Enricos Reisenotizen

Reisen, Reisen, Reisen, andere Länder und Menschen kennen lernen. Wir berichten über unsere ganz persönlichen Reiseerlebnisse und laden Sie ein mit uns neue Destinationen zu entdecken
8 minutes reading time(1549 words)

Der Beethovenweg in Floridsdorf

Bezirksmuseum mit Stimmgabel - Ausgangspunkt des Beethovenweg

Noch immer tobt das Corona-Virus herum. Outdoor-Aktivitäten sind angesagt. Eine gute Zeit, mich bei strahlendem Wetter auf den Beethovenweg in Floridsdorf zu begeben. 

Der 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven sollte heuer auch in Wien groß gefeiert werden, doch auch hier machte Covid19 vielen Events einen Strich durch die Rechnung.

Beethoven blickt aus dem Fenster des Landguts von Gräfin Erdödy
Beethoven blickt aus dem Fenster des Landguts von Gräfin Erdödy

Beethoven wurde zwar in Bonn geboren, kam jedoch bereits mit 17 Jahren zum ersten Mal nach Wien, musste aber wieder nach Bonn zurück. Mit 22 Jahren kehrte er als Schüler Haydns (mit dem er nicht immer einverstanden war) zurück, blieb bis an sein Lebensende und schrieb hier seine größten Werke.
Immerhin sorgten dafür auch drei Gönner des Hochadels – die Fürsten Lobkowitz und Kinsky, sowie Erzherzog Rudolf – die mit einer Jahresrente von 4.000 Gulden dafür sorgten, dass der Komponist in Wien blieb. Dennoch war auch er immer wieder von Armut bedroht, auch wenn Tantiemen von seinen Kompositionen rollten. Beethoven war – auch auf Grund seiner fortschreitenden Taubheit – kein leichter und williger Mensch für seine Umgebung und auch für seine Gönner, von denen einige auch ihres Reichtums verlustig wurde oder vom Tod dahingerafft wurden.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich die Spur Beethovens durch ganz Wien und in die nahe Umgebung verfolgen lässt.
So erinnert das Restaurant Ludwig van in der Laimgrubengasse 22 an den ehemaligen Mieter, im Theater an der Wien wurden einige seiner Werke – unter anderem seine einzige Oper Fidelio – und in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften – die 7. Symphonie – uraufgeführt. Im Haus seines Freundes Johann Baptist Freiherr von Pasqualati, dem sogenannten Pasqualatihaus, stand immer eine Wohnung für Beethoven zur Verfügung die er auch nutzte.
In Heiligenstadt, wo er in der Badeanstalt einer mineralhaltigen Quelle Linderung einiger seiner Leiden suchte, findet sich daher in der Probusgasse das Beethoven Museum. Hier wurde auch das berühmte Heiligenstädter Testament verfasst. Auch der Mayer am Pfarrplatz, wenige Schritte vom Beethoven Museum entfernt, war ein Wohnort von Beethoven.

Der Beethovenweg in Floridsdorf  

Von Heiligenstadt machte er sich dann über die Donau nach Jedlesee auf, um seine Freundin, die Gräfin Marie von Erdődy zu besuchen, die hier in der Jeneweingasse neben ihrer Stadtwohnung ein Haus besaß.

Das Bezirksmuseum im Mautner Schlössl

Und schon sind wir mitten am Beethovenweg in Floridsdorf. Aber ich will doch am Anfang beginnen und so ist meine erste Station das Bezirksmuseum im sogenannten Mautner Schlössl.

Blick auf das Mautner Schlössl, in dem jetzt das Bezirksmuseum Floridsdorf untergebracht ist
Blick auf das Mautner Schlössl, in dem jetzt das Bezirksmuseum Floridsdorf untergebracht ist

Das Haus wurde um 1900 von Georg Heinrich Ritter von Mautner Markhof für seinen Sohn Georg Anton errichtet. Richtig, die von der Senf und Essig Dynastie.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kaufte das Gebäude das Gemeinde und 1960 bietet es dem Bezirksmuseum Floridsdorf eine Heimat. Einige Räume sind hier dem musikalischen Genie Ludwig van Beethoven gewidmet, die man zum Start des Beethovenweges besuchen kann. Die große Stimmgabel vor dem Museum weist darauf hin.

