Enricos Reisenotizen

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Jetzt in die Albertina!

Mao in der Version von Andy Warhol in der Albertina

Die Albertina ist wohl in jedem Wienreiseführer zu finden. Die Prunkräume, die wunderbare Ausstellung der Sammlung Batliner und die sehenswerten Sonderausstellungen führen dazu, dass sich die Besucher oft vor den Bildern „stauen". Jetzt – Corona geschuldet – ist das anders….

Daher mein dringender Tipp an alle Wienerinnen und Wiener, Touristinnen und Touristen, die schon in der Stadt sind und ein bisschen an Kunst interessiert sind: Jetzt müsst ihr in die Albertina.

Ein Bild der James Dean Serie von Gottfried Helnwein
Ein Bild der James Dean Serie von Gottfried Helnwein

Wir haben es diese Woche geschafft. Schon in der Kassenhalle die Überraschung: kein Stau an der Kassa - Ticket gelöst und rein ins Kunstvergnügen.

Die Sammlung Batliner 

Dafür ist die Albertina berühmt: Die wunderbare Sammlung des Kunstsammlung ist eine der hochkarätigsten Kollektionen Europas zur Malerei der Klassischen Moderne.

Vom französischen Impressionismus, Pointillismus und Fauvismus mit Werken von Monet, Renoir, Degas, Cézanne, Toulouse-Lautrec, Braque und Matisse über die expressionistischen Künstlergruppen Die Brücke und der Blaue Reiter bis zu Gemälden von Kirchner, Kandinsky und Nolde bis hin zur russischen Avantgarde und zahlreichen Werken von Pablo Picasso kann man staunend von Saal zu Saal gehen und in Zeiten wie diesen auch jedes Werk ausgiebig betrachten.

Emil Nolde Mondnacht, 1914, Albertina, Wien - Sammlung Batliner © Nolde Stiftung Seebüll
Emil Nolde Mondnacht, 1914, Albertina, Wien - Sammlung Batliner © Nolde Stiftung Seebüll

Wir sind fast alleine in den Ausstellungsräumen und werden gleich vom „Seerosenteich" von Claude Monet begrüßt.

Claude Monet Der Seerosenteich,  1917-1919, Albertina, Wien - Sammlung Batliner
Claude Monet Der Seerosenteich, 1917-1919, Albertina, Wien - Sammlung Batliner

Allein dieses Gemälde ist es wert, die Albertina zu besuchen, doch es warten noch so viele andere.

Paul Signac Venedig, die rose Wolke/Ankerplatz bei der Giudecca, 1990, Albertina, Wien - Sammlung Batliner
Paul Signac Venedig, die rose Wolke/Ankerplatz bei der Giudecca, 1990, Albertina, Wien - Sammlung Batliner

In letzter Zeit hat es mir vor allem Paul Signac angetan. Zu sehen ist derzeit unter anderem „Venedig, die rosa Wolke / Ankerplatz bei der Giudecca".

Edgar Degas Zwei Tänzerinnen, um 1905, Albertina, Wien - Sammlung Batliner
Edgar Degas Zwei Tänzerinnen, um 1905, Albertina, Wien - Sammlung Batliner

Jetzt kann man seine Bilder sowohl mit Abstand betrachten und sehen, wie die Farben ineinander laufen und sich ergänzen, wie auch in der Nähe jeden einzelnen Pinselstrich verfolgen und sich wundern, wie der Maler es schaffen konnte, die einzelnen Farbverläufe so passend aneinander zu reihen.

Edvard Munch, Winterlandschaft, Albertina, Wien - Sammlung Batliner © Edvard Munch/The Munch Museum/The Munch Ellingsen Group
Edvard Munch, Winterlandschaft, Albertina, Wien - Sammlung Batliner © Edvard Munch/The Munch Museum/The Munch Ellingsen Group

Gezeigt werden auch die Zwei Tänzerinnen von Degas, einige Miros, Munch und natürlich Picasso (darunter auch eine Taube) – ach, was sag ich – kommt einfach und seht selbst.

