Enricos Reisenotizen

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Triestiner Geschichten

Triest

Die erste Geschichte: Trieste non è Italia?

Wien am Meer. Die Stadt des Kaffees und der Dichter. Ich mag sie nicht mehr hören, diese Klischees. Für beginnende Liebende ist Triest die Stadt der Winde, für Fortgeschrittene die Stadt der Hunde, für Experten die der Köpfe. Meist griesgrämig blicken sie in Stein gehauen von den Portalen der Palazzi. 

Aber kann ich Ihnen mehr erzählen über Triest? Ist es nicht eine Anmaßung als nur zeitweilig dort Weilender und nicht einmal Zugraster über diese Stadt zu erzählen? 

Was hab ich nicht schon über Wien gelesen. Und mich gewundert. Nicht nur über die Texte von Nicht-Wienern. Und ich bin ja selber nicht einmal einer. Ja, es waren falsche Porträts, so wie meine Stadt-Porträts falsch sind. Falsch für jeden, der sich eine Stadt, sei es Wien oder Triest, zu Eigen gemacht hat. Aber für mich sind meine Porträts wahr, zumindest in dem Moment, in dem ich sie schreibe. Morgen kann es anders sein. Wenn Sie möchten, leisten Sie mir Gesellschaft, wenn ich nun mein Porträt der Stadt Triest male. Sie mögen darin ein Stück Ihres Triestbildes entdecken oder zumindest eine Familienähnlichkeit mit diesem. Der eine oder andere Farbtupfer in meinem Bild mag Sie irritieren, Sie ärgern, Sie können ihn als falsch empfinden oder er regt Sie an, ihr Porträt und mein Porträt in Zwiesprache treten zu lassen. Aber denken Sie immer daran, unsere Porträts verraten mehr über uns als unsere Stadt.

Als wär's im Orient (Foto © Norbert Eisner)
Als wär's im Orient (Foto © Norbert Eisner)

Liebe ich Triest? Ich weiß es nicht, vielleicht bin ich mir darüber im Klaren, wenn ich alle meine Triestiner Geschichten geschrieben habe. Den Weg nach Triest liebe ich. Nicht den über Kärnten, über diesen öden Packabschnitt der Südautobahn. Erst hinter Arnoldstein, wenn das Kanaltal beginnt und die schroffen Spitzen der Julischen Alpen auftauchen, beginnt mein Herz höher zu schlagen. Wie schön es hier ist! Und wie viele Geschichten gibt es zu hören in diesem engen Tal von Tarvis bis zum Doppelort Pontafel-Pontebba. Die Lastwägen und die Autos der Urlauber werden gut in den vielen Tunnels versteckt, die Radler brausen über die alte Strecke der Pontebbana dem Eisental zu, mir bleiben die Landstraßen, das Seiseratal, Wolfsbach und die anderen Orte des Kanalska dolina oder Valcanale, bei denen ich mich nicht entscheiden kann, ob ich sie schön oder hässlich finde. Schön sind dann die Orte im Friaul, das erst bei Pontebba beginnt. Gemona, Venzone, die Stadt Udine. Und trotzdem zieht es mich dort nicht hin. Denn sie ist mir zu kühl, diese Pracht Venedigs.

Ich reise lieber der alten Südbahn entlang. Hinter Graz verändert sich das Licht, noch ist es nicht das des Südens, das werden Sie auch in Triest nicht finden, aber einen Schimmer davon trägt es in sich. Ich möchte den Druck auf das Gaspedal erhöhen, schnell die Grenze bei Spielfeld erreichen, wär nicht dieser Feinstaub-Hunderter, der mich zu einer gemächlichen Fahrt durch das langweilige Grazer Becken und das Leibnitzer Feld zwingt. Endlich, die Grenze zwischen österreichischer und slowenischer Steiermark ist erreicht. Das Landschaftsbild ändert sich und spielt alle grünen Farben; das dunkle Grün des Bachern, das helle der Windischen Bühel und das satte der Berge von Cilli mit dem behäbigen Dost als Herrn über die umliegenden Hügel. Ja, die Untersteiermark ist meine grüne Mark. Über den Trojana, der sich den Namen Pass kaum verdient, hinunter durch den Schwarzen Graben ins Laibacher Becken und wieder hinauf, in den Karst, die Innerkrain. Ein seltsamer Landstrich. Flüsse kommen und gehen, aus Feldern werden nach den Winterregen riesige Seen und unter dem hellen porösen Kalk tut sich ein unterirdisches Reich an Grotten und Höhlen auf. Hinter Adelsberg betritt der Nanos die Szene, ein wahrer Berg der Könige, von dem Attila und Langobardenkönig Albuin hinunter nach Italien blickten, als Italien noch nicht einmal ein geografischer Begriff war. Aber setzt man Italien dem Süden gleich, beginnt es unzweifelhaft dort, wo sich die Hänge des Nanos im Wippachtal verlieren.

Die Geschichte geht weiter im Buch "Unterwegs in Altösterreich. Kakanische Reisen von Siebenbürgen bis Triest".

www.verlag-berger.at

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