur der Legende nach im Jahr 1785, als Bäckermeister Schiermann seinen Kunden angeblich das erste Mal die später so beliebten Nuss- und Mohnbeugel offerierte. Tatsächlich gibt es das Gebäck schon weit länger. Heute stehen die die Pressburger Kipferl unter dem Schutz der Europäischen Union.

Wenig überraschend, man denke nur an Steirisches Kürbiskernöl, Krainer Würste oder Tokaier Wein, musste die Slowakei zuvor mit Österreich und Ungarn handelseins werden, schließlich gibt's die Kipferl namens Pressburger auch dort. Essgewohnheiten passen sich erfreulicherweise nicht Grenzen an.

Wieder in aller Munde (Foto © Josef Wallner)
Wieder in aller Munde (Foto © Josef Wallner)
Wobei: Als Instrument der Abgrenzung, weniger einer nationalen, mehr einer zwischen Hauptstadt und Provinz, dienten die Kipferl schon einmal, als sie im 19. Jahrhundert als Wiener Kipferl ihren Siegeszug um die Welt antreten sollten, zumindest dem Willen eines ihrer bekanntesten Bäcker nach, was eine kleine Pressburger Pressekampagne nach sich zog. Die Pressburger blieben die Pressburger, zumindest dort, wo der Name der Stadt noch ein Begriff war. In Pressburg bis heute unvergessen sind die Werbesujets für die Beugel von Gustav Wendler, dem erfolgreichen Kipferl-Bäcker aus der Stefaniestraße…


Ich sitze in der Kapuzinerstraße vor einem Café bei einem kleinen Schwarzen zum Kipferl, eine Zigarette wär mir noch lieber, aber diese Zeiten sind (so gut wie) vorbei, wobei der viele Zucker im Kipferl und erst der starke Kaffee, am End' noch gar ein Achtel Wein, wohl auch nicht der Gesundheit zuträglich sind…

Daran verschwende ich jetzt keinen Gedanken, denn das wunderbare Licht, in das die hinter den Kleinen Karpaten langsam verschwindende Sonne die Kapuzinerkirche taucht, beschert mir Momente, Minuten gar, von Glück.

Die mitteleuropäischen Kirchen der Kapuziner gleichen einander wie Geschwister. Der Pressburger barocken Version hat Ignaz Feigler jun. 1860 eine neogotische Fassade verpasst. Im gleichen Stil erbaute er die Kirche auf dem evangelischen Friedhof beim Gaistor. Kein Exemplar dieser Tiergattung, sondern ein Hirsch sticht mir jetzt ins Auge. Man sieht ihn oft an Pressburgs Häusern, immer in Kombination mit einem Wagenrad. Es ist das Wappen der Gespanschaft (des Komitats) Pressburg am ehemaligen Komitatshaus. Dieses geht auf das Wappen der Pálffy zurück, der Erbobergespane des Pressburger Komitats, erbliche Schlosshauptmänner und Grafen von Pressburg. Dreiberg, die wichtigsten oberungarischen (slowakischen) Gebirge symbolisierend, Hirsch und Rad können Sie nicht nur auf Pressburger Häusern und Palais entdecken, sondern unter anderem auch am Palais Pálffy am Wiener Josefsplatz. In Pressburg und Umgebung werden Sie aber besonders häufig fündig. Allein in der Stadt gibt es fünf Paläste, die einst den Pálffy gehörten.

Mein Pressburg (Foto © Josef Wallner)
Mein Pressburg (Foto © Josef Wallner)

Die Kapuzinerstraße geht über in die Schlossstraße (Zámocká), neben dem Palisadenweg (Palisády) meine bevorzugte Route hinauf zum Schloss. Auch hier besaßen die Pálffy einst ein prächtiges Palais mit berühmten Gärten. Geblieben sind davon lediglich ein langgezogener Teil des Gartentrakts, der für verschiedene Veranstaltungen genützt wird, und eine bildliche Rekonstruktion der Gärten an der Fassade.

Die Schlossstraße zählte, Sie erinnern sich vielleicht, über Jahrhunderte zum jüdischen Viertel der Stadt. 1599 gestatten die Pálffy den Juden, sich unterhalb der Pressburger Burg anzusiedeln. Einige Jahrzehnte vorher hatten die jüdische Bevölkerung nach der Schlacht von Mohács aus Angst um Leib und Leben, Hab und Gut Pressburg verlassen. Eine Rückkehr wurde ihnen auf Druck der Pressburger Bevölkerung nicht gestattet. Dieses Verbot wurde erst 1848 aufgehoben.

Das Zentrum des so reichen jüdischen Lebens der Stadt lag daher traditionellerweise am Schlossgrund, in der Schlossgasse und der von ihr abzweigenden Judengasse (oder Schlossgrundgasse, Židovská). Viel ist von ihr nicht geblieben, so wie vom Rest des Schlossgrunds. Die Kommunisten haben, es sei noch einmal erwähnt, mit der Assanierung des seit dem großen Brand zu Beginn des Jahrhunderts heruntergekommenen Viertels Pressburg ein bleibendes Geschenk gemacht. An das noch immer staunend machende reiche jüdische Pressburger Leben (und auch das in anderen Städten des ehemaligen Oberungarns wie Senitz-Senica) wird im jüdischen Museum in der Zsigray-Kurie (Židovská 17) erinnert. Bis zur Verfolgung durch den slowakischen Vasallenstaat des Deutschen Reichs und die Nazis selbst lebten in Pressburg rund 15.000 Juden. Sie stellten damit ungefähr zehn Prozent aller Pressburgerinnen und Pressburger. Nur wenige von ihnen konnten nach dem Krieg in ihre Heimatstadt zurückkehren, so wie SelmaSteiner, deren Geschichte ich Ihnen schon in der Venturgasse erzählt habe.

Zwei Jahrhunderte vor dem Naziterror galt die Stadt an der Donau, oder besser gesagt das Ghetto am Schlossgrund, als ein Zentrum des Judentums in Europa, zunächst als Handels- und Finanzplatz, später, im 19. Jahrhundert, als genius loci, was vor allem mit dem aus Frankfurt/Main stammenden Oberrabbiner Chatam Sofer (Mosche Schreiber) und seinen ebenfalls als Oberrabbiner fungierenden Nachkommen in drei Generationen zu tun hatte. Pressburg erwarb sich den Beinamen ungarisches Jerusalem. Seine berühmte Jeschiwa (Hochschule) hatte einen weit über die Stadt hinausreichenden Wirkungskreis. Den Schreibers, den Steiners und anderen jüdischen Familien hat die Stadt viel von ihrem geistigen Kapital zu verdanken, erfreulicherweise wird das in den vor einigen Jahren angebrachten Gedenktafeln ein wenig sichtbar gemacht.

Viele Pressburger Juden waren treue Anhänger der Monarchie, bewegte Bilder dafür liefert eines der letzten filmischen Dokumente Österreich-Ungarns. Es berichtet vom Besuch Kaiser-König Karls und seiner Frau Zita in Pressburg im Oktober 1918, bei dem auch eine Huldigung der Pressburger Juden auf dem Programm stand. Die Monarchie genoss über ihr Ende hinaus die Sympathie vieler, sehr vieler Juden in Pressburg. Angeblich verglichen sie ihren Untergang mit dem 9. Av, dem Tag, an dem die Juden alljährlich die Zerstörung des Jerusalemer Tempels beklagen.

Als böses Omen für das Grauen, das wenige Jahrzehnte später über die Juden hereinbrach, mögen im Nachhinein manche jüdischen Pressburger den großen Brand von 1913 empfunden haben. Es war der schwarze Sabbat von Pressburg. Binnen vier Stunden legte das Feuer das Schlossgrundviertel in Schutt und Asche. Die Ungarländische Jüdische Zeitung konstatierte trocken: „Um sechs Uhr hatte das Pressburger Ghetto aufgehört zu sein". Der Brand ließ fast 4 000 Obdachlose zurück. Der Feuerwehrmann Franz Huber starb an einer Rauchgasvergiftung und an die 70 Häuser waren zerstört, darunter auch die berühmte Talmudschule. Jozef Tancer, ein Pressburger Historiker und Germanist, die viel zur Geschichte seiner Heimatstadt forscht, berichtet über die mediale Berichterstattung zu dieser Pressburger Katastrophe: „Der Funkenflug aus der Petőfigasse entzündete nicht nur die Dächer, sondern im übertragenen Sinne auch das Papier. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht vom Brand in Pressburg in der periodischen Presse der Doppelmonarchie, von Schlesien bis zum Adriatischen Meer, von Westböhmen bis nach Galizien. Berichte über den Brand brachten Blätter in Deutschland, England, sogar in den Vereinigten Staaten und in Mozambique. Die Katastrophe blieb mehrere Wochen lang ein zentrales Thema in den Pressburger Periodika."