  Tipp:

Noch ein Tipp für all jene, die mehr zu einem Gemälde wissen möchten: ihr könnt euch (am besten schon zu Hause) die artivive app auf https://artivive.com/albertina-de/ herunterladen. Dann spaziert man durch die Ausstellung und erfährt bei manchen Bildern mittels Video zusätzliche Informationen. Bitte nehmt aber Kopfhörer mit. Ich hatte meine vergessen und es war leider peinlich wie laut dann mein Handy plötzlich vor sich hin brabbelte.
Außerdem kann man damit angeblich auch Bilder über Social Media verteilen, herunterladen, etc. Dabei scheitere ich im Moment noch. Ich hab zwar dann von zuhause die „Seerosen" an Insta gesendet, aber der Weisheit letzter Schluss kann das so nicht sein  Ich werde aber weiter üben. Infos und Tipps dazu wie es wirklich funktioniert, nehme ich gerne entgegen…

Doch weiter bei unserem Albertina-Rundgang.

Die frühe Radierung von Dürer bis Bruegel. 


Im selben Stockwerk ist diese Ausstellung bis 1.11.2020 zu sehen, die sich der Radierung von ihren Anfängen in der Dürerzeit bis in die Epoche Bruegel, widmet. Hier beeindrucken mich nicht so sehr die Motive, sondern wie fein gearbeitet wurde. Jeder Strich, jeder Punkt musste sitzen. Auch in dieser Schau ist es schön, ganz nahe an die Bilder herangehen zu können und die Feinheiten der Ausführung studieren zu können. Es sind nur wenige Menschen in den Räumen.

Albrecht Dürer Landschaft mit Kanone (Die große Kanone), 1518, Albertina, Wien
Albrecht Dürer Landschaft mit Kanone (Die große Kanone), 1518, Albertina, Wien

Es sind wahre Meister gewesen, die diese Technik, die in der Ausstellung auch näher erklärt wird, so kunstvoll umsetzen konnten. Bereits kurz vor 1500 wurde die Radierung zu einer eigenen Kunstgattung. Über 100 Exponate sind aus der Frühzeit dieser faszinierenden Technik zu sehen, die – angeblich – zu den leichter erlernbaren gehört und der Anfertigung einer Zeichnung mehr ähneln soll als der Druckgrafik.

Pieter Bruegel d. Ä. Die Hasenjagd, 1560, Albertina, Wien © Albertina Wien

Doch danach zieht es mich schon ins Erdgeschoss.

Wilhelm Leibl. Gut sehen ist alles. 

Die Ausstellung mit den Werken Wilhelm Leibl in der Pfeilerhalle läuft noch bis 26.7.2020. Der gebürtige Kölner wurde von Courbet gefördert, von Manet beeinflusst und von Van Gogh geschätzt und gehört zu den wichtigsten Vertretern des Realismus in Europe. Er stellt den Menschen in seiner alltäglichen Wirklichkeit in den Mittelpunkt seines Werkes.

Wilhelm Leibl Die Dorfpolitiker, 1877, Kunst Museum Winterthur, Stiftung Oskar Reinhart © SIK-Isea, Zürich (Lutz Hartmann)
Wilhelm Leibl Die Dorfpolitiker, 1877, Kunst Museum Winterthur, Stiftung Oskar Reinhart © SIK-Isea, Zürich (Lutz Hartmann)

Wenn ihr die Ausstellung besucht, müsst ihr euch unbedingt das Genrebild „Die Dorfpolitiker" ansehen. So ein Bild hätte ich gerne zu den – von mir nicht sehr geliebten - „Bildbeschreibungen" in der Schule gehabt. Man betrachtet das Bild und schon kann man eine Geschichte über Mäuscheleien, Korruption oder allerlei Sonstiges erzählen, das so in manchen Gemeinden von Politikern besprochen und natürlich auch umgesetzt wird.

Wilhelm Leibl Selbstbildnis, 1891, Kunsthaus Zürich, Grafische Sammlung, 1931 © Kunsthaus Zürich
Wilhelm Leibl Selbstbildnis, 1891, Kunsthaus Zürich, Grafische Sammlung, 1931 © Kunsthaus Zürich

Auch sein Selbstbildnis lässt den Betrachter fast tiefer in seine Seele blicken und selbst Van Gogh zeigte sich von einem seiner Hauptwerke „Drei Frauen in der Kirche" tief berührt.

Wilhelm Leibl Die Wildschützen, um 1882, Sammlung David Lachenmann © Reto Pedrini, Zürich
Wilhelm Leibl Die Wildschützen, um 1882, Sammlung David Lachenmann © Reto Pedrini, Zürich

„Gut sehen" war für Leibl die Triebfeder zu seinen Arbeiten und „gut sehen" bedeutete die ungeschönte Wiedergabe der Wirklichkeit.