Karl Seitz-Hof

Durch die Galvanigasse und die Edisongasse kommt man dann zu einer weiteren Station: Dem Karl Seitz-Hof. Mächtig steht der Bau als Beweis des sozialen Wohnbaus in der Jedleseer Straße da, benannt nach dem Wiener Bürgermeister Karl Seitz. 

Blick zum Karl Seitz Hof
Blick zum Karl Seitz Hof

Die früher Gartenstadt genannte Anlage gehörte während des Februaraufstands 1934 zu den Widerstandszentren. Meine Großmutter hat früher öfter erzählt wie dort geschossen wurde. Der Widerstand des Republikanischen Schutzbundes konnte erst durch einen auf dem Nordwestbahngleis aufgefahrenen Panzerzug des Bundesheers gebrochen werden.

Das Denkmal von Karl Seitz - geschaffen 1951 von Gustinos Ambrosi.
Das Denkmal von Karl Seitz - geschaffen 1951 von Gustinos Ambrosi.

Zu Beethovens Zeiten am Beginn des 19. Jahrhunderts war dieses Gebiet allerdings eine Viehweide. Erst später, nach der Donauregulierung begannen sich hier viele „Gastarbeiter" und Industrien anzusiedeln.

Das Gut der Gräfin Erdődy

Nach ein paar Minuten kommt man zum ehemaligen Gut der Gräfin Erdődy in der Jeneweingasse, die hier ihren Landsitz hatte. Beethoven war nachweislich mehrere Male im Jahre 1815 zu Besuch bei der kunstsinnigen Gräfin, deren manche Legenden auch mehr als eine Freundschaft und Mäzenatentum zu Beethoven unterstellen. Gräfin Erdődy hatte das Langut 1809 zu ihrem Stadtpalais erworben und machte es zu einem Ort der kulturellen Begegnung.

Das Landgut der Gräfin Erdödy
Das Landgut der Gräfin Erdödy

Heute ist das Gebäude eine Gedenkstätte mit einem kleinen Museum. Immer wieder finden hier auch Konzerte und Vorträge statt.

Lorettokirche und Maria Theresien-Schlossl

Man glaubt es gar nicht, wie viele „Schlössl" es in Jedlesee gibt. Wir gehen weiter die Jeneweingasse entlang und biegen dann in die Anton Boschgasse ein, die später in die Überfuhrstraße einmündet und zum Aupark und der Donauinsel führt.

Die Lorettokirche
Die Lorettokirche

Beethoven ging bei seinen Besuchen bei der Gräfin gerne im Auwald und in den „Englischen Gärten" des damaligen Besitzers des Maria Theresien Schlössls, Anton Freiherr von Störck – Leibarzt Maria Theresias - spazieren. Die heutige Pfarrkirche, die sich vis à vis des Schlössls befindet geht auf eine 1713 erbaute Maria Loretto Kapelle zurück. Freiherr von Störck hatte 1778 die Herrschaft Jedlesee erworben und ließ 1779 ein Langhaus an die Loretto Kapelle anbauen.

Blick auf das Maria Theresien-Schlössl
Blick auf das Maria Theresien-Schlössl

Um das Schlössl, das sich seit 1841 im Besitz des Stiftes Klosterneuburg befindet, entbrannte vor ein paar Jahren im Bezirk ein großer Streit, da ursprünglich geplant war, das heruntergekommene Gebäude abzureißen. Dieses Mal setzten sich die Befürworter der Sanierung durch, das Schlössl erstrahlt nun im alten Glanz und bietet der Pfarrkanzlei der Lorettokirche nun eine neue Heimat.

Aupark und O'Brien Denkmal

Weiter führt der Weg Richtung Donauinsel, wobei wir nicht nur am Sportplatz des SC Columbia vorbeikommen, sondern auch beim Aupark, in dem mich als Kind bei guter Schneelage etliche Rodelpartien erfreuten.