Die Judengasse lädt so nah an der Starometská, welche die Ihnen schon bekannte Schneise durch die Altstadt schlägt, nicht zum längeren Verweilen ein, auch die Stadtmauer, rekonstruiert in den 1970er Jahren, interessiert mich nicht. Ich laufe zurück, um wieder Deckung zu finden, in irgendeinem Altstadtgassl. Dabei muss ich aufpassen, nicht mit ein paar jungen Leuten zusammenzulaufen, die im Gehen lesen. Sie haben richtig gelesen, nicht am Handy tippen, sondern ein Buch lesen. Ich gehöre eher zu den Handytippern. Das überrascht Sie jetzt, oder?

Pressburger Jugendstil (Foto © Josef Wallner)
Pressburger Jugendstil (Foto © Josef Wallner)

So einfach ist das gar nicht, mit dem stillen Gasserl. Ein kurzes Stück die Pilárikova entlang, vorbei an der ehemaligen königlich-ungarischen Realschule am Eck der Turnergasse (Zochova), einem protzigen Bau mit mächtigem, säulengeschmücktem Mittelrisalit, heute studiert man hier an der Hochschule für Musik und Tanz, und dann links einbiegen in die Gaisgasse (Kozia ulica) – geschafft. Ich weiß, ich habe es Ihnen schon erzählt, dass ich dieses Grätzel sehr mag. Gestatten sie mir, es trotzdem noch einmal zu sagen: Zwischen der grauslichen Staromestská und der Tolstoi-Gasse (Tolstého) bin ich Pressburger. Die Palais, Zinspaläste und die vielen kakanischen Schulen, Sinnbild eines aufstrebenden, bildungsbewussten Bürgertums, sind meine kleine große Stadt.

Ich schlendere in die Gaisgasse, durch die einst die Ziegen vor die Stadt getrieben wurden. In Zeiten der Magyarisierung war der Name für die Gasse vielleicht nicht mehr nobel genug, man benannte sie nach dem Begründer des ungarischen Nationaldramas, Kisfaludy Károly, der in den 1810er Jahren in Pressburg studiert hatte. Daran erinnert eine Inschrift am Palais auf Nr. 16 der seit der ersten Republik wieder Gaisgasse genannten Straße, die einst zum Gais- (Gaiß-) oder Ziegentor führte. Heute mündet sie in den Palisadenweg (Palisády). Links geht's hinauf zum Schlossberg, rechts hinunter zur Stefaniestraße (Štefánikova) und gerade hinüber zum Friedhof am Gaistor.

Der Friedhof am Gaistor (Foto © Josef Wallner)
Der Friedhof am Gaistor (Foto © Josef Wallner)

Ja, auch von dem habe ich Ihnen schon erzählt. Seine Mauern bröckeln, den Eingangsbereich hat man verschandelt, aber sonst stört mich nichts hier, im Gegenteil. Hier finden mich die Pressburger Geschichten.

Ewige Ruhe am Gaistorfriedhof (Foto © Josef Wallner)
Ewige Ruhe am Gaistorfriedhof (Foto © Josef Wallner)

Die deutschen bürgerlichen Weingärtnersgattinnen, die ungarischen akademischen Lehrer, der junge Pressburger, die im Ersten Weltkrieg mit seinem Flieger in Görz abstürzte, die prächtigen Gräber an der Friedhofsmauer im Besitz der alten Pressburger Bürgerfamilien wie der Ludwig, hier ist das multinationale Pressburg noch lebendig, verzeihen Sie, aber diese absurde Assoziation wollte einfach geschrieben sein.

Im Villenviertel (Foto © Josef Wallner)
Im Villenviertel (Foto © Josef Wallner)

Es ist nun die rechte Zeit für eine der berühmtesten Anekdoten aus dem alten Pressburg: Als eine Abordnung der Donaustadt aus irgendeinem Grund beim Kaiser in Wien in Audienz erscheint, fragt dieser, ob sie Ungarn oder Deutsche seien. „Mir san halt Pressburger", so die einfache und doch sehr komplexe Antwort. Immer lauter wurde den Menschen ein nationales Bekenntnis abverlangt und nicht selten entschieden sich selbst enge Verwandte für verschiedene Seiten. Baron Czoernig aus Mähren, Präsident der k.k. Statistischen Verwaltungskommission und bedeutender Ethnograf der Monarchie, irrte daher, wenn er glaubte, so etwas könne nur im österreichischen Küstenland vorkommen: „Daß viele Namen mit der Nationalität ihrer Träger nicht im Einklang stehen oder daß Kinder unter dem Druck der sie umgebenden Verhältnisse sich zu einer anderen Nationalität bekennen lernen, als es bei ihren Eltern der Fall war, kommt in sprachlich gemischten Ländern genugsam vor; daß aber von unter ganz gleichen Lebensbedingungen aufgewachsenen und erzogenen Brüdern beispielsweise der eine italienisch empfindet, der andere slavisch fühlt, dürfte schwerlich an anderen Orten angetroffen werden." Die Pressburger konnten da locker mithalten.

Zwei von ihnen blieb diese Entscheidung verwehrt. Es waren die Buben der Familie Imhof, der eine hieß Gyula, der andere Fritz. Beide starben, bevor sie fünf waren. Was wäre in diesem verrückten 20. Jahrhundert aus ihnen geworden, dem ungarischen Gyula und dem deutschen Fritz? (Der Wiener Volksschauspieler Fritz Imhoff hat mit der Pressburger Familie nichts zu tun, er hieß in Wirklichkeit Jeschke.)

Zurück auf den Palisadenweg. Die Seitengassen rechts stadtauswärts führen ins Pressburger Villenviertel, hier regiert nicht mehr der Wiener-Cottage-Stil wie unterhalb des evangelischen Friedhofs, sondern erste tschechoslowakische Republik und neuer slowakischer Kapitalismus, durchaus interessant, wie die Gedenkvilla an Tomáš Tvarožek, einem slowakischen Finanzexperten der ersten Republik, in der Tvarožkova ulica 4. Im heutigen Villenviertel hatten einst die Pressburger ihre Weingärten. Ein einträgliches Gewerbe, denn der Pressburger wurde geschätzt. Ob es stimmt, was ein Herr Ján Čaplovič 1829 geschrieben hat? In seinem Gemälde von Ungern (sic!) behauptet er: „Nach einem alten Sprichwort ist das Preßburger Weingebirg das größte, das St. Georger das beste, Bösinger das prächtigste; Modrer das tragbarste." St. Georgen ist Svätý Jur, Bösing Pezinok und Modern Modra. Alle drei waren, so wie Pressburg, königlich-ungarische Freistädte, was sie – bis auf Pressburg – ihrem reichen Weinbau zu verdanken hatten. Mein Liebling von den dreien ist Modern, nicht so herausgeputzt wie Rust, aber mit vielen verlockenden Winkeln, einem für Kakanier sehr interessanten Friedhof, guten Wirtshäusern und einer bekannten slowakischen Keramikproduktion.

Die Weingärten nahe dem Pressburger Stadtzentrum mussten wie erwähnt Wohnhäusern und Villen weichen, aber am Stadtrand, in den ehemaligen Dörfern wie Ratzersdorf (Rača) wächst er noch, der Pressburger. Verschwunden ist, jedenfalls in der Stadt, die zum Pressburger Wein gehörende Heurigenkultur. Einst war auch hier ausg'steckt in den Höfen der Winzer, die sich vor Hunderten von Jahren außerhalb der Inneren Stadt in Schöndorf ansiedelten.

Die alte Tradition neu belebt (Foto © Josef Wallner)
Die alte Tradition neu belebt (Foto © Josef Wallner)

Der Ort war strategisch gut gewählt, weil nahe an den Rieden gelegen. Weniger gut war allerdings, dass er außerhalb des inneren Befestigungsgürtels lag. Das führte dazu, dass 1683 die mit den Türken verbündeten Krieger Thökölys, des kuruc király (Kuruzenkönigs), das Dorf rund um die Schöndorfer Straße (Schöndorfská ulica, heute Obchodná) abbrannten. Daher sind die heute noch bestehenden Pressburger Höfe der bürgerlichen Weingärtner nicht ganz so alt wie ihre Pendants in manchen österreichischen Weinbaugebieten. Es sind keine Bauern- sondern Bürgerhäuser, was dem Selbstverständnis ihrer einstigen Besitzer entspricht.