Warhol bis Richter. Aus den Sammlungen der Albertina 

Nach einem Rundgang durch die Leibl-Schau geht es rechts um die Ecke und mit der Rolltreppe hinunter in die Basteihalle. Und noch auf der Rolltreppe stehend sehe ich einen meiner Lieblingskünstler: Roy Lichtenstein.

Roy Lichtenstein begrüßt die Besucher
Roy Lichtenstein begrüßt die Besucher

Die Sitzgarnitur, die sich im großen Spiegel an der Wand widerspiegelt fasziniert mich gleich zu Beginn. Der zweite Raum ist einem weiteren, von mir sehr verehrten, Künstler gewidmet: Gottfried Helnwein.

Gottfried Helnwein
Gottfried Helnwein

Egal, ob ich nun vor der Maus stehe oder vor dem Mädchen mit der Maschinenpistole in der Hand: Helnweins Bilder sind einfach klasse, laden zum Nachdenken ein und setzen seine Ideen und Aussagen hervorragend um.

Anselm Kiefer Merkaba, 2006, Albertina, Wien -Sammlung Batliner © Anselm Kiefer
Anselm Kiefer Merkaba, 2006, Albertina, Wien -Sammlung Batliner © Anselm Kiefer

Neben diesen meinen Highlights gibt es aber auch noch Faszinierendes von Anselm Kiefer, Gerhard Richter, Alex Katz, Georg Baselitz und anderen zu sehen. Darunter auch ein paar der berühmten Suppendosen von Andy Warhol und seine Porträts von Mao. Rund 80 Werke präsentieren die Vielfalt künstlerischer Positionen nach 1945. Faszinierend für mich auch die Werke von Gerhard Richter, die ich bis dato nicht kannte.
Die Ausstellung ist bis zum 6.9.2020 zu sehen.

Gerhard Richter Richters Garten (Sommertag), 1999, Albertina, Wien - Dauerleihgabe aus österreichischem Privatbesitz
Gerhard Richter Richters Garten (Sommertag), 1999, Albertina, Wien - Dauerleihgabe aus österreichischem Privatbesitz

Michael Horowitz 

In der Galerie der Basteihalle begeben wir uns zum Abschluss zur High Society, die Michael Horowitz eigentlich seit seinen Jugendjahren durch seine Linse wahrnahm.

Arnold Schwarzenegger © Michael Horowitz
Arnold Schwarzenegger © Michael Horowitz

Ebenfalls bis 6.9.2020 kann man die Schau in die 60er/70er und 80er genießen, und Fotos von all den „Reichen, Schönen und Wichtigen" der damaligen Zeit betrachten.

Fatty George, Al Fats Edwards, Helmut Qualtinger © Michael Horowitz
Fatty George, Al Fats Edwards, Helmut Qualtinger © Michael Horowitz

Helmut Qualtinger findet sich ebenso wie Andre Heller, Erika Pluhar, Udo Proksch oder Arnold Schwarzenegger. Marie Colbin ist zu sehen und Oskar Werner und viele mehr. Eine Rückschau über zwei Jahrzehnte, eine Rückschau in meine Jugend und Kindheit. Einfach schön.

Marie Colbin © Michael Horowitz
Marie Colbin © Michael Horowitz

Mehr über die einzelnen Ausstellungen, Öffnungszeiten und Eintrittspreise findet ihr unter www.albertina.at. Einziger Nachteil beim Besuch der Albertina war die noch herrschende Maskenpflicht. Doch wie wir hören, soll sie ja bald Geschichte sein – der Mindestabstand und damit der Babyelefant bleiben uns allerdings noch länger erhalten. Und damit vielleicht auch die gute Sicht auf die wunderbaren Kunstwerke in der Albertina.

Die Künstler aus Gugging © Michael Horowitz
Die Künstler aus Gugging © Michael Horowitz

Zögert also nicht zu lange mit eurem Besuch. Die Albertina ist täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Die Prunkräume können aus konservatorischen Gründen bei Schlechtwetter und bei Veranstaltungen nur teilweise geöffnet sein. Am besten ihr ruft für aktuelle Tagesinformationen unter +43 1 534 83-0 an.

A Fiaker, wia man net alle Tag' find ….
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