Blick in den Aupark
Blick in den Aupark

Der „Park" ist nach der Donauneuregulierung eine der letzten naturnahen Grünoasen in Floridsdorf. Wer die Überfuhrstraße weitergeht kommt auch am O'Brien Denkmal vorbei, das an den Generalmajor Johann Freiherr von O'Brien erinnert, dem es gelang mit nur wenigen österreichischen Soldaten die französische Armee zum Rückzug zu bringen und ihnen das Übersetzen der Donau verwehrte. Erst durch diesen militärischen Erfolg konnte der Sieg von Erzherzog Karl bei Aspern ermöglicht werden.

Das O'Briendenkmal im Aupark
Das O'Briendenkmal im Aupark

Kurz bevor wir zur Donauinsel kommen wartet noch eine weitere Stimmgabel auf uns, die uns an Beethoven, seine Werke und seine Besuche in Jedlesee erinnert.

Die Jedleseer Brücke und der Kirschenhain

Ein paar Schritte weiter geht's über die Jedlerseer Brücke auf die Donauinsel und zum Kirschenhain.Davor aber finden wir mit der nächsten Stimmgabel die letzte Station unserer Beethoven-Wanderung.

Blick auf die Jedlerseer Brücke
Blick auf die Jedlerseer Brücke

Jedlesee ist der älteste urkundlich erwähnte Bezirksteil Floridsdorf, in dem ursprünglich Bauern und Fischer lebten. Zahlreiche Donauarme und am westlichen Ortsrand die „Schwarze Lacke" sorgten immer wieder für Überschwemmungen. Durch die Gründung einer Überfuhr über den Donaustrom gewann Jedlesee an Bedeutung.

Der Kirschenhain auf der Donauinsel
Der Kirschenhain auf der Donauinsel

Ludwig van Beethoven war in den Sommermonaten sehr gerne in den Vororten von Wien, Anfang des 19. Jahrhunderts hilft er sich sehr oft in Nussdorf, aber auch in Heiligenstadt auf. Seine Freundin Gräfin Erdődy lud ihn ab 1809 öfter in ihr neu erworbenes „Landgut zu Jedlersee" ein, wobei Beethoven bei seinen Besuchen nicht den Weg über die Leopoldstadt wählte, sondern mit der Überfuhr zwischen Nussdorf und Jedlesee auf den direkten Weg zur Gräfin eilte.

Blick zum Kahlenberg
Blick zum Kahlenberg

An diese Überfuhr erinnert daher nicht nur der Name der Straße auf der wir auf die Donauinsel gekommen sind, sondern die letzte Stimmgabel, die uns auf der anderen Seite der Jedleseer Brücke auf der Donauinsel erwartet.

Blick zur Uno-City
Blick zur Uno-City

Mit einem Blick auf den Kirschenhain, der besonders zur Kirschblüte ein wunderschöner Ort ist, lasse ich noch meine Augen über die Neue Donau Richtung UNO City schweifen. Und freue mich was mein Wien und mein Jedlesee so alles zu bieten hat.

Die Stimmgabel auf der Donauinsel
Die Stimmgabel auf der Donauinsel

Bei meiner Wanderung habe ich auch einige Sidesteps zu Plätzen meiner Kindheit gemacht und einmal nachgeschaut, welche es noch gibt und wie sie heute aussehen. Welche das sind, erzähle ich Euch in meinem nächsten Beitrag.

Ein Spaziergang in die Kindheit …
Corona, Corona …

Related Posts

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to http://reisenotizen.ask-enrico.com/

Die beliebtesten Posts...

Wait a minute, while we are rendering the calendar

Blogheim.at Logo

Go to top
Unsere Website speichert Cookies. Einige davon sind notwendig für den Betrieb der Website, andere sind Marketing oder Tracking Cookies von Drittanbieter wie z.B. Google. Diese können Sie mit einem Klick auf den Button "Ablehnen" abwählen. Dadurch verhindern Sie allerdings auch die Anzeige von YouTube-Videos oder Landkarten. Weitere Informationen über Cookies finden Sie in unserer Datenschutzrichtlinie.