Ein Stück Fassade blieb von den bürgerlichen Pressburger Weingärtnern (Foto © Josef Wallner)
Ein Stück Fassade blieb von den bürgerlichen Pressburger Weingärtnern (Foto © Josef Wallner)

Durch eine schmale Einfahrt gelangt man in einen langgezogenen, ebenso schmalen Hof. Keine große Maler- oder Steinmetzkunst kündet vom ertragreichen Gewerbe seiner Besitzer, nur an manchen Häusern in der Schöndorfer Gasse entdecke ich als Fassadendekor noch Weinblätter oder Trauben über der Hauseinfahrt. Sie sind das Einzige, was auf den ersten Blick noch an den Pressburger Weinbau erinnert.

Weinbaustadt Modern-Modra-Modor (Foto © Josef Wallner)
Weinbaustadt Modern-Modra-Modor (Foto © Josef Wallner)

Meist sind die Häuser der Weingärtner ganz verschwunden, in der Bohnengasse (Fazuľová ulica), der Windgasse (Veterná ulica) und der Reichardsgasse (oder Richardsgasse, Rajská ulica), und nichts erinnert mehr an die lauen Abende in den Oleander geschmückten Höfen, wie sie KarlBenyovskzky genossen hat: „Wollen wir das Bild heraufbeschwören, wie sich das Leben in den Weingärtnerhäusern und in den Höfen entwickelte? Dann müssen wir uns an die ‚Kästenbrater', den ‚Pagacserlbub', die Wurstbratereien, die ‚Knofelbrote' und die verschiedenen anderen Delikatessen erinnern, die dem Weinbeißer angeboten wurden. Wir müßten gar vieles aufzählen und dürften nicht die von Schrammeln und ‚Wanzenquetscher' oder ‚Maurerklavier', einer ‚Schunken' (Guitare) und einem ‚süßen Holz' (Flöte) hervorgerufene Stimmung vergessen. Bis zur Sperrstunde, die nicht immer ganz genau eingehalten wurde, besonders wenn der kontrollierende Polizist seine Aufmerksamkeit mehr dem ihm angebotenen Glas als seiner Uhr zuwenden mußte, ging es hoch her."

Die Umwälzungen nach dem Zweiten Weltkrieg setzten der Idylle ein Ende. Mittlerweile sprießt in der Stadt das eine oder andere Pflänzchen, wie die Prešporská viecha. Die Weinstube in der Michaelergasse wirbt damit, ein Heuriger zu sein. Der Wein kommt aus Theben (Devin) und dem auf Pressburger Stadtgebiet liegenden Orten Weinern (Vajnory) und Ratzersdorf (Rača). In letzterem scheint nicht nur der Wein guten Boden vorzufinden, auch Künstler von Weltrang wuchsen hier auf: Edita Gruberová muss man kein Attribut beifügen, Ignaz Schnitzer bedarf wahrscheinlich einer Erläuterungen. Er schrieb das Libretto zum Zigeunerbaron.

Letzte Ruhe für die stolzen bürgerlichen Weingärtner (Foto © Josef Wallner)
Letzte Ruhe für die stolzen bürgerlichen Weingärtner (Foto © Josef Wallner)

In der einst bekanntesten Pressburger Weingärtnergasse, der Hochstraße (Vysoká), erinnert heute nichts mehr an Weinseligkeit. Sie ist schiach, aber ich mag sie. Die paar Pubs, deren Gestaltung nicht umwerfend gut mit der alten Architektur harmoniert, das kleine Hotel samt Film-Café, das schwule Kellerlokal, ein Ethnorestaurant und ein hipper Smoothie- und Coffeeshop ergeben eine recht bunte Mischung, so im Sinne von wir pfeifen auf eure Vergangenheit, Altstadterhaltung und was man landläufig geschmackvoll nett. Auch solche Gassen braucht eine Stadt.

Die Rückkehr des alten Namens in der Hochstraße (Foto © Josef Wallner)
Die Rückkehr des alten Namens in der Hochstraße (Foto © Josef Wallner)

Zwischen Hochstraße und Kollárovo námestie verläuft die Živnostenská ulica. Eine ganz kurze Gasse mit nur einem, sehr guten, Bau, dem funktionalistischen Gewerbehaus (Živnostenský dom), 1927 - 1930 von Klement Šilinger auch mit einem Theatersaal, der Nová scéna, früher Volkstheater genannt, errichtet.

Und wieder bin ich abgeschweift, von den bürgerlichen Weingärtnern zum Funktionalismus. Ich beame mich zurück auf den Palisadenweg zur Deutschen Schule Bratislava im ehemaligen III. Evangelischen Lyzeum, das im Jahr des ungarischen Millenniums 1896 fertiggestellt wurde. Was für ein Pomp in Neorenaissance für eine Schule! Die drei Pressburger evangelischen Lyzeen waren nicht nur für die evangelischen Deutschsprachigen von Bedeutung, auch viele Angehörige der slowakischen Nationalbewegung des 19. Jahrhunderts wurden hier ausgebildet.

Das ehemalige Lyzeum (Foto © Josef Wallner)
Das ehemalige Lyzeum (Foto © Josef Wallner)
Weiter geht's stadteinwärts in Richtung Stefaniestraße. Rustizierte Fassaden, Kuppeln und Stuck, Kakanien begleitet mich auf Schritt und Tritt. Diesbezüglich toppt die parallel zum Palisadenweg angelegte Tolstoigasse (Tolstého), die frühere Erzherzogin Isabella-Straße, diesen noch. Die Häuser mögen niedriger sein als in Wien oder Budapest, man wusste, was sich für eine Provinzstadt, geziemt, atmosphärisch steht die Provinz den Zentren aber um nichts nach, im Gegenteil. Weil eben noch nicht alles perfekt getüncht ist, mancher Hof, sofern man einen Blick hinein erhaschen kann, noch ein wenig räudig aussieht, liegt ein Hauch von Bohème in der Luft – und ein wenig Wehmut, keine Zwanzig mehr zu sein. Ich würd mich sonst liebend gern unter die Studenten des Pressburger Konservatoriums im Gebäude des ehemaligen evangelischen Internats mischen, mit ihnen in eines der Cafés in dieser Gasse oder der Gaisgasse ziehen und die Party für den nächsten Samstag planen. Aber: Tempora mutantur, nos et mutamur in illis…


Rasch ist die Štefánikova ulica erreicht, jene einstige Landstraße, welche die Stadt mit der nach Mähren führenden Chaussee verband. Als Stefaniestraße wurde sie zur historistischen Prachtstraße gemacht, die den Pressburger Hauptbahnhof mit der Stadt verband. Der Bahnhof ist derzeit alles andere als prächtig. Meine Pressburger Freunde fahren daher weit lieber mit dem Zug von Engerau (Petržalka) oder mit einer der beiden sich derzeit hart konkurrierenden Buslinien (das Singleticket ist derzeit schon ab einen Euro zu haben) nach Wien.

An der Stefaniestraße errichteten wie erwähnt die Pressburger Bürger ihre Palais und Zinspaläste, einer davon war ein gewisser Herr Svetlík, der in der Wiener Lotterie so viel gewonnen hatte, dass er sich hier an der Ecke zur Isabellastraße ein stattliches Haus bauen konnte. Gegenüber, am anderen Eck Stefaniestraße - Isabellastraße, logierten die Besucher der Stadt im noblen Hotel Deák. Das Haus hatte eine wunderschöne Jugendstilfassade, deren figurative Malerei nach dem Umbruch 1918 entfernt wurden, weil sie ​unmoralisch ​seien. Heute dient das Gebäude, allem Dekor beraubt, als Polizeistation.

Pressburger Style (Foto © Josef Wallner)
Pressburger Style (Foto © Josef Wallner)

Dem einstigen Hotel gegenüber liegt der Eingang zum Garten des Palais Grassalkovich (kroatisch Grašalković, slowakisch Grasalkovič). Das wahrscheinlich aus Kroatien stammende Geschlecht der Grassalkovich erreichte mit Anton Graf Grassalkovich, Präsident der königlich ungarischen Hofkammer und Jurist von Rang, hohes Ansehen.

