Enricos Reisenotizen

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A Fiaker, wia man net alle Tag' find ….

Wer ist da auf Besuch?

Das sind sie wohl, die Fiaker vom Fiaker Paul und der RidingDinner-Company, die nicht nur zum Stallbesuch einladen, sondern auf Wunsch auch kulinarisch einiges „drauf" haben…

Die Einladung kam über eine Kollegin: „Hast Du Lust, Dir die Stallungen eines Fiakers anzusehen?" Ja, klar. So eine Einladung schlägt man nicht aus, schließlich liebe ich einerseits die Wiener Fiaker, die ja laut Wienerlied die einzigen sind die die rechte Pratz'n fürs „Fahren" haben, wie es im Fiakerlied so schön heißt. „A Kutscher kann a jeder wer'n, aber fahren kennan s' nur in Wean".

Wer sind denn die alle?
Wer sind denn die alle?

Andererseits hört man aber auch immer wieder, dass es den Pferden schlecht geht, in der Hitze des Sommers, in der Kälte des Winters. Auch die Diskussion um die Bags, die sie nun tragen müssen, um nicht ihre „Äpfel" auf den Straßen zu verstreuen, ist mir noch in Erinnerung. Dazu noch der viele Verkehr in der Innenstadt und dann noch das lange Stehen und das Traben am Asphalt – es gibt also einige Vorbehalte gegen die Fiakerei.

Ab geht's zur morgendlichen Dusche ...
Ab geht's zur morgendlichen Dusche ...

Was liegt daher näher sich das Ganze mal von „innen" anzuschauen, den Argumenten der Fiaker zuzuhören und sich in einen Stall zu wagen. Zwar bin ich kein Pferdekenner und man wird wahrscheinlich niemanden „zu sich nach Hause einladen", wenn es dort nicht mit rechten Dingen zugeht, aber auch das kann man manchmal erleben. Da ich leider nicht Doktor Dolittle bin, kann ich die Pferde nicht interviewen, aber dennoch – einen Eindruck kann man schon gewinnen. Gerade wie die Menschen mit den Tieren umgehen.

Die Hufe werden überprüft und gereinigt
Die Hufe werden überprüft und gereinigt

Abgesehen davon bin ich noch nie mit einem Fiaker gefahren – ehrlich gesagt, auch das hat mich schon gereizt.

Da stehen einige Kutschen zur Auswahl
Da stehen einige Kutschen zur Auswahl

Samstag, pünktlich 8:45 Uhr bin ich also im 11.Bezirk in der Rappachgasse 34A beim Fiaker Paul zur Stelle. Die Stallungen sind nicht ganz so leicht zu finden (Tipp: es ist die untere, rechte Rappachgasse, wenn ihr von der U-Bahnstation kommt) und das Gelände ist kleiner als ich erwartet habe. Keine Riesenwiese auf der die Pferde grasen, nur ein relativ kleiner Bereich beim Eingang, in dem ein Hengst allein neugierig alle Besucher betrachtet. Bis unsere Gruppe komplett ist, können wir uns auf eigene Faust überall umsehen.

Marko erzählt uns einiges über die Pferde und die Fiaker
Marco erzählt uns einiges über die Pferde und die Fiaker

Die Mannschaft des Fiakerunternehmens ist – so scheint es mir – auf Normalbetrieb. Um 11:00 Uhr sollen die „Zeugln" am Stephansplatz und am Michaeler Platz stehen und dafür wird alles vorbereitet. Die „diensthabenden" Pferde (sie arbeiten vier Tage und haben drei Tage pro Woche frei) werden aus ihren Boxen abgeholt, geduscht, ihre Hufe kontrolliert.

Endlich wird die Tür geöffnet und es gibt Streicheleinheiten ...
Endlich wird die Tür geöffnet und es gibt Streicheleinheiten ...

Wir stehen bei unserem Besuch meistens im Weg herum, was freundlich zur Kenntnis genommen wird, sonst aber nicht weiter stört. Die Pferde scheinen Besucher gewöhnt. Fast scheint es mir als werfen sie sich in Pose, wenn man den Fotoapparat zückt.

Kutschenparade
Kutschenparade

Als uns später Marco von RidingDinner einiges über den Fiakerbetrieb, die Pferde und sein Unternehmen erzählt, wünscht das Pferd hinter ihm mehr Beachtung und klopft solange gegen die Tür bis diese geöffnet und es ein wenig gestreichelt wird. Dann scheint es zufrieden.