Vor allem bei Maria Theresia hatte der Graf einen Stein im Brett. Er unterstützte die Siedlungspolitik der Monarchin in Ungarn mit dem Transfer von Menschen aus anderen Gebieten der habsburgischen Länder, Deutschland, aber auch Lothringen vehement, mit durchaus unorthodoxen Maßnahmen. Heute würde man Graf Anton als Finanzminister bezeichnen, als solcher wurde er auch in den Kreis der erlauchten Männer aufgenommen, die die Kaiserin an ihrem Wiener Monument umgeben dürfen. Dieses ist nicht nur das Denkmal einer Herrscherin, sondern der ganzen mariatheresianischen Epoche.

Der reiche Magnat traf mit seinen Schlössern offenbar den Geschmack der habsburgischen Damen. Maria Theresia schätzte sein Pressburger Sommerpalais und rund hundert Jahre später verliebte sich Kaiserin Elisabeth in das von Grassalkovich erbaute Gödöllo, das die ungarische Nation dem Königspaar zur Krönung schenkte. Franz Josef wollte oder konnte sich das Schloss nicht leisten, obwohl ihm Sisi damit in den Ohren lag. (Das Wiener Palais Grassalkovich am Augarten wurde erst von Antons Sohn erworben.)

Das Pressburger Schloss, im schönsten mariatheresianischen Stil errichtet, kann seine Verwandtschaft mit dem Gödöllöer Vorbild nicht leugnen. Sein spanischer Saal hat über die Jahrhunderte viele glanzvolle Feste gesehen, Joseph Haydn ließ hier einige seiner Werke das erste Mal erklingen und später, als das Palais habsburgischer Besitz war, schritt die Hofgesellschaft über die Stiegen aus berühmtem Kaiserstein vom nahen Kaisersteinbruch zu Bällen und Soireen.

Nach dem Abzug des Statthalterpaares Albert v. Sachsen-Teschen und seiner Frau Marie Christine, Maria Theresias Lieblingstochter, für welche die Kaiserin Grassalkovich das Schloss abkaufte, wurde das Palais gegen Ende des 19. Jahrhunderts erneut für einige Jahre zum Mittelpunkt einer habsburgischen Hofhaltung. Erzherzog Friedrich, Urenkel von Albert und Marie Christine, das kinderlose Paar adoptierte Friedrichs Großvater, Erzherzog Karl, und seine Frau Isabella von Croy-Dülmen machten aus Pressburg eine kleine Residenzstadt. So wie sein Urgroßvater wurde auch Friedrich von einem habsburgischen Onkel, Erzherzog Albrecht, sein Denkmal steht auf der Wiener Albrechtsrampe, adoptiert. Das machte ihn zum reichsten Habsburger seiner Zeit. Friedrich war der Herr über ein Wirtschaftsimperium, das auf einem riesigen Grundbesitz fußte, auf dem Landwirtschaft bereits in industriellem Maßstab betrieben wurde. So verkaufte die Erzherzog Friedrichsche Zentral-Molkerei in der Wiener Ungargasse die Milch von 3400 Melkkühen der Herrschaft Ungarisch-Altenburg (Magyaróvár). Eine große Milchproduktion gab es auch in Teschen (heute zwischen Tschechien - Těšín - und Polen - Cieszyn - geteilt).

Stadt in Bewegung (Foto © Josef Wallner)
Stadt in Bewegung (Foto © Josef Wallner)

Die Albertina in Wien, Pressburg, Halbturn, Teschen, Groß-Seelowitz (Židlochovice) in Mähren, die Weilburg in Baden, Ungarisch-Altenburg und Bellye (Bilje) mit seiner berühmten Jagd in Slawonien zählten zu den Residenzen der Familie. Und diese war groß. Acht Töchter gebar Friedrich Ehefrau Isabella, bevor endlich der Sohn Albrecht zur Welt kam. Ich Nachhinein könnte man sagen, hat alles nichts genützt. Die schlesischen, mährischen und slawonischen Besitzungen waren nach dem Ersten Weltkrieg weg, ebenso wie die Albertina Die Weilburg durfte Friedrich, der nicht das im Habsburgergesetz verlangte Gelöbnis auf die Republik Österreich abgegeben hatte, so wie die gesamte neue Alpenrepublik, nicht mehr betreten. Nach einem Schweizer Intermezzo zog sich Friedrich nach Ungarisch-Altenburg zurück und brachte mit seiner Frau Isabella Sohn Albrecht als ungarischen Thronprätendenten in Stellung. Das machte eine weitere Konfliktlinie zur habsburgischen Hauptlinie auf, man war mit ihr schon vorher über Kreuz, obwohl man nicht nur über die Habsburger, sondern auch über die Parma, eine Tochter Friedrichs war mit einem Halbbruder Kaiserin Zitas, der im Unterschied zum berühmten Sixtus im Ersten Weltkrieg in der österreichischen Armee diente, verheiratet. (Albrecht erwies sich aber als keine starke Konkurrenz für Zitas Otto, er hatte einen Hang zu unstandesgemäßen Heiraten und starb in den Fünfzigerjahren in Südamerika.)

Weder wegen seines Reichtums noch der familiären Kalamitäten würde uns Friedrich heute noch in Erinnerung sein. Es ist seine Funktion als Armeeoberkommandant der gesamten Land- und Seestreitkräfte, mit der ihn der greise Kaiser Franz Josef zu Beginn des Ersten Weltkriegs betraut hatte. Und selbst das würde nur wenige interessieren, wenn nicht Karl Kraus Friedrich als Erzherzog Bumsti in den Letzten Tagen der Menschheit auftreten hätte lassen. In den Umsturztagen 1918 war Friedrich sicher einer der unbeliebtesten Habsburger. Er wurde als unfähiger, geiziger Kriegsgewinnler geschmäht.

Auch in der (belletristischen) Habsburg-Literatur ist Friedrich, mehr noch seiner Frau, ein langes Leben beschert. Und das hat mit einem Skandal, vielleicht dem größten der Jahrhundertwende zu tun: der morganatischen Verbindung von Franz Ferdinand mit Sophie Chotek. Die Geschichte ist hinlänglich bekannt. Busabella, so der Spitzname Erzherzogin Isabellas, deren standesgemäße Herkunft auch ein wenig in Zweifel gezogen wurde, rechnete sich gute Chancen aus, Franzis Schwiegermutter zu werden. Der Erzherzog kam nämlich oft nach Pressburg zu Besuch. Was läge näher, als zu vermuten, dass er auf die älteste Tochter des Hauses ein Auge geworfen habe. Nun, dem war bekannterweise nicht so.

Das Medaillon an Franzis goldener Taschenuhr, die der Erzherzog nach dem Tennisspielen in Pressburg vergessen hatte, verriet die Wahrheit. Denn Isabella konnte ihre Neugier nichtbesiegen und wagte es, einen Blick auf das Medaillon zu werfen. Entsetzen! Empörung! Nicht die Tochter, sondern die für damalige Verhältnisse schon ein wenig überwuzelte Sophie Chotek, Isabellas Hofdame, lächelte der Erzherzogin entgegen. Man war betrogen worden! In zweifacher Hinsicht: Zuerst hatte der erzherzogliche Cousin die böhmische Gräfin bei Isabella angebracht, um ihr so oft wie möglich nah sein zu können und dann hat er zum Vorwand noch mit den Töchtern geschäkert. Pressburg hatte seinen kaiserlichen Skandal, den die Fremdenführer heute noch gern breittreten Zur Ehrenrettung Isabellas sei erwähnt, dass sie nicht nur eine ehrgeizige Mama war, sondern eine begabte Fotografin, die auf ihren reichen Besitztümern auch großes soziales Engagement, auch in der Ausbildung von Frauen, an den Tag legte.

Der Glanz habsburgischer Hofhaltung verblich langsam. 1905 gaben Friedrich und Isabella Pressburg als Hauptresidenz auf und 1918/19 war es dann ganz vorbei. Zu Zeiten des ersten slowakischen Staats bezog Hitlers Kumpan, der slowakische Führer Jozef Tiso das Palais, unter den Kommunisten folgten die Pioniere und seit 1996 ist es Sitz des slowakischen Staatspräsidenten. Dessen Staatsgäste pflanzen regelmäßig Bäume im Schlossgarten. Eine gute Idee, denn von der barocken Pracht ist wenig geblieben. Der Garten wirkt kahl und kalt, nicht nur im Winter. Eine, wenn auch in den Maßen deutlich reduzierte, Kopie des Pressburger Maria Theresien-Denkmals erinnert an die ehemalige Besitzerin des Palais. Die Karyatiden sind dem Schloss abhandengekommen, sie fanden im Schloss Kittsee Verwendung. Die Gemeinde Kittsee wurde übrigens nach dem Ersten Weltkrieg geteilt. Der vom späteren Burgenland abgetrennte östliche Teil gehört heute als Kopčany zu Engerau (Petržalka).

Hinter dem Palast befindet sich, von Touristen unbeachtet, das ehemalige Palais des Erzbischofs, erbaut von einem Esterházy. Schon in der Monarchie diente es nicht mehr Kirchenfürsten zur Rekreation, sondern dem Militär als Spital. Heute ist das Palais am einstigen Esterházyplatz (Fürstenwiese, heute Freiheitsplatz - Námestie slobody ) ein Regierungsgebäude, das nur mehr wenig barocken Glanz ausstrahlt.

Auch eine Pressburger Familie, die Esterhàzy (Foto © Josef Wallner)
Auch eine Pressburger Familie, die Esterhàzy (Foto © Josef Wallner)

An Glanz verloren hat auch das Eckhaus auf der anderen Seite der Stefanie-Straße (Štefánikova). Im Erdgeschoß finden Sie hier das Café Štefánka, einst Café Stefanie.Štefánka – Stefanie, auch wenn sie ähnlich klingen, miteinander zu tun, haben die beiden nichts. Milan Rastislav Štefánik ist einer der großen slowakischen Nationalhelden, wenn nicht die größte überhaupt. Er war ein Multitalent: Kampfpilot, Astronom, Fotograf, Diplomat und Politiker, als solcher widmete er sich der vor allem einem Ziel: der Zerschlagung der Monarchie und der Gründung eines tschecho-slowakischen Staates. 1918 war dieses Ziel ereicht. Allerdings starb Štefánik schon bald darauf bei einem legendenumrankten Flugzeugabsturz in Weinern (Vajnory), damals noch außerhalb des Pressburger Stadtgebiets gelegen. Der andere, alte Name des Cafés (und der Straße) führt in die von Štefánik so wenig geschätzte Monarchie zurück, zu deren letzten Kronprinzessin Stefanie, wir sind ihr schon in Karlburg begegnet.

Der Provinz lange entwachsen ... (Foto © Josef Wallner)
Der Provinz lange entwachsen ... (Foto © Josef Wallner)
Heute versucht das Kaffeehaus trotz seines Namens mehr an die Monarchie, denn an den Nationalhelden anzuknüpfen. Aber alte Fotografien und eine nostalgische Einrichtung machen halt noch keine Kaffeehaus-Atmosphäre. Man ist bemüht, aber es funktioniert einfach nicht, zumindest für mich. Ein Pressburger Freund sieht das ähnlich: „Wir haben keine alten Cafés, nur ein paar, die glauben, sie sind's. Aber das ist fake." Es gibt auch das Publikum dafür nicht mehr. Darum geh ich in der Stadt lieber in einen modernen Coffeeshops, die sind weit authentischer. Was würden wohl die Hackenberger zu ihrem ehemaligen Vorzeigebetrieb Stefanie sagen? Den letzten der Cafétiers hat Ernst Trost für seine Pressburger Bürger der Reihe Das blieb vomDoppeladler interviewt. Im schönsten Pressburger Deutsch erzählte Hackenberger von den Glanzzeiten des Cafés mit dem schönen Schanigarten und der Veranda am Vorplatz. Heute möchte dort keiner mehr sitzen, nicht nur wegen des Verkehrs, sondern auch wegen der nicht gerade einladenden Kulisse, die die Dürre Maut (Suché mýto) bietet.

Also weiter, einen Abschneider durch die kurze Holzgasse (Drevená) nehmend, in der das städtische Brauhaus wieder belebt wurde, in die Schöndorfer Straße. Heute heißt sie Obchodná, Einkaufsstraße. Nomen est omen.

Die Schöndorfer Straße gleicht ein wenig der Mariahilfer Straße in Wien, der äußeren. Und so sind viele Handelsketten mit eher billigen Textilien zu finden. Es ist ein rechter Mischmasch an überdimensionierten Reklameschildern und nur wenig zu den historistischen Häusern passenden Auslagen. Eine Einkaufsstraße, wie sie in jeder Stadt auf unserem Kontinent zu finden ist. Die einst so bekannten Gasthäuser Zum schwarzen Adler und Zumweißen Rössl sind schon lang verschwunden, so wie die Werkstätte des berühmten Pressburger Klavierbauers Schmidt. Von der ehemaligen Honvedkaserne blicken Konterfeis von Soldaten aus der tschechoslowakischen Zeit grimmig auf die Shoppenden. Die Kaserne steht am Eck des Fruchtplatzes (Kollárovo námestie), der von einem gut proportionierten Rokokogebäude, heute können Sie hier beim Billa einkaufen, abgeschlossen wird. Mein Lieblingsplatz in der Gasse liegt ein Stück davor, in Richtung Stadtzentrum. Es ist die Buchhandlung Martinus mit einem recht guten Sortiment deutschsprachiger slowakischer Reiseliteratur und dem Štúr Café, das in der Stadt mehrere Niederlassungen hat, die schönste in der Štúrova.

Rechts vom Fruchtplatz liegen an der einstigen Elisabethstraße, jetzt Mickiewiczova, die Uni-Kliniken. Das Publikum beginnt sich daher zu wandeln, es wird studentisch. Im Sommer strömen die Studiosi dem medizinischen Garten (Medická záhrada) zu, an dessen Vorderfront das elegante Palais Aspremont-Esterházy steht. Im Park hat das Denkmal des Dichters Sándor Petőfi wohl seinen endgültigen Platz gefunden, nachdem die Wirren der letzten hundert Jahre es zu mehrmaligem Umzug gezwungen haben. Ursprünglich stand es auf der Promenade (heute Hviezdoslavplatz), an der Stelle, an der zuvor das Hummel-Denkmal gestanden war. In Pressburg liebte man anscheinend das Versetzen von Denkmälern.

Das Hummeldenkmal an seinem hoffentlich letzten Standort (Foto © Josef Wallner)
Das Hummeldenkmal an seinem hoffentlich letzten Standort (Foto © Josef Wallner)

Ein ungarischer Nationaldichter im Stadtzentrum, das ging 1921 gar nicht mehr. Petöfi wurde mit Brettern verhüllt, später zerlegt und im Grassalkovich-Palais gelagert. In den Fünfzigerjahren durfte er wieder das Licht der Öffentlichkeit erblicken, dieses Mal im Aupark (Janko-Kráľ-Park) und vor über zehn Jahren ist der Dichter schließlich in den medizinischen Garten an der Spitalgasse (Špitálska ulica) umgezogen. Hummel steht vor dem Palais der deutschen Botschaft am Rande der Promenade. (Werfen Sie dort in jedem Fall einen Blick auf die Fensterlünetten, sie werden sie amüsieren.)

Mein heutiges Ziel ist aber nicht der Stadtpark, wie der medizinische Garten auch genannt wird, sondern das ehemalige Dorf Blumenthal, Slowakisch Kvetná dolina, weit häufiger allerdings Blumentál genannt. Der Name lässt auf ein Idyll hoffen, vielleicht gab es das hier auch einmal. So schlimm, wie Sie nun vielleicht vermuten, ist es in Blumenthal allerdings nicht. Der Platz rund um die von weitem sichtbare eklektizistische Blumenthaler Kirche hätte durchaus Potenzial und in jedem Fall sollten Sie einen Blick auf die Florianisäule werfen. Auch diese musste übrigens umziehen. Sie stand vorher auf dem Marktplatz (Námestie SNP). Die Blumenthaler Straße (Blumentálska) selbst können Sie sich schenken, ebenso wie das Grätzel dahinter mit der Landstraße (Radlinského) und der Bohnengasse (Fazuľová), denn dort wurde gründlich assaniert. Trinken Sie lieber einen Espresso im Caffé Trieste bei der Blumenthaler Kirche. Ich mache es jedes Mal, wenn mich ein Pressburger Spaziergang in diese Gegend führt.