Die Kutsche wird gecheckt und geputzt
Die Kutsche wird gecheckt und geputzt

Marco erklärt uns auch, worauf man achten sollte, bevor man in einen Fiaker steigt: erst einmal Kutsche und Kutscher inspizieren, ob beide gepflegt sind. Sind beide ok, dann die Pferde begutachten. Erst wenn auch sie einen guten Eindruck machen, sollte man einsteigen. Meistens lassen aber bereits das Aussehen der Kutsche und des Kutschers auf den Umgang mit den Pferden schließen. Und noch einen Tipp hat er auf Lager: Wer am Standplatz ein Pferd streicheln möchte, sollte immer zuerst den Kutscher fragen. Dieser weiß über die Tagesverfassung des Tieres Bescheid – beide sind ein Team – und auch Pferde sind nicht immer gut gelaunt und haben manchmal keine Lust gestreichelt zu werden.

Ein
Ein Muss für einen Wiener Fiaker: Die Melone

Hier scheint jedenfalls alles in Ordnung zu sein. Die Stallburschen rollen die Kutschen aus der Garage, legen den Pferden das Geschirr an und beginnen mit dem Anspannen, wobei sie von den Kutschern – im schwarzen Anzug, mit Krawatte und Melone – tatkräftig unterstützt werden. Die Pferde kennen ihre „Herrln" und scheinen sich auf die Ausfahrt zu freuen.

Das Einspannen beginnt ...
Das Einspannen beginnt ...

Wir teilen uns inzwischen auf die wartenden Kutschen auf und beäugen skeptisch den Himmel. Die Wolken sind immer schwärzer geworden und nun beginnt es bereits zu tröpfeln – eigentlich mehr als zu tröpfeln, es regnet. In einer offenen Kutsche zu fahren ist heute keine gute Idee. Doch bei diesen Kutschen kann das Dach geschlossen werden und so spielt das Wetter für die Gäste keine Rolle. Kutscher und Pferde allerdings sind der Witterung ausgesetzt.

Blogger bei der Arbeit ... (von Fiaker zu Fiaker)
Blogger bei der Arbeit ... (von Fiaker zu Fiaker)

Für uns beginnt nun die Fahrt zum Michaeler Platz. Im Schritt oder Trab geht es dahin. Auf Hauptstraßen und durch kleine Nebengässchen, an Sehenswürdigkeiten vorbei wie durch Gässchen wo ich noch nie hingekommen bin. Wir fotografieren, ärgern uns ein bisschen übers Wetter, plaudern, kommen an der Oper vorbei und schwupps, sind wir schon am Michaeler Platz gelandet.

Unsere Kollegen auf der Ringstraße - wir in der Nebenfahrbahn
Unsere Kollegen auf der Ringstrasse - wir in der Nebenfahrbahn

Galant hilft uns der Kutscher beim Aussteigen und versorgt seine Pferde mit den Regendecken. Eines stupst in solange in den Rücken bis er sich umdreht und es endlich streichelt und krault. „Sie sind noch jung," erklärt er mir, irgendwie entschuldigend. Ich finde ihn und seine Pferde ganz reizend und bitte noch um ein Foto. Auch die Pferderln scheinen erfreut und so entstand dieses wunderbare Abschiedsfoto.

Ein Team - der Kutscher und seine Pferde
Ein Team - der Kutscher und seine Pferde

Wer also einmal hinter die Kulissen eines Fiakerbetriebes blicken möchte, kann dies auf der Website von RidingDinner buchen: https://wien.ridingdinner.com/default.htm#angebote

Decken für die Pferde
Decken für die Pferde

RidingDinner bietet – wie der Name schon sagt – auch Kulinarisches zur Sightseeing-Tour mit dem Fiaker und auch einiges mehr über die Tochterfirma https://www.365days.at/. Darüber dann das nächste Mal.
www.ridingdinner.com
www.365days.at

Sparkling Sightseeing (Foto © RidingDinner)
Sparkling Sightseeing (Foto © RidingDinner)

Für all jene, die – so wie ich – Bedenken bezüglich dem Wohlergehen der Pferde hatten oder haben, gibt es auf der Website von RidingDinner noch zwei Artikel, die ihr lesen solltet:
https://blog.ridingdinner.com/index.php/2019/04/10/tierschutz-in-der-fiakerei-die-mythen-drumherum/
https://blog.ridingdinner.com/index.php/2019/06/29/teil-2-tierschutz-fiakerei-wie-das-zusammen-passt/

Sightseeintour mit RidingDinner (Foto © RidingDinner)
Sightseeintour mit RidingDinner (Foto © RidingDinner)

Und ich muss dazu feststellen: Ich glaube Marco und dem RidingDinnerTeam, aber es möge jeder für sich selbst überprüfen.
Am besten ihr schaut einmal im Stall vorbei…

Wieder geöffnet!
Jetzt in die Albertina!

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