Wo das Pflaster noch buckelig ist… (Foto © Josef Wallner)
Wo das Pflaster noch buckelig ist… (Foto © Josef Wallner)

Am Weg zurück in die Innenstadt durch die Spitalgasse bieg ich meist noch links ab, hinunter zum Andreas-Friedhof. Die kommunistische Stadtplanung der Siebzigerjahre hat dem alten Pressburger Gottesacker zwar in wenig zugesetzt und den schönen barocken Eingang ruiniert (und einen Teil des Friedhofs geschleift), die Atmosphäre des Friedhofs an der Ulica 29. augusta konnte sie Gott sei Dank nicht zerstören. Dafür sind zum einen guten Teil die vielen vom Pressburger Alois Rigele geschaffenen Grabmäler verantwortlich. 1940 wurde er selbst auf diesem Friedhof bestattet. Der Bildhauer begann wie so viele Künstler aus Kakanien mit einem Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien, unter anderem bei Hans Bitterlich. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Rom zog es Rigele zurück in seine Heimatstadt, wo er in den folgenden Jahrzehnten neben Grabmälern Kreuze, Kirchenplastiken und Denkmäler schuf, die bis heute ein wichtiger Teil des künstlerischen Erbes Pressburgs sind. Dazu zählt auch die Plastik der in Pressburg geborenen heiligen Elisabeth von Thüringen.

Die Spitalgasse wird Sie wahrscheinlich nicht besonders beeindrucken, erübrigen Sie aber ein paar Blicke für die beiden Kirchen, auch wenn sie Ihnen vorerst nicht sehr ins Auge stechen, weil sie in die Fassadenlinie des alten Spitalkomplexes integriert sind. Die eine ist dem heiligen Ladislaus geweiht, was sie noch nicht rasend interessant macht. Aber: Ignaz Feigler sen. hat die Kirche in den 1830er Jahren im schönsten Klassizismus errichtet, was in unseren Ländern doch eher eine Seltenheit darstellt. Der Stil der anderen Kirche, der Pressburger Stadtheiligen Elisabeth geweiht, ist hingegen hinlänglich bekannt: Barock. Aber so einen schönen barocken Turm haben Sie wahrscheinlich selten gesehen (auch wenn er nicht original ist; er musst nach einem Brand erneuert werden). Franz Anton Pilgram, der bekannte österreichische Barockarchitekt, der den Wienern durch die Pilgramgasse bis heute in Erinnerung ist, hat sich hier wahrlich angestrengt.

Und wieder ist eine Brücke zwischen den beiden Donaustädten geschlagen und wieder hat sie mit Künstlern zu tun. Aber es waren nicht nur die Architekten, Bildhauer oder Musiker, auch die Dichter und Schauspieler Österreichs und Wiens kamen oft und gern nach Pressburg. Einer davon, Wiens großer Kasperl, Johannla Roche, kam sogar hier zur Welt. Nestroy und Raimund traten in Pressburg ebenso auf wie später Max Rainhardt.

Die Spitalgasse mündet in den Steinplatz (Kamenné námestie), ein Ort der noch Potenzial hat. An ihn schließt der Marktplatz (Námestie SNP), der mehr einer einer breiten Straße gleicht, an. Hier kommen drei wichtige Plätze des alten Pressburgs zusammen. Der obere Teil in Richtung Michaelertor hieß nach Kloster und Spital der Barmherzigen Brüder Barmherzigenplatz, der mittlere Teil rund um die alte Markthalle Tandlerzeile und der untere Teil von der Spital- bis zur Donaugasse (Dunajska) Getreidemarkt bzw. auch Brot- oder Hendlplatz. Sie sehen, gehandelt wurde hier immer mit allem Möglichen.

Am ehemaligen Barmherzigenplatz (Foto © Josef Wallner)
Am ehemaligen Barmherzigenplatz (Foto © Josef Wallner)

Aber nicht nur: Auf dem Platz wurden die Bäcker geschupft und ein paar Jahrhunderte später verwandelten ihn die Franzosen mit ihren Zündgranaten in ein Flammenmeer. Gefeiert wurde hier auch. Bei jeder Krönungszeremonie musste der neue ungarische König auf dem Barmherzigenplatz seinen Eid auf die ungarische Verfassung ablegen, die vielen habsburgischen Königen großes Kopfzerbrechen bereiten sollte.

Barocke Pracht am Barmherzigenplatz (Foto © Josef Wallner)
Barocke Pracht am Barmherzigenplatz (Foto © Josef Wallner)

Das barocke Ensemble des Klosters bot für die Zeremonie auch eine würdige Kulisse. Mich ziehts auf diesem Teil des Marktplatzes meist zum kleinen Italiener Mille Baci, der einen lauschigen Schanigarten hat. Auch in die Schalterhalle der alten Post gegenüber muss ich immer wieder einen Blick werfen.

Unverkennbar k.u.k., die Hauptpost (Foto © Josef Wallner)
Unverkennbar k.u.k., die Hauptpost (Foto © Josef Wallner)
Genau hinschauen lohnt sich (Foto © Josef Wallner)
Genau hinschauen lohnt sich (Foto © Josef Wallner)

Wenn sich Ödön Lechner mit seinem Entwurf für die königlich ungarische Post auch nicht durchgesetzt hat, das, was verwirklicht wurde, mag vielleicht weniger gute Architektur sein, trägt aber viel Kakanien in sich. Unternehmen Sie die kleine Zeitreise und tauchen Sie ein in diese von Bedächtigkeit, bürokratischer Arroganz, viel Gemächlichkeit und etwas Beamtenethos durchtränkte Welt von vorgestern.

Am Marktplatz (Foto © Josef Wallner)
Am Marktplatz (Foto © Josef Wallner)

Ist es Samstag, dann führt mich mein nächster Weg in die alte Markthalle. Endlich gibts hier wieder Markt, wenn auch nur samstags. Dann verwandelt sich die schöne Jugendstilhalle in das Pressburger Bobostan, wo kinderwagenschiebende, bebrillte Vollbärte beim Biobauern ihrer Wahl einkaufen, nach ausgiebigem Gustieren und Probieren versteht sich. Sicher, der Naschmarkt und der Brunnenmarkt in Wien sind größer, aber Pressburg ist authentischer. Hier bieten nicht die meisten Standler den gleichen Schafskäse, die gleichen Oliven und Gewürze an.

Auch das kann eine Markthalle sein (Foto © Josef Wallner)
Auch das kann eine Markthalle sein (Foto © Josef Wallner)

Es gibt zwei, drei Käsestandln, selbstverständlich viele Würste und ausgezeichnete Mehlspeisen wie Buchteln, Pressburger Beugel, Mohn- und Nussstrudel. Im vorderen Bereich spielt eine Jazzband, daneben nippen die Bobos am Espresso, über Robusta und Arabica diskutierend, bevor zum biodynamischen Wein aus den Kleinen Karpaten übergegangen wird. (Jetzt nahm ich mir ein wenig dichterische Freiheit, meist muss mit konventionell gekelterten Tropfen das Auslangen gefunden werden.)

Im Pressburger Bobostan (Foto © Josef Wallner)
Im Pressburger Bobostan (Foto © Josef Wallner)

Im Obergeschoß werden antiquarische Bücher verkauft, ein wenig Krimskrams und Vintage-Mode. Kinder und angehende Pianisten beschäftigen sich mit dem für jedermann frei zur Verfügung stehenden Klavier, daneben wird Upcycling betrieben. Gut, dass es den Pressburger Markt wieder gibt.

Beim Lieblingsitaliener (Foto © Josef Wallner)
Beim Lieblingsitaliener (Foto © Josef Wallner)

Ähnlich dachten die Pressburger schon vor hundert Jahren. Die Bauern der Umgebung waren nicht sehr zuverlässig, was ihr Erscheinen auf den verschiedenen städtischen Marktplätzen (Sie erinnern sich) betrifft. Deshalb entschloss sich die Stadt die Markthalle – im damals angesagten Jugendstil – zu errichten.

Mit Plastiksackerln voll bepackt gehts weiter in Richtung Donau. Es folgt eine kleines Pressburger Schaustück: die vor kurzem sanierte Štúrova ulica. Auch von der hab ich ihnen schon erzählt Früher war hier eine Donauinsel, dann Gärten. (Den Donauarm hatte man zwischenzeitlich zugeschüttet.) Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten Prunkbauten.

Stolze kakanische Provinz (Foto © Josef Wallner)
Stolze kakanische Provinz (Foto © Josef Wallner)

Die schönsten Häuser befinden sich in Richtung Donau auf der rechten Seite. Es ist ein ziemlich bunter Stilmix, der sich in der ersten elektrifizierten Straße der Stadt bietet. Neobarock wie das Csáky-Palais von Heinrich Adam, in Wien hat er unter anderem das Palais Württemberg (Hotel Imperial) errichtet, und den Habig-Hof auf der Wieden geplant, reiht sich an Jugendstil, wie das jetzige Hotel Tulip. Die Spätmoderne ist mit Emil Belluš' Bankgebäude (heute Generalprokuratur) vertreten und im eklektizistischen Gebäude an der Ecke zur Medená befand sich einst die Filiale der österreichisch-ungarischen Bank in Pressburg.

In der Sturgasse (Foto © Josef Wallner)
In der Sturgasse (Foto © Josef Wallner)

Beim Hotel Tulip zweigt die Tallergasse (Tallerova, benannt nach dem Pressburger Bürgermeister Paulus Taller) ab. Einen Abstecher in diese Gasse leg ich Ihnen ans Herz, sie zählt zu den schönsten Pressburgs. Die Juniorchefin des Antiquariats Steiner hat eine andere Lieblingsgasse, die Klemensgasse (Klemensova, zuvor Kempelen-Gasse).

In der Klemensgasse (Foto © Josef Wallner)
In der Klemensgasse (Foto © Josef Wallner)

Sie erreichen die Klemensgasse, ein Kipferl können Sie dort bei Pressburg bajgel kaufen, über die Grösslinggasse, die von der anderen Seite der Štúrova wegführt.

Ehemalige Zweigstelle der österreich-ungarischen Bank (Foto © Josef Wallner)
Ehemalige Zweigstelle der österreich-ungarischen Bank (Foto © Josef Wallner)

Beide sollten sie nicht verpassen. Ich vermutete immer, die Grösslingová sei nacheinerberühmten Dame benannt. Aber es war ein Donaufisch, der Pate stand. Einst floss hier ein Seitenarm der Donau, in dem nämlicher Fisch, korrekt Kressling, schwamm. Statt nach dem Fisch zu suchen, richten Sie Ihren Blick auf die schönste Schule der Stadt, einem Jugendstilbau von Ödön Lechner. Das in der Schule ansässige Gymnasium ist weit älter als der Bau. Es wurde schon 1627 vom Pressburger Erzbischof Peter Pázmány (Pázmaň) als Collogium Posoniense gegründet, ein paar Jahrhunderte später war es k.k. Staatsgymnasium, dann köngl. ungarisches katholisches Gymnasium und so weiter und so fort.

Das erste Pressburger Gymnasium (Foto © Josef Wallner)
Das erste Pressburger Gymnasium (Foto © Josef Wallner)

Getoppt wird die vor Kurzem renovierte Schule noch von einem anderen Jugendstilbau Lechners, der hinlänglich bekannten blauen Kirche (Sankt-Elisabeth-Kirche) samt angschlossenem Kloster. Ungarischer Jugendstil at its best. Genießen Sie ihn. Für den Bau hat das Who is Who des alten Ungarns gespendet, allen voran der König, also Ferenc József, und viele Habsburger und Habsburgerinnen, wie an der im Eingangsbereich der Kirche angebrachten Tafel abzulesen ist.

Noch ist die Jugenstiltour nicht beendet, denn im Park am nahen Šafárikovo námestie, einst König Andreas-Platz, gibt es noch weitere Bauten zu bewundern. Sie sind zwar nicht mehr von Lechner, aber in ihrem orientalisch anmutenden Stil durchaus einer näheren Betrachtung wert, so wie der vom Pressburger Robert Kühmayer 1914 in der typisch kakanischen Parkanlage errichtete Entenbrunnen. Kühmayer musste Pressburg 1945 verlassen. Er starb 1972 in Wien. Für Pressburg schuf er auch den Märchenbrunnen auf der Promenade (Hviezdoslav-Platz).

Der Entenbrunnen (Foto © Josef Wallner)
Der Entenbrunnen (Foto © Josef Wallner)

Der Namensgeber für den Platz, Pavel Jozef Šafárik deutsch schrieb er sich Paul Joseph Schaffarik, zählt mit dem Slowenen Jernej Kopitar und dem Tschechen Josef Dobrovský zu den Begründern der Slawistik. Bemerkenswert ist, dass beide Letztgenannten ihre Schriften zunächst in Deutsch verfassten und Dobrovský erst gegen Ende seines Lebens in Tschechisch schrieb. Jernej (Bartholomäus) Kopitar verwendete als Erster auf Deutsch die Bezeichnung Slovene/Slovenisch für Krainer und die damals als Windische oder Wenden bezeichneten Slawen Steiermarks und Kärntens. Das tat aber der starken Landesidentität keinen Abbruch und zu einer slowenischen Nation oder gar einem slowenischen Staat war es noch ein weiter Weg. Als Dichter wechselte er von der deutschen zur slowenischen Sprache und wurde zum Verfasser der ersten in Slowenisch geschriebenen Komödien. Zu seinem Vermächtnis zählt auch seine unvollendet gebliebene Arbeit zur slowenischen Geschichte (Versuch einer Geschichte von Krain und den übrigen Ländern der südlichen Slawen Österreichs). Sie wurde eine wichtige Grundlage für die slowenische Nationalbewegung des neunzehnten Jahrhunderts.

Am Jakobsplatz, das nette Grätzl in der Nähe der Sturgasse (Foto © Josef Wallner)
Am Jakobsplatz, das nette Grätzl in der Nähe der Sturgasse (Foto © Josef Wallner)

Ob es nicht anders hätte ausgehen können, das Ringen zwischen Deutschen und Slawen in der Monarchie? Die Frage böte genügend Stoff zum Nachdenken, hier auf der Bank im kleinen Park, während die Pressburger zielstrebig in Richtung Eurovea, dem prominenten Einkaufszentrum der Innenstadt, ziehen. Ich schließe mich ihnen an, nicht des Einkaufens wegen, obwohl es schlechtere Shoppingtempel gibt.Das, was hinter dem Einkaufszentrum ist, zieht mich an: die neu gestaltete Donaupromenade. Dort chillt das junge Pressburg in Cafès, Ethnorestaurants und schicken, massengeschmacktauglichen Bars, die sich überall befinden könnten, ein typisches Markenzeichen der Pressburger Lokalszene. See and be seen ist das Motto und es macht mir Spaß, ein wenig mitzuchillen..

In den letzten Jahr beobachteten die Pressburger von ihrer neuen Flaniermeile aus den Neubau der ehemaligen Franz Josef-Brücke, der ersten hiesigen stählernen Brücke über die Donau, die heute alte Brücke,Starý most, genannt wird. Der Kaiser höchstpersönlich hat sie 1891 eröffnet und ab 1914 fuhr die Pressburger Bahn von Engerau (Petržalka) kommend über die Brücke ins Pressburger Stadtzentrum. Die Starý most ist ein Symbol für die wechselvolle Geschichte der Donaustadt. Nicht nur wegen der vielen Namen, die sie trug oder ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und des Wiederaufbaues durch Russen und deutsche Kriegsgefangene, sondern auch, weil über die Brücke eine Staatsgrenze verlief, nachdem Hitler das südlich der Donau gelegene Engerau Niederdonau (die Nazis hatten Niederösterreich dazu gemacht) eingegliedert hatte.

Die Buben und die Enten (Foto © Josef Wallner)
Die Buben und die Enten (Foto © Josef Wallner)

Irgendwann lassen auch die Kräfte der stärksten Brücke nach und so konnte der alten Dame in den letzten Jahrzehnten immer weniger zugemutet werden. Zuerst durfte keine Straßenbahn mehr über sie verkehren, dann keine Autos mehr und schließlich war sie auch für Fußgänger und Radfahrer gesperrt. Angesagt war ein gründliches Facelifting, eigentlich ein Neubau, den die Pressburger in den letzten Jahren genau beobachteten und der ihnen fantastische Fotomotive mit einer halben, schier in der Luft hängenden Brücke bot. Jetzt ist sie fertig und sogar die Straßenbahn fährt wieder hinüber nach Engerau. Ich promenier gern über die Brücke hinüber in den Aupark oder auf der Pressburger Uferseite die Donaupromenade entlang bis zum alten Krönungshügelplatz.

Die Pressburger Donaupromenade, einst Donaukorso genannt, war ein wahres Schmuckstück mit steinernen Balustraden, protzigen Kandelabern, dem eleganten Haus des Ruderklubs auf der Engerauer Seite und den beliebten Donaubädern. Der Charme des Fin de Siècle wird nicht wiederkehren, aber was bisher neu geschaffen wurde, kann sich durchaus sehen lassen, auch wenn diverse realsozialistische Einsprengseln noch den für deneinen oder anderen Kleckser auf dem schönen Bild sorgen. Diese stören mich nicht, im Gegensatz zu etwas anderem: Neben dem ehemaligen k.u.k. Korpskommando, am kriegerischen Fassadenschmuck leicht zu erkennen, und der Ex-Realschule daneben, sie erinnert an das Wiener Akademische Gymnasium, erhebt sich der wuchtige Bau des slowakischen Nationalmuseums aus der Zwischenkriegszeit. Auch der stört mich nicht, aber was man aus dem wunderschönen Café des Museums gemacht hat, das schon. Hat sich kein anderer Platz für das Kindermuseum gefunden? Nun, Hoffnung besteht, weil die Originaleinrichtung noch vorhanden ist.

Der Blick schweift hinüber nach Engerau, in den Aupark (Sad Janka Kráľa), zur Arena, dem Au-Café und zum Leberfinger, dem wieder erweckten Traditionsgasthaus, einem Wirtshaus, wie es früher viele am Rand der Donauauen gab. Die Arena, das Pressburger Sommertheater, wird heute noch bespielt und nicht nur im Sommer. Das Au-Café, einst im Besitz der Palugyay, ist kein Original. Das traditionsreiche Café verschwand in der Nachkriegszeit bis auf die Grundmauern. Später wurde es ein kleines Stück flussabwärts wieder errichtet.

Blick auf das andere Ufer zum Au-Cafè (Foto © Josef Wallner)
Blick auf das andere Ufer zum Au-Cafè (Foto © Josef Wallner)

Den Leberfinger habe ich in meinen ersten Pressburger Jahren gerne besucht, wie so viele österreichische Pressburg-Touristen. Jetzt spaziere ich meist lieber nur im Aupark, einst das Prachtstück der so hoch stehenden Pressburger Parkkultur. Er ist einer der ältesten Parks Kakaniens, seine Geschichte reicht bis in die Siebzigerjahre des 18. Jahrhunderts zurück. Der vormalige Wiener Hofgärtner Ritter machte 50 Jahre später aus ihm einen herrlichen englischen Landschaftspark. Im späteren 19. Jahrhundert nahm sich der Pressburger Stadtverschönerungsverein des Auparks an. (Jede k.u.k. Stadt, die auf sich hielt, hatte eine Institution dieses Namens.) Denkmäler, künstliche Ruinen und sogar Wege für Radfahrer wurden in diesem fruchtbaren Stück Land an der Donau angelegt. Dass seltene Bäume und Sträucher gepflanzt wurden, versteht sich beim Ehrgeiz der Pressburger von selbst. Später gestalteten die Kommunisten den Park nach ihren Vorstellungen um. Nun denn, mein Appell an Sie lautet trotzdem: Besuchen Sie nicht nur das Einkaufszentrum Aupark, sondern auch den dank altem Baumbestand noch immer herrlichen Park, der dem Konsumtempel seinen Namen gab.

Engerau, das ungarische Ligetfalu und heutige slowakische Petržalka, also Petersilien, verbinde ich nicht nur mit Schönem wie dem Aupark oder Bratislavischem wie den sattsam bekannten Wohnsilos und der nun entstehenden neuen Stadtteil, sondern Tragischem. Die Nazis richteten hier ein Lager für ungarische Zwangsarbeiter ein. Bei der Auflösung des Lagers ermordeten sie hundert Häftlinge, die übrigen wurden auf einen Todesmarsch in Richtung Bad Deutsch Altenburg getrieben. Dabei starben weitere hundert Menschen. In Bad Deutsch Altenburg wurden dieJuden auf Schleppkähne verfrachtet und nach Mauthausen gebracht. Im Frühjahr 2016 war im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands in Wien die Ausstellung des jüdischen Gemeindemuseum Bratislava Engerau: The Forgotten Story of Petržalka zu sehen.

In Engerau halt ich mich nur selten auf, der Dorfkern wurde längst geschleift und so gibt's für mich nicht viel zu entdecken, zumindest bis der neue Stadtteil fertig ist. Viel eher zieht es mich auf die andere Seite der Donau, durch die Tiefe Gasse (Hlboká cesta) hinauf in den Gebirgspark (Horský park) oder zur Lourdesgrotte und weiter auf den Kalvarienberg (Kalvária), dessen Kirche in den Fünfzigerjahren zerstört wurde, man sagt, weil nichts im Stadtgebiet das sowjetische Siegesdenkmal Slavin überragen durfte. Am liebsten aber fahre ich nach Blumenau, in das Weidritztal, auch Mühltal (Mlynská dolina) genannt. Die Kraft der Weidritz (Vydrica) betrieb einst neun stattliche Mühlen. Einige haben der Stadterweiterung getrotzt, auch wenn an mancher der Zahn der Zeit weiter kräftig nagt.

Im Weidritztal (Foto © Josef Wallner)
Im Weidritztal (Foto © Josef Wallner)

Ein Spaziergang durch das Weidritztal, dort wo es noch nicht verbaut ist, zählt zum Schönsten, was Sie rund um Pressburg unternehmen können, mit einem romantischen Bach, zwei Teichen, einem urigen Ausflugslokal in der wieder aufgebauten achten Mühle und dem Eisenbründl (Železná studnička oder studienka).

Beim alten Eisenbründl (Foto © Josef Wallner)
Beim alten Eisenbründl (Foto © Josef Wallner)
Es war einmal (Foto © Josef Wallner)
Es war einmal (Foto © Josef Wallner)

Ich kannte die alten Ansichten, die Beschreibungen in den Reiseführern aus der k.u.k. Zeit („sehr bequemer, dankbarer Ausflug") und war gespannt, was von diesem Kurplatz mit dem König Ferdinand Eisenbad geblieben ist. Viel ist es nicht, obwohl es erst vor wenigen Jahrzehnten zerstört wurde. Spannend ist es trotzdem, unter dem Gestrüpp ein altes Fundament und eine Stiege, die ins Nichts führt, zu entdecken. Das Weidritztal, der beliebte Laufparkour der Pressburger, macht Sie neugierig auf die weitere Umgebung der Stadt? Dann sei Ihnen eine Reise auf der ViaPálffy empfohlen. Unter diesem Titel bewirbt der Pressburger Tourismus den Besuch der vielen ehemaligen Pálffy-Schlösser und -Burgen in Pressburg und der Umgebung der Stadt.

(In einer grenzüberschreitenden Kooperation werden erfreulicherweise das niederösterreichische Pálffy-Schloss Marchegg sowie Schloss Hof mitbeworben.)

Stampfen-Stupava (Foto © Josef Wallner)
Stampfen-Stupava (Foto © Josef Wallner)

Meine Lieblingsziele sind Stampfen (Stupava) mit dem schönen englischen Park, die Biberburg (Červený Kameň), die Ruine Ballenstein (Pajštún) oder das slowakische Neuschwanstein, Weinitz (Bojnice). Einen besonderen Stellenwert nimmt Theben ein.

Stylishes Weingut in Modern-Modra-Modor (Foto © Josef Wallner)
Stylishes Weingut in Modern-Modra-Modor (Foto © Josef Wallner)

Die Burgruine an der Mündung der March in die Donau fasziniert mich jedes Mal aufs Neue. Von der österreichischen Seite haben Sie zwischen Hainburg und Wolfsthal einen wunderbaren Blick auf den Felsen und die Burgruine, die 1809 von den Franzosen gesprengt worden war.Was blieb, ist vielleicht nicht so mächtig wie das Schloss gleichen Namens im Küstenland (Theben heißt auf Slowakisch Devin, so wie das Schloss Duino bei Triest auf Slowenisch heißt), aber mindestens ebenso romantisch. Und so ist Friedrich Umlauft beizupflichten, wenn er in seinen Wanderungen durch die österreichisch-ungarische Monarchie,1879 Im Auftrage des k.k. Ministeriums für Cultus und Unterricht herausgegeben, schreibt: „In dem Thebener Felsen hat die Natur ein Werk gebildet, das man in früheren Jahrhunderten gewiß als Meisterstück bewundern mußte. Ein gleich schöner, gleich großartiger, gleich gut zur Befestigung geeigneter Felsenblock, in einer gleich wichtigen und imposanten Position kommt kaum wieder an der Donau vor."

Das Schloss von Stampfen-Stupava (Foto © Josef Wallner)
Das Schloss von Stampfen-Stupava (Foto © Josef Wallner)
Mich zieht es noch weiter hinein ins slowakische Land, in die alten einst mehrheitlich deutschsprachigen Bergbaustädte Schemnitz (Banská Štiavnica), Weltkulturerbe, und Kremnitz (Kremnica), eine der größten Münzprägeanstalten der Monarchie. Beide Städtelassen mich jedes Mal aufs Neue staunen, ob ihres Reichtums an Gotik, Renaissance und Barock. Aber das ist schon eine andere Geschichte…
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